here's the diary to the
fruehstueckspivo-tour 2002 we once came back from. sorry, but it is in german
only... if you want to read some shit about it in english go to pilles
site. me, flora, was touring together with a fucked up guy as dobra minus...
just, so you might know. here we go:
no! stop!
by
the way i wanted to tell ya, that there is a live- cdR of this nice days in
last autumn released now by this tres fantastique geezer miso. it is called "slowly
slowly we can go tour
2002".
there are jamka, dobra
minus, completely fucked up
society, slackism and urbanox,
urbanfailure and grURBANgi on it. if you are interested in getting this
disc, click here or there,
at least click this! haha... but, here we
go:
gegen
das vergessen
[slowly,
slowly, we can go – tour: czech and slovak republic 2002]
-29/09/02 –
die
erste hiobsbotschaft des ersten bratislavischen sams- tages: pille sass nicht im
bus aus zürich!mišo
hatte zwei stunden am busbahnhof gestanden und vergeblich gehofft, pille käme
mit dem nächsten euroliner.helle
aufregung, telefonate und sorgenfalten.erst,
als wir mittels martins helldriverambitionen in dem club in roznov pod
radhostem [cz] am stadt- und feldrand ankamen und pille uns entgegen trat
mit fröhlichem hallo, konnten wir die sorgen abessen. es war so: aus dem bus in
den zug gen rodznov – kein kleingeld zum telefonieren und überhaupt war ja
jetzt alles okay.wir
waren ziemlich unter uns da; die leute veranstalteten gerade ein
tischtennistunier und scherten sich wenig um uns. nur ein kleiner hund wuselte
abwechselnd bei uns und den anderen umher, allerdings behielt auch er abstand.es
gab gesprächsfetzen und geschmierte hasenbrote, entspanntes aufbauen und bier.als
der organisationsmensch kam, dessen name mir entgangen war, gab es leckere suppe,
die allerdings kaum für alle reichte - und tee sollte wir uns selbstmachen, aber es war gar keiner so richtig zu finden. das war blöd -
schließlich stimmte mišos kommentar: it is fucking freezing cold!so
richtig kommen wollte kein mensch. mal davon abgesehen, dass auf den flyern
stand, dass das konzert erst in einem monat stattfinden wird...nach
und nach steckten dann aber doch (es mag an der ansteigenden kälte gelegen
haben) einige die köpfe ins geheizte konzertzimmer. die pfeifen gingen herum
und das bier tat seinen beitrag, so dass alles irgendwie doch unerwartet gut
lief. pille war der star des abends- - publikumsliebling und so.danach
gab es noch eine one-turntable-disco, die der organisator alleine bestritt –
die zwei, drei tanzenden leute liebten es wohl. ich dachte, solche aktionen
seien so gut wie ausgestorben.jetzt
waren wir es, die sich um die tischtennisplatte scharten.als
der abend gelaufen schien, landeten ziemlich viele müde menschen in einem
kleinen, bettengefüllten geheizten (!!!) raum,um zu schlafen.die
klagen kamen später wegen der schnarchenden und der "fucking dry
air"...
-30/09/2002 –
ich
nutze das fahle licht der pepsi- reklame, um das fragmentarisch niederzukritzeln,
was ich bisher (im zustand des unterwegsseins) erlebt habe. im nacken sitzt mir
mišos computernoise. die umgebung ist eine astreine kneipe mit arbeitern, die
sich durch diese mutmaßliche antimusik bei ihrem feierabend- pivo (=
feierabendbier) gestört fühlen. wir sind in handlova. die
toleranzgrenze ist hier extrem niedrig- das publikum verlangt drum' n' bass- wir
wollen es sabath sagen (ein [unser] freund dieses musikstils und auch
auflegender desselben in leipzig). flo
und ich spielen für pille, pille spielt wohl für uns. die leute nehmen's als
hintergrundgeräusch, rauchen und trinken – alles wie immer. handlova
ist trostlos. hier will ich nicht begraben sein.der
organisator - auf deutsch "stiel" [= "steblo"] genannt -
scheint nett, spricht aber kein englisch, was die kommunikation beträchtlich
zum versickern bringt. [erst später erfahren wir, dass diese kruste verheiratet
und vater eines vier jahre alten kindes – unklar, ob mädchen oder junge -
ist.]sein
vater – ein mann mit schneeweißem haar - fährt unser equipment mit seinem
roten škoda zu bereits beschriebener kneipenlocation. die
konzerte da fangen übrigens viel früher an als hier.
hier
nun die folge dessen, dass mišo mir den block aus den händen nimmt und seine
verdammte version vom ganzen niederschreibt:
Florian
ist son der President von Deutschland Nationale Bank Sohn und er ist möglich
sern gute Jung. Was sonst??!
