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Und Zeit heilt doch nicht alle Wunden

Berlin. Knapp ein Jahr, nachdem Laura Hamburg verlassen hat.Laura stand im Büro von Professor Schmitt, dem Chef des Berliner Großklinikums. "Es tut mir wirklich leid, Frau Dr. Timm, dass ich ihnen so kurz vor Jahresende diese Mitteilung machen muss. Die Umstrukturierung fordert ihren Tribut. Aber sie sind ja noch jung und über eine so engagierte Ärztin, wie sie es sind, kann sich doch jedes Klinikum nur freuen.", beendete der Professor das Gespräch. Laura stand ziemlich benommen da. "Schon wieder ohne Job, was mache ich nur falsch?", dachte sie bei sich und setzte dann laut hinzu: "Und was ist mit dem Ärztesymposium nächste Woche?" Prof. Schmitt lächelte: "Daran nehmen sie natürlich wie geplant teil, die Kündigung wirkt doch erst zum 31.11. ! Kopf hoch, Frau Timm, das wird schon." Laura nickte gequält, verabschiedete sich höflich und verließ das Büro.
Sie hatte wieder einmal eine anstrengende Nachtschicht hinter sich gebracht, war dann aber pflichtbewusst, wie sie nun einmal war, noch zur allwöchentlichen Besprechung geblieben. Im Anschluss an diese war ich und zwei weiteren Kollegen dann eröffnet worden, dass sie ihren Job verlieren würden. Niedergeschlagen ging Laura nach Hause. "Was soll ich denn nun tun? Ich habe keine Ahnung, wo ich mich nun schon wieder um einen Job bewerben soll. Hier in Berlin gibt es keine Jobs mehr, aber ich will auch nicht schon wieder in eine neue Stadt ziehen, wo ich niemanden kenne.", seufzte sie und ließ sich auf eine Bank am Wegesrand fallen. Seit langer Zeit war sie mal wieder den Tränen nahe...


Am selben Morgen im St. Angela in Hamburg.
"Zum letzten Mal Götz", donnerte Prof. Gerlach, "Du wirst hierbleiben und deine Pflichten als Stationsarzt wahrnehmen. Du wirst das schon gemeinsam mit Dr. Korin und Dr. Zwenger schaffen." "Aber ich...", begann Götz, "Du bist doch sonst immer so auf meine Förderung bedacht, Peter!" setzte er stichelnd hinzu. "Ich will davon jetzt nichts mehr hören. Dr. Weiser und ich werden zum Ärztesymposium fahren und du wirst hier solange die Verantwortung übernehmen und damit basta! Und jetzt mach' dich an die Arbeit.", fuhr Prof. Gerlach seinen Neffen schroff an. Götz verließ eingeschnappt das Zimmer und schloß die Tür nicht gerade leise hinter sich. Auf dem Flur lief er Kathrin in die Arme. "Na, darfst du nicht mitfahren? Das tut mir jetzt aber leid!", stichelte die sofort und lächelte Götz zuckersüß an, "Aber so haben wir wenigstens ein bisschen Zeit für uns." Götz, dessen Wut nun überkochte, fuhr sie an: "Was bildest du dir eigentlich ein. Ich will nichts von dir, habe nie etwas von dir gewollt und ich werde dich auch nie haben wollen. Du kannst mich mal!" Er war so in Fahrt geraten, dass seine Worte auch dem schwerhörigsten aller Patienten zu Ohren gekommen sein mussten. Wütend drehte Götz sich um und ging in sein Büro. Kathrin sah ihm etwas betreten nach. Dr. Zwenger nährte sich ihr feixend: "Na haben sie es noch immer nicht aufgegeben. Aber machen sie ruhig weiter, so haben wenigstens alle ihren Spaß!" Wutschnaubend entschwand nun auch Kathrin - in Richtung Schwesternzimmer.


Als Götz allein in seinem Büro war und sich wieder etwas beruhigt hatte, machte er sich daran seine unzähligen Akten, die sich auf, unter und neben dem Schreibtisch stapelten zu ordnen. Fast war er damit fertig, da fielen ihm seine alten Aufzeichnungen für den Unterricht der Pflegeschüler in die Hände. "Oh nein, was machen die denn hier?", ärgerte er sich, "die hätten doch schon längst im Archiv hinterlegt werden müssen. Naja, wenigstens kann ich das nächste Woche unbemerkt erledigen." Er setzte sich um die Blätter zu ordnen und vernünftig abzuheften. Doch halt, dass waren ja gar nicht seine Unterlagen - es waren Lauras. "Laura!", schoss es Götz durch den Kopf, "Wie lange habe ich schon nicht mehr an sie gedacht." Es war nun fast ein Jahr her, seitdem er das letzte Mal etwas von ihr gehört hatte, aber jetzt, als es die von ihr beschriebenen Blätter in den Händen hielt, übermannte ihn wieder ein Gefühl von Wut und Trauer. "Wie blöd bin ich denn eigentlich?", schimpfte er in Gedanken über sich selber, "Sie hat mich einfach so verlassen, ohne ein Wort, aber ich trauere ihr noch nach..... Trotzdem, ich kann sie einfach nicht vergessen, sie ist für mich nun einmal die Frau meines Lebens gewesen, aber ich werde sie wohl nie mehr wiedersehen." "Warum müssen die Dinge nur immer so kompliziert sein.?", fragte er sein Spiegelbild. Die Gedanken an Laura beschäftigten ihn noch eine ganze Weile. Schließlich beschloss Götz jedoch, dass die Grübelei ohnehin sinnlos sei und machte sich auf den Weg in die Cafeteria. Auf dem Weg dorthin, kam er zufällig, oder war er ganz bewusst diesen Weg gegangen, an dem Fenster vorbei, durch das er Laura zum aller letzen Mal gesehen hatte. Wieder hatte Götz das Gefühl, dass ihm etwas die Luft abschnürte. Wie ein Blitz schoß es ihm plötzlich durch den Kopf: "Heute ist der 15. 11! Es ist jetzt auf den Tag genau ein Jahr her, seit ich Stationsarzt bin und seit Laura mich verlassen hatte." Traurig trottete er zurück in sein Büro. Götz konnte sich zwar nicht erklären, warum all diese Gefühle gerade jetzt wieder in ihm aufstiegen, aber er konnte es auch nicht verhindern. "Und ich dachte wirklich, ich wäre über die Trennung von Laura hinweg.", dachte er niedergeschlagen. Götz zog die Schreibtischschublade auf und kramte ein Foto heraus, welches Laura und ihn selbst bei einer Bootsfahrt auf der Elbe zeigte. Zärtlich strich er mit dem Finger über Lauras Gesicht. "Ach Laura, warum tust du mir das an? Wenn ich doch nur wirklich über deine Wangen streicheln dürfte. Ich habe nie verstanden, warum du gegangen bist, so ganz ohne ein Wort...", flüsterte Götz und unmerklich floss eine Träne über seine linke Wange.
Poch- Poch! Es klopfte. Hastig stopfte Götz die Fotografie weg, wischte sich über das Gesicht und rief mit möglichst fester Stimme: "Herein!" Es war Jule: "Götz komm schnell, die Patienten von der 406 klagt über wahnsinnige Schmerzen im Unterleib" "Ich komme", erwiderte dieser und lief der Pflegeschülerin nach.


Eine Woche später in Stuttgart auf dem Ärztesymposium
"..... Und so hoffe ich, dass wir alle einige sehr interessante Tage hier verbringen werden. Ich wünsche ihnen allen einen angenehmen Aufenthalt!", beendete Prof. Dr. Dr. Schneider seine Ansprache zur Eröffnung des Symposiums. Zustimmendes Gemurmel und Beifall hoben an.


Professor Gerlach unterhielt sich angeregt mit einigen seiner Kollegen aus München. Weiser, der daneben stand, kam sich unter den Professoren etwas verloren vor und beschloss sich nun seinerseits auf die Suche nach bekannten Gesichtern zu begeben. "Wenn sie mich entschuldigen würde...", sagte er und entfernte sich. Eine Weile streifte er ziellos durch den Saal, doch war seine Suche erfolglos. Doch da. "Ah, da ist ja meine Studienkollege Thomas Martin.", freute er sich. Diese unterhielt sich gerade mit zwei Frauen. Weiser nährte sich der Gruppe und begrüßte den Mann schon von weitem: "Hallo Thomas! Schön sich zu sehen!" "Hallo Maximilian! Ich freue mich auch.", erwiderte dieser. In dem Moment drehte sich eine der beiden Frauen um. "Laura!", rief Weiser erfreut und erstaunt zugleich, "Du hier, dass hätte ich nicht erwartet." Laura, die auch erfreut war endlich jemanden zu treffen, von dem sie wusste, dass er ihr wohlgesonnen war, entgegnete frech: "Tja auch deine kleine Studentin von früher macht Karriere, also muss du wirst du mich wohl in Zukunft öfter bei solchen Veranstaltungen antreffen können." "Na das ist ja toll! Ich freue mich wirklich dich zu sehen!", lachte Weiser und umarmte sie freundschaftlich. "Andererseits...", setzte Laura nun etwas betrübt hinzu, "Nein, du wirst mich demnächst wohl doch nicht so oft treffen, zumindest nicht zu solchen Anlässen..." Weiser sah Laura etwas verwirrt an: "Wieso?" "Ach, Maximilian, das möchte ich jetzt hier nicht so verbreiten. Aber ich könnte schon mal jemandem zum Reden brauchen..." "Wenn du willst, können wir ja das kostenlose Essen hier sausen lassen und uns ein gemütliches Restaurant suchen, wo wir ungestört sind. Was hältst du davon?", ermunterte Weiser, die sichtlich betrübte Laura. "Das wäre wirklich schön.", freute sich diese. "Gut, dann sage ich nur noch kurz Prof. Gerlach Bescheid.", meinte Weiser und wollte sich schon entfernen. "Wie Gerlach ist auch hier?", Laura sah ihn erschrocken an und setzte dann hinzu: "Und Götz?" "Nein nur der Professor.", beruhigte Weiser, "Willst du ihm nicht auch guten Tag sagen?" "Wenn du meinst...", erwiderte Laura skeptisch, ließ sich dann aber doch zu ihm führen.



Wenig später in einem kleinen Restaurant


Laura und Dr. Weiser saßen sich an einem kleinen Tisch gegenüber und warteten auf das Essen. "Na was hast du denn nun auf dem Herzen, Laura?", begann Weiser das Gespräch.


Diese seufzte leise und fing dann an zu erzählen: "Maximilian, ich weiß mal wieder nicht mehr weiter. Ich war so glücklich mit meinem Job hier in Berlin und ich konnte....", sie unterbrach sich selber und setzte dann erneut an, "Maximilian, ich bin gefeuert worden. Ab 31. stehe ich wieder auf der Straße und vor dem Nichts." "Laura, was ist denn nun schon wieder passiert?", meinte Weiser erschrocken. "Diesmal gar nichts", lächelte diese gequält, "meine und zwei weitere Stellen sind im Rahmen einer Umstrukturierung des Klinikums gestrichen worden. Aber ich bin ja noch jung, da werde ich schon wieder was finden. ", setzte sie zynisch hinzu und war erneut den Tränen nahe. "Laura, das tut mir wirklich leid für dich", Weiser drückte ihre Hand, "Du hast es in deinem jungen Ärzteleben bis jetzt wirklich nicht leicht gehabt..." "Und werde es wohl auch nie leicht haben!", unterbrach ihn Laura, "Mit dem Lebenslauf! Was sollen den künftige Arbeitgeber von mir denken? Fehler als AIP in der Berliner Charité, dann der Wechsel nach Hamburg zu euch. Wieder eine verlorene Stelle. Assistenzärztin in Berlin und eine erneute Entlassung!" Jetzt rannen ihr wirklich Tränen über die Wangen. "Laura, Laura! Hey komm, nicht weinen! Du bist doch sonst immer so ein Kämpfertyp gewesen, du schaffst das, da bin ich mir hundertprozentig sicher!", versuchte Weiser zu trösten. Laura aber schluchzte weiter: "Ach Maximilian, ich will aber nicht schon wieder in eine neue Stadt ziehen, ich bin schon in Hamburg und ehrlich gesagt auch in Berlin ziemlich einsam gewesen. In Hamburg hatte ich aber wenigstens noch...." Hier brach sie ab, nein sie wollte diesen Namen jetzt nicht aussprechen. "Warum kommt er mir gerade jetzt in den Sinn?", dachte sie bei sich. "Habe ich denn die Trennung , die ich doch selber wollte noch immer nicht hinter mir gelassen?" Laura ärgerte sich über sich selbst, was ihr noch mehr Tränen in die Augen trieb, oder war es doch die Sehnsucht nach Liebe und vor allem nach Götz? "Laura?", Weiser sah sie fragend an, "Hörst du mir überhaupt zu?" "Wie? Was hast du gesagt?", verwirrt blickte Laura ihren ehemaligen Mentor an. "Ach, vergiß es, beruhige dich erstmal. Da kommt ja auch das Essen.", beendete Weiser taktvoll das Gespräch. Laura wischte sich die Tränen ab und die beiden begannen zu essen.

