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here's the diary to the fruehstueckspivo-tour 2002 we once came back from. sorry, but it is in german only... if you want to read some shit about it in english go to pilles site. me, flora, was touring together with a fucked up guy as dobra minus... just, so you might know. here we go:

  no! stop!

by the way i wanted to tell ya, that there is a live- cdR of this nice days in last autumn released now by this tres fantastique geezer miso. it is called "slowly slowly we can go tour 2002".                there are jamka, dobra minus, completely fucked up society, slackism and urbanox, urbanfailure and grURBANgi on it. if you are interested in getting this disc, click here or there, at least click this! haha... but, here we go:

gegen das vergessen

[slowly, slowly, we can go – tour: czech and slovak republic 2002]

 

-         29/09/02 –

 

die erste hiobsbotschaft des ersten bratislavischen sams- tages: pille sass nicht im bus aus zürich! mišo hatte zwei stunden am busbahnhof gestanden und vergeblich gehofft, pille käme mit dem nächsten euroliner. helle aufregung, telefonate und sorgenfalten. erst, als wir mittels martins helldriverambitionen in dem club in roznov pod radhostem [cz] am stadt- und feldrand ankamen und pille uns entgegen trat mit fröhlichem hallo, konnten wir die sorgen abessen. es war so: aus dem bus in den zug gen rodznov – kein kleingeld zum telefonieren und überhaupt war ja jetzt alles okay. wir waren ziemlich unter uns da; die leute veranstalteten gerade ein tischtennistunier und scherten sich wenig um uns. nur ein kleiner hund wuselte abwechselnd bei uns und den anderen umher, allerdings behielt auch er abstand. es gab gesprächsfetzen und geschmierte hasenbrote, entspanntes aufbauen und bier. als der organisationsmensch kam, dessen name mir entgangen war, gab es leckere suppe, die allerdings kaum für alle reichte - und tee sollte wir uns selbst  machen, aber es war gar keiner so richtig zu finden. das war blöd - schließlich stimmte mišos kommentar: it is fucking freezing cold! so richtig kommen wollte kein mensch. mal davon abgesehen, dass auf den flyern stand, dass das konzert erst in einem monat stattfinden wird... nach und nach steckten dann aber doch (es mag an der ansteigenden kälte gelegen haben) einige die köpfe ins geheizte konzertzimmer. die pfeifen gingen herum und das bier tat seinen beitrag, so dass alles irgendwie doch unerwartet gut lief. pille war der star des abends- - publikumsliebling und so. danach gab es noch eine one-turntable-disco, die der organisator alleine bestritt – die zwei, drei tanzenden leute liebten es wohl. ich dachte, solche aktionen  seien so gut wie ausgestorben. jetzt waren wir es, die sich um die tischtennisplatte scharten. als der abend gelaufen schien, landeten ziemlich viele müde menschen in einem kleinen, bettengefüllten geheizten (!!!) raum,  um zu schlafen. die klagen kamen später wegen der schnarchenden und der "fucking dry air"...

   

-         30/09/2002 –

 

ich nutze das fahle licht der pepsi- reklame, um das fragmentarisch niederzukritzeln, was ich bisher (im zustand des unterwegsseins) erlebt habe. im nacken sitzt mir mišos computernoise. die umgebung ist eine astreine kneipe mit arbeitern, die sich durch diese mutmaßliche antimusik bei ihrem feierabend- pivo (= feierabendbier) gestört fühlen. wir sind in handlova. die toleranzgrenze ist hier extrem niedrig- das publikum verlangt drum' n' bass- wir wollen es sabath sagen (ein [unser] freund dieses musikstils und auch auflegender desselben in leipzig). flo und ich spielen für pille, pille spielt wohl für uns. die leute nehmen's als hintergrundgeräusch, rauchen und trinken – alles wie immer. handlova ist trostlos. hier will ich nicht begraben sein. der organisator - auf deutsch "stiel" [= "steblo"] genannt - scheint nett, spricht aber kein englisch, was die kommunikation beträchtlich zum versickern bringt. [erst später erfahren wir, dass diese kruste verheiratet und vater eines vier jahre alten kindes – unklar, ob mädchen oder junge - ist.] sein vater – ein mann mit schneeweißem haar - fährt unser equipment mit seinem roten škoda zu bereits beschriebener kneipenlocation. die konzerte da fangen übrigens viel früher an als hier.

  hier nun die folge dessen, dass mišo mir den block aus den händen nimmt und seine verdammte version vom ganzen niederschreibt:

Florian ist son der President von Deutschland Nationale Bank Sohn und er ist möglich sern gute Jung. Was sonst??!