Und
ich bin Peter und du bist Paul, ich bin fleißig und du bist faul...aber
alles ist in Ordnung.
eigentlich
jedoch sind wir ja bereits am abend des
-
28/09/02 -
in
leipzig in den euroliner-bus eingestiegen, um dann nach einer vollkommen
verdammungswürdigen nacht, am frühsten morgen unter bratislavas grauem himmel
einzutreffen.
am
späten nachmittag erst kam es zu der ersten begegnung mit mišo ["urban
failure"] und martin [crazy guy].sogleich
nach dem einsitzen ins auto werden wir mit martins fahrkünsten bekannt gemacht – karussellfahren ist ein scheissdreck gegen das, was ich da erlebte.
neben dem argen gefühl in augen-, hals- und magengegend penetrierte den gehörgang
noch anstrengendste, dafür um so lautere techno-trance-musik, so dass ich völlig
das gleichgewicht verlor. dann bier und - nun mit den füssen auf dem boden zurück-
die begegnung mit meiner kindvergangenheit...satellitenstadt: hochhauspark und
fernheizungshitze- 16 jahre lebte ich in solchem sozialistischen
plattenbauarrangement. hier wohnte also mišo. am selben abend nochmal in die
innenstadt, ins "cud", wo wir das erste mal tobiaš ["urbanox"]
trafen.diese
innenstadt kannten flo und ich schon, weil wir den ganzen halben tag in ihr in
schlaftrunkenem zustand umhergeirrt waren, um uns – von der erschöpfung der nächtlichen
busfahrt größenwahnsinnig geworden – in diesem zustand noch eine ausstellung
anzusehen, die in bratislavas burg gastierte.als
wir die выставка [hier nun die
russische fassung von „ausstellung“] verlassen hatten, begann es tatsächlich
zu schneien, während wir unverwechselbar gelassen (ja, auch das kann müdigkeit
bewirken) auf der burgmauer unsere hasenbrote verspeisten, worüber sich österreiche
passierende echauffierten.oh,
der teufel steckt im detail und ich merke wieder meine unfähigkeit, das
wesentliche zu finden. aber muss das denn immer sein... flo und ich also am
freitag in bratislava bei mišo, am sonnabend dann mit martin und tobiaš nach roznov, wo wir auch mit pille zusammen kamen – und davon schrieb ich ja
bereits, was die chronologie zum hinken bringt. aber ich muss fortfahren und
hier unbedingt noch erwähnen, dass ich, bevor wir uns mit martins auto dorthin,
also nach roznov auf den weg machten, inmitten dieses hochhauswaldes einen großen
olivenbaum fand und es kaum fassen konnte, dass in dieser region solch' pflanze
überleben kann – natürlich waren die oliven nicht zum verzehr geeignet, da
viel zu klein... und sensibilisiert fand ich nach der rückkehr sogar in leipzig
einen solchen o-baum, den ich vorher immer für eine weide gehalten hatte. ein
paar oliven sammelte ich - immer noch ungläubig - auf und stopfte sie in meine
tasche. [viel ist leider nicht mehr davon übrig.]
-01/10/2002 –
jetzt
also zurück zu handlova...
letztlich
war es alles aber doch mehr als okay. wir saßen noch lange in dem schlaf-,
ess-, probenraum herum; steblo probt dort mit seinen bandkollegen, die auch alle
des nachts mit anwesend waren und uns beim soljanka- essen zusehen mussten –
es war zu lecker, um zu teilen... !; dieser allzweckraum ist eigentlich eine
garage und war cheek to cheek an eine grundschule gebaut. nach allerlei gelaber
und gekicher stiegen wir dann endlich, in viele sachen gehüllt ins hochbett
hinauf – die nacht sollte bitterkalt sein.am
morgen erwartete uns spätsommerliche wärme und hellstes sonnenlicht- was pille
erstmal dazu veranlasste, ein frühstückspivo zu sich zu nehmen, was wiederum
mich ziemlich beeindruckte.nach
diesem garagenvorplatzfrühstück gingen wir zum ersten mal in eine richtige
hostinec; wir setzten uns an die bänke im freien - auch steblo trank dort quasi
zum zweiten frühstück locker zwei schnäpschen weg, während wir kaffee schlürften.
