Finanzierung
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1 Uberblick 1.1 Gliederung der Finanzierung 2 Finanzierungsarten 3 Finanzierungspolitik 3.1 Finanzierungsregeln 4 Finanzplanung 5 Analyse von Finanztiteln 5.1 Bilanzanalyse 6 Literatur 7 Siehe auch |
Uberblick
Unter dem betriebswirtschaftlichen Aspekt der Finanzierung ist 'landlaufig die Bereitstellung finanzieller Mittel' (1) zu verstehen. Sie ist Teil des Betriebsprozesses. Anfanglich betrachtete man unter dem Stichwort Finanzierung nur die Kapitalbeschaffung durch Ausgabe von Wertpapieren. Spater wurde der Begriff um die Kapitalruckzahlung und -umschichtung bis hin zur umfassenden 'Versorgung eines Unternehmens mit Kapital' erweitert.
Investition und Finanzierung gelten als zwei verschiedene Seiten ein und derselben Medaille, da der durch eine finanzwirksame Entscheidung ausgeloste Beitrag zur Zielerreichung ausschlaggebend ist, unabhangig davon, ob der Zahlungsstrom als Investition oder Finanzierung bezeichnet wird. So ist der Abschluss eines Sparvertrags in Hohe von 100 € und dessen Ablosung nach einem Jahr mit 110 € fur den Sparer eine Investition: Auszahlung = -100 €, Einzahlung = +110 €, Guthabenzinsen = +10 € oder +10%. Fur das Geldinstitut ist dieser Sparvertrag eine Fremdfinanzierung: Einzahlung = +100 €, Auszahlung = -110 €, Schuldzinsen = -10 € oder -10%.
Neben dieser betriebswirtschaftlichen Sicht, existiert aber auch eine volkswirtschaftliche Sicht. Werden namlich die das Kapital benotigenden Wirtschaftssubjekte (z. B. Unternehmungen) und die Wirtschaftssubjekte, die Kapital anlegen wollen (Investoren), gegenubergestellt, so ist es volkswirtschaftlich von Interesse, dass der Transfer des Kapitals von den Kapitalgebern/-anlegern zu den das Kapital benotigenden Wirtschaftssubjekten mit moglichst geringen Reibungsverlusten (Transaktionskosten) einhergeht.
Durch effizientere Finanzierungsformen kann also ein volkswirtschaftlicher Gewinn erzielt werden. Als Vermittler zwischen Kapitalgebern und -nehmern konnen z. B. Borsen (direkte Finanzierung) oder Banken (indirekte Finanzierung bzw. Finanzintermediation) auftreten.
Gliederung der Finanzierung
- Merkmale
- Einzahlung
- Stundung im Sinne einer Zeitdifferenz zwischen erhaltenener Einzahlung und der zu erbringenden Ruckzahlung zwecks Tilgung der Verpflichtung, die aus dem Erhalt resultierte.
- Kategorien
- Einzahlung und sich anschliessende Stundung der Ruckzahlung = Aussenfinanzierung
- Entgeltfinanzierung im weiteren Sinne = nur Einzahlung (Produkt gegen Entgelt)
- nur Stundung = Innenfinanzierung
- Typen
- Aussenfinanzierung
- Beteiligungsfinanzierung (Eigenkapital-Finanzierung)
- Kreditfinanzierung (Fremdkapitalfinanzierung)
- Finanzierung mit Wechsel
- Finanzierung mit Wechsel
- Mezzanine Finanzierung
- Aussenfinanzierung
Finanzierungsarten
Die beiden wichtigsten Finanzierungsarten werden nach der Herkunft der Finanzmittel unterschieden: bei der Aussenfinanzierung wird das Kapital von aussen in den Betrieb eingebracht, bei der Innenfinanzierung dagegen werden die Mittel durch den normalen betrieblichen Umsatzprozess d.h. aus Erlosen aus Lieferungen und Leistungen sowie dem sonstigen Verkauf von betrieblichem Vermogen beschafft. Die Hohe der Innenfinanzierung hangt davon ab, wieviel der so erwirtschafteten finanziellen Mittel im Betrieb verbleiben, also nicht als Steuern oder Ausschuttung abfliessen.
Finanzierungspolitik
Finanzierungsregeln
Im Hinblick auf eine optimale Kapitalstruktur, was eine kostenminimierende und damit auch gewinnmaximierende Auslegung der Finanzierung bedeutet, haben sich einige Finanzierungsregeln ausgepragt. Diese zielen nicht nur auf eine optimale Verschuldung sondern auch auf die Erhaltung der Zahlungsfahigkeit, also eine optimale Liquiditat.
- Eins-zu-Eins-Regel: Das Eigenkapital sollte nach dieser Regel mindestens so hoch sein wie das Fremdkapital.
