Wand'rer kommst Du nach Leuven |
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Bevor es losgeht | Die ersten Tage | Leuven entdecken | Die Alma Mater | Der Ernst des Leuvens | Wem das noch nicht genug war...
Hallo, Ihr interessiert Euch also für ein ERASMUS-Semester in Leuven - eine gute Entscheidung. Eigentlich könnte ich hier gleich mit meinem Bericht wieder aufhören und Euch einfach sagen: macht es! Das gilt sowohl für ein ERASMUS-Studium allgemein wie auch für Leuven ganz besonders. Da Ihr Euch aber hier wahrscheinlich hergeklickt habt um ein bißchen mehr Info zu erhalten, werde ich diese natürlich auch so gut es geht geben.
Wenn Ihr Euren Bescheid bekommt, daß es nach Leuven geht (so ca. im April), solltet Ihr Euch als erstes mal überlegen, welche Kurse Ihr dort besuchen wollt. Ihr werdet recht bald über Frau Dr. Stenke ein ziemlich umfangreiches Leuven-Info-Paket erhalten. Da stehen die wichtigsten Dinge zu den Vorlesungen, zur Uni und zu den ganzen Formalitäten drin. Ich kann Euch dazu nur sagen: sehr hilfreich (unbedingt lesen), es wird aber alles nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird. Termine, Zeit- und Ortsangaben sind nicht so genau zu nehmen - der erste Kontakt mit der belgischen Kultur... Als ich am angeblich "letzten Tag" meine Unterlagen im ERASMUS-Koordinationsbüro abholen wollte waren diese noch nicht einmal fertig zusammengestellt - ein echter Kulturschock!
![]() Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät |
An Vorlesungen (falls Ihr nicht vor habt niederländische zu besuchen) kommen für Euch nur solche aus dem Junior Program oder dem MBA-Program in Frage. Die Vorlesungen des Junior Programs sind eigentlich für die amerikanische Partner-Uni der KU Leuven eingerichtet, aber trotzdem voll besetzt mit ERASMUS-Studenten. Ihr habt hier die Wahl zwischen verschiedenen Fächern, nicht nur Wirtschaft alleine. Die MBA-Kurse sind schon eine Spur schwieriger (wen wunderts?), aber scheinbar trotzdem zu schaffen. Die ERASMUS-Koordinatoren sehen es zwar nicht gerne, meistens könnt Ihr aber die MBA-Kurse trotzdem besuchen (natürlich auch die umsonst). |
Wenn Ihr Euch Eure Kurse dann ausgesucht habt, geht am besten gleich vor Eurem Auslandsaufenthalt zu den einzelnen Lehrstühlen bei denen Ihr Leistungspunkte anerkannt haben wollt und laßt Euch das am besten schriftlich geben! Ihr erspart Euch eine Menge Rennerei hinterher...
Falls Ihr auf Nummer sicher gehen wollt was eine Unterkunft angeht, könnt Ihr Euch mit dem Housing Service (Huisvestingsdienst) in Verbindung setzen (Tel. 0032 16 324436 oder 324402). Dort gibt es ungefähr ab Anfang August eine Liste mit Zimmern von ERASMUS-Studenten aus Leuven die ins Ausland gehen. Diese Methode hat mehrere Vorteile: 1. könnt Ihr sicher sein, daß das Zimmer einen gewissen Mindeststandard aufweist, da die belgischen Studenten ja wieder dorthin zurückkehren wollen und 2. ist es in Leuven ziemlich schwer ein Zimmer für nur ein Semester zu mieten. Über eins müßt Ihr Euch jedoch im Klaren sein: der Wohnstandard liegt durchschnittlich niedriger als bei uns! Die meisten Studentenzimmer haben nur Gemeinschaftsbad und -küche (manchmal nicht mal das) und kosten so zwischen 4000 und 8000 BF (ca. 200-400 DM) - Zimmer mit eigenem Bad und Küche nennen sich "Studios" und sind natürlich auch teurer (ca. 9000-13000 BF, rund 450-650 DM).
