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Liebes Tagebuch,

 

Meike soll jetzt ins Praktikum gehen. Sie hat den ganzen Tag geweint, weil sie so viel Angst davor hat. Ich kann sie so gut verstehen, ich würde auch in Tränen ausbrechen. Und deswegen wusste ich auch kaum, wie ich sie trösten sollte. Ich weiß, sie würde das Praktikum schaffen, sie ist ja nicht dumm. Aber wenn sie sich so in die Angst reinsteigert, dann wird sie selbst eine halbe Stunde nicht überleben. Sie tut mir so leid. Ich habe heute für sie gebetet und werde ihr Morgen früh noch eine SMS schreiben, damit sie Mut hat und weiß, dass ich bei ihr bin.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Heute war endlich wieder Theater. Und davor war Band, davon erzähle ich jetzt erst mal. Ich habe die Congas gespielt und ich glaube, ich bin so ziemlich die einzige dort, die das ein wenig kann. Die anderen können noch nicht mal bis vier zählen. Es ist so schrecklich da zuzusehen. Ich bin froh, dass ich endlich wieder Congas spielen kann und das werde ich mir von denen nicht vermiesen lassen. Ralf hat gerappt. Er hat einen ziemlich guten Text selber geschrieben, ich war echt baff, als ich den das erste mal gehört hatte. Die Mädels dort waren auch alle begeistert und ich war richtig stolz, dass er mein Freund ist. Heißt es nicht, dass bei einer Band die Mädels immer alle auf den Sänger stehen? Oh man, ich hoffe, ich muss nicht irgendwann eifersüchtig werden. Aber ich glaube nicht, er ist mir treu. Letztens hat er noch gesagt, dass er sich immer wundert, wenn ich sage, dass ich ihn liebe. Weil er immer noch der Meinung ist, dass jemand wie er eine so hübsche Freundin nicht kriegen würde. Ich war vielleicht baff. Denn das denke ich auch immer. Ich bin überhaupt nicht so hübsch, wie die immer alle meinen, ich bin fett und sowieso nur durchschnittliche. Vielleicht bin ich schlauer als so mancher im Internat, aber das darf man nicht mit meiner Altersklasse vergleichen. Tja, jedenfalls weiß ich ganz sicher, dass er mich liebt und mich auch nicht verlieren will. Und das ist schön zu wissen. Und Theater war auch ganz toll. Wir sind die Thematik des Stückes durchgegangen und haben dann die Rollen verteilt. Wir wurden gar nicht gefragt, und schon hatten Ralf und ich die Hauptrollen. Die meinten nur, wir dürften uns bis zur großen Aufführung im Mai nicht trennen, aber das haben wir sowieso nicht vor. Ich bin so glücklich!

