![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ^ LITERA.SCHWARZATAL^Den Freunden Friedolin, Mike und Stefan den Wanderer> - Autoren zum Gedächtnis IMPRESSUM> m.bruno@gmx.at >
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Wien Andersengasse 23/29/1«» >(un)-
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| 2008Stefan.Memory†11 Michael.Bleier† Bergschuhe Du, der du weckest den Gesang01 |
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JUBILÄUMSLESUNG
20 JAHRE
LITERATURKREIS SCHWARZATAL 250605
Erinnerungsbild an den Gemeinschaftsausflug am 25.06.1988 des Literaturkreis Schwarzatal am Weg zum Unterberg. Gemeinschaftsausflug
Literaturkreis Schwarzatal oben Stefan.Schefberger^†
Mitte M.Bleier^† u.
Gattin F.Menschhorn†
u. Partnerin unten >G
![]() ![]() ![]() LK
Obmann Ruppert.Pölzbauer > Josefa
Juva > Valerie
Allitsch-Tiefenbacher> Bürger-
und Vizebürgermeister von Payerbach "In
Dankbarkeit für die gute Zusammenarbeit u. viel Erfolg auch in
weiterer Zukunft wünscht die Marktgemeinde Payerbach" Peter Pasa und
Erwin Klambauer J V I PHildegard
Albert
Grossmutters Rosen
Meine letzte Anwesenheit im
Literaturkreis war bei der MichaelValerie Allitsch-Tiefenbacher Die Enkelin und der Birkhohn. Maria Auer Maler und Poet Michael Bleier^+ Träumerei Ingrid Brandstätter Maiandacht Maria Gaber> Pflanzen und Schlaflos Johann Gloggnitzer D' Gicht Poldi Gölles-Petrak>+ Der Autofahrer Helena Gwozdz Frühjahrsputz und Stammgast Josefa Juva> Vorzüglich Felix Kerl An den Literaturkreis Ingrid Koch Mein Sonnwendstein Kurt Kössner Der Wickerl und A Häuserl am Himmel Johann Kriegler Des Bächleins Rauschen, und Die rechte Wahl Christine Lind Die neue Haarfarbe >
Sonnenaufgang (abgesagt)Fridolin Menschhorn^+ Sommermorgen, Gertrude Scholz Bassenatrotsch Emmy Metzger+ Gib uns unser tägliches Brot (Gründerin des Literaturkreises) Ruppert Pölzlbauer> Hobbyfotograf und Schmetterling Heidi Prüger Der Lindenbaum Liselotte Schmidt Die Wiese und Du, Maulwurf Johann Schörgl Die Ewigkeit der Sterne und Mein Himmel auf Erden Edith Schwaiger Eine Hand voll Erde und Der Wanderer ^ Gedenklesung
und dem Begräbnis
von Poldi
Gölles-Petrak >. Eigentlich bin ich nun ein immer mehr
Aussenstehender, der im Literaturkreis nicht mehr aktiv mitarbeitet, so
habe ich auch erst im Zuge dieser Lesung den Tod meines Freundes
Fridolin ^ erfahren. Die Ungebundenheit des Ruhestandes ist
auch ein Freiraum zum ständigen Aufenthaltswechsel, den ich im
Wettlauf mit der Zeit ausschöpfe. Bei meiner spontanen, und
textlosen Erscheinung rechnete ich nicht damit, dass auch meine
Wenigkeit auf dem Programm stehen würde. Eine Lesung ist nun
einmal eine Lesung und kein mündlicher Vortrag deshalb ersuchte
ich Ruppert mich abzusetzen und bringe nun diesen Text schriftlich
nach. Herzlichen Dank dem
Literaturkreis und der literaturfreundlichen Gemeinde Payerbach.In Verbundenheit mit besten Grüssen > Viele
nächtliche Aufstiege haben mich, im Verlaufe der Jahrzehnte, auf
Berges Höhen gebracht. Ich machte sie gerne, denn sie haben meine
Wanderungen in den mir unersetzlich gewordenen Gebirge verlängert.
Manchmal habe ich auch lange Talwanderungen unternommen um einsamen
Erhebungen näher zu kommen, aber nie empfand ich als
Einzelgänger eine Spur von Langeweile.
Das Rauschen eines Baches oder des dunklen Waldes, in der nächtlichen Stille melodisch klingend, bald mit sanften, bald mit machtvolleren Tönen begleitete mich. Im Sternenschein oder bei dem hinter den Wolken hervorkommenden gleißenden Mondlicht, von den Hängen kam ein versonnenes Flüstern und Murmeln des Quellwassers, da fühlte ich mich nie allein. Oft war es aber auch das gleichförmige Schallen eines ausklingenden Regens im Nebel verhangenen Talboden mit dem Brausen der angeschwollenen Sturzbäche. Gerade diese langen Talwege und Aufstiege vermitteln ein tieferes Naturerlebnis den sie führen zu stillen Bergschönheiten. Es ergibt nichts Ergreifendes als das Ende einer Nacht und die Geburt eines Tages am Gipfel eines Berges, von den ersten Anzeichen bis zur Vollendung, mitzuerleben. Es ist ein Zauberereignis der vielfältig, in allen ihren Erscheinungen, wandlungsfähigen Schöpfung. Am verwitterten alten Holzkreuz, auf taufrischer Höhe treffen die ersten Strahlenpfeile das an die Nacht gewöhnte Auge. Wenn dann die Sonne der lohenden Silhouette des fernen Horizontes entsteigt, fühlt man die Einzigartigkeit eines jeden Tages im Leben eines Menschen. Phantasielose bleiben auf der
Realität sitzen, Phantasievolle suchen und wandern weiter.
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FRIDOLIN ANFANG ENDE |
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Bei meinem
letzten Besuch
bei meinem Freund Friedolin, in Dörfl an der Rax, kam es zu
Gesprächsmitschnitten. Bei deren Niederschrift wurde ich immer
mehr ergriffen von der ausgereiften Qualität des Inhaltes. Diese
Bewunderung wurde mein Beweggrund die mir zugänglichen Werke
Friedolins zu sammeln, um um sie für die Nachwelt zu erhalten.
Eine Stunde
Tonaufzeichnung führten mich in das
erfüllte Leben eines Pädagogen, ließen mich eine
tiefsinnige Poesie empfinden und veranschaulichte mir die Quintessenz
eines Lebensherbstes.
Im
Literaturkreis
Schwarzatal, dem wir beide angehören,
lernten wir uns kennen. Auch aus den vier erschienen Anthologien
dieses Kreises, wurden
alle Beiträge Friedolins verwendet.
Für den zweiten
Abschnitt: DAS GEDICHT [im
>]
wurde das Buch Schreibkunst (Band 1 von Otto Schuhmann)
und der Brockhaus,
als
Sekundärliteratur zur Ergänzung verwendet. Immer wenn nach
dem
Bestellen des Lebensgartens die Bäume
ihren Blütenduft verströmen, oder wenn man dann im Herbst die
goldene Frucht genießt, verspürt man die Erhabenheit der
Schöpfung.Silberfäden
blitzen auf im Sonnenschein,
Herbstlicher Windhauch läßt sie schweben; Ein Mückenschschwarm zieht darein, Im Wiesengrund noch emsig Leben. Keiner ahnt das Ende seiner Lust, Weiß von der Spanne die ihm zugemessen, Die Düfte reicher in freudevoller Brust, Nicht`s fehlt von dem, was er besessen. Mit dumpfen Schlag fällt Obst herab, Bewahrt des Jahres Sonn´ und Süße, Die linden Tage tänzeln hin im Trab Und heben leicht auch unsre Füße. Tief
im
Herzen ist es
eingegraben
Wofür Lippen keine Worte haben LENAU >schließe ich Wien am, 10. April 1995 > habe Dank! Du Meister der
selbstlosen Güte.-
Mein Wunsch: Daß Dich Gott behüte. Frohe Festtage-, Berg Heil, Berg frei, Glück auf, ein fruchtbares Schaffen und besinnliche Wanderungen 1996 ![]() > ÷
DAS WESEN DES GEDICHTES FRIEDOLIN MENSCHHORN 1910 ~ 2006 Geb.