Und ich bin Peter und du bist Paul, ich bin fleißig und du bist faul... aber alles ist in Ordnung.

eigentlich jedoch sind wir ja bereits am abend des

   

- 28/09/02 -

 

in leipzig in den euroliner-bus eingestiegen, um dann nach einer vollkommen verdammungswürdigen nacht, am frühsten morgen unter bratislavas grauem himmel einzutreffen.

am späten nachmittag erst kam es zu der ersten begegnung mit mišo ["urban failure"] und martin [crazy guy]. sogleich nach dem einsitzen ins auto werden wir mit martins fahrkünsten bekannt gemacht – karussellfahren ist ein scheissdreck gegen das, was ich da erlebte. neben dem argen gefühl in augen-, hals- und magengegend penetrierte den gehörgang noch anstrengendste, dafür um so lautere techno-trance-musik, so dass ich völlig das gleichgewicht verlor. dann bier und - nun mit den füssen auf dem boden zurück- die begegnung mit meiner kindvergangenheit...satellitenstadt: hochhauspark und fernheizungshitze- 16 jahre lebte ich in solchem sozialistischen plattenbauarrangement. hier wohnte also mišo. am selben abend nochmal in die innenstadt, ins "cud", wo wir das erste mal tobiaš ["urbanox"] trafen. diese innenstadt kannten flo und ich schon, weil wir den ganzen halben tag in ihr in schlaftrunkenem zustand umhergeirrt waren, um uns – von der erschöpfung der nächtlichen busfahrt größenwahnsinnig geworden – in diesem zustand noch eine ausstellung anzusehen, die in bratislavas burg gastierte. als wir die выставка [hier nun die russische fassung von „ausstellung“] verlassen hatten, begann es tatsächlich zu schneien, während wir unverwechselbar gelassen (ja, auch das kann müdigkeit bewirken) auf der burgmauer unsere hasenbrote verspeisten, worüber sich österreiche passierende echauffierten. oh, der teufel steckt im detail und ich merke wieder meine unfähigkeit, das wesentliche zu finden. aber muss das denn immer sein... flo und ich also am freitag in bratislava bei mišo, am sonnabend dann mit martin und tobiaš nach roznov, wo wir auch mit pille zusammen kamen – und davon schrieb ich ja bereits, was die chronologie zum hinken bringt. aber ich muss fortfahren und hier unbedingt noch erwähnen, dass ich, bevor wir uns mit martins auto dorthin, also nach roznov auf den weg machten, inmitten dieses hochhauswaldes einen großen olivenbaum fand und es kaum fassen konnte, dass in dieser region solch' pflanze überleben kann – natürlich waren die oliven nicht zum verzehr geeignet, da viel zu klein... und sensibilisiert fand ich nach der rückkehr sogar in leipzig einen solchen o-baum, den ich vorher immer für eine weide gehalten hatte. ein paar oliven sammelte ich - immer noch ungläubig - auf und stopfte sie in meine tasche. [viel ist leider nicht mehr davon übrig.]

   

-         01/10/2002 –

 

jetzt also zurück zu handlova...