eigentlich wollten wir zwar wandern, aber das wartete wohl noch auf uns.in
dem hostinecsaal saßen viele männer herum und ich entsinne mich, dass an der
wand neben den klos lauter ausrangierte hausschuhe als wandzeitung zu sehen
waren und schräg gegenüber fotos von männern [vielleicht von denen, welche da
ihr frühstücksschnäpperken zu sich nahmen], wie sie auf dem klo sitzen und
weitere so witzige späßchen treiben. den sinn dessen zu ergründen, würde
hier zu weit führen.nach
einer weiteren halsbrecherischen fahrt kamen wir in vyhne an, wo wir uns
von patrick und richard empfangen sahen.
02/10/2002
vyhne
- eigentlich ein faschodorf- zeigte sich vollgepfropft mit lauter "zeckenzeux".
klassenfahrtähnlich zogen wir alle gemeinsam durch die wunderschöne landschaft
. als besonderes erlebnis sei hier das steinmeer vermerkt: ein ehemals tätiger
vulkan hinterliess seine spuren, auf denen sich nun – naturgeschützt -
seltenste moosarten finden lassen.über
die menge an selbstangebautem, was bei diesem ausflug zum steinmeer so durch die
lungen ging, soll hier geschwiegen werden.schön
war es da jedenfalls.nach
leckerstem essen und der begegnung mit dem allerkleinsten hund, den richard im
wald mit drei weiteren welpen in einer plastetüte gefunden hatte, gab' s in der
nahegelegenen hostinec bier, kofola (lieblingsgetränk, oh lieblingsgetränk)
und schwarzen tee.
später
dann:als
sich der probenraum gefüllt hatte mit den leuten, mit denen wir eh schon die
ganze zeit vorher unterwegs gewesen sind – worüber florian keinesfalls hinweg
kommen wollte - begann die "show". egozentrischer standpunkt: meines
empfand ich als eine schlechte kür – kein bier, und schon geht alles schief?
ohne soundcheck ist’s eben schwierig... blablabla. sonst war' s ganz brauchbar
(?), spannend.am
nächsten tag gab es frühstück im freien- ein sitzensemble in der nähe eines
bächleins (allerdings auch direkt umgeben von allerlei ostlookgaragen), wie es
dort einige vom einen und vom anderen zu geben scheint (oder sie sind mir nur
dort besonders aufgefallen?).
jetzt
käme also trenčin an die reihe.
bevor
wir uns allerdings auf den weg in diese stadt machen konnten, wurden wir einer
wahnwitzigen (?) entdeckung gewahr: unter florians fußmatte im škoda – rückbank
hinter dem beifahrenden - klaffte im bodenblech ein überfußgroßes loch und
von meinem platz aus – hinter dem fahrenden mišo – konnte ich durch ein
weiteres durchgerostetes stück bodenplatte auf die strasse hinaussehen – ganz
schön irre. wir zogen also unsere füsse ein und hofften auf die vom rahmen
gehaltene rückbank.
die
fahrt ging weiter.
zwischenschub:flo und ich durften mit dem škoda eine runde fahren- welch' erlebnis!
02/10/2002
nach
langer fahrt durch berg und tal – poetischer (?): ein eintauchen in
allerschönste herbstliche farben – erlebten wir also auch die ankunft in trenčin.
ein
unauffälliges bierwerbeschild in einer innenstädtischen
gasse lotste uns nach anhaltendem suchen zum keller called "area 51"
– ebenfallsam fusse einer burg
gelegen.die bedingungen im „area
51“: abendbrot konnten wir vergessen, frühstück genauso, getränke for free.
peter hieß uns eher schüchtern willkommen.nachbarschaftlich zum
kickertisch schlangen wir unsere gigantischen sojawurstbrote herunter, an denen
wir uns während der gesamten tour kaum satt sehen und essen konnten. dann
erinnere ich mich an sehr viel bier und melodieinspiration auf dem klo.martina
(betonung auf der ersten silbe: màrtina) rückte ins blickfeld, der wir auch
unsere unterkunft verdankten.sie
kann ziemlich gut deutsch und englisch sprechen, lacht wunderbar laut und oft.