 


Am nächsten Morgen im Hotel (Stuttgart)


Prof. Gerlach und Dr. Weiser saßen gemeinsam bei Frühstück, welches sie in aller Ruhe genießen konnten, da der erste Vortrag mit anschließender Diskussion erst für 11.00 Uhr angesetzt war. "Und hatten sie gestern einen netten Abend mit Frau Dr. Timm?", wandte sich Gerlach an Weiser. "Ja und nein.", erwiderte dieser wortkarg. "Wie darf ich dann das verstehen?", lächelte der Professor. "Naja, Laura hat mir erzählt, dass sie zum Ende des Monats ihre Stelle im Großklinikum Berlin verlieren wird. Sie wurde im Rahmen einer Umstrukturierung gestrichen.", ließ sich Dr. Weiser nun doch zu einer Erklärung hinreißen. "Wie?", Prof. Gerlach war sichtlich erschrocken, "Frau Timm ist doch nun wirklich keine Ärztin, die man so einfach feuert!" Weiser blickte ihn etwas verärgert an: "Entschuldigen sie, wenn ich das jetzt so sagen, aber sie haben Frau Timm auch keine Stelle verschafft und sie noch nicht einmal rechtzeitig darüber informiert, dass sie keine Facharztstelle bekommt." Prof. Gerlach schaute Weiser zunächst gereizt an, lenkte dann aber ein: "Vielleicht haben sie mit dem, was sie da sagen gar nicht so unrecht Dr. Weiser. Aber ich halte Frau Dr. Timm für eine sehr kompetente Ärztin und ihre energische und engagierte Art wird sie meiner Meinung nach noch weit nach oben führen. Ich gebe zu, dass ich damals eine gewisse Antipathie gegen Frau Timm gehegt habe, wegen der Sache mit meinem Neffen, aber die Stelle konnte ich ihr beim besten Willen nicht verschaffen." "Aber die hätten sie informieren können!", Weiser war noch immer nicht zufrieden. "Herr Dr. Weiser ich verbitte mir diesen Ton, wir sind doch bisher immer gut miteinander klargekommen. Aber wenn ihnen wirklich so viel an Frau Timm liegt, hätte ich da einen Vorschlag....", erwiderte Prof. Gerlach, der seine Wut auf den Kollegen nun wieder unter Kontrolle hatte.

 

Dr. Weiser blickte erstaunt auf. "Ja nun schauen sie mich nicht so fragend an. Ich habe auch ein Herz, besonders für so junge Ärzte bzw. Ärztinnen, wie Frau Dr. Timm eine ist. Sie wissen doch, dass ich im Senat eine weitere Stelle lockermachen konnte. Da ich weiß, dass Frau Timm wirklich hochkompetent, verläßlich und naja ich sage mal engagiert ist, würde ich ihr die Stelle anbieten..." Dr. Weiser sah seinen Chef entgeistert an: "Das würden sie tun? Trotz der Sache mit ihrem Neffen?" Prof. Gerlach blickte fast ein wenig betreten beiseite, ehe er antwortet: "Dr. Weiser, ich habe einen Fehler gemacht, als ich versuchte Götz seine Gefühle für diese Frau auszureden. Er ist seither nicht mehr der Alte. In letzter Zeit wird es zwar besser, aber das vergangene Jahr war anstrengend genug. Ich werde ihn zwar auf diese Art in einen erneuten Konflikt stürzen und Frau Timm sicherlich auch, aber es ist das mindeste was ich tun kann, ihr zumindest das Angebot zu unterbreiten und jetzt entschuldigen sie mich, ich brauche ein wenig frische Luft...." Prof. Gerlach erhob sich und ließ seinen Kollegen zurück, der ihm kopfschüttelnd nachsah...



Am Nachmittag desselben Tages im Messezentrum
Der Vortrag über die Möglichkeiten, welche die Gentechnik im Bereich der Früherkennung und Heilung von Organschäden bieten könnte, war vorüber. Dr. Weiser und Prof. Gerlach waren nun auf der Suche nach Laura, denn Prof. Gerlach wollte "die Angelegenheit" schnellstmöglich erledigen. "Das vorne ist sie!", rief Weiser plötzlich und lief Laura nach, sodass der Professor Mühe hatte mit ihm Schritt zu halten. "Laura, warte!", Weiser hielt sie am Arm zurück. "Maximilian!", Laura blieb stehen und drehte sich zu ihm um. "Na geht es dir wieder etwas besser?", fragte dieser sie besorgt. "Danke, muss ja.", lächelte sie zurück. Inzwischen war auch Prof. Gerlach zu den beiden gestoßen. "Guten Tag Frau Timm!", begrüßte er Laura und streckte ihr die Hand entgegen. "Prof. Dr. Gerlach. Schön sie zu sehen. Hat ihnen die Präsentation zugesagt?", fragte Laura höflich. "Ja, ja sehr interessant.", antwortete dieser zerstreut, "Entschuldigen sie, wenn ich sie jetzt sie einfach damit überrumple, aber Dr. Weiser hat mir über ihre missliche Lage berichtet." Laura sah Dr. Weiser erschrocken an und wollte gerade zu einem entsetzten "Was hast du!" ansetzen, als Prof. Gerlach, der sich sichtlich unwohl in seiner Haut fühlte, weiter sprach: "Im St. Angela wird es ab nächsten Monat eine zusätzlich Stelle geben. Ich würde mich freuen, sie wieder bei und begrüßen zu dürfen Frau Dr. Timm." Laura starrte ihn verwirrt an und stammelte dann: "Herr Professor, ich... ich danke ihnen vielmals. Dieses Angebt kommt wie gerufen, aber sie werden vielleicht Verständnis dafür haben, dass ich diese Entscheidung nicht hier und jetzt übers Knie brechen möchte." "Natürlich, natürlich! Aber lassen sie sich nicht zu viel Zeit. Sie entschuldigen mich!", und damit war Prof. Gerlach auch schon verschwunden. Laura und Dr. Weiser standen jetzt nur noch allein in dem großen Saal. "Maximilian, warum hast du..." "Laura, ich wollte es ihm nicht sagen.", unterbrach sie dieser, "Es war ein unglücklicher Zufall, er hat mich sozusagen direkt darauf angesprochen.... Es tut mir leid." "Nein, nein schon gut Maximilian, ich würde mich über das Angebot riesig freuen, wenn da nur nicht...", wieder stockte Laura. "Wenn da nur nicht Götz Gerlach wäre, habe ich recht?", Weiser grinste. "Du hast es erfasst.", antwortete Laura. "Komm' lass uns ein Stück spazierengehen, dann können wir über alles reden", Dr. Weiser fasste Laura am Arm und zog sie nach draußen....



Am selben Abend im Hotel bei Essen
Prof. Gerlach saß allein am Tisch und wartete auch Dr. Weiser. Dieser erschien wenig später in Begleitung von Laura. "Guten Abend Herr Prof.", begrüßte ihn Laura. "Guten Abend Frau Timm. Setzen sie sich.", bot dieser ihr einen Stuhl an. "Ich möchte mich nochmals bei ihnen entschuldigen, dass ich sie heute nachmittag so überrumpelt habe, ich hoffe, sie nehmen mir das nicht übel?" "Keineswegs Herr Prof. Gerlach.", lächelte Laura, "Wie könnte ich? Sie haben mir ein Angebot gemacht, dass mir in meiner Situation wirklich wie gerufen kommt." "Heißt das, sie haben sich entschieden? ", richtete Prof. Gerlach einen fragenden Blick auf Laura. "Ja, wenn sie wirklich bereit sind mir die Stelle zu geben, so werde ich ihr Angebot sehr gerne annehmen. Maximilian (sie schenkte Weiser einen dankbaren Seitenblick) hat mich überzeugt und meine anfänglichen Zweifel ausgeräumt.", Laura sah den Professor erwartungsvoll an. "Gut Frau Timm", erwiderte dieser, "Dann werde ich ihnen gleich nächste Woche den Arbeitsvertrag zuschicken. Alles weitere können wir ja auch telefonisch regeln. Ich freue mich, dass sie sich für uns entschieden haben.", lächelte Gerlach gequält. "Darauf müssen wir anstoßen. Willkommen zurück Laura, ich freue mich!", rettete Dr. Weiser die peinliche Situation und erhob sein Glas. Laura lächelte ihn glücklich an.



Wenige Tage später in Hamburg.
"Na siehst du, hat doch alles prima geklappt, Götz.", Prof. Gerlach, der an diesem Morgen vom Ärztesymposium zurückgekehrt war, klopfte seinem Neffen anerkennend auf die Schulter. "Du hast dir jetzt wirklich ein paar Tage Urlaub verdient, was meinst du?" "Naja ich weiß nicht", erwiderte Götz skeptisch, denn in seinem Unterbewusstsein scheute er sich noch immer vor dem Alleinsein, oder wenn er ehrlich war, seit Neuestem wieder mehr als noch vor ein paar Monaten. Laura ging ihm seit dem Tag, an dem er ihre Unterlagen gefunden hatte nicht mehr aus dem Kopf. "Doch, doch! Aber leider kann ich dir erst in ein paar Wochen freigeben, da Frau Dr. Korin aufgrund ihrer Grippe wohl noch einige Zeit lang ausfallen wird.", bekräftigte sein Onkel. "Na gut, wir können ja noch mal drüber reden, aber jetzt muss ich in den OP!", verabschiedete sich Götz. "Nichts da, du wirst fahren und zwar genau dann, wenn Frau Timm hier wieder anfängt.", dachte Prof. Gerlach bei sich.



Wenige Wochen später in Berlin
Laura war dabei ihre Sachen zu verpacken. Der Umzug nach Hamburg stand bevor. Heute hatte sie ihren letzten Tag im Großklinikum gehabt und am 5.12. sollte sie im St. Angela anfangen. Sie lief die Treppen zum Keller hinunter um weitere Kartons heraufzuholen und um nachzusehen, was sie von dort noch mitnehmen musste. In der hintersten Ecke des Regals stand ein Schuhkarton, ziemlich eingestaubt, aber er war da. Laura zog ihn hervor und trug ihn mit den anderen Dingen hinauf in die Wohnung, welche ziemlich chaotisch aussah. Sie setze sich an den Küchentisch und öffnete ihn. "Ich muss das jetzt tun, dachte sie, "sonst gibt es in Hamburg gleich die nächste Katastrophe." Mit zitternden Fingern hob sie den Deckel von der Schachtel, welche die vielen Fotos von ihr und Götz, seine unzähligen Briefe, die er ihr geschrieben hatte, nachdem sie gegangen war und viele weitere Dinge, die Laura an Götz erinnerten, beinhaltete. Laura öffnete den ersten Brief und las: "Laura, meine geliebte Laura! Ich bin völlig verzweifelt. Ich kann einfach nicht verstehen, warum du gegangen bist ......."
Laura las und konnte es nicht übers Herz bringen, den Brief zu verbrennen, wie sie eigentlich geplant hatte. Sie begann nun einen Brief nach dem anderen zu lesen und mehr und mehr wurde ihr bewusst, dass sie noch immer mehr für Götz empfand, als sie sich selbst eingestehen mochte. Sie hielt eine Fotografie in den Händen. Das Bild zeigte "ihren" Götz. Laura wusste nicht mehr recht weiter. Sie wollte jetzt nicht weinen, es gab kein Zurück mehr. Weder für sie und Götz, noch konnte sie es sich leisten den Job nicht anzutreten. "Du musst das jetzt durchstehen!", ermutigte sie sich selbst und legte alles sorgsam zurück in die Kiste und verstaute diese in einem größeren Karton. Sie schaltete das Radio ein und machte sich wieder ans einpacken. "Es gibt noch so viel zu tun, du hast gar keine Zeit, dich von irgendwelchen Sentimentalitäten ablenken zu lassen.", musste sie sich immer wieder einreden, "Und du bist stark, das warst du schon immer, du wirst das schaffen und irgendwie wirst du auch mit einem.......... klarkommen!" "Verdammt wieso kann ich diesen Namen nicht einfach aussprechen, ihn herausschreien?!?!!?!?", fluchte Laura in Gedanken. Das klingelnde Telefon befreite sie aus ihrer Zerrissenheit. "Timm!", meldete sie sich gespielt fröhlich. "Ich bin's, Maximilian", konnte Laura die Stimme von Dr. Weiser vernehmen, "Ich habe die Wohnung für dich jetzt sicher. Soll ich dann am Wochenende vorbeikommen und dir beim Transport der restlichen Sachen helfen?" "Das wäre unheimlich lieb von dir. Wenn ich dich nicht hätte Maximilian, du hast mir schon so oft aus der Patsche geholfen. Ich kann das gar nicht alles gar nicht wieder gut machen...", Laura war wirklich froh, dass da jemand war, der ihr half und dem sie vertrauen konnte. "Ja, Laura. Ich freue mich auch, dass du kommst!", unterbrach Dr. Weiser sie lachend, "Nein, im Ernst. Schon gut, ich mache das wirklich gern. Und mein Lohn ist doch, dass ich bald wieder mir dir zusammenarbeiten darf!"........



4. 12. St. Angela/Hamburg
Im Büro von Prof. Gerlach steht Götz seinem Onkel einmal mehr gegenüber. "Also gut, dann werde ich ab morgen ein paar Tage Urlaub machen. Ich dachte ich fahre nach Erfurt, einen alten Freund besuchen. Ich habe schon mit ihm telefoniert.", meinte Götz. "Richtig so, du brauchst mal eine Auszeit. Ich wünsche dir viel Spaß und hoffe dich nächste Woche gut erholt wieder begrüßen zu dürfen. ", lachte sein Onkel. "Dann mach's gut!", antwortete ihm sein Neffe und verließ eilig das Zimmer. Götz kam die ganze Sache spanisch vor. Jetzt mitten im Winter, wo es unzählige Grippefälle und Skiunfälle und noch so einiges mehr gab, drängte ihm sein Onkel den Urlaub förmlich auf und das war so ganz und gar nicht seine Art. Grübelnd verließ Götz die Klinik und wäre dabei fast mit den Pflegeschülern Anton und Rosi zusammengestoßen, die zum Dienst kamen. "Viel Spaß im Urlaub, Herr Dr. Gerlach!", wünschte ihm Anton. "Danke Herr Stein. Erinnern sie die anderen noch einmal an die Klausur, denn die werde ich ganz bestimmt nicht vergessen!", lächelte Götz und ging zu seinem Cabrio. Kopfschüttelnd sah Rosi ihm nach: "Komisch, ich würde mich freuen, wenn ich frei bekäme..." "Wer weiß, was da wieder hinter steckt. Komm' wir müssen rein, wir sind eh schon spät dran und auf eine Strafarbeit von OSI kann ich getrost verzichten.", erwiderte Anton und zog Rosi in Richtung Eingangsbereich.
Götz befand sich inzwischen auf dem Weg nach Hause, konnte aber noch immer das ungute Gefühl nicht verdrängen, das hinter dem Urlaubsangebot seines Onkels etwas völlig anderes, als die Besorgnis um seinen Neffen, steckte.
Zur gleichen Zeit traf Lauras Taxi vor ihrer neuen Wohnung ein. Sie hatte ihre letzten Sachen aus Berlin geholt und war nun wieder in Hamburg. "Ein komisches Gefühl", dachte sie, aber sie versuchte auch immer sich daran zu erinnern, welch großes Glück sie gehabt hatte, dass Prof. Gerlach ihr diese Chance gegeben hatte, Götz hin Götz her, da musste sie halt durch. Ein Lächeln huschte über Lauras Gesicht, als sie daran denken musste, wie erschrocken sie gewesen war, als sie erfahren hatte, dass ihre neue Wohnung nur zwei Straßen von der von Götz entfernt war. Naja, momentan konnte ihr ja nichts passieren, denn Maximilian hatte ihr versichert, dass Götz verreist sein würde. "Und bis nächste Woche, werde ich mich hoffentlich soweit wieder eingelebt haben, dass ich ihm gegenübertreten kann!", beruhigte sie sich selbst und öffnete entschlossen die Wohnungstür....



