Nur für Jungs
Für immer meins
Das könnte der Moment sein, in dem die Würde stirbt.
Das Mädchen, das wir lieben,
liebt uns auch, es liebt allerdings nicht, wie wir uns anziehen - und also gehen
wir mit dem Mädchen einkaufen: Und sie wählt für uns: Üullover,
Hemd, Hose, Schuhe,
vielleicht auch eine Jacke. Das steht einem ja ausgezichnet, das kann man alles
anziehen. aber man sollte es doch nicht tun.
Was ist vorher passiert? Es war die vierte, möglicherweise auch die fünfte
Verabredung.
Man hat sich schon dies und das erzählt, sich geküsst, vielleicht
auch mehr. Und bei
dieser vierten (oder fünften) Verabredung haben wir an, was wir Jungs halt
so anhaben:
eine Jeans, Nike-Crosstrainers, Bomberjacke. Unsere Bomberjacke. Die grüne.
Mit innen
orange. Die wir schon seit zehn Jahren besitzen und mit einer einer
Selbstverständlichkeit tragen, die fälschlicherweise auch als Coolness
bezeichnet
werden könnte. Aber wir wollen gar nicht cool sein, wir wollen einfach
eine Jacke
tragen, von der wir immer glaubten, dass sie zu uns passt. Das Mädchen,
das wir lieben
glaubt das nicht. Als sie uns so sieht, rümpft sie die Nase und denkt an:
Kirmes-Schläger, Halbstarker, Skinhead, Vollidiot. WEgen der Jacke! Wegen
einer Jacke,
die wir mögen, weil sie warm hält, weil sie praktisch ist, weil sie
super sitzt.
An diesem Abend, bei der vierten (oder fünften) Verabredung, ist die Bomberjacke
das
einzige Gesprächsthema. Und wir denken: Das geht ja gut los. Was wird sie
dann erst
zu meinen ausgeleierten Hochseefischer-Pullover sagen? Zu meinem Slayer-T-Shirt?
Zu meinen Cowboystiefeln? (Die wir nicht mehr tragen, aber auch nicht wegschmeißen,
denn irgendwann kommt bestimmt wieder die Zeit...) Es ist dann aber doch noch
ein
netter Abend geworden mit dem Mädchen, das wir lieben. Man hat sich auch
wieder
verabredet. In der Stadt. Zum Einkaufen. Was Nettes zum Anziehen. Für das
Mädchen
das wir lieben. Wir haben ja schon alles.
Jan Hammer