Pay - TV - Decoder
TV-Karten boomen, und das nicht zuletzt aus einem ganz bestimmten Grund:
Dank pfiffiger Hack-Programme aus dem Internet läßt sich das Programm etlicher Pav-TV Sender per PC entschlüsseln.
Einer der größten Renner in den Computerläden sind seit einiger Zeit TV-Karten, die das Fernsehen am PC ermöglichen. Das Hauptinteresse dürfte dabei wenigen an der Sportschau im Windows-Fenster liegen. Nach Auskunft einiger Händler werden beim Beratungsgespräch nämlich früher oder später vom Interessenten zumeist die selben Fragen - meist in etwas leiserem, verschwörerischem Tonfall - gestellt: »Man kann doch mit einer TV-Karte ohne Dekoder Premiere entschlüsseln, oder? Welche Karte brauche ich dazu? Und ist die Dekoder-Software schon dabei?«
Aha! Das ist der Knackpunkt. Und höchstwahrscheinlich auch der heimliche Grund dafür, warum manch ein TV-Kartenhersteller auf der Verpackung mehr oder weniger auffällig damit wirbt, daß ein bestimmter Chipsatz (Brooktree 848 oder 878) auf der Karte werkelt. Eine Information, die mit Sicherheit für den Käufer und Benutzer überflüssig und nichtssagend wäre, wenn er nicht schon wüßte, daß eben jener Chipsatz die beste Voraussetzung für das - tatsächlich mögliche - Dekodieren von nach einem bestimmten Verfahren verschlüsselten Femsehprogrammen ist. Man braucht lediglich noch ein kleines Progrämmchen, von dem etliche Variationen unter den Namen »Pubs«, »FreeTV« oder »MoreTV« in den etwas schummerigeren Ecken des Internets herumliegen.
Gleichzeitig läuft dort eine hitzige Diskussion, in der sowohl selbsternannte Hobbyjuristen als auch echte Rechtsgelehrte darüber debattieren, ob das Ganze denn illegal wäre. Dafür spricht sehr viel. Natürlich sind vor allem diejenigen, die die entsprechende Software zum Entschlüsseln der Sendungen geschrieben haben, der Ansicht, nichts Unrechtes zu tun. Kernargument: Es wird keine Technologie und keine Information von Premiere oder einem anderen Pay-TV-Sender direkt verwendet; alle Verfahren zum Entschlüsseln seien mit neu entwickelten Algorithmen berechnet und nicht Eigentum von jemand anderem als eben dem Programmierer selbst. Damit kann man unter Umständen den Verstoß gegen eine urheberrechtliche Verletzung widerlegen, wohl aber nicht einen Verstoß gegen die Vorschriften der §§ 263a ff . StGB (Computerbetrug, Erschleichen von Leistungen). Die Vermutung liegt auf alle Fälle sehr nahe, daß es nicht legal sein kann, einen an sich kostenpflichtigen Dienst unter Umgehung welcher Schutzmechanismen auch immer umsonst zu nutzen. Ein gutes Indiz für die rechtliche Bedenklichkeit: Selbst der Hamburger Chaos Computer Club (CCC) äußert sich auf seinen Webseiten zwar anerkennend zu den Pay-TV-Hacks, bietet selbst aber keine Software zum Download an, ja nicht einmal einen Link zu entsprechenden Sites. Darum sei dieser Beitrag auch nicht als Anleitung zu verstehen; eine Adreßangabe, wo Sie im Internet die einschlägige Software finden, werden Sie hier ebenfalls vergeblich suchen. Wer ein solches Programm haben und bewußt das Risiko eines Rechtsbruchs eingehen will, wird es mit Sicherheit problemlos über eine der Web-Suchmaschinen selber finden.
Der Trick: wildes Raten
Es gibt im wesentlichen zwei gebräuchliche Verschlüsselungsverfahren für Fernsehsendungen: »Syster/Nagravision« und »Videocrypt«. Beide sind so unterschiedlich, daß dafür auch jeweils eigene Dekodierprogramme existieren. Das interessantere ist zweifelsohne Syster/Nagravision, nicht zuletzt deshalb, weil es vom einzigen verschlüsselten Sender im hiesigen TV-Kabelnetz verwendet wird, Premiere eben. Der wesentliche Kern des Syster/NagravisionSchlüssels besteht darin, daß Blöcke von Bildschirmzeilen vor dem Senden einfach nach einem bestimmten Muster vertauscht werden. Im Dekoder (dem legal käuflichen) werden sie vor dem Weiterleiten an das TV-Gerät einfach wieder in die richtige Reihenfolge gebracht. Wie das Fernsehbild im unsortierten Zustand aussieht, können Sie sich ganz einfach anschauen, indem Sie (ohne Dekoder) auf den Premiere-Kanal wechseln, wenn dort nicht gerade die unverschlüsselte Eigenwerbung läuft. Dabei fallen - außer dem »zerstörten« Bild - zwei weitere Dinge auf: Erstens ist das Geflimmer schwarzweiß.