Der Morgen des 5.12. in Hamburg
Laura nährte sich dem St. Angela. "Frau Timm?", hörte sie die ungläubigen Stimmen der Pflegeschüler hinter sich. Sie drehte sich um und wartete lächelnd. "Was machen sie denn hier?", fragte Jule erstaunt. Laura grinste: "Ich muss euch die traurige Mitteilung machen, dass ihr ab jetzt wohl auch wieder bei mir im Unterricht sitzen werdet." "Sie arbeiten wieder hier?", mischte sich nun auch Rosi ein. "Ja, sieht so aus!", antwortete Laura. "Das ist toll. Ich freue mich wirklich darüber. Und darüber, dass wir wieder Unterricht bei ihnen haben werden, sind wir absolut nicht traurig, dass können sie mir glauben. Oder Leute?", wendete sich Anton an die Runde. "Ne, voll fett, dass sie wieder da sind!", selbst Murat freute sich sichtlich Laura zu sehen. Überglücklich, so nett empfangen zu werden, betrat Laura in Begleitung der vier das Krankenhaus. Auch die Oberschwester begrüßte Laura sichtlich erfreut, während Kathrin fast der Mund offen stehen blieb, als Laura, die auf dem Weg zum Professor war an ihr vorbei rauschte. Sie klopfte zaghaft an die Tür. "Nur hereinspaziert Frau Dr. Timm!", Prof. Gerlach hatte sie offensichtlich schon erwartet. "Ich freue mich sie wieder in unserem Team begrüßen zu dürfen!" Er wandte sich in die inzwischen hereingetretenen Ärzte: "Meine Damen und Herren, die meisten von ihnen kennen unsere junge Kollegin hier noch. Allen anderen darf ich unsere neue Assistenzärztin Frau Dr. Laura Timm vorstellen."
"Ach, Frau Timm! Sieh an, sieh an! Es freut mich sie zu sehen und Herrn Dr. Gerlach wird über ihre Rückkehr sicher ebenso erfreut sein, wenn er zurückkommt.", konnte sich Doktor Zwenger einen bissigen Kommentar nicht verkneifen. "Herr Dr. Zwenger ich muss doch bitten.", Prof. Gerlach war ihm gereizt einen strafenden Blick zu, dem Zwenger jedoch wenig Beachtung schenkte. Laura sparte sich einen Kommentar ihrerseits mit Rücksicht auf die Anwesenheit des Professors und des restlichen Kollegiums.....



Zur gleichen Zeit saß Götz in seiner Wohnung. Eben hatte ihn Sebastian, sein Freund, den er eigentlich besuchen wollte, angerufen, um ihm mitzuteilen, dass er ihn leider wieder ausladen müsse, da er mit einem grippalen Infekt das Bett hütete. "Was fang' ich denn nun mit den paar Tagen an?", schimpfte Götz vor sich hin. Er konnte unmöglich zurück in die Klinik, sein Onkel würde ihn sicher sofort wieder rausschmeissen. "Vielleicht sollte ich die Zeit einfach einmal nutzen, um auszuspannen. Ich habe wirklich ein wenig Erholung nötig.", versuchte er sich selbst zu überzeugen, "Ich könnte mir Hamburg eigentlich auch einmal genauer anschauen, ich bin schon so lange hier, aber so richtig erkundet habe ich das Territorium noch nicht. Außer natürlich mit.....", doch schnell schob er den Gedanken an Laura beiseite. Er musste endlich aufhören an sie zu denken, so konnte das ja nicht ewig weitergehen. "Und jetzt werde ich erstmal ein wenig schlafen, schließlich hatte ich Nachtschicht und dann werde ich einkaufen gehen.", meinte Götz zu sich selbst.



5.12. Abend
Laura verließ gutgelaunt das St. Angela. Wieder war sie in Begleitung der Pflegeschüler. Ihr erster Tag war außerordentlich gut verlaufen. Fast alle hatten sich ehrlich gefreut, dass sie wieder im Team war und auch die ihr bisher unbekannt Kollegin Korin erschien ihr sehr sympathisch, zumal sich zwischen ihr und Maximilian etwas anzubahnen schien. Auch hatte Laura noch Gelegenheit gehabt Zwenger Paroli zu bieten und ihn damit vorerst ruhig zu stellen, hoffte sie wenigstens. "Also dann bis morgen früh im Unterricht!", verabschiedete sie sich von Rosi, Murat, Anton und Jule. "Und denkt dran: Am Wochenende steigt meine Einstandsfete!", setzte sie noch lachend hinzu. "Das würden wir uns nie entgehen lassen", antworteten die vier im Chor und liefen davon. Kopfschüttelnd sah Laura ihnen nach. Die freute sich wirklich unbändig über ihre Rückkehr. "So und jetzt noch schnell in den Supermarkt, sonst muss ich heute Abend verhungern!", dachte sie fröhlich bei sich und schlug den Weg zum Pennymarkt ein..........


*


Eilig lenkte Götz sein Auto in eine Parklücke und sprintete zum Eingang des Supermarktes, denn es hatte zwischenzeitlich begonnen zu schneien. Er schnappte sich einen Einkaufswagen und schob diesen zielstrebig durch die Gänge, denn er wollte den ungeliebten Einkauf schnell hinter sich bringen. Plötzlich blieb er stehen und war unfähig sich zu bewegen, etwas zu denken, geschweige denn etwas zu sagen. Da kam ihm doch tatsächlich Laura entgegen. "Seine" Laura! Diese war ebenso erschrocken wie er, nur das ihr ein entsetztes "GÖTZ!" entfuhr.......

 

 

Der wusste nun gar nicht mehr, was er tun sollte, er hatte das Gefühl, dass ihm so eben eine unsichtbare Macht den Boden unter den Füßen weggezogen hatte und so stürzte Götz innerlich in ein tiefes Loch, welches er in den vergangenen 365 Tagen zuzumauern versucht hatte. Auch Laura erging es nicht viel besser. Ihre gute Laune war sofort verflogen und sie war sich nun über gar nichts mehr im Klaren.... So standen sich die beiden mehrere Sekunden lang wort- und bewegungslos gegenüber und starrten sich an. Götz versuchte sich schließlich ein wenig zu fassen und brachte sehr gepresst hervor: "Laura. Was... was machst du hier?" "Ich... Götz. Ich... ach Sch....!", entfuhr es Laura und sie drehte sich um, ließ ihren Einkaufswagen stehen und lief davon. Götz tat es ihr gleich und sprintete ebenfalls los. Es schossen ihm zwar Gedanken durch den Kopf, wie "Was tue ich hier eigentlich? Das bringt doch nichts!", aber irgendwie folgten seine Beine automatisch ihren Schritten. "LAURA!", er hatte sie eingeholt und hielt sie am Arm zurück, "Jetzt warte!" Langsam drehte sie sich um. In ihrem Gesicht zeichneten sich Verwirrung, Wut und auch ein Hauch von Trauer ab. "Laura", begann Götz erneut, während er sie immer noch am Arm festhielt, "Was zum Teufel machst du hier in Hamburg?" "Ich arbeite wieder hier.", antwortete sie knapp, riß sich los und lief erneut davon. Diesmal blieb Götz jedoch wo er war. In ihm wuchs ein Verdacht und er erinnerte sich wieder an das ungute Gefühl, dass ihn befallen hatte, als sein Onkel ihn unbedingt in den Urlaub hatte schicken wollen. "Peter wird doch wohl nicht? Die neue Stelle...", schoß es Götz durch den Kopf.......



Laura rannte aus dem Supermarkt und wäre draußen fast ausgerutscht und auf die Straße gestürzt, denn es schneite noch immer heftig. Doch im letzten Moment fing sie sich und lief weiter. Sie stürzte die Treppen zu ihrer Wohnung hinauf, knallte die Tür hinter sich zu und bemerkte erst jetzt, dass sie weinte. Sie ließ sich auf einen Stuhl fallen und blieb dort zunächst ganz ruhig sitzen. Plötzlich stieß sie einen Schrei aus: "NEEEEIIIIIIINNNNN!" Laura wusste fast selbst nicht, wie ihr geschah. Wirre Gedanken plagten sie. Sie hatte unsägliche Kopfschmerzen und sah sich selbst in ein Loch stürzen. "Du hast alles falsch gemacht, alles!", beschimpfte sie sich in Gedanken, "Nie hättest du zurück nach Hamburg kommen dürfen, niemals! Du wusstest, dass du ihn noch nicht vergessen hattest. Doch halt, was hatte sie sich da gerade eingestanden?", fragte Laura sich selbst, "Ja, genau. Sie hatte sich endlich selbst die Wahrheit eingestanden. SIE LIEBTE GÖTZ NOCH IMMER!" Schluchzend ließ sie ihren Kopf auf den Tisch sinken.........



Götz, der seinen Einkauf trotz allem beendet hatte, saß nun ziemlich geplättet in seinem Cabriolet, welches noch immer auf dem inzwischen ziemlich verlassenen Parkplatz stand und langsam einschneite. "Laura! Das darf doch alles nicht wahr sein. Er war sich nun ziemlich sicher, dass Laura die Stelle im St. Angela bekommen hatte. Peter mochte sie doch nie, oder doch?", Götz wusste nicht mehr, was er denken sollte. Vor wenigen Wochen hatte er sich noch nach Laura zurückgesehnt, an dem Tag, als ihm ihren Unterlagen in die Hände gefallen waren. Und er hatte Angst vor diesem Urlaub, vor allem vor dem Alleinsein gehabt. Aber jetzt? Jetzt nachdem Laura wahrhaftig vor ihm gestanden hatte, da war er sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob er überhaupt noch etwas für sie empfand. "Im Moment überwiegt jedenfalls die Wut auf sie!", beschloss er und ließ den Motor des Wagens aufheulen. Er hatte einen Entschluss gefasst: "Ich werde jetzt sofort ins St. Angela fahren und Peter zur Rede stellen!"


Nach wenigen Minuten hielt Götz mit quietschenden Reifen vor dem Eingang zur Klinik. Er stürmte durch die Flure und rannte dabei beinahe Rosi um, die gerade dabei war das Abendessen an die Patienten zu verteilen. Diese sah ihm kopfschüttelnd nach. "Den verstehe einer! Wenn ich Urlaub hätte, würde ich nicht so aufgescheucht hier rumrennen, da wüsste ich etwas Besseres!", seufzte sie..

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Wutschnaubend stürzte Götz in das Büro von Prof. Gerlach. Erschrocken sah dieser auf: "Götz, was machst du denn noch hier? Ich dachte du wärst längst auf dem Weg nach Erfurt?"


"Tja es tut mir wirklich leid, aber ich habe dir wohl versehentlich einen Strich durch deine Rechnung gemacht. Sebastian hat mir abgesagt, er ist krank. Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?" , schnauzte Götz seinen Onkel an. "Ich verbitte mir diesen Ton, Götz! Ich weiß wirklich nicht wovon du redest!", feuerte Gerlach aufgebracht zurück. "Ach nein? Tu doch nicht so scheinheilig Peter! Jetzt weiß ich, warum du letztens nicht mit mir über die Besetzung der neuen Stelle sprechen wolltest.", Götz war wieder einmal voll in Fahrt. "Du weißt es also.", seufzte Prof. Gerlach und ließ sich in seien Stuhl fallen, "Ich hätte es wissen müssen, aber..." "Aber, aber... Es ist ja nun passiert. Ich wäre nur gerne auf all das vorbereitet gewesen. Wie kommst du eigentlich ausgerechnet auf Laura? Ich denken die war in Berlin so glücklich?", setzte sich nun auch Götz, der sich, er wusste selbst nicht warum, plötzlich beruhigt hatte. "Ach, Götz. Das ist mal wieder eine sehr lange Geschichte.....", setzte Prof. Gerlach an und erzählte Götz die ganze Geschichte, die sich auf dem Ärztesymposium zugetragen hatte, "Aber du musst verstehen, dass ich mir meine Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Aber ich habe aus meinem Fehler vor einem Jahr gelernt und mich entschieden mich auf die Kompetenzen der Ärzte zu berufen. Und du kannst nicht abstreiten, dass Frau Dr. Timm so gesehen nahezu die perfekte Wahl war." "Da hast du nicht ganz unrecht.", gab Götz zu, "Aber du wirst ebenso verstehen, dass ich meinen Urlaub jetzt trotzdem nehmen möchte. Ich muss das jetzt alles erstmal verarbeiten und mir über so einiges klar werden." Damit erhob er sich und verließ ohne ein weiteres Wort das Büro des Professors, der ihm leicht betreten nachsah und mehr zu sich selbst, als zu Götz sagte: "Ja das wirst du wohl tun müssen...."