1910 in Berndorf - Stadt, wohnhaft in Dörfl (an der
Rax),
Pädagoge i. R.: erster Preis des YMCA- Wettbewerbes (USA);
Veröffentlichungen im Monatsblatt des Bundes "Neuland" und in
Antologien des Literaturkreises Schwarzatal, zahlreiche Lesungen.
Gestorben in Maria Enzersdorf 1993.
FRIEDOLIN
MENSCHHORN WERKSAMMLUNG IM SOMMERGESPRÄCH 1994 DAS WESEN
DES GEDICHTES
QUELLE DER WANDERER POESIEZEITSCHRIFT DER GEISTIGEN- UND KÖRPERLICHEN BEWEGUNG, ERNST & HEITER AUF ALTEN WEGEN UND NEUEN PFADEN. 1996 Geschriebenstein 13. JG Nr.: 22 S 15.- 16. WWB- Station ÷ LYRIK MENSCHHORN
÷DER KREIS IST KLEIN Der Kreis ist klein, in dem wir gehen, Doch ist er eine ganze Welt. Ob Sonne scheint, ob Winde wehen, `S ist eine, die uns wohl gefällt. So still scheint sie und ist voll Leben, Gefüllt der Stunden fliehend Zahl. Wenn Schönes wir aus Tiefen heben, Ersteht sie neu uns allemal. Die menschlichen Gebrechen lasten Auf uns wie jedem Erdenlast, In unseres Kreises Stille rasten Wir, bis Er dann unsere Hände faßt. ÷
SÜSSES EINGEBORNES KIND Süßes eingebor´nes Kind Dich innig zu lieben bereit wir sind Du kleine Last lehrest uns Bruder sein Erlösest alle Liebe die irgendwo in uns schlief. Sei uns Schlüssel auch für alles Begegnen hier Dieser und Jener auch sind wir Bruder in dir. ÷
AUGENBLICK Augenblick an Augenblick gereiht Auf lebenslanger Perlenschnur, Sie reicht zurück so weit; so weit, Ist hell` und dunkle Lebensspur. Frühlingshelles Leuchten brach oft an, Umhüllte dich mit Weiß und Blau. Lust und Freude jeder da gewann, Wie Gras und Blum` den Morgentau. Blüten strahlten, duftend nah und fern, Im Ohr der Vögel frohe Melodien, Wer möchte nicht, daß er sie lern´, Um bienengleich von Blum´ zu Blum´ zu ziehn. Augenblick an Augenblick sich reiht Auch jetzt, wo du besonnen stehst, Ist`s Ziel schon nah, ist es noch weit, Zu dem du unaufhaltsam gehst? ÷
ENGEL Engel! Künde auch den stillen Geschöpfen Jenen mit scheuen und fragenden Augen Die in Einfalt ihr Leben hinbringen Das Ende ihres Elends. Engel! Im liebenden tröstlichen Blick Zweier in Unmut und Bedrängnis, Führe ihre suchenden Hände zusammen Und lasse sie nicht vergehen. Engel! Erhellend und beseeligend Fließe deine Botschaft in ihr Ohr, Die dir aufgetragen; Von nun an ist er bei Euch. Immer sind sie da Auch wenn der Himmel nicht offen Wenn er nicht strahlt und tönt Einer von ihnen vielleicht deiner Der das Heil einst verkündet Flüstert mit Eifer in dein Ohr Lenke den Fuß lenk ihn nach diesen Wege Um das Ziel zu finden. Man fragt sich halt ob der Satan wirklich verspielt hat in der Menschheit? Er ist so mächtig geworden, wie wir uns es gar nicht vorstellen können und er hat nur die Macht über den Menschen soweit der Mensch sie ihm einräumt. Wie groß seine Macht ist beweist der Umstand, daß Gott seinen Sohn, der den Tod durch den Luzifer erleiden mußte, schickte um die Erlösung der Menschheit zu bewirken. ÷
BLEIB STILL Bleib still wenn du die Antwort weißt Um die noch heiß das Denken kreist Des Andern der sie nicht gefunden Es liegt in unserer Natur Mit Eifer auf der falschen Spur Verwirrt nach einem Ausweg suchen Der
Geist wird
frei der Nebel weicht
Er sieht das Licht das er erreicht Und kann sich in das Freie wenden. Glaub nicht es müßte schneller gehen Wie soll er auf dem Platze stehen Der ihm vom Schöpfer vorgegeben Er
weiß
auf einmal was er will
Gabst du im Zeit und hieltest still Geduld ist alles oft im Leben. ÷ ALLE TAGE ETWAS HOFFNUNG Horch wie es tropft vom Baum und Dach Hin auf die nasse Erde- Horch wie es klopft, da muß ja wach Der neue Frühling werden. Hast
du den
Vogel heut gehört
Im Sonnenschein singen? So manches hat er aufgestört Bald wird es wieder klingen. Wir
schreiben
noch den Februar
Den alten Ofenhocker - Doch wir sind schon im neuen Jahr Das Eis im Fluß wird locker. ÷ FRÜHLINGSNAHEN Über Nacht in jungen Laube Stehen bräutlich heut´ die Bäume, Und der Duft der Blütentraube Füllt mit Freude ärmste Räume, Hebt die Tage aus der Reihe Dieses kümmerlichen Seins. Aus dem Sande spärlich sprießen Zitternd Halme in die Helle, Und mit sanftem Hauche fließen Winde hin gleich einer Welle, Die verebbend langsam rieselt Hin zum oft genetzten Strand. Ungemessen
klar von oben
Strömet in die off´nen Münder Aller Blätter, hingehoben In der Bläue, jetzt schon linder Lebensodem und die Säfte, Die der Stamm hob aus den Grund.
