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Nur für Jungs

Museum

 

Es gibt Momente, in denen wir den Physik-Nerd unserer Klasse beneiden: Wenn er den
Jahrgangswettbewerb gewiint und dafür ein Wochenende lang nahc Aschaffenburg ins
naturwissenschaftliche Museum darf. Wir wollen da auch hin. Im Physik-Unterricht
verstehen wir nie, was vor sich geht. Ein rollen, der Mann misst die Zeit. Das wars.
Uns interessiert das alles nicht, weil es so elend langsam ist. Weil Kugeln nur
kullern, Pendel schwingen und Federn wippen. In Mitmach-Museen, in Anfass-Mussen
ist alles viel schöner: Ein schwarzer Kasten, in dem die kosmische Teilchenstrahlung
sichtbar wird, von der weir bisher nicht mal wussten, dasss es sie gibt, ist toll.
Wir bruachen gar nicht zu begreifen, was der Kasten kann. Wir halten unserer Hand
hinein in den Teilchen-Hagel und schauen zu, wie die Teilchen unsere Hand
durschlagen, und machen die Augen zu, um zu überprüfen, ob sie nicht odhc ein ganz
klein wenig kitzeln. Tun sie nicht! Wir sind beeindruckt. Ein Plexiglas-Schaukasten,
unter dem "Auftrieb" steht, erklärt uns ds Fliegen. Wir drücken auf den roten Knopf,
der aussieht, als könnte er auch das Museum hochjagen, und schon strömt Luft waagrecht
durch das Flugzeug-Aquarium, und das angeleinte Flugzeug hebt ab. Wenn dann ein paar
neunjährige Jungen, von denen es in solchen Museen immer genügend gibt, vor dem
gleichen Kasten kleben, erklären wir väterlich: "Durch den Luftzug krieg das Flugzeug,
na ja, Auftrieb von unten und fliegt." In der Schule würde so ein Satz nicht viel taugen,
aber im Museum reicht er für bewundernde Blicke. Die Kür des Erklärens findet natürlich
außerhalb des Museums statt. Wir speichern das, was wir gesehen haben, ohne es zu
verstehen, so wie wir manche spanische Liedtexte ablegen in abseitigen Hirnregionen, in
der Hoffnung, sie irgendwann wieder einsetzen zu können. Die Erklärung werden wir aus den
Vokabeln, an die wir uns noch erinnern, zusammenflicken. Die Teilchenstrahlung speichern
wir für den Fall, dass wir vielleicht schon bald spazieren gehen werden, un der Himmel
bedeckt ist, und wir nicht auf Polarlichter, Raumstationen oder Sternbilder deuten können.
Dann sagen wir: "Wusstest du, dass dauernt Teilchen aus dem WEltall auf uns einprasseln?"
Wenn wir sie elektrisch aufladen, beginnen sie zu leuchten. sie gehen durch unseren Körper,
ohne dass wir sie spüren." Darum gehen wir ins Museum. Wir halten solche Sätze nämlich für
romatisch.
Matthias Stolz