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich habe bei dem Bericht 2 Kilo zugeschummelt und Herr Sommer hat es mir abgekauft. Er meinte, ich dürfte nur nicht noch mehr abnehmen, weil sie sonst verpflichtet wären, mich ins Krankenhaus zu bringen. Aber das schaffen sie nicht. Und wenn ich noch abnehmen werde, dann wird er es eben nicht erfahren. Ich pass da schon auf. Eigentlich hasse ich es ja zu lügen, aber wenn es nicht anders geht. Sie zwingen mich ja quasi dafür. Nach der Arbeit bin ich gleich nach Hause gefahren. Meine Schwester hat mir die Pille mitgebracht. Jetzt nehme ich die erst mal, und dann brauchen wir auch nicht immer die elenden Kondome. Ich finde sie sehr praktisch, aber ich würde es auch gerne mal ohne dem ausprobieren. Ich glaube, Ralf fände das auch ganz gut. Dann habe ich mir vorhin eine total wilde Frisur gemacht, und wollte, dass Mama Fotos von mir damit macht. Aber sie wollte nicht. Sie regt sich immer darüber auf, wenn ich mich schminke und schön mache. Aber wozu in Gottes Namen hat man nun mal lange Haare? Ich versteh das nicht.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich war heute bei Ralf und habe ein paar seiner Kumpels kennen gelernt. Ich glaube, sie mögen mich. Wir haben ein wenig Nintendo gespielt und, oh Wunder, es hat mir sogar gefallen. Ich fand es ziemlich witzig und so schlecht habe ich gar nicht abgeschnitten. Ralf hat ziemlich viel getrunken und dann hatte er kein Reaktionsvermögen mehr. Eigentlich hasse ich betrunkene Menschen, aber es war ja Wochenende und er macht es ja nicht ständig. Also lasse ich ihm seinen Spaß.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich glaube, ich werde bald verrückt. Julie fängt an, immer an mir rumzunörgeln. Ich weiß nicht was ich ihr getan habe, aber sie redet kaum noch mit mir. Und wenn ich sie was frage bekomme ich nur eine ganz knappe Antwort, so als ob ich ihr lästig wäre. Vielleicht sollte ich sie einfach in Ruhe lassen, sie hat es schließlich auch nicht so einfach. Auf der Arbeit habe ich nun angefangen, eine Geschichte zu schreiben. Die ist zwar noch nicht fertig, aber ich glaube, sie wird ganz gut. Ich bezweifle nur, dass ich sie noch zuende schreiben kann. Die kommen ständig mit neuen Dingen, die ich machen soll. Wahrscheinlich denken sie, die perfekte Jana schafft das schon alles. Und wenn sie es nicht schafft, dann liegt es am Essen, beziehungsweise am Nicht-Essen. Die finden doch immer eine plausible Erklärung. Ich möchte einmal wissen, was sie wirklich von mir denken, aber das werde ich nie erfahren. Ich kann nur auf das Vertrauen, was sie mir sagen.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Oh man, das war gestern ein so krasse Tag. Ich war mit Ralf bei Basti. Der hat seinen Führerschein gemacht und wollte ein wenig feiern. Und natürlich war auch Alkohol dabei. Ich wollte aufpassen, dass Ralf nicht so viel trinkt, weil er ja auch noch die Medikamente nimmt, und so habe ich immer getrunken. Ich habe eine halbe Flasche Absinth getrunken. Ich denke, das glaubt mir kein Mensch. Die meinten immer, ich sollte aufhören, weil das voll das krasse Zeug ist, wie eine Droge, aber ich konnte einfach nicht aufhören. Ich glaube, ich wollte ihnen zeigen, dass ich auch was vertrage. Ich weiß nicht mehr alles von dem Tag, jedenfalls ging es mir total schlecht. Und dann kam Frau Berger, die hatte Nachtdienst. Die hat mich dann mit ins Büro genommen und ich habe ihr die ganze Zeit was erzählt. Die war der Meinung, ich hätte nur ein Bier getrunken und ich habe es sogar geschafft, sie in dem Glauben zu lassen. Ich musste schon wieder lügen, und das regt mich ziemlich auf, aber ich konnte die anderen ja auch nicht in die Pfanne hauen. Die meinte dann immer, das hängt mit meinem Gewicht zusammen. Sonst würde niemand so stark auf ein Bier reagieren. Mein Gott muss ich dick sein, dass ich auf eine halbe Flasche Absinth noch so gut klarkomme. Aber das habe ich ihr natürlich nicht gesagt. Sie wollte erst einen Krankenwagen rufen, weil ich wohl eine Alkoholvergiftung hatte, aber der Körper hat sich mit der Zeit selbst entgiftet, und so konnte ich sie davon abbringen. Dennoch kam ich mir ziemlich allein vor. Wenn meine Mutter das hören würde, die würde mich umbringen. Ich bin dann irgendwann sogar alleine bis in mein Bett gekommen, und dann habe ich noch etwas versucht zu lesen. Aber alles sprang vor meinen Augen, und dann bin ich schließlich doch eingeschlafen. Ich hatte nur drei Stunden Schlaf, und bin dann heute wieder zur Arbeit gegangen. Das war vielleicht heftig. Aber ich darf nun mal kein Zeichen von Schwäche zeigen, sonst bringen sie mich wirklich noch ins Krankenhaus. Bitte lieber Gott, lass sie endlich ein anderes Bild von mir haben, nicht immer so ein falsches. Aber mir glaubt ja niemand. So ich gehe jetzt aber schlafen, ich bin immer noch so schwach und müde, und morgen will ich mich mal wieder richtig konzentrieren können.