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Jobben im Ausland: Schafe scheren, Würmer umbettenJOBBEN IM AUSLAND Schafe scheren, Würmer umbetten Zwickt Abiturienten und Studenten das Fernweh, ist Reisen und Arbeiten im Ausland die ideale Kombination. Tausende von jungen Leuten finden über staatliche oder kommerzielle Vermittler den richtigen Job - ob als Hilfsbauer in Island, Erbeerpflücker in Dänemark oder Animateur in Spanien.
APIsland: Traumlandschaft mit Geysir 'Auf einem Bauernhof in Nordisland sollte ich mit einem allein stehenden, nicht Englisch sprechenden Bauern namens Björn sowie 100 Schafen und 16 Kühen meine Zeit verbringen' - der Auslandsaufenthalt der Sozialpädagogin Monika Tischjleder, 25, begann kurios. Nach Abgabe ihrer Diplomarbeit wollte sie erst einmal ein halbes Jahr raus aus Deutschland. Den Job als landwirtschaftliche Hilfskraft in Island vermittelte ihr die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn. 'Island ist unser Exotenprogramm in Europa', sagt ZAV-Teamleiterin Svenja Deters. Viele Abiturienten, Studenten und junge Fachkräfte wollen vor der ersten richtigen Arbeitsstelle hinaus in die weite Welt, dort Erfahrungen sammeln und reisen. Bei der ZAV stehen Arbeitserfahrung und berufliche Orientierung über Praktika im Vordergrund. 'Natürlich bietet es sich an, anschließend mit dem verdienten Geld zu reisen', so Svenja Deters. Weltweit bietet die ZAV 50 Programme an. Die Palette reicht von Praktika in Australien und Neuseeland über Gästebetreuung im Mittelmeerraum bis zu Sozial- oder Umweltprojekten in Peru, Chile, Mexiko oder Argentinien. Osteuropa ist bisher ein Ladenhüter Im Jahr 2004 vermittelte die ZAV 2400 jungen Leuten einen Job oder ein Praktikum. 'Boomländer sind Australien und Neuseeland. Leider ist es noch nicht so leicht, Teilnehmer nach Osteuropa zu vermitteln', sagt Deters. Oft liege das an der Sprache. Dabei gibt es auch in Polen und Russland Jobs in Feriencamps oder als Sprachassistenten an Universitäten. Generell sind gute Sprachkenntnisse unerlässlich. Nur Erdbeerpflücker in Dänemark oder Animateure in Spanien kommen anfangs auch mit wenigen Brocken zurecht. GMSNach dem Studium in die Ferne: Erst die Arbeit, dann die Strandparty 'Praktika sind in der Regel unbezahlt. Wenn der Arbeitgeber jedoch merkt, dass man wertvolle Arbeit leistet, wird letztlich doch etwas gezahlt', sagt Deters. Jobs können netto bis zu 1000 Euro monatlich bringen. Die ZAV nimmt als staatliche Einrichtung kein Geld für Informationen oder Vermittlungsleistungen, bei der Zusammenarbeit mit nicht-staatlichen Partnern können allerdings Kosten entstehen. Wer im Ausland jobben will, sollte sich genug Vorbereitungszeit nehmen. Wichtig ist der Abschluss einer Krankenversicherung für das Ausland. Ob sie spezielle Reisegepäck- oder Haftpflicht-Policen abschließen, entscheiden die Teilnehmer. Australien und Neuseeland stehen hoch im Kurs Neben der ZAV vermitteln auch viele kommerzielle Anbieter Jobs oder Praktika im Ausland. Ob jemand sich für ein solches, vorbereitetes Angebot entscheiden sollte, hänge von der Persönlichkeit ab, so Deters: 'Manche finden sich sehr schnell sehr gut in einer fremden Umgebung zurecht und planen die Bausteine des Aufenthalts gern selber, andere geben diese Organisation lieber ab.' ATCParadies für Backpacker: Unterwegs am Strand in West-Australien Zu den privaten Anbietern zählt beispielsweise Travel Works in Münster. 