Falls Ihr die Zeit, das Geld und die Lust habt Niederländisch zu lernen (im übrigen sehr einfach für Deutsche), ist der Sommerintensivkurs ("Joos Florquin") zu empfehlen. Infos gibt es im Info-Paket oder beim ILT (Instituut voor Levende Talen, Tel. 0032 16 325671).
Was auch unbedingt zu empfehlen ist, ist die Teilnahme an den Orientation Days. Dort werden einem die wichtigsten Sachen an der Uni, in Leuven und in Belgien gezeigt und man lernt gleich mal seine Mit-ERASMUSser kennen - ein Superspaß! Im übrigen solltet Ihr Euch an das ERASMUS-Komitee der Fachschaft EKONOMIKA halten. Die organisieren speziell für ERASMUS-Studenten der Wirschaftsfakultät Parties, Ausflüge und so weiter.
Getrennt von Freundin, Freund, Freunden und Familie sitzt Ihr jetzt also in Leuven. Aber, kein Grund zur Traurigkeit! Falls Ihr nicht schon vorher Leute kennenlernt passiert das spätestens am Einschreibetag. Nachdem sich jetzt auch ERASMUS-Studenten wie ganz normale Studenten anmelden müssen, könnt Ihr Euch gleich auf eine längere Wartezeit einrichten. Nehmt das mit den ganzen Unterlagen die Ihr braucht (siehe Infopack) ziemlich genau, sonst steht Ihr hinterher ziemlich dumm da! Dafür seht Ihr gleich einmal das 400 Jahre alte Hauptgebäude (ehemals Tuchhalle) der Universität in der Naamsestraat 22 (siehe Stadtplan). Danach geht es noch zum Registrieren ins Rathaus und dort erwartet Euch eine noch viel längere Wartezeit. Dafür könnt Ihr als Deutsche die kurze Prozedur" wählen, die dringend zu empfehlen ist. Einwohner von Nicht-Nachbarländern müssen nämlich ein wesentlich komplizierteres Verfahren auf sich nehmen.
| Falls Ihr dann schon Lust aufs Weggehen habt, schaut einfach mal abends auf den Oude Markt. Eine Kneipe reiht sich hier an die andere. Zu Essen gibt es hier natürlich auch etwas! Unbedingt müßt Ihr die Frituur Europa probieren. Frisch gemachte Pommes Frites von Marie-Jeanne! Leider blieben mir die Öffnungszeiten bis zum Schluß ein Rätsel. | ![]() Oude Markt |
Also, wenn Ihr dann schon mal dabei seid, Euch Eure neue Heimat zu erlaufen, solltet Ihr Euch außer dem Oude Markt auch mal das Rathaus, die Universitätsbibliothek und den Groot Begijnhof anschauen. Das sind eigentlich die eindrucksvollsten Bauwerke in Leuven.
| An Städten in Belgien sehr zu empfehlen ist auch noch Brügge. Ein wirklich sehr schönes Städtchen und mit dem Zug völlig problemlos zu erreichen. Auch London, Paris und Amsterdam sind zugmäßig sehr gut angebunden. A propos Zugfahren: wenn Ihr das öfter vorhabt lohnt sich auf jeden Fall der Go-Pass mit dem Ihr für rund 1400 BF (ca. 70 DM) 10 Fahrten so weit Ihr wollt in Belgien machen könnt. Falls Ihr vorhabt Belgien mit dem Auto zu erkunden nur so viel: der gesamte Innenstadtbereich von Leuven ist Parkscheibenzone. Wollt Ihr Euer Auto also länger parken geht das nur am Ring. In Leuven selber braucht man sowieso kein Auto. Das Rad ist hier das beste Fortbewegungsmittel. Dazu allerdings: wenn Ihr auf dem Rad mal etwas falsch macht, laßt Euch dabei wenigstens nicht erwischen! Entgegen der Einbahnstraße oder in der Fußgängerzone radeln kostet schlappe 100 DM, ein nicht-funktionierendes Licht ist zum Sparpreis von 280 DM zu haben... | ![]() Rathaus |
Übrigens: falls Ihr mal was einkaufen wollt - die Bondgenotenlaan sowie die parallel dazu verlaufende Diestsestraat sowie die Parijs-, Tiense- und Brusselsestraat bieten alles was das Herz begehrt. Auch die sensationellen belgischen Waffeln.