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich habe jetzt endlich mein Einzelzimmer. Meine neue Haus­leiter­in ist sehr nett, die hat mir sogar geholfen, die Sachen rüber zu tragen. Das Zimmer ist nur ein drittel von meinem alten Zimmer, aber so weiß ich, dass ich Keinen mehr drauf bekomme. Jetzt habe ich endlich meine Ruhe. Ich habe es mir schon schön eingerichtet, aber es fehlt noch einiges. Ich werde jetzt sogar meinen Computer rüberbringen, dann kann ich wieder richtig mit dem Schreiben anfangen. Da freue ich mich schon drauf. Und jetzt bin ich endlich wieder ungestört mit Ralf. Ich habe nur ein wenig Angst vor den Leuten, die in meinem Haus wohnen. Ich kenne davon kaum jemanden und besonders nett haben sie mich bisher noch nicht aufgenommen. Ich musste mir einen blöden Spruch schon anhören. Aber meine Hausleiterin meinte, die Person wäre immer so und ich sollte da nichts drauf geben. Das würde sich schon alles wieder legen und ich wäre ja auch ein nettes Mädchen, also würden sie mich auch nett aufnehmen. Die Frau hat wohl noch nie was davon gehört, dass Menschen auch ohne Grund gemein sein können. Ich habe das schon oft genug erlebt. Die Angst bleibt also, auch wenn sie es etwas beschwichtigt hat.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Meike ist nun im Praktikum und ihr scheint es gar nicht zu gefallen. Sie hat letztens am Telefon geweint und meinte, sie würde lieber wieder zu uns kommen. Ich vermisse sie auch schrecklich und möchte auch, dass sie wieder in den Lehrgang kommt. Aber das kann ich so ja auch schlecht sagen. Ich muss sie doch zu dem Praktikum ermutigen. Aber wenn sie es wirklich nicht aushält, dann sollte sie lieber zurück kommen. Ralf hat es auch immer so schwer mit den Praktika. Ich hoffe die kommen bei mir nicht bald auf die Idee, ich würde nur noch Alpträume bekommen. Überhaupt ist alles zur Zeit so komisch. Ich überlege auf der Arbeit immer, wer von den Leuten am kindischsten ist, aber es gelingt mir einfach nicht, das rauszufinden. Julie stellt sich immer total an und mault nur rum. Manchmal nehme ich mir das sehr zu Herzen, aber ich werde dennoch für sie da sein, wenn sie das möchte. Dann habe ich bei all dem Stress noch von Mike geträumt. Wieso will er einfach nicht aus meinem Kopf? Jetzt bin ich schon fast ein halbes Jahr mit Ralf zusammen, und es wird einfach nicht besser. Ich glaube, die erste Liebe vergisst man nie, egal wie schön die zweite ist. Ach Mike, du bedeutest mir noch viel, aber lieben kann ich nur Ralf. Also verschwinde endlich aus meinen Träumen und mach Platz für den Mann, der mein Herz erweicht.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Heute war ich in der Stadt shoppen. Ich musste mir auch mal wieder was gönnen und außerdem passen mir kaum noch Hosen. Ich habe wirklich einiges abgenommen in letzter Zeit, das freut mich ziemlich. Und dabei esse ich wieder etwas mehr. Manchmal esse ich sogar einen kleinen Teller auf der Arbeit, aber mehr um den anderen zu zeigen, dass mir Essen egal ist und ich nicht Magersüchtig bin. Manchmal kotze ich das essen wieder aus, manchmal auch nicht. Ist sowieso egal, es merkt ja keiner. Dann finde ich es immer gut, dass er Ralf im Praktikum ist. Sonst würde er es beim küssen ja riechen. Und wenn ich mir die Zähne putze, ist es noch mehr verdächtig. Außerdem ist das nicht gut für den Zahnschmelz, habe ich mal irgendwo gelesen. Ralf kommt meistens später von der Arbeit als ich, und so kann ich vorher noch einiges erledigen. Manchmal schlafe ich dann auch nur, weil ich immer so erschöpft bin. Heute war ich lange duschen, und dann hat sich eine erst mal beschwert, weil ich das Bad so lange besetzt habe. Wir haben im ganzen Haus nur eine Dusche, das muss man sich mal vorstellen. Ich hoffe, die sind jetzt nicht alle böse auf mich. Ich will nicht immer das dumme Arsch sein.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