letztlich war es alles aber doch mehr als okay. wir saßen noch lange in dem schlaf-, ess-, probenraum herum; steblo probt dort mit seinen bandkollegen, die auch alle des nachts mit anwesend waren und uns beim soljanka- essen zusehen mussten – es war zu lecker, um zu teilen... !; dieser allzweckraum ist eigentlich eine garage und war cheek to cheek an eine grundschule gebaut. nach allerlei gelaber und gekicher stiegen wir dann endlich, in viele sachen gehüllt ins hochbett hinauf – die nacht sollte bitterkalt sein. am morgen erwartete uns spätsommerliche wärme und hellstes sonnenlicht- was pille erstmal dazu veranlasste, ein frühstückspivo zu sich zu nehmen, was wiederum mich ziemlich beeindruckte. nach diesem garagenvorplatzfrühstück gingen wir zum ersten mal in eine richtige hostinec; wir setzten uns an die bänke im freien - auch steblo trank dort quasi zum zweiten frühstück locker zwei schnäpschen weg, während wir kaffee schlürften. eigentlich wollten wir zwar wandern, aber das wartete wohl noch auf uns. in dem hostinecsaal saßen viele männer herum und ich entsinne mich, dass an der wand neben den klos lauter ausrangierte hausschuhe als wandzeitung zu sehen waren und schräg gegenüber fotos von männern [vielleicht von denen, welche da ihr frühstücksschnäpperken zu sich nahmen], wie sie auf dem klo sitzen und weitere so witzige späßchen treiben. den sinn dessen zu ergründen, würde hier zu weit führen. nach einer weiteren halsbrecherischen fahrt kamen wir in vyhne an, wo wir uns von patrick und richard empfangen sahen.

   

02/10/2002

 

vyhne - eigentlich ein faschodorf- zeigte sich vollgepfropft mit lauter "zeckenzeux". klassenfahrtähnlich zogen wir alle gemeinsam durch die wunderschöne landschaft . als besonderes erlebnis sei hier das steinmeer vermerkt: ein ehemals tätiger vulkan hinterliess seine spuren, auf denen sich nun – naturgeschützt - seltenste moosarten finden lassen. über die menge an selbstangebautem, was bei diesem ausflug zum steinmeer so durch die lungen ging, soll hier geschwiegen werden. schön war es da jedenfalls. nach leckerstem essen und der begegnung mit dem allerkleinsten hund, den richard im wald mit drei weiteren welpen in einer plastetüte gefunden hatte, gab' s in der nahegelegenen hostinec bier, kofola (lieblingsgetränk, oh lieblingsgetränk) und schwarzen tee.

später dann: als sich der probenraum gefüllt hatte mit den leuten, mit denen wir eh schon die ganze zeit vorher unterwegs gewesen sind – worüber florian keinesfalls hinweg kommen wollte - begann die "show". egozentrischer standpunkt: meines empfand ich als eine schlechte kür – kein bier, und schon geht alles schief? ohne soundcheck ist’s eben schwierig... blablabla. sonst war' s ganz brauchbar (?), spannend. am nächsten tag gab es frühstück im freien- ein sitzensemble in der nähe eines bächleins (allerdings auch direkt umgeben von allerlei ostlookgaragen), wie es dort einige vom einen und vom anderen zu geben scheint (oder sie sind mir nur dort besonders aufgefallen?).

jetzt käme also trenčin an die reihe.

bevor wir uns allerdings auf den weg in diese stadt machen konnten, wurden wir einer wahnwitzigen (?) entdeckung gewahr: unter florians fußmatte im škoda – rückbank hinter dem beifahrenden - klaffte im bodenblech ein überfußgroßes loch und von meinem platz aus – hinter dem fahrenden mišo – konnte ich durch ein weiteres durchgerostetes stück bodenplatte auf die strasse hinaussehen – ganz schön irre. wir zogen also unsere füsse ein und hofften auf die vom rahmen gehaltene rückbank.

die fahrt ging weiter.

zwischenschub:      flo und ich durften mit dem škoda eine runde fahren- welch' erlebnis!

                 

02/10/2002

 

nach langer fahrt durch berg und tal – poetischer (?): ein eintauchen in allerschönste herbstliche farben – erlebten wir also auch die ankunft in trenčin.

ein unauffälliges bierwerbeschild in einer innenstädtischen gasse lotste uns nach anhaltendem suchen zum keller called "area 51" – ebenfalls am fusse einer burg gelegen. die bedingungen im „area 51“: abendbrot konnten wir vergessen, frühstück genauso, getränke for free. peter hieß uns eher schüchtern willkommen. nachbarschaftlich zum kickertisch schlangen wir unsere gigantischen sojawurstbrote herunter, an denen wir uns während der gesamten tour kaum satt sehen und essen konnten. dann erinnere ich mich an sehr viel bier und melodieinspiration auf dem klo. martina (betonung auf der ersten silbe: màrtina) rückte ins blickfeld, der wir auch unsere unterkunft verdankten. sie kann ziemlich gut deutsch und englisch sprechen, lacht wunderbar laut und oft. im ehemaligen haus ihrer großmutter (auf die sie erstaunliche drei monate einmal "aufgepasst" hat, nach denen sie, also martina kurz vorm durchdrehen war) quartierte sie uns ein. ich lernte eine schmusesüchtige katze kennen, die mir fast mein herz brach. mit gartenmöhren- und äpfeln von martina ausgestattet trennten wir uns am nächsten morgen kurzzeitig von ihr und auch von tobiaš, der uns mit dem zug nach nitra hinterher reiste, wohin wir mit dem auto fuhren – der škoda fasste eben nur gepäck, pille, mišo, florian und mich. und dann waren wir schon fast im  vorletzten konzertort angekommen: nitra.