Das liegt daran, daß die Farbinformationen - ebenfalls nach einem bestimmten Muster verdreht - nach jedem Bfld gesendet werden. Zweitens: Der Ton ist einwandfrei. Das Audiosignal wird nämlich nicht verschlüsselt.
Im Prinzip funktionieren die verschiedenen Dekoderprogramme alle auf der gleichen Basis: Sie »fangen« die ersten XX Zeilen (die Zahl XX ist meistens einstellbar) des Fernsehbildes ab und versuchen, die Sortierreihenfolge zu finden. Dabei gehen Sie von der Annahme aus, daß zwei übereinanderliegende Zeilen sehr ähnlich sein müssen. Durch »wildes Probieren« bringen sie die Zeilen wieder in die vermutlich richtige Reihenfolge und wenden den so ermittelten Schlüssel auch auf den Rest des Bildes an. Auf ähnliche Art erfolgt die anschließende Dekodierung der Farbinformationen. Erst danach wird das Bild an die Grafikkarte (per PCI direkt in den Framebuffer) weitergeschickt. Je höher die Anzahl der zu analysierenden Zeilen eingestellt ist, um so besser, sprich treffgenauer, wird das Ergebnis. Ganz so nach dem Trial-and-error-Verfahren würde die Anzahl der möglichen Kombinationen allerdings auch die Leistungsfähigkeit eines 500er Pentium III übersteigen. Deshalb bedienen sich die Programme einer zusätzlichen Schlüsseldatei (KEY.TXT), die nicht direkt bei der Dekodersoftware dabei ist. Sie enthält die (angeblich rein rechnerisch und statistisch ermittelten) am häufigsten verwendeten Sortierschlüssel, da deren Anzahl offensichtlich begrenzt ist. Dennoch braucht's gehörig Rechenpower. Schließlich gilt es, über 600 Zeilen von 25 Bildern pro Sekunde zu sortieren. Unter einem 200 MMX geht nichts; für 25 fps in ordentlicher Qualität sollte es schon ein Pentium III oder Celeron sein.
Die Grenzen der Dekoder-Prograrnme
Aus dem Verfahren, durch Sortieren ähnlicher Bildzeilen die richtige Reihenfolge zu »erraten«, ergibt sich auch die größte Einschränkung: Wenn größere vertikale Bildbereiche, vor allem am oberen Rand, völlig gleichfarbig sind, hat die Software keinen Anhaltspunkt mehr für die Sortierung. Das läßt sich besonders gut bei Abspännen von Filmen beobachten, die auf einem einfarbigen (meist schwarzen) Hintergrund laufen. Dort bricht das Bild derart zusammen, daß man normalerweise nichts mehr lesen kann. Auch bei Zeichentrickfilmen, wo beispielsweise der Himmel mit einem einheitlichen Blau gezeichnet ist, kann es massive Störungen geben. Kein Problem sind in der Regel dagegen Nachtszenen, die - obwohl insgesamt sehr dunkel - immer noch genügend Nuancen für ein erfolgreiches Unterscheiden und Sortieren der Zeilen aufweisen.
Nur sinnvoll mit TV-Ausgang
Die meisten der Premiere-Schwarzseher geben dieses »Hobby« vermutlich schnell wieder auf; schließlich gibt es bequemere Arten, einen Spielfilm zu sehen als im Schreibtischstuhl hängend, einen halben Meter vor einem 17-Zoll-Monitor. Einige andere dagegen werden bald wieder in den PC-Laden rennen, um eine Grafikkarte mit TV-Ausgang zu kaufen. Damit läßt sich alles, was auf dem Monitor zu sehen ist, nämlich an ein großes Fernsehgerät übertragen oder zu einem Videorekorder). Die diesbezüglichen Fragen zu technischen Details und Tauglichkeit müssen dem Verkäufer wenigstens nicht hinter vorgehaltener Hand gestellt werden. Grafikkarten mit TV-Out unterscheiden sich im wesentlichen in zwei Punkten:
1. Die Dual-Mode-Fähigkeit. Das ist die Option, das Monitorbild und das Signal auf dem TV-Ausgang gleichzeitig zu liefern. Voraussetzung hierfür ist, daß die Grafikkarte bei aktiviertem TV-Out auf 50 Hz Bildwiederholfrequenz zurückschalten kann.
2. Die Größe der Bildränder. Einige Karten haben gewisse Schwierigkeiten mit der vertikalen und horizontalen Synchronisation, was sich oft derart auswirkt, daß außer einem ausgeprägten Cinemascope-Rand oben und unten auch links und/oder rechts ein schwarzer Streifen entsteht.
Als sehr gut erwiesen hat sich beispielsweise die Matrox Mystique G20O/TV-Out. Noch einen Tick besser, vor allem in puncto Einstelloptionen für das Fernsehbild, ist die ATI Rage Fury. Auch die neue All-in-Wonder von ATI bietet einen ähnlich guten TV-Out. Allerdings verfügt letztere über einen eigenen TV-Tuner, macht also eine TV-Karte überflüssig. Nur arbeitet der ATI-Empfänger nicht mit einem Brooktree-Chip (psssst Sie wissen schon).