alles Mist. Ich bin total fertig. Julie versucht mit aller Gewalt mir das Leben schwer zu machen. Ständig muss sie sich als Moralprediger aufspielen, das geht mir so was auf die Nerven. Heute hat sie mich sechs mal (das muss man sich mal vorstellen) mit der Hausordnung ihres Hauses bekannt gemacht. Ich kenne die doch und ich habe mit ihrer Hausleitung da auch schon drüber gesprochen. Was soll der Quatsch? Die meint einfach, sie müsste sich aufspielen, weil sie schon länger im Internat wohnt als ich. Außerdem glaube ich, dass sie ein wenig in Ralf verliebt ist. Aber ich weiß, dass er mich niemals verlassen würde. Pah, die soll sich mal nicht so wichtig tun. Und ich habe auch besseres zutun, als mich über sie aufzuregen.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich glaube, der Terror hat nie ein Ende. Julie macht mich überall schlecht. Sie hat es sogar schon bei Ralf versucht. Dabei ist eigentlich gar nichts gewesen. Ich habe gestern nur einen schlechten Scherz gemacht. Okay, er war wirklich schlecht, aber ich habe mich doch entschuldigt. Ich glaube, sie will, dass ich ihr die Füße küsse. Nur weil sie uns damals geholfen hat zusammen zu kommen heißt es nicht, dass ich ihr auf ewig dankbar sein muss und sie sich alles erlauben kann. Das soll sie sich mal schön abschminken. Ich habe nur so Angst, dass alle ihr glauben. Wenn sie alle auf ihre Seite zieht, dann wird es schwer sein die Wahrheit durchzusetzen. Das Leben ist so ungerecht, warum müssen immer die fiesen und gemeinen Menschen gewinnen?