   

03/10/02

 

"subterra" – nitra.

wieder begrüsste uns peter, welcher auch das konzert in trenčin  für uns organisiert hatte. später tauchte auch ein weiterer mišo auf, sowie martin, tobiaš und weitere freundInnen. der im keller gelegene club beherbergte gleichzeitig internet und cafe und musik in sich. erstaunlicherweise konnte jeder mensch sich hier wahlweise richtige milch oder soymilk zu kaffee oder tee dazu bestellen – der kulinarische klimax des abends bedeutete für mich allerdings der strawberry- soymilk- shake – so was schmeckte ich selten. es zog sich mit dem auftritt alles noch ziemlich lange hin, weil die räumlichkeiten für die musikalischen events gleichzeitig auch von theatergruppen und tänzerInnen benutzt werden und wir die zeitliche überschneidung meiden wollten und auch sollten, um knatsch zu vermeiden. ich glaube, die theaterleute dulden dieses cafe bloß. keine ahnung. in der zwischenzeit besuchten wir die burg nitras – nicht die schönste von denen, die wir zu gesicht bekamen, aber mit der „attraktion“, dass in ihr irgendein kardinal haust. während wir etwas enttäuscht über die aussicht waren, war doch allerlei spaßiges gegen den kardinal und das kirchliche zu vernehmen. auf dem weg dorthin kamen wir zunächst an einer langoš - verkaufsbutze vorbei – wie lecker langoš mit knoblauchsauce ist! - und später auch an einer statue, die als zeichen irgendeiner biersorte auf dem etikett zu sehen ist. ich sollte deren zeh anfassen, der schon merklich abgegriffen war, und einen wunsch denken. ich wünschte mir weltfrieden und musste innerlich lachen, weil ich damit ein programm aus frühester kindheit herunterspulte: wurden die kinder früher gefragt, was sie sich wohl wünschten, so sagten sie in der schule mindestens: „ den weltfrieden“ - zu differenzierterem war ich wohl in dieser unverhofften wunschsekunde nicht im stande. zuvor saßen wir kofola- und bier- trinkend in einer art biergarten. ein älterer mensch, der mich an meinen eigenen großvater erinnerte, spielte dort ganz schrecklich falsch violine und sang auch teilweise dazu. er ging von tisch zu tisch. und auch, wenn ich vorher tränen lachte, als wir zusammen pläne schmiedeten, seinem auftreten zu entkommen, als er dann wirklich neben mir stand und spielte, sang und mich an sah, war dann schluss mit lustig. wir gaben ihm nichts, was ihn logischerweise nicht erfreute. als er fortging, nachdem er mišo einen spekulant genannt hatte, fühlte ich mich schlecht und fand mich und unser gebärden ein bisschen  seltsam. ich frage mich noch heute, weshalb ich ihm eigentlich nicht ein paar kronen gegeben habe.                    als der raum im „subterra“ zugänglich war, begann das aufbauen. etwas groll brachte das von mišo umgetretene bier, das sich über das effektgerät florians ergoss und verdruß stiftete, der allerdings nicht lange anhalten konnte, weil sich keine schäden einstellten. ich fand den abend rundherum recht gelungen. auch die zuhörenden schienen lust darauf zu haben. mit mišos helldriverkünsten gelangten wir dann noch nach dem konzert im fluge nach bratislava. während der fahrt muss ich einige wichtige, interessante gespräche verpasst haben, aber der schlaf nimmt auf mich keine rücksicht – ich träumte die meiste zeit ruhig vor mich hin. beim einparken stand uns allen kurzzeitig der schweiß auf der stirn, als wir plötzlich rückwärts fahrend an einem anderen auto klebten. es war aber nichts passiert. dann stellte sich die nächste hürde ein beim parkplatzsuchen: den škoda über die bordsteinkante zu befördern...halleluja! nachdem es weder mišo noch mir gelungen war, den škoda also rückwärts auf den fußgängerweg zu parken, kamen uns gerade eingetroffene freundin und freund mišos zu hilfe. als das gemeistert war, schleppten wir gemeinsam unseren krimkrams in den sechsten stock der osuskeho 6 und legten uns, denke ich, auch ziemlich bald zur ruhe. so jedenfalls meine erinnerung! und darauf folgt dann der tag, an dem wir in der hauptstadt spielen sollten: in der galerie für „contemporary arts“ – der kurator stellte sich als george vor – er sollte am meistens florians „slackism“ – cut ups mögen, doch das erfuhren wir erst am sonntag, als wir ihn wieder trafen.