Nacht
Laura schreckte hoch. Sie war am Küchentisch eingeschlafen. Verwirrt blickte sie sich um und versuchte sich zu erinnern, was passiert war. "GÖTZ", schoss es ihr durch den Kopf. "Oh je, was mach' ich jetzt, was mach' ich jetzt nur?", fragte sie sich selbst. Ziellos lief durch die Wohnung. Im Schlafzimmer stieß sie auf einen der letzten ungeöffneten Umzugskartons. Es war die Kiste, in die sie in Berlin den Schuhkarton gelegt hatte. Laura setzte sich aufs Bett und betrachtete unschlüssig den Karton. Nach einigen Sekunden erhob sie sich mit einem Ruck und riss ihn auf. Sie kramte kurz nachdem Schuhkarton, um sich dann damit zurück auf das Bett fallen zu lassen. Wieder saß sie betrachtete sie ihn und wusste nicht recht, ob sie ihn öffnen sollte. Schließlich hob sie den Deckel an und holte mit zitternden Fingern die Briefe hervor. Sie begann zu lesen.........
"...... ich werde es wohl nie begreifen und ich wohl auch nie vergessen, auch wenn du anscheinend gar nichts mehr von mir wissen magst. In ewiger Liebe Dein Götz...", Laura ließ die Hand sinken. Über ihre Wangen liefen in einem nicht versiegen wollenden Strom die Tränen. Diese Zeilen waren das letze gewesen, was Laura von Götz gehört hatte. Bis...ja bis sie ihm heute wieder begegnet war. "Götz!", schluchzte Laura laut, "Götz ich liebe dich noch immer!" Genau das war ihr schon im Supermarkt klar geworden, doch erst jetzt gestand sie sich ihre Gefühle für Götz selber ein. "Ich muss ihn zurückgewinnen, sonst verkrafte ich das hier alles nicht.", fasste Laura einen Entschluss. "Und den Job kann ich nicht kündigen, ich brauche das Geld.", bekräftigte sie sich noch einmal selbst. Ihr Blick wanderte zur Uhr. "Schon halb sechs!", schoss es ihr durch den Kopf. Sie hatte zwar kaum geschlafen, aber um sechs Uhr begann ihre Schicht. Zögernd erhob sie sich und ging ins Badezimmer um sich schnell zu duschen.
Eine knappe halbe Stunde später stand sie vor dem Eingang des St. Angela. Zögernd ging sie durch die Tür. Ob Götz da sein würde? Sie ging durch den dunklen Flur Richtung Fahrstuhl...


Götz hatte in der vergangenen Nacht ebenfalls wenig geschlafen und saß nun in seiner Wohnung und wusste nicht, was er mit dem noch sehr jungen Tag anfangen sollte. Die ganze Nacht über hatte er über den vergangenen Tag und über Laura nachgedacht. Noch immer war er sich seiner Gefühle für sie nicht sicher. Aber er hatte zwei Entscheidungen getroffen. Die erste war, dass er Hamburg für ein paar Tage verlassen würde. Und die zweite? Da war Götz sich weniger sicher, aber er wollte die Dinge, die ihn und Laura betrafen einfach auf sich zukommen lassen. "Du bist dir doch gar nicht sicher, ob du noch etwas für sie empfindest. Sie hat dich verletzt!", hatte er versucht sich selbst zu überzeugen. "Nein, du wirst keinen Schritt auf sie zumachen. Wenn überhaupt, dann muss sie auf dich zukommen!", hatte er seine Argumentation beendet. Götz erhob sich und verließ mit seinem Koffer, den er eigentlich mit nach Erfurt hatte nehmen wollen, die Wohnung....
Drei Stunden später saß er im Flugzeug nach Teneriffa.



Station. St. Angela
Rosi, Anton, Jule und Murat schwärmten den anderen Pflegeschülern von Laura vor, als diese auch schon zur Tür hereinkam. "Ich sag's euch, die Frau ist echt gut drauf! Verlasst euch nur auf Murat!", prahlte dieser gerade. Laura lächelte und meinte an ihn gewandt: "Na das werden wir ja sehen, Herr Ötzgür." Sie blickte in die Runde: "Guten Morgen, für alle, die mich noch nicht kennen, oder denen Murat es noch nicht erzählt hat", setzte sie grinsend hinzu, "Mein Name ist Frau Dr. Laura Timm, aber Frau Timm reicht völlig aus. So dann wollen wir mal gleich ins Programm einsteigen und uns ein wenig mit der Anatomie des Thorax befassen."


Der Unterricht bei den Pflegeschülern machte Laura sichtlich Spaß und diese bestätigten sie durch ihre aktive Mitarbeit am Unterricht darin, dass ihre Entscheidung in St. Angela zurückzukehren, doch nicht so falsch gewesen war. Nach dem Unterricht hörte sie von Oberschwester Irene auch noch ein anerkennendes "Na, sie haben die Bande aber voll im Griff. Mein Kompliment!", sodass ihre Laune schon fast wieder perfekt war. "Guten Morgen! Du strahlst ja richtig! Bist du doch froh, wieder hier zu sein?", sprach Dr. Weiser Laura an. "Ja, eigentlich schon, doch ja.", lächelte Laura zaghaft zurück. "Na, so ganz überzeugend klingt das aber nicht.", Weiser sah sie skeptisch an. "Ich muss mich eben auch erst wieder einleben...", lenkte Laura ab, sie wollte Weiser nicht schon wieder mit ihren Problemen belasten, schon gar nicht jetzt , denn soeben erschien Frau Dr. Korin auf der Bildfläche. Und zu allem Überfluss stieg Prof. Gerlach in diesem Moment aus dem Fahrstuhl. "Guten Morgen!", begrüßte er die drei Ärzte freundlich, "Das halbe Kollegium auf dem Flur versammelt. Aber gut, dass ich sie treffe." Er wandte sich an Weiser: "Wenn sie heute so gegen zehn in mein Büro kommen würden, ich möchte die Darm-OP gern noch einmal mit ihnen besprechen." "Kein Problem.", erwiderte Weiser. "Und sie Frau Dr. Timm", wandte sich Gerlach nun Laura zu, "Sie würde ich auch ganz gerne noch einmal sprechen. Ist ihre Schicht nicht gerade zu Ende?" Laura nickte bekümmert. "Na, dann kommen sie doch am besten gleich mit.", erwiderte der Professor lächelnd.
In seinem Büro angekommen, bot er ihr zunächst einen Kaffee an, doch Laura lehnte ab, sie konnte jetzt nichts zu sich nehmen. "Keine Angst Frau Timm, ich möchte ihnen nicht kündigen.", versuchte Gerlach einen Scherz, "Ich glaube ich habe einen Fehler gemacht." Laura sah ihn erschrocken an. "Was ist denn nun schon wieder?", schoss es ihr durch den Kopf. "Mein Neffe war gestern Abend noch hier und er war ziemlich durcheinander. Ich hätte ihn wohl doch vorher informieren sollen.... Was ich aber eigentlich sagen wollte, Frau Timm.." Laura blickte den Professor erwartungsvoll an, als dieser eine Pause machte. "Ja, also...", begann Prof. Gerlach nun wieder, "Man kann die Zeit nicht zurück drehen. Aber was auch immer zwischen ihnen und Götz vorgefallen ist. Machen sie sich keine Sorgen. Ich werde mich künftig aus ihren Privatangelegenheiten heraushalten. Versuchen sie beide lediglich hier im Dienst vernünftig miteinander umzugehen, ja?" Laura war erleichtert, sie hatte Schlimmeres erwartet. "Ja natürlich, Herr Prof. Gerlach.", nickte sie.

Nacht
Unruhig wälzte sich Laura im Bett herum. Sie hatte den ganzen restlichen Tag lang an nichts anderes als "ihren" Götz denken können. "Wie sollte sie ihn nur zurückgewinnen, so abweisend, wie er sich ihr gegenüber verhalten hatte?", hatte sie sich hundertmal und mehr gefragt. Laura träumte: Götz und sie standen sich vor dem St. Angela gegenüber. Er hob sie hoch und forderte: "Sag das noch einmal!" Sie entgegnete: "Meine Beziehung zu Götz Gerlach geht über das Berufliche hinaus." "Das wollte ich hören", lachend küsste er sie und anschließend rannten sie gemeinsam von dannen...... Laura saß am Krankenbett von Götz: "Du bist mein Held! Du hast mir das Leben gerettet!" Götz lächelte sie schwach an. Laura gestand ihm in diesem Moment zum ersten Mal: "Ich liebe dich!" ..... "...Und manchmal ist es dann aber auch schon zu spät...", beendete Götz seine Rede. Er hob seinen Blick und sah Laura an. Sie hielt seinem Blick nur kurz stand und rannte anschließend davon..... Laura blickte zum letzten Mal hinauf und sah ihren Götz verzweifelt hinter dem Fenster stehen..."Götz ich hätte nie gehen dürfen!", Laura fuhr aus dem Schlaf hoch und saß aufrecht in ihrem Bett. Als sie bemerkte, dass sie alles nur geträumt hatte, begann Laura erneut zu weinen. "Ach, Götz. Es tut mir alles so unendlich leid. Warum bist du nicht bei mir und hältst mich fest?", schluchzte Laura. Sie war aufgestanden, da an Schlaf nun nicht mehr zu denken war. Barfuß und im Nachthemd betrat Laura den Balkon und sah zu den Sternen hinauf. Der Mond schien auf ihr Gesicht und in seinem Licht spiegelten sich ihre Tränen, die sie nur für diesen einen Menschen, den sie so sehr liebte, vergoss....



Zur gleichen Zeit auf Teneriffa
Götz stand in Boxershorts auf der Terrasse, die an sein Hotelzimmer grenzte und betrachtete den wunderschönen Sternenhimmel. Auch er konnte nicht an Schlaf denken. "Manno man!", ärgerte er sich, "Bis hierher verfolgen mich die Gedanken an Laura und ich hatte gehofft sie zu vergessen und abschalten zu können." Götz war aus dem Schlaf hochgeschreckt, als er im Traum wieder die Szene vor Augen gehabt hatte, als Laura ihn vor gut einem Jahr verlassen hatte. "Seitdem hat sie sich nie wieder bei mir gemeldet, bis..., ja bis jetzt. Nun steht sie plötzlich wieder vor mir und wirft mich völlig aus der Bahn. Was soll ich nur tun?", grübelte Götz. Er war sich noch immer nicht sicher ob er noch etwas oder was er für Laura empfand. Es war unbestritten, dass es ihm weh getan hatte sie nach so langer Zeit zu sehen. Und er war nun völlig durcheinander, dass musste Götz sich wohl oder übel selbst eingestehen. "Ach Laura, wärst du nur früher gekommen.", seufzte er, "Dann hätten wir vielleicht noch die zweite Chance gehabt, nach der ich mich die ganze Zeit lang so sehr gesehnt habe. Aber jetzt ist es zu spät, ich kann nicht mehr...." Auch seine Augen schimmerten nun feucht......


Eine Woche später im St.Angela
Vor dem Krankenhaus fuhr ein silberfarbenes Cabrio vor. Götz war aus dem Urlaub zurück. Widerwillig schloss er den Wagen ab und ging in das Gebäude. In der vergangenen Nacht hatte er nur wenig Schlaf gefunden. Viel zu viele Gedanken waren ihm durch den Kopf gegangen. Er war sich noch immer nicht im Klaren darüber, wie es mit Laura umgehen sollte... Doch jetzt musste er sich erst einmal bei Peter zurückmelden. Götz klopfte an die Bürotür von Prof. Gerlach und betrat das Zimmer. "Götz, schön dich zu sehen. Ich freue mich wirklich, dass du wieder da bist.", begrüßte ihn sein Onkel, "Setz' dich doch. Ich hoffe du hattest trotz allem was passiert ist ein paar schöne Tage in der Sonne?" "Naja ging so.", seufzte Götz. Prof. Gerlach quittierte diese Aussage mit einem verzerrten Lächeln und ging auf Götz zu: "Hör mal, es tut mir leid, dass ich Frau Dr. Timm einfach so eingestellt habe. Ich hätte dich wirklich informieren müssen. Aber trotz allem müsst ihr versuchen wenigstens hier auf der Station miteinander auszukommen. Mit Frau Timm habe ich schon gesprochen. Aber keine Sorge, heute ist sie in der Notaufnahme beschäftigt und du kannst hier auf Station mit Dr. Weiser zusammenarbeiten." Götz nickte schwach und erwiderte: "Ich kann nicht mehr als es zu versuchen, Peter." Anschließend verließ er das Zimmer und trottete in sein eigenes Büro. Seufzend setzte er sich an den Schreibtisch, auf dem sich die Post stapelte....


Laura war zur gleichen Zeit gemeinsam mit Frau Doktor Korin in der Notaufnahme beschäftigt. Die beiden Frauen verband jetzt schon eine Art Freundschaft, sodass Frau Dr. Korin schon ziemlich genau wusste, aus welchem Gund ihre junge Kollegin heute nicht so recht bei der Sache war. "Laura, heute kann ihnen doch noch gar nichts passieren, Herr Dr. Gerlach arbeitet doch auf Station, nun machen sie doch nicht so ein Gesicht.", versuchte sie Laura ein wenig zu beruhigen. "Ach, Susanne. Wenn das nur alles so einfach wäre. Das Problem ist doch, dass ich nicht weiß, was Götz noch für mich empfindet oder ob er mir überhaupt verzeihen kann. Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll, wenn ich ihm über den Weg laufe...", erwiderte die sichtlich verzweifelte Laura, "Aber wir können dich nicht ewig voreinander davon rennen.", setzte sie dann noch hinzu. "Nein, dass können sie nicht. Aber nun kommen sie, hier ist gerade nichts zu tun. Gehen wir einen Kaffee trinken.", lächelte Dr. Korin und die beiden Frauen gingen in die Cafeteria...