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Der Stress nimmt kein Ende. Auf der Arbeit bin ich nur noch am holz sägen und bauen. Es macht mir total viel Spaß, aber es kommt mir alles so sinnlos vor. Das ist doch keine Arbeit. Ich hänge da rum, und rauche viel zu viel. Und zwischendurch versuche ich an dem Teil weiter zu bauen. Total locker. Wie soll man sich da an eine harte Arbeit gewöhnen. Ich glaube, ich würde das nie schaffen. Dann hatte ich auch noch voll den Alptraum. Meine Mutter hat mich aus dem Bett gezerrt und die Treppe hinuntergeschmissen. Ralf stand unten und hat immer wieder gesungen „Hau drauf, hau drauf“. Ich hatte total die Angst. Und dann bin ich rausgerannt. Vor der Tür stand Julie, und die meinte: „Siehst du, ich gewinne doch!“ Langsam wächst mir alles über den Kopf. Ralf meinte zwar, er würde nichts von dem annehmen, was Julie ihm sagen, weil er sie kennt und mich liebt. Aber die Angst bleibt. Ich habe schon zu viel im erlebt. Früher waren sie alle gegen mich, ich dachte, das hätte sich jetzt geändert. Aber dem scheint wohl nicht so. Vielleicht ist wirklich alles meine Schuld, vielleicht bin ich wirklich so ein schlechter Mensch, und merke es gar nicht mehr. Dann müsste ich auf jeden Fall Ralf vor mir schützen.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Heute hatte ich ein ernstes Gespräch mit Julies Hausleiterin. Julie hat ihr jede Menge Lügen über mich erzählt und ich habe versucht, es wieder aufzuklären. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir glaubt, aber ich musste es unbedingt versuchen. Ich kann mit Lügen einfach nicht leben. Julie hat gesagt, ich würde Nachts zu Ralf gehen und dort schlafen. Einmal habe ich das gemacht, aber da hatte ich die Erlaubnis dazu und das ist auch schon ziemlich lange her. Die Hausleiterin kann das natürlich jetzt nicht mehr nachprüfen und da sie weiß wie verliebt ich bin, spricht natürlich alles gegen mich. Aber ich war nicht da, ich schwöre. Du glaubst mir doch, liebes Tagebuch, oder? Wenn sie mir nicht glaubt, dann bekomme ich Hausverbot bei Ralf und das wäre total schrecklich. Jetzt wird sie noch mal mit ihm reden und ich hoffe, er sagt nichts falsches. Sie denkt, ich würde es auf jeden Fall abstreiten, auch wenn es so gewesen wäre. Ich war doch immer so artig hier, ich bin nie großartig aufgefallen. Ich mache überall mit und bringe mich ein. Was soll ich denn noch machen? Langsam kann ich nicht mehr, meine Kräfte sind am Ende. Ralf muss mich mal wieder massieren, danach geht es mir immer besser. Ihm scheint es auch nicht so gut zu gehen. Er sagt das zwar selten, aber ich merke so was. Er wirkt so in sich gekehrt. Ich hoffe, es hat nichts mit mir zutun. Oder damit, dass Julie ihm etwas gesagt hat. Ich werde noch mal mit ihm reden müssen. Wenigstens er muss mir doch glauben.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Es läuft etwas besser. Ich habe mich mit einigen aus Julies Haus unterhalten und sie glauben mir. Sie mögen mich und da ich mit ihnen keinen Streit hatte, sind sie auch auf mich nicht böse. Ich hoffe, der Rest wird sich auch bald wieder legen, und dann hat doch am Ende das Gute gesiegt. Essen tu ich auch wieder mehr. Seit dem ich die Pille habe, habe ich viel mehr Hunger. Und es macht mir auch nichts aus. Ich weiß, dass Ralf mich liebt, ich brauche nicht mehr meine ganze Kraft darauf verschwenden, perfekt zu sein. Ich will so genommen werden, wie ich bin. Und Ralf weiß auch, dass ziemlich viele Typen hier auf mich stehen, er wird mich nicht verspielen. (Das waren mal seine Worte). Ich hoffe, er bleibt auch der Meinung und sucht sich irgendwann nicht eine Hübschere. Schließlich bin ich kein Model. Ich habe so Angst ihn irgendwann zu verlieren. Ohne ihn würde nichts mehr gehen. Heute auf der Arbeit war so eine komische Situation mit Julie und Meike. Ich glaube, Meike steht ziemlich zwischen den Fronten und das ist auch nicht gerade einfach. Aber ich bin ja nicht gegen Julie. Ich mag sie, sie hat mir früher viel geholfen und das vergesse ich ihr auch nicht. Aber wenn sie sich gegen mich auflehnt, dann kann ich da nicht viel machen, außer mich zu wehren. Und je mehr ich schweige, umso wütender macht es sie. Es ist ein Teufelskreis. Ich hoffe, Gott hilft mir hinaus.