Piercing

Wer ist noch nicht mit diesem Begriff in Berührung gekommen? Mit Informationen und auch Warnungen wird man im Radio, in Talkshows und auch im Internet überhäuft.

Ein Piercing ist ein Schmuckstück, das in der Haut getragen wird und somit ein Durchbohren oder Durchstechen der Haut voraussetzt. Ein weitverbreitetes Piercing ist der all geschätzte Ohrring. Aber mittlerweile ist es möglich, sich an jeder nur denkbaren Körperstelle stechen zu lassen.

Ich hatte mich eigentlich nie besonders für Piercing interessiert, denn nach meinen 5 Ohrlöchern konnte ich mir nicht vorstellen, wo ich gerne noch ein Schmuckstück gesetzt bekommen möchte. Bis, ja bis zu einem schicksalhaften Tag im August.

Eine Freundin erzählte mir, daß sie sich die Zunge durchstechen lassen möchte. Mein 1. Gedanke, das tut sicherlich scheußlich weh. Aber wir diskutierten den ganzen Abend, und da sie sich schon sehr gut informiert hatte, war meine Neugier geweckt. Am Ende stand für mich fest. Das muß ich haben. Gesagt, getan, aber so einfach war die Umsetzung auch nicht, denn oftmals ist man in den ersten Tagen nicht in der Lage, vernünftig und verständlich zu reden. Für mich hieß das also, ich brauchte Urlaub, um mindestens 4 Tage am Stück frei zu haben. Ich plante also und mußte dann leider noch 2 Monate warten, bis ich einen Termin hatte. In der Zwischenzeit informierte ich mich auch selbst und lernte übers Net einen Jungen kennen, der mir seine Erfahrungen mitteilte. Nun war ich Feuer und Flamme und fieberte dem Termin entgegen. Ich fuhr zu einem Studio, das mir Freunde empfohlen hatten. Der 1. Eindruck beim Betreten war auch sehr positiv, und das 1. Gespräch mit dem Piercer war angenehm. Er drückte mir eine Mappe mit Infos, Fotos und verschiedenen Schmuckstücken in die Hand. Ich las mir alles durch, unterschrieb noch eine Einverständniserklärung, damit der Piercer gegen eine Anzeige wegen Körperverletzung abgesichert war und wurde dann in den hinteren Teil des Studios gebeten.

Bis dahin war ich noch sehr begeistert. Dann betrat ich einen kleinen Raum, der mich sehr an eine Zahnartzpraxis erinnerte. Ich nahm auf dem Stuhl platz und wurde aufgeklärt wie jeder Schritt ausgeführt wurde. Mathias (der Piercer) zeigte mir den steril verpackten Stecker und die Instrumente, die er benötigen würde. Mir wurde leicht mullmig, bei dem Gedanken daran, daß jetzt gleich meine Zunge durchstochen wurde. Aber es war zu spät, außerdem wollte ich es unbedingt. Ich mußte also die Zunge rausstrecken, die dann mit einer Art Zange festgehalten wurde, dann machte es kurz Picks und es war geschehen. Ich schaute Mathias ungläubig an und er sagte, ich solle meinen Mund jetzt ausspülen, da ich sicherlich bluten werde. Das tat ich und nach ein paar Minuten kam mir meine Zunge ganz taub vor. Es war merkwürdig, denn ich konnte nicht genau definieren, wo oben und unten, und wo die Piercing-Kugeln waren. Als ich wieder zu Hause war, merkte ich, daß die Zunge größer und größer wurde. Am Tag danach hatte ich große Schwierigkeiten, überhaupt etwas zu drinken, da nichts bis zum Gaumen vordrang. Ans Essen dachte ich gar nicht. Am Montag dann nahm ich schon Babynahrung zu mir, ab Mittwoch dann konnte ich wieder normal Essen und nach einer Woche war nichts mehr zu merken. Ich mußte zwar insgesamt 2 Wochen mit Lysterine spülen, was etwas nervig war, aber dann konnte ich wieder ganz normal leben. Und ich habe es auch nie bereut. Besonders interessant ist das Küssen, denn ich habe die Erfahrung gemacht, daß Männer viel intensiver küssen, wenn sie mit etwas im Mund spielen können. Also, ich kann jedem, der überlegt, nur raten: Auf geht’s, nur keine Angst, es ist ein tolles Gefühl, sein ganz besonderes Spielzeug im Mund zu haben.

 

Und so schaut es dann aus.