÷
AN SANFTEN HÄNGEN LEUCHTEN An sanften Hängen leuchten Primelnsonnen sonnenhell, In Blütenkelchen feuchten Stengel als leerender Quell. Verborgen oft die Sonne Hinter Wolkengebild, Bedroht mit Frost, der Wonne Zartes Frühlingsgefild. Des Windes eisig wüten Schmilzt im grünenden Vlies, Der Schnee selbst wärmt Die Blüten unserer Primularveris. Wohin das Auge sich wendet, Es wächst und blüht was es erblickt, Die laue Luft uns Düfte sendet Bis alle Sinne sie erquickt. Der Erde Kraft scheint nicht zu reichen, Daß dieses Blü`hn nicht rasch vergeht. Des Lichtes Flut mit einem Streichen Belebt was ohne dies verweht. Mit Mondes ausgeliehenen Glanze Da fließet nachts vermehrte Kraft, Im Keim und Wurzel um das Ganze Steigt unbeirrt des Lebens Saft. "Ich
wollte damit
auch zum Ausdruck bringen, dass der Mond bei der Entwicklung und
bei der Blütezeit einen wesentlichen Anteil hat". ÷ BLÜTENUMWÖLBTE STRÄUCHER UND BÄUME Blütenumwölbte Sträucher und Bäume Zahlloses Blühen im Wiesengrund Zitternd schwanken im Windeshauch sie Eben geboren wie unsere Träume. Leben sie wirklich dürfen sie blüh´n? Reichen die Wasser, reichen die Kräfte Die nun aufsteigenden, die belebend klar? Nähren sonnige Strahlen mit Sie in dieses Blühen andere Hälfte? Erströmen ausströmende Düfte süß unsagbar Silberner Mond am Himmel erschienen Spiegelt geliehene Kräfte uns zu, Nächtens heimlich so viel du vermagst, Weiger dich nicht im Jahrkreis zu dienen, Unseren Leben in nächtlicher Ruh. "Das
Licht des Mondes das so spiegelt wirkt genauso wie das
Sonnenlicht,
nur in einer abgeschwächten Form, das wollte ich damit ausdrücken". ÷
BUCKLIGE WELT Hügel sich an Hügel reihet Sanfter fallen von Grün ins Grün, Felder breiten Wiesen leihet Schmalen Pfade weiches Blüh´n. Kupp` um Kuppe überkrönet Hell und dunkel Zug um Zug, Weit ins Weite fließen tönet Berg um Berg in Wolkenflug. Augen mit den Wolken ziehen, Weithin in das ferne Blau, Schauen Länder, schauen Blühen Glänzend hell im Morgentau. Hügelhin die FelderbreitenIn den Senken Busch und Baum Wiesen eingebettet leiten Frisch und hell in diesen Raum Hingelagert eine Herde Woll`ger Schafe in das Grün Manche grasen und die Fährte Lämmchen mir den Müttern zieh´n. Spring so wild nicht mutig Böcklein Ist zu klein ja noch dein Horn Schreckst das Lämmchen dessen Löcklein Wenn`s fliehen muß im Dorn. Bild des Friedens allen Zeiten Sorgen mit den Herden zieh´n Wollest unsere Wünsche leitenVater, Still zu jenem Bilde hin. Das finde ich selbst gut, nur ist es viel zu lang. ÷ KASTANIEN In dem hellen hohen Lichte, Einer tiefen blauen Ferne Mißt das Auge nicht den Raum, Trotz der kleinen Wolkenbälle, Die drin segeln wie ein Traum. Auch die grünen Kuppeln Laubes, Reich bestückt mit weißen Kerzen, Leuchtend aus dem dunklen Grün, Zieht es fort in Blättertiefen, Die sich reihen Baum an Baum. Nirgends ist des Schauens Ende, Weit - und weiter stürzen Blicke: Ahnen sie die Ewigkeit? Löst das Wölkchen sich im Strahle, Wird´s von letzter Last befreit?
÷
SOMMER Eine kleine Reise Auf zwei Rädern leise Führt mich in das weite Land. Fröhlich liegt die Sonne Heut zu meiner Wonne Über Wiese, Berg und Tal. Meine Augen wandern Von einem Bild zum andern, Finden stets ein neues Ziel. Häuser blinken ferne, Blumen sind wie Sterne, Fremde Menschen sind mir nah. Durch des Tages Hitze Auf dem Rad ich sitze Bis zur heißersehnten Rast. Hinter mir versinket Still das Land und winket, Was gestern war, verging. Wenn die Schatten fallen, Leg ich mich zu allen, Die ihre Arbeit müd´ gemacht. Schließe meine Augen,Frage: Wird es taugen, Was durch meine Hände ging? Bis ich mich erkenne, Mein dann nicht mehr nenne, Kehret lautlos Friede ein. Auf zwei Rädern leise Führet mich die Reise In ein fern geahntes Land. ÷ SOMMER 1993 Gut - Wetterwolken segeln durch die Bläue, Wolkenbällchen, weiß und zart, zieh´n mit, Ein Lufthauch nur bewegt sie leis, als streue Eine Hand sie aus, die Sehnsucht litt. Du Sommer voller heller Tage bleibe! Schuldest uns noch manche süße Frucht. Die Freude gieße aus und Wehmut treibe Weit von dem, der goldne Ernte sucht! Die Quellen rauschen, und die Flüsse glänzen Auf und zu uns her aus weitem Land. In schwirrenden, entzückenden Mückentänzen Schauen wir und lächeln Hand in Hand. Der Wald, die Felder liegen hingebreitet, Segen strömt herab. - Ihr Stürme geht! Wen rührst du nicht, wes Herz wird nicht geweitet? Sieht er den Frieden, der so heiß erfleht? Wanderer 1994/1 Dachsteinloch, in den Sommergespräch 1994 erfuhr ich auch, dass Friedolin Menschhorn hat den Dachstein über die Hunnerscharte, bestiegen hatte. VERGILBTE BLÄTTER Vergilbte Blätter schweben schon, Vom Föhn auch kreiselnd still herab. Du ahnst es ist des Herbstes Ton Der anklingt dumpf, das Jahr schließt ab. Nur Nebelschleier hüllen zumeist die Berge ein, Verzerren das Licht das täglich später kommt Es weist uns Schatten zu auf dem Gesicht Dann regnet es sich langsam ein. Es tropft so schwer vom Baum und Blatt Und müd´ und müde wird das Sein Du Erntengrün wann wirst du satt? Nur ein paar sonnige Tage noch Die schenk´ uns vor des Winters Weiß Er zwängt uns in sein hartes Joch In ihm end´ nicht des Lebens Kreis. ÷ SOMMERTAG Durch die Sommerwiesen gehend, Sinnend, schauend steh ich still, Seh den Bauer kraftvoll mähend, Ahn, der Halm nicht fallen will. Wende meinen Blick ins Ferne, Überall des Sommers Pracht. Leben möchte alles gerne, Kommen sollte keine Nacht. Darum sind die Tage länger In der sommerlichen Zeit, Darum trösten uns die Sänger Jubelvoll: noch ist der Abend weit. Dort im Grase eine Blüte, Abgefallen in der Glut! Lieber Strauch, die anderen hüte, Ach, so hüte sie doch gut! Wieviel Tage seh ich scheiden, Jeder eine Blüht´, die fiel? Muß sie alle schmerzlich leiden, Bis mich einer führt ins Ziel.x Ich war im Sommer
sehr krank, mit Bronchitis und angehender Lungenendzündung, die
Eva war dann fünf Wochen in Hochegg. Da hat mich mein Sohn Friedel
mit auf den Semmering genommen und meine Schwiegertochter hat mich
betreut. Da bin ich geistesschwach vor dem Haus gesessen und habe
geschaut. Vor mir hatte ich das Stuhleck, den Sonnwendstein, den
Pinkenkogel und die anderen Berge. Wolkentürme nicht Gewitter-
sondern Gutwetterwolken könnte man sagen die sammeln sich immer
und werden hochgerissen von der Eisluft und sinken wieder herunter und
machen einen neuen Turm. Daraus entsteht dann schon ein Gewitter aber
nicht unbedingt, sondern die Wolkentürme sind der Vorbote.