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Die Theaterprobe war gestern so witzig. Das Stück steht nun endlich und es kommen nur noch die Feinarbeiten. Bei einer Szene stehe ich ganz alleine auf der Bühne. Ich bezweifle, dass ich die schaffen werde. Ich bekomme sicher kein Wort raus. Ich bin jetzt schon aufgeregt, wenn ich an die Aufführung denke. Ganz so lang dauert es ja nicht mehr. Bei der Band sind wir auch schon ziemlich weit. Ich habe es ja noch relativ einfach mit den Congas, aber Ralf muss die ganzen Texte lernen. Es scheint ihm aber wenig Problem zu bereiten, er ist wirklich talentiert für so was. Mein kleiner Star! Gestern waren wir wieder zusammen bei mir und haben uns ein romantisches Stündchen gemacht. Ich glaube, es war noch nie so schön mit ihm. Ich hoffe, dieses Kribbeln wird nie vergehen. Ich bin verliebt wie am ersten Tag.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich glaube, Julie hat nun entgültig verloren. Ihre Lügen haben sich nicht lange gehalten. Ihre Hausleiterin glaubt mir. Ich bin so froh, dass das endlich geklärt ist. Aber ich denke, die Tatsache wird Julie umso wütender machen. Ich bin mal gespannt, was sie sich als nächstes ausdenkt. Aber Gerüchte sind wohl hier im Internat normal, da muss ich mit leben lernen. Frau Berger hat mal gesagt, wir (Ralf und ich) wären das einzige Pärchen im Internat, über die es keine Gerüchte gibt. Vielleicht hat Julie das mitbekommen und wollte das unbedingt ändern. Ihr Freund wohnt zwar nicht hier, aber da geht schon so einiges rum. Ich glaube, er ist nicht treu. Aber das kann man nie wissen, ich möchte nichts falsches in die Welt setzen. Und so schweige ich lieber. Meine Alpträume sind auch wieder etwas besser geworden, aber ich glaube, ich brauche wirklich mal ein Wochenende um mich auszuruhen. Ich hatte immer so viel Action. Ich werde mich dann mal richtig ausschlafen.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich bin gerade bei meinen Eltern und es klappt überraschend gut. Gestern war ich früh schlafen und heute wollte ich ein wenig lesen und mich entspannen. Mal sehen was es so im Internet gibt. Sonst mache ich nicht viel. Ich habe in letzter Zeit genug um die Ohren gehabt.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Puh, ich bin fertig. Und etwas verängstigt. Heute hatte ich ein Gespräch mit dem Lehrgangsleiter. Das Jahr im Internat ist fast um und er möchte, dass ich im Sommer in die Ausbildung gehe. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Und das liegt nicht an Faulheit, sondern am mangelnden Selbstbewusstsein. Ralf wird eine Lehrstelle als Goldschmied annehmen, dazu hatte er sich heute entschlossen. Ich habe noch ein wenig Zeit um das zu entscheiden, aber vielleicht muss ich auch das nehmen, was sie mir anbieten. Ich könnte dann bei meiner Oma einziehen, die hat noch eine Wohnung frei in ihrem Haus. Ich glaube, das ist zu viel auf einmal, ich kann mich mit dem Gedanken noch nicht so recht anfreunden. Also alles erst mal ruhig angehen. Bald ist auch noch die große Aufführung mit der Band und der Theatergruppe. Und dafür muss ich unbedingt die Nerven behalten. Auf in die Endrunde...