Auf der Station hatte sich Götz inzwischen aufgerafft und Dr. Weiser aufgesucht, um nachzufragen welche Patienten er behandeln sollte. "Guten Morgen, Herr Dr. Gerlach.", begrüßte ihn ein gut gelaunter Weiser, "War der Urlaub schön? Haben sie sich gut erholt." Als Götz nur ein fahriges "Jaja." Erwiderte, wurde Weiser misstrauisch. "Entschuldigen sie, wenn ich mich in ihre Privatangelegenheiten einmische, aber es ist ihnen nicht recht, dass Laura wieder hier arbeitet, habe ich Recht?" "Das geht sie zwar eigentlich gar nichts an, aber sie haben da wohl nicht ganz Unrecht.", presste Götz hervor. "Naja, ich bin mir sicher sie kriegen das in den Griff, sie sind doch beide vernünftige junge Menschen!", lächelte Dr.Weiser, "Wenn sie möchten können wir ja jetzt zusammen einen Kaffee trinken gehen, bis zur Visite ist noch ein wenig Zeit." "Visite", schoss es Götz durch den Kopf, "An der wird auch Laura teilnehmen...." Laut sagte er: "Meinetwegen." Und nun schlugen auch die beiden Männer den Weg zur Cafeteria ein. Am Eingang zur selben wären sie beinahe mit Laura und Frau Dr. Korin zusammengestoßen, die gerade zurück in die Notaufnahme gehen wollten. Als Götz Laura erblickte, drehte er sich reflexartig um und wollte weglaufen. Doch Laura, die sich inzwischen wieder gefasst hatte, hielt ihn mit einem resoluten "Götz, jetzt warte. Das bringt doch nichts!" zurück. Verblüfft über ihren Tonfall blieb dieser stehen. Laura schloss zu ihm auf und die beiden gingen den Flur entlang in Richtung des Büros, welches Laura bezogen hatte. "Hör mir zu Götz. Wir müssen reden. So geht das nicht, wir müssen doch wenigstens ein Basis finden, die es uns ermöglicht zusammen zu arbeiten.", begann Laura. "Ja, da hast du wohl recht, aber jetzt müssen wir glaube ich erst einmal zur Visite.", erwiderte Götz trocken und entschwand in Richtung Stationszimmer. Laura ging ihm enttäuscht und kopfschüttelnd nach....


Nachdem die Visite vorbei war, wollte Götz sich erneut verdrücken, aber auch diesmal folgte Laura ihm: "Götz, so geht das nicht. Bitte tu mir den Gefallen und rede mit mir." Er blickte sie kurz an und antwortete: "Gut, dann lass uns in dein Büro gehen." Dort angekommen, standen sich beide zunächst ziemlich hilflos gegenüber, keiner wollte, jetzt wo sie allein waren, den ersten Schritt machen. Schließlich bot ihm Laura einen Kaffee an, den Götz auch dankend annahm und begann dann vorsichtig da Gespräch: "Götz, es tut mir leid, dass du mit meiner Ankunft hier so überrumpelt worden bist, das wollte ich nicht. Und..." Hier brach Laura ab und sah Götz an, doch dessen Gesicht zeigte keinerlei Regung. Also fuhr Laura verunsichert fort: "Ich, ich hätte damals nicht so einfach gehen dürfen, ich weiß, dass ich dir damit furchtbar weh getan habe. Doch ich hielt es damals für das Beste - für uns beide." Sie räusperte sich. "Heute weiß ich, dass dem nicht so war. Götz ich....", hier brach sie ab, denn sie musste die aufsteigenden Tränen bekämpfen. Laura wollte jetzt keinesfalls weinen. Götz, der die gesamte Zeit über an die Wand hinter Laura gestarrt hatte, wandte sich ihr zu: "Ich dachte du wolltest darüber reden, wie wir jetzt miteinander auskommen wollen. Statt dessen fängst du mit der alten Geschichte an" Das kam ziemlich schroff und traf Laura wie ein Schlag. "Mist!", schoss es Götz durch den Kopf. So abweisend hatte er gar nicht sein wollen, es war nur... Er war so unsicher und verzweifelt. Laura, die nun ihrerseits den Blick abgewandt hatte, setzte leise hinzu: "Lass es uns wenigstens versuchen, ja?" Plötzlich tat sie Götz unendlich leid, wie sie so da stand und sich entschuldigen wollte. "Laura, es tut mir leid, was ich eben gesagt habe. Ich meinte das nicht so.", begann er mit leiser Stimme und spürte ebenfalls, dass schon wieder Tränen in ihm aufstiegen. "Nein jetzt nicht!", ermahnte er sich selbst in Gedanken und fuhr fort, "Du hast mir wirklich weh getan, damals. Aber wir können die Zeit nicht zurück drehen. Und jetzt liegen die Dinge so, wie sie nun mal liegen. Es wird schon alles werden, wenn wir uns beide Mühe geben." Laura, die sich wieder ein wenig gefangen hatte, begann nun erneut: "Götz, was ich dir eigentlich sagen wollte. Ich... Ich habe nachgedacht. Es war falsch, dass ich damals gegangen bin. Götz, es tut mir alles so unendlich leid. Kannst du mir verzeihen? Ich.... Auch wenn das jetzt blöd klingt, ich liebe dich - immer noch!" Entgeistert sah Götz Laura in die Augen: "Nein Laura, es ist zu spät. Ich kann das nicht mehr...." Damit verließ er das Zimmer und ließ die verzweifelte Laura mit ihren Tränen allein zurück.
Auf dem Flur hörte er ihren gellenden Schrei: "GÖÖÖÖÖTZ!", aber er konnte sich nicht umdrehen, so gern er gewollt hätte. Er öffnete die Tür zu seinem Büro und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl fallen. Auch seine Augen schimmerten nun wieder feucht.


Wenige Tage später
"Götz, kommst du bitte mit in mein Büro? Ich möchte etwas mit dir besprechen.", forderte Prof. Gerlach seinen Neffen auf....
In den vergangenen Tagen hatten Laura und Götz notgedrungen miteinander gearbeitet und im Großen und Ganzen war es ihnen beiden gelungen sich zusammenzureißen, sodass sie ihren Job erledigen konnten. Aber das Gespräch aus Lauras Büro war nie fortgesetzt worden und auch ihre frühere Beziehung schien nie existiert zu haben. Laura hatte nachts wenig geschlafen, da sie, wenn sie nicht gerade mal wieder Nachtschichten im Doppelpack schob, nur an Götz gedacht und geweint hatte. Götz war es nicht anders ergangen. Er hatte jede Nacht hindurch gegrübelt. Ja er liebte Laura noch immer, aber er konnte nicht mehr. Alles tat noch so weh. "Und da sagt man immer, dass Zeit alle Wunden heilt...", hatte er geflucht......
"Götz, ich habe da von einem höchst interessanten Forschungsprojekt erfahren. Und ich möchte, dass wir daran teilnehmen. Es geht um die differenzierte Erforschung der Influenzaviren. Wenn wir die Ergebnisse der medizinischen Fakultät der Humboldt Universität bestätigen können, wäre das eine Sensation. Man könnte dann ein Serum entwickeln, welches den Impfschutz über Jahre garantieren könnte. Das würde Zeit und Geld sparen und einigen Patienten das Leben retten. Ich möchte, dass du in Zusammenarbeit mit Dr. Weiser an diesem Projekt arbeitest. Was sagst du dazu?", begann der Professor das Gespräch. Götz sah ihn zögernd an, um dann zu erwidern: "Wenn du meinst, dann werde ich das machen. Mir ist im Moment jede Ablenkung recht." Der Professor lächelt ihm aufmunternd zu: "Ich freue mich das zu hören und ich hoffe, dass ihr erfolgreich sein werdet. Wir treffen uns heute nach Dienstschluss hier in meinem Büro um das Vorgehen zu besprechen.....
Es klopfte an Lauras Bürotür. "Ja?", antwortete sie. Herein trat Dr. Weiser: "Hallo Laura. Störe ich dich?" "Nein, nein. Schön dich zu sehen Maximilian. Was gibt's?", erkundigte sich Laura. "Prof. Gerlach hat mir da etwas über ein äußerst interessantes Projekt der Humboldt-Uni in Berlin berichtet und mir angetragen daran teilzunehmen.", begann Dr. Weiser, ".....Und da du ja deine Doktorarbeit über Viren usw. geschrieben hast, dachte ich, dass es dich ganz besonders interessieren dürfte. Ich habe im Moment auch so schon zuviel zu tun. Wie wäre es, wenn du das für mich übernimmst? Prof. Gerlach hätte sicher nichts dagegen. Natürlich nur wenn du magst, Laura." "Maximilian, das hört sich wirklich unheimlich interessant an!", strahlte Laura. "Ich würde mich liebend gerne mit dieser Materie befassen. Ich nehme dein Angebot wirklich gerne an. Aber nun bin ich dir schon wieder zum Dank verpflichtet...", setzte sie grinsend hinzu. Dr. Weiser lachte: "Ach Quatsch, ich habe dir zu danken. Ehrlich gesagt habe ich nämlich überhaupt keine Lust gehabt mich mit diesem Projekt zu befassen. Wahrscheinlich werde ich doch alt...." "Maximilian, du doch nicht!", hielt Laura frech dagegen. "Naja, vielleicht liegt es auch daran, dass der Professor heute Abend mit mir das Vorgehen besprechen wollte und ich will doch viel lieber Frau Dr. Korin ins Konzert einladen.", Weiser fühlte sich sichtlich wohl und sein Vertrauen tat auch Laura unheimlich gut. "Du und Susanne? Tse, tse, tse...", rügte Laura ihn gespielt, "Du, wann muss ich denn dann zum Professor?" "Nach Dienstschluss um halb acht.", entgegnete Weiser. "Gut, sprichst du vorher nochmal mit ihm?", Laura sah ihn fragend an. "Natürlich...", konnte Dr. Weiser gerade noch hinzufügen, bevor beide mittels ihres Piepsers in die Notaufnahme beordert wurden.



Abend. Büro von Prof. Gerlach.
Unruhig lief Gerlach in seinem Büro auf und ab. Er hatte Weisers Vorschlag zwar zugestimmt, aber er hatte ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache. Weiser hatte ja nicht wissen können, dass Götz auch an dem Projekt teilnehmen sollte und bis jetzt hatte ja die Zusammenarbeit von Frau Dr. Timm und seinem Neffen ganz gut geklappt. Erst vorhin hatten die beiden gemeinsam eine brillante OP durchgeführt und einem Schwerverletzten dabei das Leben und sein linkes Bein gerettet. Aber ob die beiden auch noch am Abend ohne Gegenwart anderer Kollegen miteinander auskommen würden? Prof. Gerlach hatte da so seine Zweifel. Noch während er so in seine skeptischen Gedanken versunken war, klopfte es an der Tür und Laura trat herein. "Frau Timm, schön das sie da sind! Ich freue mich, dass sie sich so für das Projekt interessieren. Das ich nicht gleich an sie gedacht habe.", begrüsste sie der Professor. "Ja, ich hoffe wirklich, dass ich etwas erreichen kann und das Thema interessiert mich brennend, denn ich habe ja auch meine Doktorarbeit zu einem solchen Thema geschrieben. Wie soll das Ganze denn nun ablaufen?", sprudelte Laura heraus. Prof. Gerlach zwang sich zu einem Lächeln, bevor er begann: "Ich muss ihnen da wohl noch etwas mitteilen....." Weiter kam er jedoch nicht, denn die Tür wurde aufgerissen und Götz stürmte herein: "Oh, Entschuldigung. Bin ich zu früh? Ist Dr. Weiser noch nicht da?" "Götz komm herein, ich muss dir etwas erklären oder besser gesagt ihnen beiden.", erwiderte der Professor, der sich in seiner misslichen Lage alles andere als wohl fühlte......

 

Wenig später auf dem Gang.
"Du? Was hast du denn mit dem Projekt zu tun?", fragte Götz Laura aufgebracht. Prof. Gerlach hatte zwar versucht, ihnen beiden zu erklären, wie es zu dieser Situation gekommen war und beide hatten brav seinen Vorschlag akzeptiert, es doch wenigstens miteinander zu versuchen, aber Götz konnte das alles noch nicht glauben und musste nun Dampf ablassen. Und da er nur Laura zu Verfügung hatte, bekam sie seine Wut auf sich selbst und auf alle anderen nun zu spüren. Sie war sowieso schon geknickt gewesen, als sie erfahren hatte, dass sie mit Götz würde arbeiten müssen, denn so war ihr die Freude an dem Projekt wieder gründlich verdorben worden. Aber jetzt reichte es ihr wirklich und sie verabschiedete sich mit den Worten: "Komm' jetzt krieg' dich erstmal wieder ein und morgen fangen wir dann an unsere Vorgehen genauer zu planen. Gute Nacht." Sie ging davon und Götz, der von ihrer Schroffheit ziemlich überrumpelt worden war, blickte ihr unschlüssig nach. "So ein Idiot!", schimpfte Laura vor sich in, als sie die Straße erreicht hatte, doch lange konnte sie sich nichts vormachen, "Ach Götz, seufzte sie. Es ist so schon schwer genug für mich und jetzt auch noch das. Und bald ist Weihnachten, das Fest der Liebe. Haha, dass ich nicht lache. Könnte ich doch nur die Zeit zurückdrehen! Ich liebe doch so sehr!"
Auch Götz, der zum selben Zeitpunkt noch immer auf dem Klinikflur stand, war von einem Gefühlschaos überrollt worden: "Mist, was bin ich denn nur für ein Idiot! Laura so anzumachen. Sie gibt sich ja wirklich alle erdenkliche Mühe und ich würde ihre Liebe zu gerne erwidern, aber ich habe Angst. Ich kann nicht. Ach Laura warum? Warum ist immer alles so schwierig und so verfahren. Ich halte das nicht mehr aus....." Wütend wischte sich Götz eine Träne von der Wange, er wollte einfach nicht mehr weinen.