÷WOLKENTÜRME Schwindelnd hoch emporgehoben Schweben Wolkentürme, Drehen und wenden sich. In heißen Winden unaufhaltsam, Von dem blauen Firmamente Sich gestaltend hin und her. Herbe Lüfte, wo sie Ausruh´n ist nicht zu ermessen, Denn sie schwinden und vergeh´n. Steigen neu himmelan, Bergeshügel stufig schattend, Fließen fort ins Weite. Grün und Blau sich einend, Mit den leichten Wolkendünsten, Baumspitzen ragen klar. Bald mitverdämmernd Rascher noch ermüdend, Unsere stillen fernen Blicke. Leiten sich zurück ins Sommerliche bunte Blüh´n, Ragend zarte Gräserähren. Biegen sich und schwanken. Leise Lufthauch immer wieder, Trotz der Samen Schwere. Brechen nicht in Wolkenstürzen, Same reif muß fallen, Warte, warte wie die Ähr´. Wie der Grashalm seine Zeit erwartet Sommerheiß, bis sich Erhebt ein weißer Wolkenturm. ÷ SOMMERNACHT Traute Birke, deine Zweige Flüstern über stillem Pfad, Wenn der heiße Tag zur Neige Und ihn leis die Nacht betrat. Murmelnd hebt sich banges Wehen, Furcht will heimlich auferstehen, Und die Nacht trinkt letztes Licht. Gräser beugen sich und streifen Kühl den Tau auf Fuß und Saum, Und im Dämmern liebend greifen Die Gedanken alten Traum. Stärker fließt das bange Wehen, Furcht will heimlich auferstehen, Und die Nacht trinkt letztes Licht. Ängstlich zirpt das Heimchen wieder Wie bei schweren Abschiedsgang, Heiße Tränen fallen nieder, Armes Herz, wie ist dir bang! Kälter fließt das nächtlich Wehen, Doch aus seinem Hauch erstehen Wird am Tag ein neues Licht. ÷ NACH DEM REGEN Milder Hauch und helles Leuchten Fließt, erfüllt den off´nen Raum, Koset all die regenfeuchten Blätter sanft auf Strauch und Baum. Einmal, reicher noch erglühend, Stürzen Tropfen hin zum Grund, Und im Fallen ganz versprühend, Nimmt sie auf der Erde Mund. Dort im Dunkel unterm Moose Reinigt, einigt sie der Stein, Bis sie dienend aus dem Schoße Brechen in ein neues Sein. Jetzt vom gleichen Fall gezogen, Gibt es nur das eine Meer - Hin ins selig - brausend Wogen, Hält die Tropfen niemand mehr. ÷ SOMMERS VERGEHEN Distelflocken fliegen, drehen sich und wiegen, Schweben in dem warmen Aufwind überm Grund, Bläuling flattert um die Wette, honigtrunken Küßt er heiß die Blüten, wippt von Mund zu Mund. Tief in Sommerseligkeit versunken. Tröstlich füllt das Bild die leeren, müden Augen. Rauschend wellen volle Ähren auf den Feldern, Leuchtend beugt sich das schwere reife Gold, Weithin Hügel - auf und ab, zu fernen Wäldern Rinnt es hin, des Jahres und des Schweißes Sold. ÷ IM PARK Es fällt das Blatt, Es fällt die Frucht In mildem Herbsteslicht, Der Strahl wird matt, Ein jeder fühlt Ihn noch und faßt es nicht, Daß bald das Jahr vorbei. ÷ OKTOBER In die grauen Nebelschleier Sinkt leise Blatt um Blatt, Kreiselnd - tänzelnd - letzter Feier Müde - los schon sommersatt. Die vom Baum noch festgehalten Glühen auf im spätem Schein, Gelb und rot bald umgestalten Wird ihr kommend Sein. ÷ ICH WAR DURSTIG Gib mir zutrinken, ehe ich vergehe, Niemand hat so köstlichen Wein, Karge nicht ängstlich mit ihm im Kruge, Täglich neu aus deinem Herzen er sich füllt. Mir hilft kein Wein vom heurigem Jahre, Der ist zu stürmisch, zu wenig gereift; Er würde mich gänzlich verwirren, Der ich schon trunken von deinem Bild. Mag auch am "Süßen" mich nicht berauschen, Der ja so tückisch die Kräfte uns raubt, Der nur verlockt unsere Sinne und Leer läßt das Herz für den kommenden Tag. Gib mir zu trinken, eh ich vergehe, Gib mir von deinem köstlichen Wein; Reich mir die Lippen, meine Geliebte, Stille den Durst mir, so lange es tagt. ÷ UNTERM NUSSBAUM In dem winterkahlen Nußbaum Sitzen in den kalten Nächten Gar so viele Sterne, - Ach, wohl tausend Sterne Sitzen in den knorrigen Ästen, In den zahllos krummen Zweigen. Und wie alt ist dieser Nußbaum? Ach, wie alt sind diese Sterne? Und wie alt bin ich da unterm Nußbaum? ÷ FRAGE AN DAS JAHR Aus dunklen Zimmerecken quillt es grau, Längst ist der Sonne goldnes Licht gewichen Der Tag entschwand, wie, weißt du nicht genau. Ging er allein? - Was ist von mir verblichen? Die Stunde tropft wie Wachs von einem Licht Und reiht sich schmelzend, zehrend an die andre. Die bange Frage wied´rum aus mir bricht: Endet im Dunkel das, wohin ich wand´re? ÷ DÄMMERSTUNDE HÜLLT UNS EIN Der laute Tag wird stiller, Das eilig Hasten ebbt nun ab; Du fragst dich müd´: Was will er Von mir noch, der ich alles gab? Des Lichtes Helle schwindet, Und Schatten steigen grau herauf. Sie hüllen, was dich bindet An ihn, Erinnerung lebt auf. Was du geliebt, erwacht In Bildern unvergeßlich weh, Und Trauer sühnt und macht Dich froh, weil Schmerz du trägst wie eh! ÷ ADVENT ANKUNFT Gerade und krumme Lebenswege Sind wir gegangen in der wirren Welt Durch schwere und dunkle Taten trage Kraftlos Gutem verschlossen Bösem zugesellt. Gar müde vom Warten ohne Hoffen Stets betörenden Lärm schutzlos ausgesetzt Da. ferne ein Ruf er macht und betroffen: "Ebnet die Wege dem Herrn", den ihr so tief verletzt. Im menschlichen Kleide muß er kommen Ärmer hilfsloser als wir selber es sind Wir glauben es nicht stehen besonnen Vor dem göttlichen uns rettenden Kind. ÷ ADVENTGEDANKEN Menschen wandern, Träumenden gleich, Zeiten und Zonen durchmessend im Aeon, Suchend Stellen des Eintritts in´s Reich Eines Gottes, er komme als sein Sohn Unheil wendend in jeglicher Zeit. Sarah, warum lachst du voll Spott (Gen.18/9 Gen.21/1-3) Hämisch ziehst du die Lippen hinauf? Boten sollst du glauben, ein Gott Selber kündet dir den Verlauf, Wie ein Sohn dir geschenkt werden wird. Hagar vor dir Segen empfing, (Gen.16/11 Gen.25/13) Über dich sie sich setzte in Stolz. Ihr Gewinn war trotzdem gering Weil vor dem Rechte er schmolz. Sich in der Wüste spurlos verlor. "Jungfrau, Kind und hilflose Not", Anderes Zeichen wird auch uns nicht geschenkt (Luk.11/29) Engel ernten nur Lächeln und Spott, Weil ihre Botschaft niemand bedenkt: "Ein Kind und arm, das ist zum Lachen!" ÷ WEIHNACHT 1990 Du, Einem jeden zugesellt Aus dem Neunten Chor, Hebe uns das Gesicht empor Aus unsres Dunkels Pein. Deine Güte erhellt die Nacht Mit der Liebe des Einen Der, abwärts steigend, Sich für uns dargebracht. ÷ WEIHNACHT 1991 Gerne wären wir Engeln gleich, Frei von unserer Erdenschwere. Damals wurden auch Engel versucht, Als sie nicht vermochten Den Weg des Vaters zu gehen In seinem Sohne zu uns im Leibe. Wir wurden über sie erhoben, Göttlich gemacht an Leib und Seele, Wie er aus seiner Geburt aus Maria! ÷ IHR ENGEL DER WEIHNACHT 1995 Mit Himmels - Licht Durchbrecht unser tiefes Dunkel, Das uns noch immer umgibt Auch ohne Sternegefunkel, Weil ihr uns unsagbar liebt. Mit eurem Geist Umhüllt uns in Gefahren Wie es der Vater auch heißt. Wo ist was weist, Wenn ihr uns nicht vom Wahren Kündet, das er euch schauen ließ? Ihr zeigt ein Kind, Ein völlig hilfloses, armes, Das euren Händen anvertraut. So rührt uns an, Daß Kälte schwinde und warmes Erwarten den Weg zu dir baut. Ihr - sollt ihr dürft Nicht brechen, Flügel so zarte, Es erwarten so viele noch - Es singt und dringt Euer Wort so lautlos in´s harte Beklommene Herz: "Ich mag dich doch!" ÷ OSTERN 1991 Über den See zu deinen Jüngern tretend, Verlangtest Du von ihnen Fisch zu essen. Dein Name Im Worte Fisch < Ichthya> verborgen, Führte Andere, das in Steinen eingekerbte Zeichen Fisch, In dunklen Höhlen mit den Fingern ertastend, Zum Mahl mit Dir. Wir ertasten heute in unserem Dunkel, In den Zeilen der heiligen Schrift suchend, Den Weg zum Mahl mir Dir. ÷ OSTERN 1992 Noch darf dein Licht ich schauen, Mich freuen dran fürwahr; Der Wolke gleich, im Äterblauen Zieh hin ich wunderbar. Noch schwebe ich, das fallen Ist mir fast nicht bewußt; Ich weiß bestimmt ist´s allen, Es engt mir nicht die Brust. Ich darf ein Licht schon schauen Aus Erden Dunkelheit; Dem Auferstand´nem trauen Will ich ihn bereit. ÷ OSTERN UMKEHR 1993 Selbst in