im ehemaligen haus ihrer großmutter (auf die sie erstaunliche drei monate
einmal "aufgepasst" hat, nach denen sie, also martina kurz vorm
durchdrehen war) quartierte sie uns ein. ich lernte eine schmusesüchtige katze
kennen, die mir fast mein herz brach.mit
gartenmöhren- und äpfeln von martina ausgestattet trennten wir uns am nächsten
morgen kurzzeitig von ihr und auch von tobiaš, der uns mit dem zug nach nitra
hinterher reiste, wohin wir mit dem auto fuhren – der škoda fasste eben nur
gepäck, pille, mišo, florian und mich. und dann waren wir schon fast imvorletzten konzertort angekommen: nitra.
03/10/02
"subterra"
– nitra.
wieder
begrüsste uns peter, welcher auch das konzert in trenčin für
uns organisiert hatte. später tauchte auch ein weiterer mišo auf, sowie martin,
tobiaš und weitere freundInnen.der
im keller gelegene club beherbergte gleichzeitig internet und cafe und musik in
sich. erstaunlicherweise konnte jeder mensch sich hier wahlweise richtige milch
oder soymilk zu kaffee oder tee dazu bestellen – der kulinarische klimax des
abends bedeutete für mich allerdings der strawberry- soymilk- shake – so was
schmeckte ich selten.es
zog sich mit dem auftritt alles noch ziemlich lange hin, weil die räumlichkeiten
für die musikalischen events gleichzeitig auch von theatergruppen und tänzerInnen
benutzt werden und wir die zeitliche überschneidung meiden wollten und auch
sollten, um knatsch zu vermeiden. ich glaube, die theaterleute dulden dieses
cafe bloß. keine ahnung.in
der zwischenzeit besuchten wir die burg nitras – nicht die schönste von
denen, die wir zu gesicht bekamen, aber mit der „attraktion“, dass in ihr
irgendein kardinal haust. während wir etwas enttäuscht über die aussicht
waren, war doch allerlei spaßiges gegen den kardinal und das kirchliche zu
vernehmen. auf dem weg dorthin kamen wir zunächst an einer langoš -
verkaufsbutze vorbei – wie lecker langoš mit knoblauchsauce ist! - und später
auch an einer statue, die als zeichen irgendeiner biersorte auf dem etikett zu
sehen ist. ich sollte deren zeh anfassen, der schon merklich abgegriffen war,
und einen wunsch denken. ich wünschte mir weltfrieden und musste innerlich
lachen, weil ich damit ein programm aus frühester kindheit herunterspulte:
wurden die kinder früher gefragt, was sie sich wohl wünschten, so sagten sie
in der schule mindestens: „ den weltfrieden“ - zu differenzierterem war ich
wohl in dieser unverhofften wunschsekunde nicht im stande.zuvor
saßen wir kofola- und bier- trinkend in einer art biergarten.ein
älterer mensch, der mich an meinen eigenen großvater erinnerte, spielte dort
ganz schrecklich falsch violine und sang auch teilweise dazu. er ging von tisch
zu tisch. und auch, wenn ich vorher tränen lachte, als wir zusammen pläne
schmiedeten, seinem auftreten zu entkommen, als er dann wirklich neben mir stand
und spielte, sang und mich an sah, war dann schluss mit lustig. wir gaben ihm
nichts, was ihn logischerweise nicht erfreute. als er fortging, nachdem er mišo
einen spekulant genannt hatte, fühlte ich mich schlecht und fand mich und unser
gebärden ein bisschenseltsam. ich
frage mich noch heute, weshalb ich ihm eigentlich nicht ein paar kronen gegeben
habe.