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich bin mit dem Lehrgangsleiter ein paar Lehrstellen durchgegangen, die sich für mich anbieten würden. Ich frage mich, ob mir einfache Büroarbeit genügen würde. Wo ich doch viel lieber studieren würde. Ein Studium traut er mir aber nicht zu, weil ich vielleicht nicht belastbar genug bin. Und studieren kann ich immer noch. Wenn ich erst meine Ausbildung mache, dann habe ich wenigstens schon mal etwas in der Hand, auf das ich aufbauen kann. Stimmt schon... Aber es ist so weit von meinen Träumen ab. Ich hoffe, das richtige Angebot kommt noch. Meike wird Bürokauffrau machen. Sie sagte zwar, dass ihr die Arbeit nicht unbedingt super viel Spaß gemacht hätte, aber sie könnte sich damit anfreunden. Na das ist doch schon mal was. Julie wird erst mal in eine Klinik gehen, weil sie nicht mehr klar kommt. Als ich das gehört habe, tat sie mir sogar leid. Jetzt kann ich auch ihre Lügen etwas besser verstehen. Sie kommt einfach selber nicht klar. Und dann ist es schon schwer mit anzusehen, dass es allen anderen wohl gut geht. Oder zumindest besser als einem selber. Ich weiß nicht wie man dann auf die Idee kommen kann, einem anderen das Leben auch schwer zu machen, aber sie scheint es zu können. Ich hoffe, ihr geht es schnell wieder besser, damit auch sie ihr Leben in die Hand nehmen kann. Vielleicht fühlt sie sich im Internat auch einfach nur zu wohl und will nicht weg. Wenn sie jetzt erst mal in die Klinik geht, dann wird ihre Zeit hier sicher noch verlängert. Aber man weiß es nicht und ich mag jetzt auch nicht weiter über sie nachdenken, es ist schon spät.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Morgen ist die große Aufführung. Ich habe seit drei Tagen kaum geschlafen und gegessen. Ich muss doch in das Kostüm passen. Nicht dass ich noch aufgehe wie in meinem Traum und dann auf der Bühne ein Knopf abspringt. Ich bin so aufgeregt. Die Sache mit der Band wird für mein ein lockeres Ding. Die Rhythmen kann ich im Schlaf spielen. Nur Ralf macht sich deswegen mehr verrückt als für das Theaterstück. Ich wollte mich heute ablenken und etwas putzen, aber das ist nur in Stress ausgeartet, und jetzt habe ich mein Zimmer total auf den Kopf gestellt. Gewischt ist überall, aber dafür liegen alle Sachen verschoben und durcheinander rum. Aber ich bin jetzt auch zu müde, um alles wieder herzurichten. Ich werde mich noch mit dem Drehbuch aufs Bett setzen und etwas lesen. Hoffentlich vergesse ich nichts. Lieber Gott, steh mir bei.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich bin so aufgedreht. Der Tag war einfach genial. Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen und dachte, ich würde die große Aufführung verpatzen, aber es war alles einfach genial. Die Fahrt war total lang, ich habe versucht im Auto etwas zu schlafen. Ralf hat mich dann massiert. Er war auch total aufgeregt, auch wenn man ihm es wohl weniger angemerkt hat als mir. Zuerst waren wir mit der Band dran. Ich habe mich einmal verspielt, aber ich denke, es hat keiner gesehen. Auf die Congas achtet sowieso keiner. Und hören kann man die auch nicht sonderlich gut, zumindest nicht, wenn man im Takt bleibt. Ralf hat einmal den Text vergessen, aber der Patzer war einfach nur witzig und kein bisschen peinlich. Ein Glück sieht er es genauso. Und die Atmosphäre war einfach umwerfend. Bei manchen Lieder wollte ich so gerne mitsingen, aber ich habe mich nicht so wirklich getraut. Dann wollte ich tanzen, aber damit hätte ich mich erst recht blamiert. Aber als nach uns noch eine andere Band gespielt hat, da konnte mich nichts mehr halten. Ich war so glücklich in dem Moment, dass ich die Theateraufführung ganz vergessen hatte. Das war wohl auch mein Glück, sonst hätte ich mich noch mehr verrückt gemacht. Und die Aufführung war der echt Hammer. Ich habe mich wirklich ein wenig wie Julia gefühlt, denn Ralf ist ein echter Romeo. Die Kussszene hat am längsten gedauert, weil alle Applaudiert haben. Einmal wusste ich nicht mehr, was ich sagen sollte, da habe ich dann einfach was anderes gesagt. Ralf ist da aber perfekt drauf eingegangen. Ich bin so froh, das alles so gut geklappt hat. Ich glaube, wir haben sogar am meisten Applaus bekommen. Jedenfalls hat mir die Gruppe nach uns gar nicht so recht gefallen. Dann haben wir noch Champagner bekommen und Salat gab es. Jetzt weiß ich, wofür sich die Arbeit gelohnt hat. Ich wünschte, ich könnte mit dieser Gruppe noch mehr Stücke einstudieren, aber ich werde ja leider nicht mehr lange im Internat bleiben. Ich darf da gar nicht dran denken. Aber ich bin jetzt auch einfach zu glücklich, um Trübsal zu blasen. Und tierisch müde bin ich auch, das war ein anstrengender Tag.