No. 34 Aktuelle
Nachrichten aus Java 20.4.2000
(zusammengestellt von Ch. & K.P.N.
Gossweiler)
1.
Nach den vielen Greultaten, die Muslime und Christen (!) auf den Molukken
verübt haben, rufen fanatische Muslime in Jakarta und anderen Städten weiter
zum “Dschihad” (“Heiliger Krieg”) auf (vgl. Akt. Nachr. Nr. 32,
1.3.2000, Abs. 3; ferner unseren Artikel “Was ist los auf den
Molukken?”). In Jakarta sind die Demonstranten mit gezückten Schwertern
durch die Straßen marschiert. Der Oberkommandant der Dschihad-Kämpfer hatte
sogar eine Zeit lang sein Hauptquartier in Salatiga. Dagegen Kyai Hadji Hasyim
Muzadi, der Vorsitzende der weltgrößten islamischen Organisation, der
indonesischen ‘Nahdlatul Ulama’ (NU – 30 Mill. Mitglieder): “Diese
Djihad-Aufrufe machen alles nur noch schlimmer. Selbst wenn die Djihad-Kämpfer
nicht bis zu den Molukken kommen, dann werden sie hier Unruhe stiften. ... Die
Polizei hätte die Demonstranten sofort verhaften und bestrafen müssen,
schließlich haben sie ohne Genehmigung Waffen mit sich geführt.” Inzwischen hat
die Polizei begonnen, die Dschihad-Kämpfer zu entwaffnen und in ihre Dörfer
zurückzuschicken. Wir beten um Weisheit und Mut vor allem für die NU und andere
gemäßigte islamischen Gruppen sowie für die Reformations-Regierung.
2.
Die 13. Vollversammlung des Indonesischen
Kirchenrates / 'Gemeinschaft der Kirchen in Indonesien' (Persekutuan
Gereja-gereja di Indonesia - PGI) vom 24.-31.3. in Palangkaraya,
Zentral-Kalimantan ist ohne äußere Störungen verlaufen (vgl. Akt. Nachr. Nr. 32,
1.3.2000, Abs. 5). Einige der Teilnehmer waren sogar in islamischen “Klöstern”
(‘Pesantren’) untergebracht und wurden dort vorbildlich versorgt. Die “Fünf
Dokumente der Einheit” / “Dokumente der Einheit 2000” (Gemeinsames
Glaubensbekenntnis, Missionserklärung, Grundordnung des PGI usw.) wurden
entscheidend überarbeitet. Die Einheit der Kirchen soll ausgehend von der
lebendigen, persönlichen Begegnung mit Christus verstanden werden, entsprechend
der Konzeption des indonesischen Theologen Nathan Setiabudi. Pfr. Nathan
Setiabudi (Indonesische Christliche Kirche – GKI) wurde auch zum neuen
Vorsitzenden des PGI gewählt, Pfr. Isak Lambe (Toraja-Kirche) zum
Generalsekretär und Pfr. Mesakh (Bethel-Kirche) zum Finanzreferenten. Die Wahl
der neuen Leitung des PGI hat manche Kritik hervorgerufen. Umso mehr braucht
die neu gewählte Leitung unsere Fürbitte.
3.
Wir danken Gott, daß das Bibliotheks- und Laborgebäude der Christlichen
Mittelschule (SMP) Getasan inzwischen fertiggestellt werden konnte
(vgl. Akt. Nachr.
Nr. 28, 18.11.1999, Abs. 7). Aber leider kann das Gebäude bisher nur
als Aula genutzt werden; die Laboreinrichtungen, Computer und Bücher konnten
bisher noch nicht angeschafft werden. Außerdem müßten die Gehälter für die
Lehrer dringend an die Inflationsrate und an das Lohnniveau der staatlichen
Lehrer (das niedrig genug ist) angepaßt werden. Die staatlichen Lehrer haben
sogar kürzlich eine Lohnerhöhung von 300% gefordert. Wir danken, daß die SMP
Getasan in der Vergangenheit einen fruchtbaren Dienst tun konnte. Yohanes
Sumarno, einer der früheren Schüler der SMP Getasan und des Schülerwohnheimes
in Salatiga , ist z.B. inzwischen Konrektor an einem Gymnasium in der
Provinzhauptstadt Semarang. Deshalb beten wir umso mehr, daß die Schule auch
weiterhin für viele ein Segen wird und auch die dazu benötigten Finanzmittel
erhält. Falls eine der mit uns verbundenen Redaktionen (Missionsbote aus
Neukirchen, Alle Volken, In die Welt – Für die Welt, div. Gemeindeblätter
usw.) eine Übersetzung des Lebensberichtes / Zeugnisses von Yohanes Sumarmo
wünscht, können wir diese gern erstellen.