als
der raum im „subterra“ zugänglich war, begann das aufbauen.etwas
groll brachte das von mišo umgetretene bier, das sich über das effektgerät
florians ergoss und verdruß stiftete, der allerdings nicht lange anhalten
konnte, weil sich keine schäden einstellten.ich
fand den abend rundherum recht gelungen.auch
die zuhörenden schienen lust darauf zu haben.mit
mišos helldriverkünsten gelangten wir dann noch nach dem konzert im fluge nach
bratislava. während der fahrt muss ich einige wichtige, interessante gespräche
verpasst haben, aber der schlaf nimmt auf mich keine rücksicht – ich träumte
die meiste zeit ruhig vor mich hin.beim
einparken stand uns allen kurzzeitig der schweiß auf der stirn, als wir plötzlich
rückwärts fahrend an einem anderen auto klebten. es war aber nichts passiert.dann
stellte sich die nächste hürde ein beim parkplatzsuchen: den škoda über die
bordsteinkante zu befördern...halleluja!nachdem
es weder mišo noch mir gelungen war, den škoda also rückwärts auf den fußgängerweg
zu parken, kamen uns gerade eingetroffene freundin und freund mišos zu hilfe.als
das gemeistert war, schleppten wir gemeinsam unseren krimkrams in den sechsten
stock der osuskeho 6 und legten uns, denke ich, auch ziemlich bald zur ruhe. so
jedenfalls meine erinnerung!und
darauf folgt dann der tag, an dem wir in der hauptstadt spielen sollten: in der
galerie für „contemporary arts“ – der kurator stellte sich als george vor
– er sollte am meistens florians „slackism“ – cut ups mögen, doch das
erfuhren wir erst am sonntag, als wir ihn wieder trafen.
04/10/2002
während
sich jetzt hier, zurückgekehrt nach leipzig, die blätter bis hinauf in den
dritten stock und höher wirbeln lassen – der sturm ist der helle wahnsinn -
und das feuchtkalte grau sich schwer an meine nerven hängt, treibe ich meine
gedanken zurück zu dem tag, an dem wir unseren letzten auftritt – und zwar in
der slowakischen hauptstadt bratislava - haben sollten.sorry
für diesen pseudopoetischen stilbruch... zurück also...wahrscheinlich
sagte mišo, bevor wir losgingen, wie so häufig wieder: „slowly, slowly we
can go“. wir fuhren also mit martin zu einem uni- komplex- haus, um dort die
anlage herauszuschleppen und mittels lasttaxi zu dieser ausstellung zu bringen.
unsere roadies hatten wohl pause oder so was. es erwartete uns die absolute
plackerei. dort begegneten wir zum ersten mal den beiden „jamka“- menschen:
monika und daniel. aufgrund der transportorganisiererei kam es dazu, dass pille,
daniel, tobiaš, florian und ich erneut in einer hostinec landeten, in der sich
von uns unabhängig tragische szenen abspielten.in der galerie
angelangt fingen alle slowly, slowly an aufzubauen.pille,
flo und ich machten uns zwischenzeitlich noch auf den weg, einen kaffee zu
trinken, wobei es schwierigkeiten gab. normalerweise ist espresso ja ohne milch,
aber dieser kellner wusste das anscheinend nicht [bzw. flo meint, dass er
bewusst milch dazu gekippt hat, weil er uns als blöde touris abzocken wollte],
und da wir drei uns von milch im allgemeinen losgesagt hatten, musste es zwangsläufig
zu einer bedrückenden stimmung kommen. obgleich schon tausend mal erlebt, ist
es immer wieder ein ringen...während flo sich durch einen spaziergang luft
machte, sprachen pille und ich ein bisschen über dies und jenes, auch filme und
schlenderten langsam zurück.ich
schnappte mir die von marco geborgte gitarre und setzte mich fern ab vom ganzen
trubel da drinnen auf eine kalte treppe und fing an, ein bisschen zu
„klimpern“. ein typ kam vorbei und warf mir lachend einen satz zu, den ich
natürlich – des slowakischen nicht mächtig – nicht verstand, aber seine
luftgitarrengeste wohl schon und auch den fetzen „solo, solo“. irgendwann
wusste ich dann so ungefähr, welche saiten ich am abend anschlagen würde und
ging wieder in die galerie...nach soundcheck und bla wollten die leute nicht so
recht kommen. wir stellten stühle hin. losgehen sollte es schon um sieben.wie
schon erwähnt: die konzerte beginnen da viel früher als hier.martina
war auch da und machte eintritt. ab und an ging wer zu ihr, um ein bisschen zu
erzählen und ihr ein bierchen zu bringen.irgendwann
war es dann total voll und ich glaube, da und in nitra konnten wir die höchsten
publikumszahlen „schreiben“.so
verschieden wie die projekte also urbanox, urbanfailure, jamka, slackism,
completely fucked up society und dobra minus, gestaltete sich auch die
zuschauerInnenschar. schon spannend.nach
dem konzert – also ca. schon22 h
– fuhren wir, das waren dann „nur“ noch mišo, der andere mišo und tobiaš,
und pille, flo und ich, mit dem knackevollen bus, unser equipment bis zum nächsten
tag in der galerie zurücklassend, über den fluß gen satellitenstadt. vor’ m
24 h geöffneten shopping palais „tesco“ stiegen wir aus, um viel, viel bier
und anderes zu holen. zu faul, den ganzen mist auch noch bis zu mišos wohnung
zu tragen, nahmen wir gleich den ganzen einkaufswagen mit, der jetzt in mišos
wohnung steht. ich glaube, er sammelt die jetzt.