Abend. Einige Tage später. Im Labor.
Laura und Götz standen nebeneinander und unterhielten sich aufgeregt über ihre bisherigen Forschungsergebnisse, die sehr vielversprechend waren. Die ganzen letzten Tage über hatten sie beide in jeder freien Minute an dem Projekt gearbeitet und alles schien perfekt zu laufen. Die erste Testreihe war super verlaufen und die beiden brannten nur so darauf weitere Ergebnisse zu erzielen. Sie hatten wirklich Spaß an der Arbeit und sie hatten es inzwischen sogar geschaffte ein recht gutes Verhältnis zueinander aufzubauen. "Na dann macht euch mal frisch ihr Viren. Wir werden euch jetzt ausrotten und dann dafür den Nobelpreis bekommen!", scherzte Götz und setzte dabei ein so grimmiges Gesicht auf, dass Laura losprustete. Als Götz Laura lachen sah, versetzte ihm das einen ziemlichen Stich. "Wie lange habe ich dieses Lächeln vermisst?", schoss es ihm durch den Kopf. Laura, die seine Unsicherheit gar nicht bemerkte, setzte hinzu: "Ja und dann rotten wir auch alle anderen Krankheitserreger aus! Ach nee, dann haben wir ja keinen Job mehr...." Sie lachte sich noch immer halb tot, hielt aber jäh inne, als sie in Götz' ernstes Gesicht blickte. "Was ist?", fragte sie ihn. "Ach nichts. Ich dachte nur gerade.... Laura...", stotterte Götz und beugte sich dann langsam zu ihr hinüber und küsste Laura auf den Mund. Doch als er realisierte, was er da gerade getan hatte, ergriff Götz die Flucht und rannte einmal mehr vor Laura davon. Diese stand zunächst völlig versteinert da, sie war ziemlich überrumpelt worden. Doch schnell fing sie sich wieder und wollte ihm nach und einmal mehr gellte ihr Schrei durch den dunklen Krankenhausflur: "GÖÖÖÖÖTZ warte doch!" Aber der war schon nach draußen gelaufen und verließ soeben mit quietschenden Reifen den Parkplatz. Laura sackte in sich zusammen und begann leise zu weinen. Jetzt wusste sie überhaupt nicht mehr, was sie denken sollte. Ja, sie liebt ihn. Doch sie hatte sich damit abgefunden gehabt, dass er ihr nicht verzeihen konnte und war richtig glücklich gewesen, dass sie in den letzten Tagen so prima miteinander klargekommen waren. Aber jetzt? Jetzt war wieder alles anders.....



23. 12. Nachmittag.
"Herr Professor, wenn sie möchten können sie mich für die Spät- und Nachtschicht morgen einteilen.", sagte Laura betrübt. "Wollen sie denn wirklich arbeiten? Am Heiligen Abend?", Prof. Gerlach war erstaunt. "Ja, das möchte ich gerne. Zum einen kann ich dann noch an unserem Projekt weiterarbeiten und ich bin gleichzeitig abgelenkt. Ich würde sonst wahrscheinlich nur alleine zu Hause sitzen und Trübsal blasen....", seufzte Laura. "Also gut, ich bin ja eigentlich froh, wenn sich jemand opfert.", lächelte der Professor milde, "Ich wünschen ihnen trotzdem frohe Weihnachten, Frau Timm!" "Danke, ich ihnen auch Herr Prof. Gerlach!", erwiderte Laura mit einem gespielten Lächeln und verließ das Büro. Gerlach sah ihr kopfschüttelnd nach....
Als der Professor wenig später gerade sein Büro verlassen wollte, stürmte Götz zur Tür herein: "Peter, du brauchst doch sicher noch jemanden für die Spät- und Nachtschicht morgen, wo doch Heiligabend ist. Ich übernehme das. Ich brauche was zu tun, sonst gehe ich zu Hause ein!", sprudelte Götz heraus und setzte in Gedanken hinzu: "Ich habe doch wieder solche Angst vorm Alleinsein und das noch dazu an Weihnachten!" "Nein Götz, eigentlich hat sich da schon jemand gemeldet - auch freiwillig.", erwiderte Prof. Gerlach und lächelte. "Egal, sag dem Kollegen er soll sich einen schönen Abend machen, ich übernehme die Schicht. Dann kann ich auch am Projekt weiter forschen. Onkel Peter! Bitte! Ich brauche das!", ließ Götz nicht locker. "Ganz wie du willst, Götz!", antwortete der Professor, "Vielleicht ist es auch gar nicht verkehrt, wenn zwei Ärzte anwesend sind, wie normalerweise auch. Dann kannst du auch viel ungestörter an eurem Forschungsprojekt arbeiten. Übrigens freue ich mich, dass ihr so gut vorankommt." Der Professor schob seinen Neffen mit diesen Worten aus dem Büro, er wollte jetzt nach Hause gehen, um dort ein ruhiges Weihnachtsfest verbringen zu können.

Heiligabend. Später Nachmittag.
Laura näherte sich dem Eingangsbereich des St. Angela. Draußen standen Jule und Anton. "Hallo Frau Timm! Müssen sie heute Dienst schieben? Das tut mir leid für sie!", blickte Anton Laura mitleidig an. "Naja da muss ich durch!", versuchte Laura ihre wahren Gefühle zu überspielen, "Ich wünsche euch beiden ein frohes Fest!" "Wir ihnen auch!", lächelte Jule. Laura ließ sie stehen und ging in die Klinik. "Ich glaube sie trauert Götz noch immer nach. Die Ärmste....", meinte Jule zu Anton. "Ja, sieht ganz so aus. Aber da können wir ihr wohl auch nicht helfen!", Anton schaute Jule an, "Aber ich bin so froh, dass WIR doch noch einmal die Kurve gekriegt haben!" Und er schaute Jule tief in die Augen und küsste sie zärtlich auf den Mund. Dann gingen die beiden Hand in Hand nach Hause - auch sie wollten ein ruhiges Fest verbringen - gemeinsam. Jetzt verließen auch Dr. Korin und Dr. Weiser die Klinik. Soeben hatten sie die Station an Laura übergeben und waren jetzt ebenfalls auf dem Weg zu "ihrem" Weihnachtsfest. "Susanne, weißt du eigentlich, wie froh ich bin, dich getroffen zu haben?", fragte Weiser Dr. Korin leise und zog sie an sich, "Endlich muss ich Weihnachten nicht mehr einsam und allein verbringen! Ich liebe dich!" "Und ich dich erst!", lachte sie ihn an und auch die beiden versanken in einem innigen Kuss, bevor sie in Weisers Auto stiegen und davonfuhren. Laura, die die Szenerie zufällig von einem Fenster aus beobachtet hatte, sah ihnen traurig nach. "Ach Götz, warum? Warum können wir zwei nicht auch so glücklich zusammen Weihnachten feiern? Ich habe wirklich alles, alles falsch gemacht...", Laura fühlte sich miserabel und schluckte die aufsteigenden Tränen hinunter. Sie saß in ihrem Büro und hielt ein kleines Kästchen in der Hand. "Was soll ich nur tun? Soll ich es ihm wirklich schenken? Und wenn es Götz noch mehr in Verlegenheit bringt...", überlegte Laura. Und setzte dann laut hinzu: "Ach Götz, wenn ich doch nur wüsste, ob du wirklich noch immer etwas für mich empfindest..." Kurz entschlossen raffte sie sich auf und verließ ihr Büro. Verstohlen ließ Laura ihren Blick den Flur entlang gleiten. "Was soll das eigentlich, ist ja eh niemand hier.", dachte sie und ging zielstrebig auf Götz' Bürotür zu. Sie drückte die Klinke herunter: "Puuh, nicht abgeschlossen! Erleichtert schlüpfte Laura in den Raum und legte ein kleines blaues Kästchen mit silberfarbener Schleife auf den Schreibtisch. Mit klopfendem Herzen verließ sie das Büro und holte einmal tief Luft, um sich anschließend aufzumachen, um nach den wenigen verbliebenen Patienten zu schauen.....
Götz parkte in diesem Moment seinen Wagen vor dem St. Angela. Zielstrebig machte er sich zu Weisers Büro auf, um ihm schnell die Station abzunehmen, damit dieser endlich nach Hause gehen konnte. Als auf sein Klopfen hin niemand antwortete, drückte Götz die Klinke herunter: "Abgeschlossen? Der kann doch nicht schon weg sein...." Götz rannte den Gang entlang in Richtung Stationszimmer, doch auch dort fand er nur einen gespenstisch leeren Raum vor. Gerade als Götz herumfuhr, um von seinem Büro aus mit Weiser zu telefonieren, kam ihm Laura entgegen, die ihre Runde bei den Patienten beendet hatte. Laura erschrak bei seinem Anblick und auch ihm schoss es durch den Kopf: "LAURA! Ich hätte es wissen müssen. Was soll ich denn nun schon wieder tun, ich hab sie nicht mehr gesehen, seit... seit dem.... dem Kuss gestern!" "Götz, was machst du denn hier? Hast du etwas vergessen?", versuchte Laura, die ihre Sprache inzwischen wiedergefunden hatte, die äußerst peinliche Situation zu retten. "Ich.... ähm ja.", stammelte Götz. "Mist warum fällt mir nichts ein!", fluchte er in Gedanken. "Ja, ich wollte noch einige Unterlagen vom Projekt mit nach Hause nehmen, falls mir langweilig wird.", versuchte er gespielt zu scherzen. "Naja dir frohe Weihnachten!", und damit war er in Richtung seines Büros verschwunden. "Ja, wünsche ich dir auch.", erwiderte Laura leise. Über ihre Wangen liefen erneut die Tränen, aber sie ließ ihnen jetzt freien Lauf. "Es hat alles keinen Zweck mehr!", dachte sie traurig und ging in Richtung Labor, vielleicht würde sie die Arbeit dort ein wenig auf andere Gedanken bringen......


Götz knallte die Tür zu seinem Büro zu und stütze sich an der Wand ab. "Scheiße, Scheiße, Scheiße!", schrie er, "Ich mache alles falsch, ich Idiot!" Götz legte den Kopf in die Armbeuge und fing hemmungslos an zu schluchzen: "Laura, Laura! Ich liebe dich doch. Warum kann ich mir und dir das nicht eingestehen? Ich hasse mich!" So stand Götz wohl mehrere Minuten lang da, doch irgendwann versiegten die Tränen und er fühlte sich nur noch völlig leer. Er überlegte gerade, was er nun tun sollte, als Laura zur Tür herein gestürzt kam: "Götz, ich hab dein Auto draußen stehen sehen. Gut, dass du noch da bist. Komm' schnell!!! Der Patient von der 113. Ich brauche dich!" So rannten die beiden am Heiligen Abend gemeinsam den Flur entlang.....



Knapp eine Stunde später saß Götz wieder in seinem Büro. Laura und er hatten den Patienten wieder stabilisiert, aber er lag jetzt auf der Intensivstation und war nur noch gerade so mit dem Leben davon gekommen. Die beiden hatten gute Arbeit geleistet, aber auch kein Wort mehr als nötig gesprochen. Anschließend war Götz wieder hierher geflüchtet. Er hatte Laura eigentlich so viel sagen wollen, aber als er vor ihr stand, hatte er wieder einmal nicht die richtigen Worte über die Lippen bringen können. Götz war wütend, furchtbar wütend auf sich selbst. Plötzlich fiel sein Blick auf den Schreibtisch. Unter dem Ärmel seines Jacketts, welches er vorhin achtlos auf den Tisch geworfen hatte, schimmerte etwas Blaues. Götz zog das Kästchen, welches Laura am frühen Abend dort abgelegt hatte hervor. Vorsichtig drehte er das Päckchen hin und her. Irgendwie hatte er Angst es zu öffnen. Doch schließlich siegt doch seine Neugierde und er löste die Schleife. Sein Blick fiel auf einen wunderschönen Silberring, als Götz den Deckel des Kästchens anhob. "Laura!", schoss es ihm durch den Kopf. Mir zitternden Finger nahm der das Schmuckstück aus der Schachtel. Erst jetzt fiel Götz auf, dass der Ring einen kleinen gerollten Zettel zusammenhielt. Doch auch diesen konnte Götz nicht ohne weiteres öffnen. Er fühlte sich völlig verwirrt: "Warum sollte sie das tun? ", fragte er sich immer und immer wieder. Schließlich zog er den Zettel aus dem Ring und umschloss diesen ganz fest mit der linken Hand. Mit der Rechten wickelte Götz den Zettel auf und las die drei Wirte: "Verzeih' mir! Laura" Götz zitterte jetzt am ganzen Körper und die Tränen rannen wieder über seine Wangen. "LAURA!", rief er und sprang auf......


Laura hatte die ganze Zeit über traurig in ihrem Büro gesessen und gegrübelt. "Götz will also wirklich nichts mehr von mir wissen. Er müsste den Ring doch längst gefunden haben....", sie kämpfte mit den Tränen, "Naja, wenigstens weiß ich jetzt woran ich bin. Es ist alles aus...... Oh Gott, wie soll ich das nur schaffen? Ich muss hier raus!" Laura schnappte sich ihren Mantel, riss die Tür auf und wollte nach draußen laufen. Auf dem Gang stieß sie mit Götz zusammen, der in dem gleichen Tempo auf dem Weg zu ihr war........