- Goldene Bankregel: Ruckzahlungsdatum / Verfugungsdauer des Kapitals sollte sich mit dem Ruckflusszeitpunkt decken (Fristenkongruenz)
- Goldene Bilanzregel: Finanzierung von Anlagevermogen (AV) durch Eigenkapital (EK) oder in der weiteren Fassung, Finanzierung von AV durch EK und langfristiges Fremdkapital
Die meisten der oben genannten Regeln erweisen sich in der Praxis oft als utopisch, da sie je nach Branche kaum bis gar nicht umzusetzen sind. Ausserdem vermindern sie, haufig zu Gunsten der Liquiditat, die Rentabilitat aber ermoglichen auch, je besser die Regeln erfullt sind, langere wirtschaftliche Durststrecken zu uberwinden.
So gesehen ist eine Anpassung der starren Regeln auf jedes einzelne Unternehmen oder zumindest auf eine Branche notig um den Praxisbezug herzustellen.
Eine besondere Rolle spielt der Leverage-Effekt, ubersetzt, die Hebelwirkung des Fremdkapitals.
Finanzplanung
Die Finanzplanung betrachtet als ihre Hauptaufgabe die Erhaltung der Liquiditat unter der Voraussetzung der Rentabilitatsmaximierung (in diesem Fall also die Kapitalkostenminimierung). Folglich muss ein dynamisches Gleichgewicht zwischen allen kunftigen Zahlungseingangen und Zahlungsausgangen herrschen.
Die Zahlungsunfahigkeit droht auch in Fallen, wenn das Gleichgewicht in einer unendlich kleinen Zahlungsperiode gestort ist, sollte sie nicht durch Sofortmassnahmen (zusatzliche liquide Mittel) behoben werden konnen.
Mogliche Liquiditatszustande:
- Uberliquiditat: kalkulatorischer Verlust durch fehlende Zinseinnahmen
- Unterliquiditat: Zahlungsunfahigkeit
Um Uberliquiditat abzubauen konnen Investitionen getatigt werden oder Schulden zuruckgezahlt werden. Unterliquiditat kann durch zusatzliche externe Kapitalquellen (Kredite, Kapitalerhohungen) oder unternehmensintern mittels Streichungen von Investitionen/Stellen aufgefangen werden.
Analyse von Finanztiteln
Im Gegensatz zur Finanzplanung wird bei der Analyse von Finanztiteln (Sicht des Unternehmens) die Sicht der Eigenkapitalgeber bzw. der Glaubiger/Fremdkapitalgeber angenommen. Gleichwohl konnen Unternehmen auch selbst als Kapitalgeber fur andere Unternehmen auftreten, in dem sie z.
B. nicht benotigte Liquiditat in Wertpapieren anlegen. Diese Art der Analyse kann auch als Wertpapieranalyse bezeichnet werden.
Bilanzanalyse
Aus dem Rechnungswesen stammt die Methode, anhand der Bilanz finanzwirtschaftliche Kennzahlen zu ermitteln, um aus Sicht des Glaubigers das Ausfallrisiko einer Fremdfinanzierung abzuschatzen oder aus Sicht der Eigenkapitalgeber Hinweise auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu bekommen. Im Wesentlichen existieren dafur vier Kennzahlen:
| | |||
| | | Fremdkapitalquote auch unter Anpassungsgrad bekannt | |
Eine hohe Fremdkapitalquote oder das Gegenteil, eine niedrige Eigenkapitalquote bedeuten haufig ein erhohtes Risiko, da bei einem Konkurs die nicht oder nicht vollstandig durch Sicherheiten gedeckten Kredite teilweise ausfallen konnen.
Der Verschuldungsgrad kennzeichnet die Relation des Fremdkapitals zum Eigenkapital und bewertet somit das Gleiche wie die beiden Finanzierungsquoten.
Systembedingte Schwachen der Bilanzanalyse sind die fehlenden Auskunfte uber Marktstellung, -potential und Qualitat des Management, da die Bilanz als Stichtagsubersicht wenig Informationen uber die zukunftige Stellung des Unternehmens liefert und kaum etwas uber die bisherigen Erfolge oder Probleme der Unternehmsfuhrung im Markt aussagt.
Literatur
- Volker Oppitz/Volker Nollau: Taschenbuch Wirtschaftlichkeitsrechnung, Carl Hanser Verlag 2003, 400 S., ISBN 3446224637
- Volker Oppitz: Gabler Lexikon Wirtschaftlichkeitsberechnung, Gabler-Verlag 1995, 629 S., ISBN 3409199519
Siehe auch
- Basel II, Immobilienfinanzierung, Anteilsfinanzierung, Finanzierung und Investition
(1) Gunter Wohe, Einfuhrung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 21. Aufl., Munchen 2002
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