äußerster Dunkelheit,
Auch wenn Nacht ist rings um dich, Gottes lastende Hand bedeckt Finster engende Klüfte noch; Laß es geschehen! Eintritt Golgotha Stunde jetzt,Treibet blutigen Schweiß auf die Stirn, Steht ein tröstend Engel bereit; Laß es geschehen! Wende dem Unfaßbaren dich zu, Höre, was er dem Menschen sagt Durch den für uns sterbenden Sohn; Laß es gescheh´n! Da
habe ich etwas versucht mit dem
Gedicht was nicht verstanden worden ist, aber da bin ich auch wohl auch
selber schuld. Der Abraham ist doch der größte Prophet seine
Frau Sarah war 80 Jahre und konnte kein Kind mehr bekommen, er war 90
Jahre. Dann ist ein Engel gekommen und hat verkündet sie wird
einen Sohn gebären. Die Sarah stand hinter dem Zelt und hat
gelacht. Der Bote fragte:
"Sarah
warum lachst du"? Aber das ist
damals nicht verstanden
worden, denn Abraham hat dann die erste Magd die Aga zur Frau genommen
und der Ismael wurde geboren. Gegenwartsbezogen sind die Juden die
Nachkommen des Israel des Kindes mit der Sarah. Heute
noch kämpfen die Araber und
die Israeliten und die Ismaeliten auf Leben und Tod miteinander und nun
sind schon Dreitausend Jahre her seid das passiert ist.
Da
habe ich etwas versucht mit dem
Gedicht was nicht verstanden worden ist, aber da bin ich auch wohl auch
selber schuld. Der Abraham ist doch der größte Prophet seine
Frau Sarah war 80 Jahre und konnte kein Kind mehr bekommen, er war 90
Jahre. Dann ist ein Engel gekommen und hat verkündet sie wird
einen Sohn gebären. Die Sarah stand hinter dem Zelt und hat
gelacht. Der Bote fragte:
÷"Sarah warum lachst du"? Aber das ist damals nicht verstanden worden, denn Abraham hat dann die erste Magd die Aga zur Frau genommen und der Ismael wurde geboren. Gegenwartsbezogen sind die Juden die Nachkommen des Israel des Kindes mit der Sarah. Heute noch kämpfen die Araber und die Israeliten und die Ismaeliten auf Leben und Tod miteinander und nun sind schon Dreitausend Jahre her seid das passiert ist. MUTTER, DEINEM GEDÄCHTNIS Ein schmal Gesicht von dunklem Haar umkränzt, Darauf schon reichlich Silber lieget, Zwei treue Augen d´raus die Güte glänzt, Ein Herz in dem die Lieb` gesieget. So nah´st du Mutter mir zu mancher Zeit, Ein Bild aus fernen Kindertagen Und deine Worte wie dein Leben, weit Weiß ich in mein´s herrüberragen Die Dämmerstunde hüllt oft uns ein Mit deiner Heimat Sagewesen Türk` und Bergfrau gingen tief hinein In Herz und Traum eh´ ich konnt´ lesen. Dann warst du krank, arg lang und auf den Tod, Wir weinten heimlich hinter Türen, Du Mutter bleib´ bei uns, ach welche Not, Den letzten, einz´gen Kuß zu spüren. Ein kindlich Wissen hat mir aufbewahrt Den dumpfen Traum von schweren Tagen, Ein wehes Bild von stiller letzter Fahrt Im milden Herbst voll müder Klagen. Dann Nächte, denen Weinen Stunden stahl, In die die Leere drohend gähnte Verlassen ganz mit einem Mal Nichts mehr, wo ich mich sicher wähnte. Abgedruckt im Wanderer 1991/2 Geschriebenstein ÷ HINAUF ZUM GIPFEL Setz diesen Faß auf diesen kleinen Tritt Gib mir die Hand, denk nicht es glitt Der Schuh der Rasen gäbe nach. Nun laß dem Atem stille geh´n Ruhe, schaue, bleib ein wenig steh´n Bis alles Blut vom Herzen ist. Lehn dich an mich, ich trockne dir den Schweiß Ich halte deine Hand, ich streichle sie, ich weiß Das Herz erstarren will. Du magst nicht aufwärts blicken, nicht zurück Glaubst du mir nicht, daß nur ein kleines Stück Uns noch vom Gipfel trennt? Nun hüllt das Licht uns ein, - oben hell, Das Auge weit, die Seele trinkt, - schnell Vergessen Angst und Kampf, - Gipfel Ruh. Mühsam erworben, tief - so tief getrunken Vergänglich schöne Stunde, - schon versunken Leise tropft der Mut zum Weiterhgeh´n. Abgedruckt im Wanderer 1992/1 Grimmingtor PROSA MENSCHHORN
Vierzig Jahre später habe ich diese Schule in Bad Ischel verwirklicht. Dort habe ich ein großes Haus als Schule gemietet und hatte zehn Jahre lang Vierhundert Kinder von der Stadt gehabt. Eine Paralellschule in Wien hat, in der geistigen und körperlichen Entwicklung der Kinder den Unterschied, gezeigt. Damals hatte man mir dann recht gegeben, daß die Entwicklung der Kinder auf dem Land besser war wie in der Stadt. Wenn ich meine Absicht damals richtig verstanden habe die mich in dieser Gemeinschaft von Neuländern veranlaßte, in einen Teil des Maria Theresia Schloßes eine Werkgemeinschaft zu verwirklichen, so war es eine Laiengemeinschaft ohne Regeln, genährt nach einem Streben nach Gott in der Welt, dem Suchen nach Wahrheit, Einfachheit und Geschwisterlichkeit und einer Sinnerfüllung des Lebens. Fern der Großstadt war sie ein Dienst an den Kindern in Nöten, in den bedrängten Jahren der Entwicklung und des Reifens. Brot wurde auf den Feldern gewonnen und anderes wurde für eine erneuerte Schule bereitgestellt, in der jedes Gotteskind in einen Jugendreich lebte, "daß war der Grundinhalt meines Lebens". Es ist sehr viel dazwischengekommen aber ich habe es dann doch verwirklichen können. Die Neuländer sind eine vor dem ersten Weltkrieg entstandene katholische Erneuerungsbewegung , die mit den bürgerlichen Konsensen nicht zurecht gekommen ist. Wir haben uns gegen alles bürgerliche vorgefaßte zwingende gestellt, weil wir gefragt haben ist es richtig. Es ist eine Bewegung innerhalb der Kirche, die sich auch nicht gescheut hat, die Kirche zu hinterfragen. Wir sind ja auch schon in jungen Jahren mit 17 - 18 Jahren, über die Auslegung verschiedener Dinge, mit der Kirche in einen Zwiespalt gekommen. Es kommt dann immer auf den Bischof an ob er dies begreift, der Kardinal Initzer war der Mann der uns nie verstanden hat. Vorher der Kardinal Piffel, der hat uns gut verstanden, er hat uns Breitenfurt zur Verfügung gestellt und hat seinen Sekretär, den Doktor Rudolf auch die Möglichkeit gegeben diese Idee einer neuen Schule zu verwirklichen. Bei Initzer war das unmöglich, bei uns hat es geheißen Initzer - ein Unützer, er war ein Mensch guten Willens aber er war geistig nicht besonders, die Größe die er gebraucht hätte fehlte ihm. Erst sein Nachfolger der Kardinal König hatte diese umfassende Eigenschaften. Auch dem derzeitigen Kardinal Groer fehlen diese Eigenschaften. Gute Leute wie der Kardinal Kräutler (Strom des Elends, Fluß der Hoffnung) Otto Müller Verlag Salzburg) werden in der Kirche nicht geschätzt, Bischof Eder verwehrte ihm einen Vortrag in Salzburg, dieser Vortrag wurde dann im hoffnungslos überfüllten Wiener Rathaussaal gehalten. Kräutler sprach auch kurz zu den vielen Hunderten Leuten auf der Straße die keinen Platz im Saal mehr fanden. Ein Beispiel welchen Zuspruch die Kirche bei lebensnahen mutigen intelektuellen Geistlichen erfahren kann. Ich bin in Berndorf der Industriestadt aufgewachsen, mein Vater und meine Mutter stammten aus bäuerlicher Herkunft. Die erste Erkenntnis war: "Der Mensch ist kein höheres Wesen". Nicht mittelalterliche Demut- sondern Abwehr von Mistifikationen ist das Maß des Menschen. In
der Renaissance kam die Abkehr von
der Hiebris (Auswucherung); der Unterwerfung der Welt unter den
Blickpunkt des Menschen. "Dem menschlichen vernünftigem Zustand
ist alles unterworfen."