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Mein Lehrgangsleiter fand die Aufführung auch total gelungen. Das hat er mir gesagt, bevor er mit der schlechten Nachricht kam. Sozialarbeiter müssen auch immer so hinterlistig sein, das ist echt mies. Er meinte, ich müsste mich wirklich bald entscheiden, welche Ausbildung ich machen will, sonst sind alle Lehrstellen bald weg. Und dann habe ich so aus heiterem Himmel gesagt, ich möchte Verlagskauffrau lernen. Ich habe gesagt, ich hätte darüber lange nachgedacht, aber das war gelogen. Ich hatte schon mal darüber nachgedacht, aber zu einer Entscheidung war ich noch nicht gekommen. Ich weiß auch nicht, wieso ich das so schnell von mir gegeben habe. Jedenfalls war er total zufrieden und meinte, er würde sich darum kümmern. Vielleicht war die Entscheidung doch falsch. Aber es war wohl besser, als jede andere Arbeit. Schließlich will ich Bücher schreiben, und da bin ich bei einem Verlag schon mal genau richtig.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Jetzt ist es entschieden. Ich habe einen Ausbildungsplatz und werde in einer Woche das Internat verlassen. Ich habe einige Zeit nichts aufgeschrieben, weil ich jede Minute mit Ralf verbracht habe. Julie hat immer noch nicht aufgegeben mir das Leben schwer zu machen, aber jetzt gibt es wichtigeres zu erledigen. Letztes Wochenende habe ich schon alle meine Sachen in die neue Wohnung gebracht. Meine Oma freut sich total, dass ich zu ihr ziehe. Ich bin noch viel zu überwältigt, um das alles aufnehmen zu können. Ralf hat ja zum Glück ein Auto, dann kann er immer zu mir fahren. Und vielleicht zieht er auch dann bei mir ein, aber das wollen wir lieber nicht überstürzen. Ich hoffe, ich verliere mich jetzt nicht total in meinem neuen Leben und lande nicht wieder in einer solchen Stressattacke, wie vor ein paar Monaten. Es ist schrecklich, wie viel Sachen zu erledigen sind. Und ich bin so aufgeregt auf den neuen Job. Ich glaube, diese Theateraufführung wird sehr viel schwieriger, als die andere.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Mein Zimmer ist bereits total kahl geworden. Ich habe alle Bilder abgenommen und in der neuen Wohnung aufgehangen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich diese Woche schon hin und her gefahren bin. Opa hilft mir auch ein wenig. Eigentlich war ich damals total froh, dass ich von meiner Familie ein bisschen weg kam, und nun gehe ich wieder zurück. Aber diesmal sind die Umstände eben anders. Ralf wird erst mal wieder bei seinen Eltern wohnen, der hat nicht ganz so viel zum schleppen. Und wenn es mit seiner Arbeit gut läuft und er klar kommt, dann testen wir es an, ob ein gemeinsames Leben läuft. Ich glaube, den Typen werde ich noch heiraten. Mein letzter Arbeitstag war gestern und da habe ich Rotz und Wasser geheult. Ich werde Meike vermissen. Aber wir werden den Kontakt auf jeden Fall halten und uns regelmäßig treffen. Ich kann nur hoffen, dass das von ihr keine lehren Versprechungen waren. Aber das glaube ich nicht, dafür kenne ich Meike bereits zu gut. Dann war ich gestern noch kurz bei Basti, und der hat mich total feste umarmt. Ralf hat nichts gesagt, aber ich glaube, er war schon ein wenig eifersüchtig. Das soll er auch sein, denn Basti stand ja mal auf mich.

 

Ciao, Jana

 

 

 

Liebes Tagebuch,

 

Ich bin so überwältigt. Sie haben für mich eine Abschiedsparty organisiert. Alle waren da, und Frau Berger hatte ein großes Plakat, auf dem stand

 

 

 


Ciao Jana