[nach
einem anderen biertreffabend lief der gleiche tesco- film erneut ab. der andere
mišo verabschiedete sich nach dem einkauf – welch’vorausblickende entscheidung!als
wir uns nämlich zum zweiten mal mit solch’einkaufswagen zu mišos wohnung auf den weg machten, um seine sammlung zu
komplettieren, konnten wir die uns
bevorstehenden eskapaden wegen dieses einfalls noch nicht ahnen; wir sollten nämlich
beim passieren eines billardlokals an einer horde geburtstagsfeiernder (?)
faschos vorbeikommen, die – und hier schwanken schon die subjektiven aussagen
– bier und korb sich zu eigen machen wollten und außerdem reges interesse für
die politische meinung und mišos „slayer“- aufnäher zeigten. nach relativ
harmlosem handgemenge und hickhack, das durch die guten von den schlechten –
hui, hui – aufgelöst wurde, gab es dann wohl ein gespräch, dass der korb zurückgegeben
werden müsse, dass lügen nicht gut sei und überhaupt eine rechtsorientierte
gesinnung das non plus ultra. ich glaube, unserer aller herzen puckerten ganz
schön und speziell für mich kann ich sagen, dass mich nun nicht mehr nur die
umgebung aufgrund der bau(un)kunst, sondern auch der nächtliche vorfall extrem
an meine schwedt- vergangenheit erinnerten. anbei musste ich mich erneut
wundern, dass sich das sofort aufkeimende angstgefühl immer wieder gleich anfühlt,
überwältigend und lähmend auf mich wirkt und mich insofern zerreißt, als
dass ich mich nicht entscheiden kann, loszurennen oder mich irgendwie zu wehren.natürlich
wurde das zum dreh- und angelpunkt des weiteren abends, der dann mit dem
geretteten bier endete. doch das war eigentlich erst an einem späteren
abend, der eigentlich ins nächste „kapitel“ gehört.]
05/10/2002
06/10/2002
07/10/2002
08/10/2002
die
letzten konzertlosen tage, die wir in bratislava verbrachten, möchte ich
zusammenraffen. ich glaube, wir hingen dann einfach nur völlig entspannt herum
und kochten und aßen, trafen uns mit tobiaš und den jamka- menschen zum bier
trinken, streiften ein sonntägliches konzert in einem brückenbogen und lasen,
sprachen und all so was.mišo
musste dann ab montag ja wieder zur arbeit und war bestimmt ein bisschen
gestresst von unserem besuch, den wir jedoch umgekehrt so erträglich als möglich
gestalten wollten. am letzten abend mixte mišo einen riesen mojito- cocktail
und mit einem leckeren abschiedsmenü im bauch, das wir vor der rückreise
verzehrten, stiegen wir am dienstagabend dann in den bus zurück nach leipzig. tobiaš kam extra noch
einmal, um sich von flo und mir zu verabschieden und so war alles gut und
abgerundet. ich musste ein bisschen traurig sein, aber auch froh.
09/10/2002
als
wir am darauf folgenden morgen in leipzig zu ungewohnt früher stunde
eintrafen, war die stimmung bombig. auf den strassen war die höllelos – die fuhren alle zur schule, arbeit, was weiß ich, der
fahrkartenautomat funktionierte nicht, so dass wir mit dem ganzen kram auf den
schultern noch ewig zur nächsten strassenbahnhaltestelle laufen mussten – und
alles nur, weil die kontrollettis mir schon die absolute paranoia verpasst
haben. jedenfalls stiegen wir – natürlich, ohne kontrolliert worden zu sein
– an der mathildenstrasse aus der neun aus und sahen folglich alsdann die
brand 3 und fielen schnellstens ins bett. irgendwann nachmittags kamen dann
meine auf durchreise befindlichen eltern vorbei und auch micha und katharina
und... dann war ich wieder in leipzig angekommen. dass ich dann am selben abend
noch nach halle fuhr und ...