'Die Renner bei uns sind definitiv Australien und Neuseeland', sagt Tanja Kuntz vom Marketing des Spezialreiseveranstalters. In 'Down under' können 18- bis 30-Jährige mit einem 'Working Holiday Visum' bis zu ein Jahr lang reisen und jobben. Jede Arbeit ist vorstellbar: 'Ich habe schon einmal auf einer australischen Farm Toilettenrohre verlegt, kenne jemanden, der Würmer umgebettet hat, und in Neuseeland ist es nicht unüblich, Schafe zu scheren.' Netto könne man in Australien und Neuseeland 6 bis 7 Euro pro Stunde verdienen, bei der Erntearbeit je nach Menge auch mehr. 'Was man verdient, reicht immer, um Unterkunft und Verpflegung zu finanzieren. Allerdings kommt man nicht reich zurück', sagt Kuntz. Pro Tag sollte der Job-Reisende mit Ausgaben zwischen 25 und 30 Euro rechnen. Die rund 3000 Euro, die man sowohl in Australien als auch in Neuseeland bei der Einreise nachweisen muss, sind laut Kuntz eine realistische finanzielle Basis für einen Jahresaufenthalt. Knochenjobs in der Gastronomie In den Programmen sind üblicherweise der Hin- und Rückflug sowie ein Konto, eine Steuernummer, die Postaufbewahrung am Ort und die ersten beiden Übernachtungen enthalten. Zusätzlich hilft die Organisation bei der Jobsuche und berät bei Fragen und Problemen. ATCReiseziel Perth: Wer genug gerackert hat, kann kreuz und quer durch Australien reisen 'Australien und Neuseeland bieten viel Freiheit, ein fester Job in Spanien, Frankreich oder England dagegen mehr Sicherheit', rät Kuntz. Wer nicht weit weg will, kann zum Beispiel in Südfrankreich gegen Kost, Logis und ein Taschengeld von 200 Euro in einem Hotelbetrieb arbeiten. Bei einem Job in der spanischen Gastronomie lassen sich laut Kuntz monatlich zwischen 600 und 900 Euro netto plus Trinkgelder verdienen. Für Unterkunft und Verpflegung muss der Jobber bei diesem Verdienst allerdings selbst aufkommen. 'Im Juli und August ist die Arbeit dort ein echter Knochenjob, dafür kann man nach der Saison wunderbar Urlaub machen', so Kuntz. Spezialvisa in Kanada sind rar Wer in die USA will, muss stärkere Reglementierungen in Kauf nehmen: Das Job-Visum gilt nur fünf Monate, die Arbeitsstelle muss vor der Einreise nachgewiesen werden. In Kanada dürfen jugendliche Jobber zwar ein ganzes Jahr bleiben. 'Das Land gibt jährlich aber nur 500 'Working Holiday Visa' an Deutsche aus', sagt Verena Hanneken vom Veranstalter Step In in Bonn. Wer ein solches Visum ergattert hat, darf dann auch länger als drei Monate in einem Job bleiben. In Australien, Neuseeland oder den USA ist das nicht möglich. ZUM THEMA IN SPIEGEL ONLINE Mit dem Fahrrad zur WM: Von Kreuzberg nach Korea (04.11.2004) Finale beim Trampen nach Osten: Ich möcht' zurück auf die Straße (08.06.2004) Gaststudenten: USA in der Gunst gesunken (14.03.2005) Lehrer im Ausland: Mathestunde unter mexikanischer Sonne (11.02.2005) Falsche Job-Versprechen: 'Ehrliche Arbeit, ehrlicher Lohn' [€] (17.09.2004) 'Bei der Jobsuche im Ausland sind Eigeninitiative und Flexibilität das A und O', betont Hanneken. Es sei nicht gut, sich auf nur einen Arbeitsbereich einzuschießen. Die Aushilfstätigkeit könne in jedem Bereich angesiedelt sein - egal ob Landwirtschaft, Gastronomie, Werbung, Fabrik oder Büro. Und obwohl die Job-Reisenden arbeiten, gilt: 'So ein Aufenthalt ist nicht zum Nulltarif zu haben.' Bei den kommerziellen Anbietern kosten beispielsweise Jahres-Trips nach Australien, Neuseeland oder Kanada mit Flug, Betreuung, Serviceleistungen und Programmpunkten 1330 bis 2250 Euro. Ein drei- bis zwölfmonatiges Jobprogramm in Frankreich, Großbritannien oder Spanien schlägt bei eigener Anreise und Unterbringung mit Betreuung und verschiedenen Serviceleistungen mit 700 bis 1000 Euro zu Buche. Von Dirk Averesch, gms
Quelle:: Spiegel.de
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