Der Mensch
beherrscht immer kleinere Weltsektoren, der Mensch nimmt immer mehr
einen übersteigerten Standpunkt ein.DIE KOSMISCHE REDUKTION: Die Erde wird ein Staubkorn im Kosmos. Der Mensch nimmt nicht mehr die zentrale Stellung ein, das Zeitalter des Realismus. DIE BIOLOGISCHE REDUKTION: Der Mensch wird eingereiht in die lange Kette seiner Mitkreaturen, besonders im Impressionismus. DIE SOZIOLOGISCHE REDUKTION: Marx und seine Gesellschaftstheorie im Expressionismus. Die Geschichte ist wie die Natur den Gesetzen unterworfen. Der Einzelmensch ist eng soziologisch bedingt, das waren die geistigen Auffassungen der Vergangenheit. DIE PHYSIKALISCHE REDUKTION: Zum Beispiel im Kubismus oder in der Relativitätstheorie von Einstein. Zeit und Raum sind nicht mehr absolut, Bedingung und Bezugssystem sind veränderlich automare Restrukturen, die Materie in der experimentellen Entdeckungen. DIE PSYCHOLOGISCHE REDUKTION: Im Sureallismus und der "Psychoanalyse" von, Freud. Die Entdeckung des Unpersönlichen, damit begründet Freud ja oft die psychischen Entscheidungen. "Er hat es ja tun müssen" Die seelischen Vorgänge der elementaren Triebnatur unseres Persönlichkeitsgrundes und die Lehre vom Unbewußten. Die Erweiterung des Horizontes, die Freilegung der offenen Distanzen. Aber dahinter aber gerade aber auch der Abbau der geschlossenen Gestalt, ist jedesmal eine Schrumpfung des Menschenbildes. Ist es eine Frage der; konditionierlich
oder diskontionierlichen Folge der Zentralisierung oder der
Teilabsonderung, Assziationsfolgen, des Berufes als Vertiefung? Ist es
das Mischungsverhältnis abstrakt begrifflicher und konkret
anschaulicher Vokabeln, die Einführung von Fachausdrücken,
die Fremdwörter zur Erzählung eines Entfremdungseffektes?
Ist es die Durchsetzung mit Zeitmontagen, die Verselbstständigung des Bildes, des Wortes, des Lautes und der Buchstaben? Die geistesgeschichtlichen Grundlagen, der Querverbindung zwischen Künstlern, Wissenschaftern und Politikern als Zeitsubstanz im Zeitgeist, das Lebensgefühl, der Wurzelgrund der Zeitepoche ändert sich oft in Jahrzehnten.
Der Mensch wird immer
unwichtiger und bedeutungsloser für das Geschehen er ist ja nicht
verantwortlich. Für das was er tut ist "es" verantwortlich. Der
Mensch greift auf das Tier zurück um seine Triebe zu erforschen.
Die Vehaltungsforschung von Lorenz mit den Graugänzen.
Es geht ja das große Erlebnis in Amerika und Europa: "Der Mensch muß ja wie ein Affe sein, er stammt ja von ihm ab". Sein Verhalten ist demnach, es kommen diese ganzen schrecklichen Triebe der Urwesen dazu; von den Orangutan bis zu den Dinosauriern, die alle in unseren Wesen irgendwo begründet sind und sich ausleben müssen. Die blutigste Gewalt und die Vergewaltigungen sind alle eine selbstverständliche Folge davon, daß der Mensch sein muß wie er ist. Mich hat Friedrich Hölderlin >
sehr viel zum Denken gebracht. "So wie du anfingst wirst du bleiben, es
wird sich nichts an dir ändern, es sei den der Lichtstrahl der dir
als Neugeborener begegnet der bewirkt das andere".Damit meine ich die Begegnung mit einer Religion, mit einem Glauben und mit der Kunst. Hölderlin hat seine Werke mit seiner innersten unverbildeten Kraft geschrieben, er war ja auch ein Gegner von Goethe und von Schiller. Er hat immer mehr dahinter gesehen, er war ein uns ein übersteigendes Wesen, das Einheit von innen und außen verbürgt. Es wäre natürlich eine große Aufgabe eine Geistesentwicklung einmal, durch die Kunst oder in einer wissenschaftlichen Abhandlung, verständlich darzustellen.
Die zwei Jahrzehnte
von 1918 bis 1938 abgesehen vom Krieg 1914 bis 1918, waren erfüllt
von Drohung mit Gewalt und von Gewalt. Vornehmlich in den Städten
und den verschiedenen Industriegebieten. "Nie wieder Krieg"! Schallte
lautstark die Parole, aber an allen Orten brach die Gewalt aus;
Schlägereien in den Fabriken, auf den Straßen,
Sprengstoffanschläge, Drohworte und Streit, vergifteten dem all
die Atemluft.
Wenn der Schutzbund marschierte herrschte die Angst, ebenso herrschte sie, wenn der Heimatschutz und die Heimwehr, auf der Straße ihre Kraft zeigten. Das Volk war in zwei große Lager gespalten, daneben gab es den deutschen Turnverein, quer durch die Familien ging oft die politische Trennung, Eltern, Söhne, Töchter und Schwiegersöhne waren entzweit, durch gegensätzliche politische Standpunkte. Der rote Schwiegersohn schützte den schwarzen Schwiegervater, der wieder schützte einen leitenden Beamten vor Gewalt. Putsch, Demonstrationen, Aufstände führten schließlich zum Bürgerkrieg, eine wahre schwere unruhige Lage. Immer stärker drängt ein Anderes bisher Verborgenes ans Licht, Illegale die sich formiert hatten.
