Gotha GIV



 
 

Die Gotha GIV- der Englandflieger

        Ende 1916 wurden in Deutschland Überlegungen angestellt, wie England aus der Luft angegriffen werden kann.

Es kam zur Aufstellung eines Spezialgeschwaders, des Kampfgeschwaders 3 - auch Kagohl 3 (Kampfgeschwader der obersten Heeresleitung) genannt.

Dieses Geschwader war ausgerüstet mit 30 der neuesten Gotha GIV Langstreckenbomber.

Im Laufe des Jahres 1917 wurden mehrfach Angriffe mit diesen Flugzeugen geflogen.

Da mein Großvater, Adolf Genth damals dabei war, und aus dieser Zeit einige, wie ich meine, sehr interessante Aufnahmen erhalten geblieben sind, habe ich mich entschlossen diese Photos via Homepage anderen Interessierten zugänglich zu machen.

Die Grafik oben zeigt die Gotha GIV mit der Kennung RG (für die Besatzung Radcke/Genth), die Einsatzmaschine meines Großvaters 1917 (Grafik erstellt von Y. Duwelz, Belgien).


Die Gotha GIV


Sanke Postkarte einer Gotha GIV

Eine Sanke Postkarte die eine Gotha GIV zeigt. Auch auf dem Original ist leider nicht ganz eindeutig zu erkennen ob es die 406/16 (das Flugzeug meines Großvaters) oder die 408/16 - eine Maschine desselben Bauloses der Gothaer Waggonfabrik ist.

Hersteller Gothaer Waggonfabrik sowie Lizensbauten von LVG (Luft-Verkehrs-Gesellschaft) und SSW       (Siemens-Schuckert Werke) - 

Insgesamt wurden 232 Flugzeuge gebaut. 

Die Registrierungen der bei der Gothaer Waggonfabrik gebauten Maschinen umfassten dabei Nummern v. 401 - 412 und 600 - 624 sowie 649 - 663/16.

Rumpf Sperrholzkonstruktion
Tragflächen Mit Stoff bespannte Holzkonstruktion
Motoren Zwei Mercedes D.IVa Motoren mit je 260 PS
Besatzung Drei Mann   -   1 Kommandant/Navigator/Beobachter/Bombenschütze/MG - Schütze vorn 

                       1Pilot 

                       1 Heckschütze

Bewaffnung Drei 7.92 mm Parabellum MG - eines vorne, zwei beim Heckschützen jeweils eins für den Bereich über dem Rumpf und eines für den Bereich unter dem Rumpf ( siehe Besonderheiten). 

Diverse Bomben - bei Tageseinsätzen maximal sieben 50 Kg Bomben, Standard waren 50 und 12,5 Kg Bomben. Bei späteren Nachteinsätzen wurden auch 100 und 300 Kg Bomben verwendet.

                                                     

Verschiedene Bombentypen die beim Einsatz der Gotha Verwendung fanden. Im Hintergrund eine Gotha GV (Foto via Fernando Lamas USA)

Zur Erhöhung der Treffergenauigkeit beim Bombenwurf wurde erstmals das Goerz Bombenzielgerät eingebaut. Diese Entwicklung basierte auf einem Zeiss - Teleskop und arbeitete mit einem Prisma und einem Linsen - System, ein absolutes high tech - Gerät zur damaligen Zeit.

Das Cockpit war durchgängig begehbar und mit ca . 4,2 m relativ gross.

Abmessungen :

       Spannweite : 21,5 m

       Länge :          11,5 m

Besonderheiten : Der sog. ' Gotha Tunnel ' - eine Aussparung in Form eines umgedrehten ' V ' im hinteren Rumpf, die es dem Heckschützen ermöglichte auf von hinten - unten angreifende Gegner zu feuern, diese Konstruktion hatte für einige Verwirrung bei den englischen Piloten geführt, bis Einzelheiten darüber bekannt wurden.

Die Basen der Gothas befanden sich im besetzten Belgien und waren ständigen Angriffen alliierter Flieger ausgesetzt, die von nahegelegenen Flugplätzen in Frankreich starteten. (Karte aus ' The Gotha Summer ' von C.M.White / Robert Hale Verlag - London)

                    Oberleutnant v. Trotha

Gotha GIV , Kennung 405/16 , Flugzeug des Oberleutnant v. Trotha  über Belgien 1917, der Schatten unterhalb des hinteren MG's ist eine Öffnung, durch die der Schütze durch den hohlen Rumpf auf feindliche Flugzeuge die von hinten unten angriffen ,feuern konnte.

Oberleutnant v.Trotha kam am 19.06.1917 beim Absturz einer von Ihm geflogenen doppelsitzigen Albatros ums Leben (Motorausfall), der Passagier war Hauptmann Brandenburg Kommandeur des KG3, der soeben vom Kaiser den Pour le Merite erhalten hatte.Brandenburg überlebte schwer verletzt, musste aber das Kommando an Hauptmann Kleine abgeben.