   

04/10/2002

 

während sich jetzt hier, zurückgekehrt nach leipzig, die blätter bis hinauf in den dritten stock und höher wirbeln lassen – der sturm ist der helle wahnsinn - und das feuchtkalte grau sich schwer an meine nerven hängt, treibe ich meine gedanken zurück zu dem tag, an dem wir unseren letzten auftritt – und zwar in der slowakischen hauptstadt bratislava - haben sollten. sorry für diesen pseudopoetischen stilbruch... zurück also... wahrscheinlich sagte mišo, bevor wir losgingen, wie so häufig wieder: „slowly, slowly we can go“. wir fuhren also mit martin zu einem uni- komplex- haus, um dort die anlage herauszuschleppen und mittels lasttaxi zu dieser ausstellung zu bringen. unsere roadies hatten wohl pause oder so was. es erwartete uns die absolute plackerei. dort begegneten wir zum ersten mal den beiden „jamka“- menschen: monika und daniel. aufgrund der transportorganisiererei kam es dazu, dass pille, daniel, tobiaš, florian und ich erneut in einer hostinec landeten, in der sich von uns unabhängig tragische szenen abspielten. in der galerie angelangt fingen alle slowly, slowly an aufzubauen. pille, flo und ich machten uns zwischenzeitlich noch auf den weg, einen kaffee zu trinken, wobei es schwierigkeiten gab. normalerweise ist espresso ja ohne milch, aber dieser kellner wusste das anscheinend nicht [bzw. flo meint, dass er bewusst milch dazu gekippt hat, weil er uns als blöde touris abzocken wollte], und da wir drei uns von milch im allgemeinen losgesagt hatten, musste es zwangsläufig zu einer bedrückenden stimmung kommen. obgleich schon tausend mal erlebt, ist es immer wieder ein ringen...während flo sich durch einen spaziergang luft machte, sprachen pille und ich ein bisschen über dies und jenes, auch filme und schlenderten langsam zurück. ich schnappte mir die von marco geborgte gitarre und setzte mich fern ab vom ganzen trubel da drinnen auf eine kalte treppe und fing an, ein bisschen zu „klimpern“. ein typ kam vorbei und warf mir lachend einen satz zu, den ich natürlich – des slowakischen nicht mächtig – nicht verstand, aber seine luftgitarrengeste wohl schon und auch den fetzen „solo, solo“. irgendwann wusste ich dann so ungefähr, welche saiten ich am abend anschlagen würde und ging wieder in die galerie...nach soundcheck und bla wollten die leute nicht so recht kommen. wir stellten stühle hin. losgehen sollte es schon um sieben. wie schon erwähnt: die konzerte beginnen da viel früher als hier. martina war auch da und machte eintritt. ab und an ging wer zu ihr, um ein bisschen zu erzählen und ihr ein bierchen zu bringen. irgendwann war es dann total voll und ich glaube, da und in nitra konnten wir die höchsten publikumszahlen „schreiben“. so verschieden wie die projekte also urbanox, urbanfailure, jamka, slackism, completely fucked up society und dobra minus, gestaltete sich auch die zuschauerInnenschar. schon spannend. nach dem konzert – also ca. schon  22 h – fuhren wir, das waren dann „nur“ noch mišo, der andere mišo und tobiaš, und pille, flo und ich, mit dem knackevollen bus, unser equipment bis zum nächsten tag in der galerie zurücklassend, über den fluß gen satellitenstadt. vor’ m 24 h geöffneten shopping palais „tesco“ stiegen wir aus, um viel, viel bier und anderes zu holen. zu faul, den ganzen mist auch noch bis zu mišos wohnung zu tragen, nahmen wir gleich den ganzen einkaufswagen mit, der jetzt in mišos wohnung steht. ich glaube, er sammelt die jetzt.