 


"Laura!", Götz hielt sie mit beiden Armen fest und schluchzte, "Laura, bitte, bitte verzeih' mir! Ich war so ein Idiot! Ich... Ich... Ich liebe dich!" Laura, der sowieso schon wieder die Tränen in die Augen getreten waren, sah "ihren" völlig aufgelösten Götz verwirrt an: "Was hatte er da gerade gesagt? Sie musste täumen..." "Laura, Laura...", stammelte Götz weiter, während ihm unaufhörlich die Tränen über die Wangen rannen, "Bitte sag' doch was, Laura. BITTE!" "Götz, ich.... ich....", Laura wusste nicht mehr recht, wo oben und unten war und stammelte nur, "Ich...Götz...Was soll das jetzt?" Götz wusste sich nicht mehr zu helfen, sie hatte ihm doch den Ring geschenkt, sie liebte ihn doch, oder warum sollte sie sonst so etwas tun? Er schlang die Arme um sie und hielt sie einfach nur ganz fest: "Laura ich liebe dich!" Heißt das du verzeihst mir?", schluchzte Laura, "Götz, ich... ich liebe dich auch. Ich habe nie aufgehört dich zu lieben. Es tut mir alles so leid....Götz..." Dieser unterbrach Laura: "Ich auch nicht, ich habe dich immer geliebt. Laura du hast mir sehr weh getan, aber ich kann und will nicht ohne dich Leben! Oh, Laura mein Engel!" Langsam lösten sie sich aus ihrer Umarmung und ihre beiden tränennassen Gesichter nährten sich einander, bis sich ihre Lippen in einem vorsichtigen Kuss berührten. Beide hatten in diesem Moment, dass Gefühl, als würde eine zentnerschwere Last von ihnen abfallen und endlich ging für beide die Sonne ihres Lebens wieder auf. "Halt mich fest, Götz! Halt mich einfach nur fest ja?", Laura fühlte sich, als würde sie jeden Moment zusammenklappen, doch bevor sie weiter sprechen konnte, zog Götz sie noch fester an sich und verschloss ihr die Lippen mit einem innigen und nicht enden wollenden Kuss. Und so standen Laura und Götz minutenlang unbeweglich auf dem Flur des Krankenhauses und hielten sich einfach nur weinend in den Armen. Alles andere um sich herum schienen die beiden vergessen zu haben. Jetzt zählte nur noch, dass sie endlich wieder vereint waren.....

 

Als Laura und Götz sich endlich wieder voneinander lösten, waren seine Tränen versiegt, aber Laura weinte noch immer. Götz versuchte sie zu trösten: "Hey, hey mein Engel. Du musst doch nicht mehr weinen, es wird alles wieder gut werden. Ich bin ja bei dir und ich verspreche dir, dass ich dich nie wieder allein lassen werde." Zärtlich wischte er ihr mit seinem Daumen die Tränen ab und führte sie in ihr Büro. Da der Rest des Abends und der Nacht völlig ruhig verlaufen sollte, hatte die beiden unendlich viel Zeit ihre gegenseitige Nähe zu genießen und sich auszusprechen. Vorerst saßen sie jedoch erneut völlig regungslos da. Laura auf seinem Schoß, ihren Kopf an seine Schulter lehnend. Er streichelte gedankenverloren mit der rechten Hand, an der der Ring glitzerte, über ihre Wange. Schließlich löste sich Laura von ihm, stand auf und blickte aus dem Fenster. "Götz...", begann sie unsicher und wendete sich ihm wieder zu, "Es war so falsch von mir dich zu verlassen. Ich hab dir so weh getan, aber ich weiß jetzt, dass ich dich über alles liebe und immer lieben werde. Es tut mir alles so unsäglich leid. Kannst du mir wirklich verzeihen, nach so langer Zeit?" Götz war aufgestanden und trat nun von hinten an Laura heran. Er umfasste ihre Taille und schmiegte sich an Laura: "Ich weiß Laura, ich weiß. Aber nicht nur du hast Fehler gemacht, auch ich. Aber auch ich habe begriffen, dass ich nie aufhören werde dich zu lieben. Laura du bist die Frau meines Lebens! Natürlich verzeihe ich dir, sonst wäre ich doch jetzt gar nicht hier, du Dummchen!" Wieder versanken die beiden in einem Kuss. "Die Frage ist nur, ob du mir auch verzeihst.", setzte Götz das Gespräch anschließend fort, "Ich habe auch genügend Fehler gemacht." "Götz, ich habe dir nichts zu verzeihen, schließlich habe ich dich verlassen und uns beide damit ins Unglück gestürzt!", erwiderte Laura mit zitternder Stimme. "Doch Laura und ich muss das jetzt loswerden.", Götz wollte jetzt einfach alles klären, damit sie später nichts mehr trennen konnte, denn er wusste, dass er das Ganze nicht noch einmal durchstehen würde, "Ich habe viel Mist gebaut nachdem du weg warst und ich.... Laura ich habe dich betrogen! Ich habe mit Jule geschlafen, an dem Tag an dem ich dir auch die SMS geschickt habe und gesagt habe, dass es wirklich keinen Weg zurück geben würde." Unsicher sah Götz seine Laura an und wartete darauf, dass sie sich seiner Umarmung entziehen würde. Laura, die den Schreck schnell weggesteckt hatte, sie war einfach zu glücklich, antwortete leise und strich Götz dabei zärtlich über die Wange: "Götz, die Vergangenheit zählt nicht. Wichtig ist, was jetzt passiert. Ich kann dir doch gar keinen Vorwurf machen. Ich hatte dich verlassen. So gesehen warst du frei....." Götz war zunächst verwirrt, dann aber überrollte ihn eine Woge des Glücks: "Sie verzeiht mir!", jubelte es in ihm. Zu ihr setzte er hinzu: "Ganz kann ich dir nicht zustimmen, Laura. Ich will die Vergangenheit nicht ganz vergessen, schließlich habe auch wir beide eine Vergangenheit und die will ich nicht streichen, dazu war alles viel zu schön. Lass' uns die Seiten dazwischen herausreißen und unser gemeinsames Kapitel einfach weiterschreiben, ja? Laura, ich bin so glücklich dich endlich wieder in meinem Armen halten zu dürfen. Ich habe dich so unendlich vermisst....." Laura lächelte ihn an, mit dem Lächeln, dass Götz so lange hatte entbehren müssen: "Und ich dich erst, mein Schatz! Lass' mich nie wieder los, ja?" "Niemals....", lächelte Götz sie an und sie küssten sich wieder und wieder.....
So verbrachten die beiden die ganze Nacht in ihrem neuen Glück schwelgend. Sie erzählten sich alles, was passiert war, während sie voneinander getrennt gewesen waren und noch oft sollten in dieser Nacht Tränen fließen, wenn der eine erfuhr, wie sehr der andere unter der Trennung gelitten hatte. Als Götz Laura erzählte, wie er sich an dem Abend, nachdem sie weggegangen war, an der Elbe betrunken hatte, war sie mit den Nerven erneut völlig am Ende. "Oh Götz. Es tut mir so unendlich leid. Ich hätte nie gehen dürfen....", schluchzte sie auf. "Ach, Laura. Es ist doch jetzt alles wieder gut. Das ist das schönste Weihnachtsfest, dass ich je verbracht habe und du wirst mein ganzes Leben lang mein allerschönstes Geschenk bleiben. Und dabei hat der Tag gestern so traurig angefangen.....", lächelte Götz und wischte Laura erneut die Tränen aus dem Gesicht. "Weißt du, wie lieb ich dich habe?", fragte Laura ihn und drückte sich noch fester an ihn. "Ja, dass weiß ich!", hauchte Götz. Und so schliefen die beiden sich glücklich in den Armen liegend auf dem Stuhl ein.....

..


Nächster Morgen. St. Angela
Und genau so wurden die beiden am Morgen des ersten Weihnachtstages von Dr. Korin und Dr. Weiser gefunden, die Götz und Laura die Station abnehmen wollten, denn sie hatten heute die Ehre Dienst zu schieben - aber immerhin gemeinsam. Als auf ihr klopfen hin niemand geantwortet hatte, hatte Weiser einfach die Tür aufgestoßen und gerade zu einem "Guten Morgen Laura! Fröhlich Weihnachten!" ansetzen wollen, als sein Blick auf das schlafende Paar fiel. Er winkte Dr. Korin zu und auch sie sah Laura und Götz zusammengesunken auf dem Stuhl schlafen. Leise schlossen sie die Tür wieder hinter sich. "Na was für ein Glück, dass wir und nicht Zwenger Dienst haben!", lächelte Dr. Weiser seine Susanne verliebt an, "Der hätte den beiden die Hölle heiß gemacht - schlafen während ihrer Dienstzeit...." Dr. Korin meinte neugierig: "Ich wüsste zu gerne, was sich gestern Abend hier abgespielt hat. Ich habe nämlich noch vor wenigen Tagen mit Laura über Götz gesprochen und da war sie noch völlig verzweifelt...." "Ist ja auch egal. Hauptsache die beiden haben sich wieder und noch viel wichtiger: Wir haben uns!", lenkte Weiser Dr. Korin von weiteren Überlegungen mit einem Kuss ab. "Aber jetzt komm' , lass' uns mal nachschauen, ob es letzte Nacht etwas Besonderes gegeben hat, die Akten müssten ja vorne bei der Nachtschwester liegen.", meinte Dr. Weiser dann pflichtbewusst und die beiden zogen Arm in Arm von dannen....


Laura schlug die Augen auf und schreckte zusammen. War sie etwa während des Dienstes eingeschlafen? Sie wusste in dem Moment nicht richtig wo sie war, doch als sie wahrnahm, dass sie auf Götz Schoß saß, fiel ihr alles wieder ein. Sie lächelte und strich über seine Hand, an welcher der Ring steckte. "Es war doch eine gute Idee, das Geld dafür auszugeben!", dachte Laura bei sich und küsste Götz sanft auf den Mund. Dieser erwachte langsam und blickte, als er die Augen aufschlug direkt in Lauras Gesicht. "Sind wir etwa eingeschlafen?", erschrak er. "Sieht ganz so aus.", grinste Laura zurück und erhob sich. Götz tat es ihr nach und stöhnte auf: "Boah, so verrenkt habe ich schon lange nicht geschlafen." Er reckte sich und setzte dann frech grinsend hinzu: "Aber so gut auch schon lange nicht mehr...." Und damit ging er auf Laura zu, hob sie hoch und wirbelte sie herum: "Laura ich bin SOOOOOOOOOOOOOOOO glücklich!" "Ich auch, Götz!", kicherte Laura und küsste ihn erneut. "Komm' wir gehen auf die Suche nach Kaffee, den brauche ich jetzt nach der ganzen Aufregung", Götz nahm Laura am Arm und zog sie auf den Gang. Auf dem Weg zum Kaffeeautomaten, trafen sie Weiser und Korin. "Na ihr beiden, ausgeschlafen!", begrüßte Weiser sie und grinste vielsagend. Götz und Laura sahen ihn entgeistert an. "Woher weißt du denn...", begann Laura. "Wir sind vorhin, auf der Suche nach dir, einfach so ins Büro geplatzt und ihr wart einfach nicht zu übersehen.", antwortete Dr. Korin für ihren Maximilian. "Naja, nicht zu ändern.", meinte Götz, "Würde es ihnen beiden was ausmachen, den Vorfall gegenüber dem Professor nicht zu erwähnen?", setzte er besorgt hinzu. "Das hatten wir sowieso nicht vor.", lächelte Dr. Weiser, "Was halten sie davon Herr Dr. Gerlach, wenn wir auch endlich zum Du übergehen? Laura, Susanne und ich, kennen ja auch kein Gesieze mehr." "Gerne!", lächelte Götz, "Also was haltet IHR davon, wenn wir jetzt alle zusammen einen Kaffee trinken? Und dann könnt ihr hier schuften und Laura und ich gehen nach Hause!" Und so entschwanden vier glückliche Menschen in Richtung Kaffeeautomat.



Laura und Götz waren die glücklichsten Menschen von ganz Hamburg. In der Folgezeit ging ihnen die Arbeit viel leichter von der Hand, da sie beide eine zentnerschwere Last hatten ablegen können. Auch die nächsten Testreihen ihres gemeinsamen Projektes verliefen mehr als zufriedenstellend und jede freie Minuten verbrachten die beiden gemeinsam. Alles hätte so schön sein können, wenn da nicht.... Ja, wenn der Lauf der Dinge den beiden nicht bald wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.....

 

Neujahr. Sehr früh am Morgen.
Laura und Götz hatten beschlossen Silvester nur zu zweit zu feiern und gemeinsam das neue Jahr zu begrüßen und sich ganz fest zu wünschen, dass es ihnen nur Gutes bringen würde. Um Mitternacht waren sie an den Strand gefahren, genau zu der Stelle, an der sie vor ihrer Trennung so oft gemeinsam gesessen hatten. Von dort aus hatten sie das Feuerwerk über der Stadt betrachtet, sich ganz fest umarmt und das neue Jahr mit einem innigen Kuss begrüsst....
Jetzt waren sie auf dem Heimweg. Es war circa drei Uhr nachts und die beiden wollten nur noch ins Bett. Als Götz sein Cabrio über eine Kreuzung steuerte passierte es! Ein mit rasender Geschwindigkeit von links kommender roter BMW nahm ihm die Vorfahrt und so prallte Götz' Wagen frontal in die Seite des BMW's......