4.
Trotz aller Hindernisse läuft das Evangelium weiter: Am 16.4. konnten in
Salatiga drei neue Gemeindeglieder getauft werden, vier weitere wurden
konfirmiert, einige weitere bereiten sich auf ihre Taufe vor. Dafür danken wir
Gott.
5.
Wir sind dankbar für den guten Verlauf des Kurses für die
Evangelisten / Laienprediger (Guru Injil) der GKJTU vom 3.-8.4. (vgl. Akt. Nachr. Nr. 33,
28.3.2000, Abs. 5). Die Bild-Illustrationen von Pfr. Timo Garthe zum
“Missionarischen Gemeindeaufbau” waren für alle Teilnehmer sehr eindrucksvoll,
so daß der zweite Teil des Kurses vom 19.-24.6. mit Spannung erwartet wird.
6.
Im Februar und März haben die Mitarbeiter der Ausbildungsabteilung LPPPK
GKJTU 'Sabda Mulya' die Gemeinden besucht, um zusammen mit den Kirchenältesten
/ Presbytern den Erfolg der bisherigen Kurse für die Laienprediger
auszuwerten. Außer vielen wichtigen Anregungen für die weitere Kurse
bekamen die Mitarbeiter der Ausbildungabtielung auch gute Einblicke in die
Situation der einzelnen Gemeinden. Einige Schlaglichter: Wir beten für den
Prediger Sastro Yasmari, der noch stark unter der Fuchtel seines Vaters
(ebenfalls Prediger in derselben Gemeinde) steht. Für den jungen Suyatno
tun wir Fürbitte, der von einigen besserwisserischen Presbytern unter Beschuß
steht. Wir danken für den alten, aber dynamischen Marmo Marmin, der
seinen Nachfolger Senin gut anleitet. ... Und wir beten für die übrigen 30
Teilnehmer, die wir hier nicht alle aufführen können.
7.
Im Studentenwohnheim (‘Asrama’) empfangen die Studenten der Theol. Hochschule
Abdiel entscheidende persönliche Prägung für ihren weiteren Dienst.
Außerdem ist die Unterkunft im Studentenwohnheim wesentlich preisgünstiger als
außerhalb. Leider reicht das bisherige Studentenwohnheim nicht mehr aus, so daß
die meisten Studenten außerhalb wohnen müssen. Deshalb wurde am 31.3. mit dem
Bau eines neuen Studentenwohnheimes begonnen. Wir beten um eine gute, baldige
Fertigstellung.
8.
Der Dienst in der Indonesischen Protestantischen Kirche von Donggala
(Gereja Protestan Indonesia Donggala – GPID) auf Sulawesi / Celebes am 3.
April (vgl. Akt.
Nachr. Nr. 33, 28.3.2000, Abs. 4) gab Christian viele wertvolle Einblicke
in die so ganz andere Situation in Zentral-Sulawesi. Nachdem die GPID im
Okt. 1999 eine Partnerschaft mit dem Kirchenbezirk Kehl der Evang. Landeskirche in Baden unterzeichnet hat,
freute man sich, einen badischen Theologen kennenzulernen, der sein
Lehrvikariat nicht weit von Kehl absolviert hat. Das Seminar selbst fand in
Parigi statt, nicht weit von der Stadt Poso, wo im letzten Jahr fanatische
Muslime mehrere Kirchen zerstört hatten. Kurz vor dem Seminar hatte jemand das
Gerücht verbreitet, die Christen wollten sich bei dem Seminar zusammenrotten um
zurückzuschlagen. Dem müßten die Muslime zuvorkommen ... Um die Situation zu
entschärfen, bewachten zwei islamische Jugendorganisationen die Veranstaltung.
Umgekehrt werden im Juni 2000 bei einem gesamtindonesischen
Koran-Rezitierwettbewerb in Zentral-Sulawesi die Christen mit für die
Sicherheit und Quartiere verantwortlich sein. Trotzdem kam es leider am 18.4.
wieder zu Ausschreitungen in Poso, wenn auch in kleinerem Ausmaß. Wir beten für
ein gutes Miteinander der Religionsgemeinschaften sowie ein mutiges und
zugleich weises missionarisches Zeugnis.
9.
Pia Desideria Ayuningtyas G. feierte am 11. April ihren dritten Geburtstag, Mitte Juni
erwarten wir ihr Geschwisterchen. Wir beten um einen guten Verlauf der
Schwangerschaft und Geburt sowie für eine gute Entwicklung der beiden Kinder
“zwischen zwei Kulturen”.