[nach einem anderen biertreffabend lief der gleiche tesco- film erneut ab. der andere mišo verabschiedete sich nach dem einkauf – welch’  vorausblickende entscheidung! als wir uns nämlich zum zweiten mal mit solch’  einkaufswagen zu mišos wohnung auf den weg machten, um seine sammlung zu komplettieren, konnten wir die uns bevorstehenden eskapaden wegen dieses einfalls noch nicht ahnen; wir sollten nämlich beim passieren eines billardlokals an einer horde geburtstagsfeiernder (?) faschos vorbeikommen, die – und hier schwanken schon die subjektiven aussagen – bier und korb sich zu eigen machen wollten und außerdem reges interesse für die politische meinung und mišos „slayer“- aufnäher zeigten. nach relativ harmlosem handgemenge und hickhack, das durch die guten von den schlechten – hui, hui – aufgelöst wurde, gab es dann wohl ein gespräch, dass der korb zurückgegeben werden müsse, dass lügen nicht gut sei und überhaupt eine rechtsorientierte gesinnung das non plus ultra. ich glaube, unserer aller herzen puckerten ganz schön und speziell für mich kann ich sagen, dass mich nun nicht mehr nur die umgebung aufgrund der bau(un)kunst, sondern auch der nächtliche vorfall extrem an meine schwedt- vergangenheit erinnerten. anbei musste ich mich erneut wundern, dass sich das sofort aufkeimende angstgefühl immer wieder gleich anfühlt, überwältigend und lähmend auf mich wirkt und mich insofern zerreißt, als dass ich mich nicht entscheiden kann, loszurennen oder mich irgendwie zu wehren. natürlich wurde das zum dreh- und angelpunkt des weiteren abends, der dann mit dem geretteten bier endete. doch das war eigentlich erst an einem späteren abend, der eigentlich ins nächste „kapitel“ gehört.]

   

05/10/2002

06/10/2002

07/10/2002

08/10/2002

 

die letzten konzertlosen tage, die wir in bratislava verbrachten, möchte ich zusammenraffen. ich glaube, wir hingen dann einfach nur völlig entspannt herum und kochten und aßen, trafen uns mit tobiaš und den jamka- menschen zum bier trinken, streiften ein sonntägliches konzert in einem brückenbogen und lasen, sprachen und all so was. mišo musste dann ab montag ja wieder zur arbeit und war bestimmt ein bisschen gestresst von unserem besuch, den wir jedoch umgekehrt so erträglich als möglich gestalten wollten. am letzten abend mixte mišo einen riesen mojito- cocktail und mit einem leckeren abschiedsmenü im bauch, das wir vor der rückreise verzehrten, stiegen wir am dienstagabend dann in den bus zurück nach leipzig. tobiaš kam extra noch einmal, um sich von flo und mir zu verabschieden und so war alles gut und abgerundet. ich musste ein bisschen traurig sein, aber auch froh.

   

09/10/2002

 

als wir am darauf folgenden morgen in leipzig zu ungewohnt früher stunde eintrafen, war die stimmung bombig. auf den strassen war die hölle  los – die fuhren alle zur schule, arbeit, was weiß ich, der fahrkartenautomat funktionierte nicht, so dass wir mit dem ganzen kram auf den schultern noch ewig zur nächsten strassenbahnhaltestelle laufen mussten – und alles nur, weil die kontrollettis mir schon die absolute paranoia verpasst haben. jedenfalls stiegen wir – natürlich, ohne kontrolliert worden zu sein – an der mathildenstrasse aus der neun aus und sahen folglich alsdann die brand 3 und fielen schnellstens ins bett. irgendwann nachmittags kamen dann meine auf durchreise befindlichen eltern vorbei und auch micha und katharina und... dann war ich wieder in leipzig angekommen. dass ich dann am selben abend noch nach halle fuhr und ...

 

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