Es waren einmal ein
Bauer und eine Bäuerin. Sie waren sehr arm. Die beiden hatten
einen Sohn, der hieß Seppl. Es ging ihnen sehr schlecht, so sehr
sie sich auch abplagten. Als der Sohn herangewachsen, ging es ihnen
besser. Eines Tages war es
so weit, daß sie ein Roß kaufen konnten. Im Auftrag der
Eltern ging Seppl in die Stadt, um eines zu erwerben. Er kam auch richtig zum Pferdemarkt. Es
waren zwar noch Pferde da, aber keines, das dem Seppl gefallen
hätte. Im Herumgehen hatte er bemerkt, daß ein feiner Herr
alle brauchbaren und schönen Pferde aufgekauft hatte. Als er zu
guter Letzt immer wieder bei den Pferden jenes Herrn stand und sie
betrachtete, sprach in dieser an. Der Bub gefiel ihm, weil er ein
fester Kerl war, den man gut brauchen konnte. Ob er nicht sein
Knecht werden wolle, fragte er ihn. Derb Seppl zögerte nicht
lange. Ihm war das Angebot recht, und er sagte zu. Voll Erwartung und
Freude ritt er mit dem neuen Herrn und seinen Pferden.
Auf ihrem Weg kamen sie zu einem großen, finsteren Wald. In diesen ritten sie schnurstracks hinein. Bald wurde es Seppl unheimlich, und er fürchtete sich. Je weiter sie in den Wald hineinritten, desto düsterer wurde er. Kalte Schauer rieselten Seppl über dem Rücken. Als sie schon den zweiten Tag durch den Wald gereist waren, kamen sie endlich wieder heraus. Ein großer Stein fiel Seppl vom Herzen, als er sah, wo sein Herr wohnte. Inmitten einer blumigen Wiese stand ein prächtiges Schloß. Es war von blühenden Hecken, fremdländischen Bäumen und bunten Ziergärten umgeben. Der Liebreiz des Gartens, die sonnenbeschienene Pracht des Schloßes verwirrten Seppl so sehr, daß er es nicht wagte, hineinzugehen. Sein Herr drängte ihn aber und ließ ihn die vielen hellen Zimmer mit den herrlichen Möbeln und den schönen Bildern und Kunstwerken sehen und bestaunen. Schließlich kamen sie auch zum Pferdestall. Er war voll, und die neugekauften Pferde standen davor. Da sagte der vornehme Herr zum Seppl: "Unter den vielen Pferden siehst du einen herrlichen Schimmel. Schaue ihn dir gut an. Von nun an hast du weiter nichts zu tun, als diese Stute zu füttern und sorgsam zu pflegen. Zum Lohn wirst du immer gutes Essen und Kleider von mir erhalten. Weiters brauchst du ja nichts:" Das war dem Seppl recht, und die Arbeit schien ihm leicht zu sein im Vergleich zu seiner Plage bisher. Er meinte, für ihn könnte es nichts Besseres geben. Kaum war sein Herr fort, fing zu Seppls Erstaunen das ihm anvertraute Pferd plötzlich zu sprechen an und sagte: "Geh in den Hof hinaus, dort ist ein Brunnen. Bringe mir ein Maul voll Wasser!" Seppl lief um das Wasser und ließ es die Schimmelstute schlürfen. Sie aber trank nicht sondern sprühte das Naß über des Knaben Kopf. Seine Haare wurden davon zu puren Gold. Der Bub erschrak sehr. Da redete die Stute wieder: "Nimm vom Wasser des Brunnens ein Gefäß voll, sitz bei mir auf und reite schnellstens von hier fort - heimzu!" Geschwind wie der Wind legten sie den weiten Weg zurück. Ehe sie aber Seppls Elternhaus erreichten, verlangte die Stute, er solle anhalten und ihr vom mitgenommenen Wasser zu trinken geben. Seppl tat es. Das Pferd trank, und sogleich stand eine schöne weißgekleidete Prinzessin mit goldenem Haar vor ihm. Da machte er große Augen, nahm die Prinzessin bei der Hand und führte sie zu seinen Eltern in das ärmliche Haus. Diese waren überglücklich, ihren Sohn wieder zu haben. Weil sich Seppl und die Prinzessin sehr lieb hatten, heirateten sie. Alle miteinander zogen nun zu den Eltern der Prinzessin, und Seppl wurde dort König. Der Hexenmeister hinter dem großem Wald, der die Prinzessin in eine Stute verzaubert hatte, wurde zum Tode durch Verbrennen verurteilt. Seppl ging es nun sehr gut. Weit und breit gab es keinen besseren König. Quelle: Alpenmärchen
Vor rund
zweihundert Jahren
war es rings um den Schneeberg
und die Rax recht unwegsam. Fahrwege waren entstanden, wo Holz gebracht
werden mußte und der Erzstein, immer wieder zerrissen von
Schmelzwassern und Regengüssen, steinig und löchrig, ebenso
die Fußsteige zu den kleinen Weilern und Einschichthöfen.
Wenig wußten die Bewohner vom Geschehen draußen in der
Welt. Kleinbauern bestellten ihre mageren Feldern, dem Wald abgerungen.
Holzknechte und Köhler traf man an den Hängen der engen
Gräben und schmalen Täler. Hirtenbuben hüteten
Kühe, Ziegen und Schafe.
Das Waldesdunkel, die
Einsamkeit, die Unbilden des Wetters und die langen Winter beim
Kienspanlicht ließen die Menschen die Naturgewalten
fürchten. In vielen Erscheinungen spürten sie Drohungen und
ahnten sie Unheil.Oben auf Schneeberg und Rax brauten die Wetter. Wochenlang von ziehenden Wolken umlagert, waren die Hänge von Rinnen und Löchern zerfurcht und mir Steinen übersät. Klüfte, Spalten und Höhlen fanden sich allerorts. Hier herauf kamen auch Tiere zur Weide, von einsamen Hirten betreut. Wenn nach Regengüssen die Sonne wieder heiß brannte und das Wasser versickerte, abziehende Wolken noch wallten, kräuselte Wasserdampf aus den Vertiefungen und Spalten. Die Buben lockte es oft, in die ringelnden Dünste Steine zu werfen oder in die brauenden Nebel Steine rollen zu lassen. Streng war ihnen solches Tun verboten worden, glaubten doch die Leute fest, das bringe Unheil. Wer so etwas mache, dem verirre sich ein Tier, verletze sich oder stürze gar ab. Ängstlich unterließen sie es daher. Ein Hüterbub war mir seinem Essen für eine Woche aufgestiegen. Unter dem Arm trug er einen Laib Brot. Als er stolperte, entglitt ihm das Brot, rollte ein Stück abwärts und verschwand in einem Busch. Erschrocken verfolgte es der Hirt mit den Augen und stürzte zu der Stelle, an der es verschwunden war. Dort fand er eine Grube. in diese stieg er mutig hinab, sich an Gras und Zweigen festhaltend. Bald fand er keinen Halt mehr, so fest er sich auch stemmte und spreizte. Immer schneller rutschte er hinab, bis ihm die Sinne schwanden. Nässe und Kälte ließen ihn erschauern. Schließlich saß er, von einigen Schrammen abgesehen, unverletzt in einem unterirdischen Wasserlauf, der ihm bis zur Brust reichte. Entschlossen stellte er sich auf seine Beine, schaute und horchte. Dort in der Ferne, wohin das Wasser floß, ahnte er einen Lichtschimmer. Auf diesen ging er zu. Nachdem er sich an die Geräusche ringsum gewöhnt hatte, vermeinte er ein fernes Pochen