                     GenthRadke            

Das Flugzeug meines Grossvaters, die Gotha GIV 406 /16 kurz vor dem Start(hier noch ohne 'RG' an der Seite. Die Registrierung weist sie als eine Maschine des ersten Bauloses aus, daß direkt von der Gothaer Waggonfabrik gebaut wurde. Die Registrierungen der ersten GIV waren : 401 - 412/16 also insgesamt 12 Flugzeuge. Die 401/16 und 402/16 wurden im November 1916 zur Fronterprobung an das Kagohl 2 geliefert - diese Maschine dürfte im März 1917 an das Kagohl 3 gegangen sein (aus ' Gotha '  v. Peter M.Grosz 1995).

                                         

(Links) Bei einer Demonstration des Flugzeuges in St. Denijs-Westrem (Belgien)  mit General Ludendorf, (rechts) Sanke Postkarte aus der damaligen Zeit, die eine Gotha GV zeigt.                                                                                                

                              

(Links) Paradeaufstellung des KG3 in St. Denijs-Westrem , vor dem ersten Einsatz nach England am 25.05.1917.

Die Flugzeuge mussten allerdings vorher in Nieuwmunster an der belgischen Küste zwischenlanden um nachzutanken, da noch nicht bei allen Maschinen ein zusätzlicher 70 Gallonen Tank eingebaut worden war und einigen Gothas sonst unter Umständen der Sprit ausgegangen wäre.

(Rechts) beim Zwischenstopp am 25.05.1917 kurz vor dem  endgültigen Start nach England (Nieuwmunster - Belgien) .Im Hintergrund ein Bruch einer Gotha. Die Flugzeuge am rechten Bildrand scheinen mir identisch mit denen der kanadischen Website zwei Aufnahmen weiter.Die Gotha im Zentrum der Aufnahme ist wieder die 405/16, also das Flugzeug von v.Ttrothas.

                               

(Links) auch das Flugzeug meines Großvaters , die 'RG' ist dabei, sie rollt gerade am linken Bildrand zur Startposition.

(Rechts ) ein Foto aus einer kanadischen Webseite, die ' RG ' in der Mitte des Bildes. Es gehört meiner Meinung nach eindeutig zu der Serie aus Nieuwmunster  (Zwischenlandung) v. 25.05.17.

                                    

(Links) das Flugzeug meines Großvaters am 7.7.1917 kurz vor London, die Kennung RG steht für die Besatzung Radke,Genth, bei genauem hinsehen kann man ihn(Grossvater) vorne erkennen, auch die Bomben und der ' Gotha  Tunnel `im Heck sind sichtbar.Von den 24 gestarteten Gothas mussten zwei kurz nach dem Start wegen Motorproblemen umkehren (die Motoren waren sehr unzuverlässig)), so daß 22 Maschinen die englische Küste in Richtung London überflogen.

(Rechts) Pilot Radke und Vizefeldwebel Gaede (Heckschütze) während des Fluges.

Die Unzuverlässigkeit der damaligen Motoren war ein großes Problem, im Zusammenhang mit dem schwierigen Flugverhalten nach dem Bombenabwurf waren die meisten Verluste auf diese beiden Ursachen zurückzuführen. Abschüsse durch gegnerische Flugzeuge oder Flak waren eher die Ausnahme.

                                       

(Links) Bruch Noack , Witte (Namen der Besatzung - Kommandant , Pilot). Der Unfall ereignete sich am 20.06.1917 in Gontrode in der Nähe der belgischen Stadt Ghent.

Der Pilot Paul Witte, überlebte den ersten Weltkrieg und brachte es später zum Lufthansa - Kapitän und diente anschließend im zweiten Weltkrieg als Transportflieger im Range eines Majors.

Er überlebte auch den zweiten Weltkrieg und starb 1963 nachdem er sich  weiterhin  in der Zivilfliegerei betätigt hatte. (Cross + Cockade Journal (USA) Vol 20, No.2 Sommer 1979).

(Rechts) daß es nicht immer so glimpflich ausging ist hier zu sehen.Die Gotha war nach Abwurf der Bomben stark schwanzlastig und dadurch sehr schwer zu fliegen, die meisten Verluste traten durch Unfälle bei der Landung auf. Hier der Todessturz von Vizefeldwebel Brandt und seiner Besatzung.

                                     

Gotha's in Gontrode (Melle - Belgien). Im Hintergrund die grossen Zeppelin Hallen, die nun von den Gothas genutzt wurden, da die Angriffe mit Zeppelinen sich als zu verlustreich herausgestellt hatten. Rechts der Besuch von seiner Exellenz v. Hoeppner.

                                             

Gotha GIV beim ' Einhallen' und rechts im ehemaligen Zeppelinhangar in Melle Gontrode, ein Mechaniker bei der Wartung der Motoren der  412/16  (wegen der langen Belichtungszeit in der dunklen Halle - fast nur als ' Geist' vor dem linken Motor sichtbar.

                                            

(Links) Die Besatzung einer Gotha. Da es in 16000  ft (ca. 4900m ) Höhe sehr kalt ist, musste die Besatzung Vorkehrungen treffen sich dagegen zu schützen.Die Maschinengewehre hatten bereits eine elektrische Heizung um Ausfällen vorzubeugen, aber man verzichtete auch auf eher konservative Maßnahmen nicht, statt Funkgeräten wurden Brieftauben mitgenommen.