Neujahr. Abend. St. Angela
Götz erwachte. Er lag in einem Krankenzimmer. Draußen war es stockdunkel. Er fühlte sich miserabel und wusste zunächst nicht, warum er hier lag. Als er seinen Onkel erblickte, der neben seinem Bett eingeschlafen war, fiel ihm wieder ein, was geschehen war: "Der BMW. Der Unfall. Was ist mit Laura?" Götz schossen die furchtbarsten Gedanken durch den Kopf. "Onkel Peter!", rief er. Prof. Gerlach schreckte aus dem Schlaf hoch. "Götz, du bist wach. Ganz ruhig mein Junge, ganz ruhig. Du hast Glück gehabt. Nur eine kurze Bewusstlosigkeit, eine Platzwunde am Kopf und einen komplizierten Bruch am rechten Oberschenkel. Wir mussten ihn operativ wieder richten. Aber sonst...." "Jaja, schon gut. Aber... aber... Was ist mit Laura?", Götz interessierte einzig und allein, was seiner geliebten Laura zugestoßen war. Er durfte gar nicht daran denken. Als sein Onkel nicht antwortete begann Götz zu weinen. "Was ist mit Laura? Sag es mir doch.", presste er hervor. "Götz, du darfst dich nicht aufregen, du stehst noch unter Schock.", versuchte Gerlach seinen Neffen zu beruhigen. "WAS IST MIT LAURA?????", in Götz wuchs ein furchtbarer Verdacht. "Deine Laura, sie ist... Sie wurde ziemlich schwer verletzt....", Prof. Gerlach fiel es nicht leicht die richtigen Worte zu finden, "Ihr Zustand ist sehr kritisch. Sie wird noch operiert...." "LAURA! NEIIIIIIN!", Götz wurde von einem richtigen Weinkrampf geschüttelt. "Das darf doch alles nicht wahr sein. Es war doch alles so schön. Und das nach so langer Zeit.", dachte er verzweifelt. Gerade in diesem Moment betrat Dr. Korin das Zimmer: "Prof. Gerlach, die OP ist zu Ende." "Was ist mit Laura?", Götz hatte sich abrupt aufgesetzt und sah Dr. Korin angstvoll an. "Götz, du bist wach.", sah diese ihn erschrocken an, "Lauras Zustand ist stabil. Wir konnten die inneren Blutungen stoppen und alle Organe retten. Aber..." Dr. Korin brach ab, auch ihr ging der Fall sichtlich nahe. Sie und Maximilian standen diesem jungen Paar schließlich auch sehr nah. "Was aber...", Götz wusste nicht mehr, was er tun sollte. In seinem Kopf schrie er ständig Lauras Namen. "Sie liegt im Koma. Laura hat eine Einblutung ins Hirn erlitten. Wir können jetzt nichts weiter für sie tun. Nur hoffen, dass sich das Hämatom zurückbildet und keine bleibenden Schäden hinterlässt. Und...", Dr. Korin schluckte die aufsteigenden Tränen herunter, "Und... das Laura dann von alleine wieder aufwacht...."

"NEIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNN! LAURA! NEIIIIIIN!", Götz' Schreie halten in dem nächtlich Stillen Krankenhaus gespenstisch wieder. Hemmungslos schluchzend stütze der den Kopf in die Hände. Prof. Gerlach stand nur regungslos da. Solche Situationen waren nicht seine Stärke. Dr. Korin dagegen ging auf Götz zu, ließ sich auf der Bettkante nieder und schloss Götz in die Arme: "Hey, komm' ganz ruhig. Ganz ruhig. Beruhige dich, du machst damit auch nichts besser. Es wird schon alles gutgehen, wenn wir nur alle ganz fest daran glauben und Laura Kraft und Mut geben. Laura ist eine Kämpferin, sie schafft es." Götz war völlig am Ende und lag wie ein Kind in den Armen der Ärztin und seine Tränen wollten und wollten nicht aufhören zu fließen.....


Zur gleichen Zeit saß Dr. Weiser auf der Intensivstation an Lauras Bett. "Oh, Laura. Was machst du nur für Sachen?", er strich sanft über ihre kalte, regungslose Hand. Auch seine Augen schimmerten feucht. "Warum müssen es die beiden nur so schwer haben?", dachte er wehmütig.



Vier Wochen später.
Götz saß an Lauras Bett und strich zärtlich über ihre Hand. Wieder einmal traten ihm die Tränen in die Augen und er schluchzte: "Laura, mein Engel. Komm' wach doch auf. Komm' doch zu mir zurück, Laura. Ich liebe dich doch.".....
So ging das jetzt schon wochenlang. Seitdem die Ärzte Götz erlaubt hatten aufzustehen, war er keine Minute mehr von Lauras Seite gewichen. Tag und Nacht hatte er an ihrem Bett gesessen und ihre Hand gehalten. Unzählige Tränen hatte er für sie vergossen, aber an ihrem Zustand hatte sich nichts verändert. Lauras Körper hatte sich zwar erholt, aber sie wachte einfach nicht auf und mit jedem Tag wurde die Hoffnung geringer....


Götz' blickte traurig auf den Ring, der auf dem Nachttisch lag. Er hatte Jule los geschickt, um den Ring zu kaufen. Götz hatte geplant ihn Laura anzustecken, nachdem sie wieder aufgewacht war. Auf der Innenseite des Schmuckstückes konnte man lesen: Auf ewig Dein. Götz. Und in seinen eigenen hatte er Lauras Worte eingravieren lassen: Verzeih mir. Laura.
Aber sie wollte einfach nicht aufwachen. Götz war mit den Nerven völlig am Ende. Auch auf der Station herrschte seit dem Neujahrsmorgen nur noch gedrückte Stimmung. Es gab keine Streitereien zwischen den Pflegeschülern mehr, Dr. Zwenger hatte keine dummen Kommentare mehr auf Lager und selbst Kathrin war die Lust am Intrigen schmieden gründlich vergangen. Prof. Gerlach ließ sich kaum noch auf der Station blicken und vergrub sich in seinem Büro hinter Aktenbergen. Dr. Weiser und Dr. Korin erledigten ihre Arbeit, aber auch sie waren wortkarg und in sich gekehrt. Die Pflegeschüler saßen ruhig im Unterricht bei OSI und dachten daran, dass diese Stunden eigentlich Laura und Götz gehalten hätten, wenn da nur nicht dieser betrunkene Idiot am Neujahrsmorgen gewesen wäre. "Wenigstens hat es den richtig erwischt! Dann kann er keinem mehr so was antun!", hatte Murat einmal geäußert und damit ausgesprochen, was alle dachten.


Am selben Abend saß Götz noch immer an Lauras Bett. Er küsste ihre Stirn und redete zum hundertsten oder tausendsten mal auf sie ein: "Laura, Liebes! Wach doch auf. Ich brauche dich doch so sehr. Laura ich liebe dich!" In diesem Moment spürte er einen leichten Druck an seine Hand, die Lauras Hand festhielt, oder hatte er sich alles nur eingebildet? "LAURA!", rief Götz aufgeregt. Laura regte sich und stöhnte leicht auf. Zum ersten Mal seit Wochen bewegte sie sich und ihre Lippen formten etwas wie "Götz." Götz drückte die Klingel und Dr. Weiser und Dr. Korin kamen auch sofort angerannt. "Was ist los?", fragte Weiser. "Laura! Sie.. Sie...", stammelte Götz, "Sie hat sich bewegt und versucht meine Hand zu drücken und meinen Namen zu rufen." Wieder liefen ihm die Tränen über die Wangen. Aber da war Laura schon wieder weggetreten. Weiser trat an das Bett heran und betrachtete die Kurve des EEG's, an das sie Laura permanent angeschlossen hatten. "Die Kurve weist wirklich Hirnaktivitäten auf.", stellte er fest, "Götz, du hattest recht, Laura hat wirklich auf dich reagiert. Aber jetzt ist sie wieder völlig weg. Rede mit ihr, lass sie jetzt nicht allein. Vielleicht gibt es doch noch eine Chance!"



Doch auch in den folgenden Tagen verbesserte sich Lauras Zustand nicht. Sie reagiert einfach auf nichts und niemanden. Körperlich war sie fast schon wieder gesund, sie musste nur noch aufwachen. Doch es geschah nicht und Götz begann sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass er vielleicht niemals wieder mit seiner Laura reden können würde, dass sie seine Küsse nie mehr erwidern würde....


Es war der Abend drei Tage nachdem Laura schon einmal den "Versuch" unternommen hatte, in die reale Welt zurückzukehren. Götz war gerade dabei ihre Lippen mit einem Wattestäbchen zu befeuchten und betrachtete ihr unbewegtes Gesicht. Da begannen Lauras Augenlider plötzlich zu zittern und sie stöhnte erneut leicht auf. "Laura!", entfuhr es Götz. "Laura! Laura!", rief er immer wieder. Da schlug Laura mit einem Mal die Augen auf und blickte ihn an. "Laura, mein Engel. Laura hörst du mich?", Götz begann vor Freude zu weinen. Laura versuchte etwas zu sagen, aber es wollte ihr nicht gelingen. Götz legte ihr den Finger auf Lippen und küsste sie auf die Stirn: "Ganz ruhig. Jetzt wird alles gut. Ich bin ja bei dir." Er ließ sich auf den Stuhl sinken, ohne den Blick von Laura abzuwenden und drückte ihre Hand. Und da, sie erwiderte diesen ganz leicht. In diesem Moment durchströmte Götz ein unbeschreibliches Glücksgefühl und er war sich ganz sicher: "Alles wird wieder gut. Alles!" Laut sagte er: "Laura ich liebe dich." Laura bewegte ihre Lippen und brachte nach einiger Anstrengung ein kaum hörbares "Götz" hervor.


Inzwischen waren auch der Professor, Dr. Korin und Dr. Weiser hinzugeeilt. Sie Schwester der ITS hatte sie informiert. Die drei blickten nun durch die Glasscheibe in das Krankenzimmer. Als Götz' sie bemerkte, hob der lächelnd den Daumen und ihnen damit, dass Laura wirklich wieder aufgewacht war. Dr. Weiser und Dr. Korin fielen sich in die Arme und küssten sich. Beiden standen die Tränen in den Augen. Und sogar in den Augen von Prof. Gerlach konnte man einen feuchten Schimmer erkennen.....


Schon wenige Tage später lag Laura in einem hellen Krankenzimmer auf der Station. Um sie herum standen unzählige Blumensträuße, da Götz ihr fast täglich einen mitbrachte und auch die Pflegeschüler, die Oberschwester, Dr. Weiser und Dr. Korin und sogar Kathrin und Dr. Zwenger hatten es sich nicht nehmen lassen, Laura die besten Genesungswünsche in Form von Blumen zu überbringen. Der größte Strauß war jedoch von Prof. Gerlach. Er hatte ihn Laura mit den Worten überreicht: "Laura, ich bin wirklich froh, dass sie doch zu uns ins Leben zurückgekehrt sind. Es tut mir leid, was vor mehr als einem Jahr geschehen ist. Ich hoffe, dass sie mit Götz glücklich werden und er mit ihnen. Meinen Segen haben sie. Und ich freue mich natürlich auch, auf ihre baldige Rückkehr in unser Team!"


Lächelnd saß Laura in ihrem Bett und betrachtete die Winterlandschaft draußen, die von einer strahlenden Wintersonne beschienen wurde. Sie fühlte sich schon wieder recht gut und sollte auch bald entlassen werden. In diesem Moment schlich sich Götz zu Tür herein: "Hallo mein Schatz!", begrüsste er sie und gab ihr einen zärtlichen Kuss, "Wie geht es dir?" Statt einen Antwort zog Laura ihn energisch zu sich herunter und küsste ihn stürmisch auf Stirn, Wangen und Lippen. "Also wieder ganz gut!", schlussfolgerte Götz grinsend. "Ja und bald werde ich dich auch wieder mit meiner überschüssigen Energie bei der Arbeit nerven.", gab Laura frech grinsend zurück. Götz lachte und schloss sie glücklich in die Arme: "Laura ich bin so glücklich, dass alles doch noch ein gutes Ende genommen hat. Ich kann einfach nicht ohne dich leben, Ich liebe dich so sehr!" "Ich dich doch auch, mein Schatz.", erwiderte sie und löste sich von ihm, ohne jedoch seine Hände loszulassen. Ihr Blick fiel auf den Ring, den sie ihm zu Weihnachten geschenkt hatte: "Du hast ihn noch? Ich hatte schon Angst, er sei bei dem Crash verlorengegangen." "Ja Laura. Und ich werde ihn nie wieder hergeben, schließlich ist er das Symbol für unsere zweite Chance! Schau' was ich habe machen lassen.", erwidert Götz und zog den Ring von seinem Finger. Laura nahm ihn und las: Verzeih mir. Laura.Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. "Das wollte ich schon damals machen lassen, habe es dann aber sein lassen. Ich war mir ja nicht sicher, ob du den Ring und damit auch mich überhaupt annehmen würdest. Sonst hätte ich ihn ja zurückgeben müssen.....", Laura seufzte, als sie an die schlimme Zeit damals zurück dachte, "Götz ich liebe dich!". Dieser hatte inzwischen aus seiner Jacketttasche ein kleines schwarzes Kästchen hervorgezaubert. "Laura.", sprach er sie leise an, "Ich hätte einen großen Fehler gemacht, wenn ich den Ring nicht angenommen hätte. Aber ich habe mich noch gar nicht bei dir bedankt....." Damit öffnete Götz das Kästchen und hielt den Ring, den er für Laura hatte kaufen lassen hoch. So konnte Laura die Inschrift entziffern: Auf ewig Dein. Götz Ihr stiegen sie Tränen in die Augen, als Götz ihr den Ring ansteckte. "Oh Götz, der ist wunderschön!", hauchte sie. "Ich wollte ihn dir eigentlich geben, wenn du aus dem Koma aufwachst, aber da war ich so durcheinander...", lächelte Götz. "Ich liebe dich!", Laura schmiegte sich an ihn. Götz legte die Arme um ihre Schultern: "Ich liebe dich auch über alles auf der Welt. Versprich mir, dass du mich niemals wieder alleine lässt. Die letzten Wochen waren die Hölle, Laura!" Auch Götz war nun wieder den Tränen nahe. "Hey komm! Nicht weinen.", tröstete Laura, "Jetzt wird alles wieder gut und wir fangen beide ein neues Leben an - gemeinsam, ja?" Statt einer Antwort zog Götz seine Laura so fest er konnte an sich und küsste sie zärtlich auf die Lippen. Sie erwiderte seinen Kuss und war überglücklich..........