Mit der habt Ihr wirklich Glück! Es gibt jede Menge Einrichtungen und Ihr werdet bei Fragen und Problemen nach allen Kräften unterstützt. Neben besagtem Housing Service gibt es noch einen Studentenjobdienst, einen Arzt, ein Sportzentrum (kostet 600 BF/30 DM zusätzlich), ein Computerlabor und jede Menge Mensas. Ihr braucht übrigens auch keine Sorgen zu haben, daß Ihr gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten werdet: E-Mail ist natürlich auch verfügbar (wie Ihr daran kommt wird Euch auch während der Orientation Days erzählt). Ein Rad und einen Computer müßt Ihr ebenfalls nicht unbedingt mitbringen. Beides kann dort recht günstig bei Velo bzw. von der Uni gemietet werden.
Auch zum Sprachenlernen seit Ihr in Leuven goldrichtig gelandet. Eine schier unüberschaubare Fülle von Sprachen läßt sich am CLT lernen (Centrum voor Levende Talen, Tel. 0032 16 325661). Die Kurse sind nicht zu groß und die Preise unschlagbar.
A propos Alma: so heißen hier die Mensas. Ihr werdet diese über die gesamte Innenstadt verstreut finden (siehe Stadtplan). Die Gerichte sind ganz annehmbar und die Preise nicht zu hoch. Ihr habt die Wahl zwischen mehreren Hauptgerichten, Suppen und Salaten. Das Beste aber: Pommes umsonst bis zum Abwinken! Nur das Ketchup kostet extra - Mayonnaise gibt es dagegen gratis. Also: Mayo essen angewöhnen!
![]() Universitätsbibliothek |
Die diversen Bibliotheken
erspare ich Euch hier jetzt. Das werdet Ihr noch früh
genug rausbekommen, wie das da läuft. Ebenfalls eine tolle Einrichtung ist die Organisation für ausländische Studenten "Pangaea". Wenn Ihr dort Mitglied werdet, bekommt Ihr eine Tasse mit der Ihr Euch im Pangaea-Café umsonst Kaffee holen könnt. Außerdem gibt es dort ausländische Zeitungen und immer jemanden, der Lust auf ein Pläuschchen hat. |
Ja ja, die Vorlesungen... Zum Glück ist da aber nicht viel drüber zu erzählen, denn die sind ziemlich vergleichbar mit unseren. In manchen Vorlesungen ist jedoch viel mehr Mitarbeit von den Studenten gefordert. Das werdet Ihr aber relativ schnell selber herausfinden. Auch die Prüfungen lassen sich ungefähr mit unseren vergleichen - keine Überraschungen auf diesem Gebiet.
Ach ja: das akademische Jahr beginnt zwar in Leuven am letzten Montag im September, an diesem Montag findet aber nur der Eröffnungsgottesdienst mit anschließendem Professorenzug statt. Das heißt für Euch: keine Vorlesungen - die Prozession ist aber trotzdem sehenswert!
So, jetzt lasse ich das Ganze erst mal etwas auf Euch wirken. Falls Ihr trotzdem noch Infos braucht, hier noch zwei Links zusätzlich zu denen im Text:
oder schreibt mir einfach ein Mail. Ich würde mich sehr freuen Euch Eure direkten Fragen zu dieser tollen Stadt, Belgien, der Uni oder Vorlesungen beantworten zu können.
Nicolas Hunke