Nur für Mädchen
Für immer meins
Manchmal muss ein Mädchen sie anziehen. Einfach weil sie
das Bedürfnis hat. Streift
sie über, schnallt sie fest und stelzt los. "Himmel", der Junge
wirft sich ihr in
den Weg. "Was willst du denn in diesem Aufzug?" Eigentlich will sie
schön sein, in
ihrem runden roten Sechziger-Jahre-Schuhen. Klar sehen sie ein bißchen
brav und
altmodisch aus. Aber wie Rotkäppchen? "Wie Rotkäppchen"
sagt der Junge "mit roten
Schühchen." Ist ihr egal. Weil sie die Schuhe liebt. So wie ein paar
andere
Kleidungsstücke , die sie schon jahrelang trägt, immer wieder, zwanghaft.
Sachen,
bei denen Jungs Weinkrämpfe kriegen, fluchen und das Mädchen beschwören
etwas anderes
anzuziehen. Aber diese Sachen sind eben keine Werkzeuge, um vor Jungs hübsch
auszusehen. Sie sind schön um ihrer selbst willen. Das königsblaue
Kleid. Erbstück
von einer Oma, die sie selbst nie kennengelernt hat. Es strahlt in einer Farbe,
dass
der Himmel aufreißt und die Englein schreinen: "Gott, bist du schön
Mädchen" Blau
wie der Himmel im Herbst. Jungs sehen das nicht. Sie sehen nur die zwei großen
goldenen Knöpfe, die vorne auf den festen Stoff genäht sind. Sie erklären
ihr noch
mal, welches Jahr wir schreiben, und sie machen einen Diener vor Queen Mum.
Oder
der weiße Polyester-Mantel. Manche Jungs nennen ihn "Metzger-Schürze",
verlangen
nach 50 Gramm Gelbwurst und fürchten sich vor dem Hackbeil. Auch die hellrosa
Häkelstrickjacke vom Flohmarkt mit den kleinen verfilzten Bommeln dran
hat es nicht
leicht. Niedlich, sagen Mädchen dazu, aber Jungs fangen an zu quengeln.
Denn sie
assoziieren mit der Farbe Rosa: Miss Piggi, Barbapapa, Hubba Bubba,
Kleinmädchenzimmer. Auch Schlimmeres. Egal! sie stakst unverdrossen weiter
in ihren
roten Schühchen, dem blauen Kleid, der Strickjacke und dem Popeline-Mantel.
Dem
rosaroten Sonnenuntergang entgegen und einem Märchenprinzen, der hoffentlich
nicht
solche Klamotten trägt wie sie. Denn rosa bei Jungs, das mag sie gar nicht.
Anja Burkel