Am ' Kinn ' der Gotha deutlich zu sehen, die Verkleidung des Goerz Bombenvisiers.

Rechts ein Gruppenbild mit Angehörigen der Staffel 13, mein Grossvater vorne rechts.

Ein weiteres Problem war die Sauerstoffversorgung in großer Höhe - ein bis dato unbekanntes Phänomen. Zu diesem Zweck führten die Besatzungen tragbare mit flüssigem Sauerstoff gefüllte Tanks mit, es gibt allerdings Gerüchte, wonach diese nicht besonders beliebt waren und man sich - bei Bedarf mit einem Schluck Cognac half ......

                                    

(Links) Bodenpersonal beim Befüllen der flüssig - Sauerstofftanks (via I.Duwelz) und so (rechts) sahen die Sauerstoffmasken damals aus - ein Gotha GV MG-Schütze mit ' Pfeife ' im Mund durch den der verdampfte flüssige Sauerstoff einfach eingesogen wurde (via Y. Duwelz).

   

   

St.Denijs - Westrem mit 17 Gothas belegt                          

             

Eine Gotha am Abendhimmel .....

Radke mit Hund

Radke mit Hund vor einer Gotha GIV (Belgien 1917)

Belgien 1917

Mein Großvater links, Radke mit Hund.......

Cockpit einer Gotha GIV, man beachte den preußischen Adler, sowie das ausgeschnittene Fenster der Cockpitverkleidung oben - so kam Licht bis zu den Instrumenten - es gab damals noch keine elektrische Instrumenten - Beleuchtung. Nachts dürfte es dennoch nicht einfach gewesen sein etwas zu erkennen ..... (Luftwaffenmuseum) 

Cockpit Gotha GIV

Zum Vergleich, das Cockpit einer Gotha GV, rechts der Durchgang zum  Bombenschützen (IWM)

Hauptmann Brandenburg im Kreise seiner Leute, im Hintergrund ein etwas lädiertes Wrack eines Handley-Page Bombers, während einer Nachtluftjagd gelang Adolf Genth ein Abschuß dieses Bombers.

Gruppenaufnahme

von links nach rechts, Genth,Radke,Brandenburg,Stöhr,unbekannt..

Originalzeichnung aus den Kriegserinnerungen Adolf Genth 1917

Gotha GIV 408/16

Gotha GIV 408/16 (Luftwaffenmuseum )


Hier noch eine Nachlese von Fotos, die mir freundlicherweise von Philippe Ballarini (Frankreich) zugesandt wurden (Quelle Imperial War Museum):

Gotha GIV 607/16,Werksfoto Gotha GIV  607/16, eine Aufnahme der Gothaer Waggonfabrik (IWM)

Motor einer Gotha GIV  Dieser Mercedes  D.IVa - Motor eines abgeschossenen Gotha Bombers wurde nach dem Nachtangriff am 06.12.1917 auf dem Trafalgar Square  in London öffentlich zur Schau gestellt.(IWM)


Eine original erhaltene Gotha GIV/V gibt es meines Wissens nicht, lediglich im Luftfahrtmuseum in Brüssel (Belgien) ist ein erhaltener Mercedes D.IVa Motor zu bewundern, obwohl dieser Typ auch in anderen Ländern (z.B.Polen, Niederlande ..) eingesetzt wurde.

Gotha GIV - Replika

In den USA soll demnächst ein flugfähiger Nachbau entstehen, der Erbauer hat mir versprochen mich auf dem Laufenden zu halten - falls es etwas Neues gibt werde ich darüber berichten.

Heute, am 12.05.2002 war es soweit, ich habe die ersten Fotos des Gotha GIV - Nachbaues erhalten.Dank an Ron Bloomquist (dem Erbauer) dafür.

Sowie es weitere Neuigkeiten gibt werde ich diese hier einbringen.

Gotha Nachbau in Stahlrohrbauweise ....

Man benötigt natürlich einen eher etwas größeren Bastelkeller für Projekte dieser Größe ...

Das Rumpfgerüst entstand  - anders als beim Original (Holz) - in Stahlrohrbauweise, eine Maßnahme, die die Stabilität der Maschine erhöhen dürfte, aber sicherlich auch Einfluß auf das Gewicht nehmen wird.

Ich bin schon sehr gespannt wie es weitergehen wird............

Rumpfgerüst von vorn

Im Musee de l'air in Paris gibt (oder gab - ich weiß nicht ob es noch dort ist) es ein sehr schönes Modell der Gotha GIV.

Anläßlich meines Besuches dort 1992 entstanden diese beiden Fotos davon:

                                               Gotha GIV - Paris musee de l'air

Noch ein handgearbeitetes sehr schönes Model ist auf der Website von Mr. Robert Karr (USA) zu sehen (Webseite siehe Gästebuch).

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Thomas Genth
tgenth@aol.com
Datum der letzten Änderung: 12.05.2002