zu vernehmen. Diesem näherte er sich flußabwärts watend. Alle Furcht hatte ihn verlassen. Hoffnung erfüllte ihn. Stundenlang, wähnte er, dauerte sein Gehen. Mehr und mehr nahm die Helligkeit zu. Er konnte die Felswände links und rechts erkennen, die vom Sickerwasser mit Kalksteingebilden bedeckt worden waren. Der Felstunnel weitete sich, und das Pochen wurde lauter. Bald fand er sich in einer hellen Felsenhalle. Mit Staunen sah er, wie Bergmännlein im Gestein werkten. Eines nahte sich und sprach den Erschrockenen an: "Ich weiß, daß du dich fürwitzig in unser unterirdisches Reich eingedrungen bist. Es soll vor euch Menschen verborgen bleiben. Schweige von dem was du sahst, und ich will dich aus dem Berg geleiten." Der Hirte versprach es. Weite und gewundene Steige am Bach und mühsame Pfade über Geröllhalden führte ihn das Bergmännlein, ehe volles Licht hereinbrach und der Hirtenbub aus einem Wassertor trat. Sich durchs Gestrüpp zwängend, fand er einen verwachsenen Weg, der ihm bekannt erschien. Er wandte sich um, doch sein Begleiter war grußlos verschwunden. Auf diese Weise hatte der Hirte - ohne zu wollen - das "Grundlose Loch" entdeckt. Dörfl, 1. Mai 1991 Lieber Bruno! Immer wieder seh ich Dich bei unserem letzten Treffen vor uns stehen, fast hilflos, bestrebt uns Deinen Text verständlich zu machen. Heute, an diesem regnerischen Tag haben meine Frau und ich Deine Texte durchgelesen. wir schämten uns, weil wir sie bisher nicht genügend beachtet haben und ihnen nicht die Aufmerksamkeit schenkten die sie verdienen. Gehe Deinen Weg weiterhin in die Berge! Vielleicht findest Du dabei, das was wir alle suchen. Sag´es, wenn ich Dir helfen kann! Lieber Gruß Fridl. Dörfl, 25.Mai 1992 Die Schirmherrschaft, über die Formation Gipfel Buch kann ich nicht übernehmen. Ich weiß ja fast nichts von der Vereinigung, war nie Mitglied und bin ein völlig unbekannter Mann. Ich stelle ja auch nichts vor und weiß nichts von Vereins - Angelegenheiten. Ich bin 82 Jahre und kann wegen Asthma - Bronchiale und einem Kniegelenk - Ersatz nicht mehr in die Berge gehen. Bleiben wir trotzdem Freunde BERGWANDERUNG
*GESCHRIEBENSTEIN *MUSIK & POESIE ZU EHREN VON FRIEDOLIN
MENSCHHORN: ST. KUKULA MIT DER ÖBM
ÖBLARNER BERG - MUSIK & EVG F. GRANER, FGB B. MAYER ,
GASTGEBER JOHANN GLAVANOVITS NTV NATURFREUNDE *START* AM SAMSTAG DEN
10. AUGUST 1996 UM* VOM GASTHAUS FREINGRUBER IN R E C H N I T Z
17 KM, ANREISE: RECHNITZ, BEZIRK OBERWART SÜD - BURGENLAND
ANMELDUNG, IMPRESSUM LEISTUNGSWERTUNG DURCH DIE EUROPÄISCHE
VOLKSSPORT - GEMEINSCHAFT EVG VORSCHAU: 97 KRIPPELBERG -Bgld. 98
DÜRRENSCHÖBERL Stmk.
Fridolin Menschhorn
ENDE ANFANG
÷
Ich müsste dich
eigentlich mit "ihr" anreden,
denn du bestehst ja aus zwei Teilen. Doch für mich bist du
immer ein Ganzes gewesen, eine Person gewissermaßen,
obwohl du nur ein simpler Schuh bist. Ich kann dich nicht einmal
Bergschuh nennen , du bist ja ganz einfach gefertigt und hast
sicher irgendwo in einer großen Schuhfabrik das Licht der Welt
erblickt. Du bist bestimmt serienmäßig hergestellt worden,
viele seelenlose Hände haben an dir gearbeitet und zuletzt hat man
dich zum Versand fertig gemacht. Du bist nicht in einem schönen
großen Geschäft zur Schau gestellt worden, nein, man hat
dich willkürlich in ein großes Lager zur Auslieferung
geschickt.BERGSCHUHE Michael Bleier Meinen alten Wanderschuhen, die mich lange Jahre treu begleitet haben, gewidmet Und so kam es, dass wir uns einander kennenlernten, unser erstes Zusammentreffen war wirklich kein erfreuliches; ich bekam dich zwar ganz umsonst, aber unter düsteren Begleitumständen. Es war in der winzigen Kammer einer öden, grauen Kaserne, wo ich dich in Empfang nahm, zusammen mit einem Pack von Uniformstücken, die man mir aufdrängte, ohne mich zu fragen, ob ich auch Lust hätte, sie zu tragen. So ist es leicht verständlich, dass ich dir anfangs keinerlei Zuneigung entgegenbrachte, ja ich betrachtete dich sogar mit Abscheu und Haß den ich personifizierte dich ohne weiteres mit all dem Schlechten, dass mich umgab. Doch ich lernte dich bald schätzen und mußte erkennen, dass ich dir bitter Unrecht getan hatte. Du hast mich bei der ersten Exerzierübung begleitet, wo man vergebens versuchte, meinen jugendlichen Feuergeist mittels sturer, geisttötender Übungen zu brechen und du schienst mir immer zu sagen: "Nur keine Bange, es wird
schon einmal anders werden"!
So stand ich auf
ziemlich sicheren Boden, als man mich dann zu einer kleinen Einheit
abkommandierte, die in einer wüstenähnlichen Ebene ein
trautes Schlummerdasein führte. Dort wurdest du mir erst richtig
Schutz und Schirm, in jenem bitterkalten Winter, wo uns ein irdisch
gewordener Abgesandter der Hölle im tiefen Schnee herum schleifte.
Wie oft musste ich durch wasserüberflutende Felder marschieren,
ich hatte zwar keine Stiefel, aber du, mein treuer Begleiter, warst
immer da und deine vertraute Stimme raunte mir leise zu: "Durchhalten,
nur durchhalten"!
Du warst auch bei mir, als die Hölle losbrach, das Inferno, welches diese barbarische Tyrannei beenden sollte. Du halfst mir bei meinem Entschluß zu fliehen und erinnerst du dich noch an jenen gespenstigen Marsch, als wir beide mutterseelenallein durch die hallende Nacht wanderten, hinter uns die brennenden Dörfer und das Grauen und vor uns die Ungewißheit des Kommenden? Beinahe wärest du damals allein geblieben und dein Besitzer wäre schmählich zu Tode befördert worden, doch er besaß Geist und Findigkeit genug, den dunklen Absichten vager Existenzen zu entrinnen. Doch dein Leder war noch hart und ungefügig, so schlugst du mir auf dem weitem Weg schmerzende Wunden und ich bereute es fast, meine eigenen Schuhe zurückgelassen zu haben. Doch wie frohlockten wir beide, als wir der Knechtschaft entflohen und wieder frei waren! Leider wurden wir dann bald enttäuscht und es erging uns immer schlechter. Du bekamst deiner ersten Sorgenfalten und dein Herrl, der wußte auch nicht mehr wo der Kopf stand. "Es muss etwas geschehen", so sagtest du damals zu mir und ich folgte dir. Wir packten uns kurzentschlossen zusammen und fuhren los. Nach langer Irrfahrt landeten wir schließlich auf einem kleinem Bergbauerhof, wa sich dann dein armer Eigentümer in schwerer Arbeit sein mühseliges Brot erwarb. Dort traf uns die erste Katastrophe: Der krumme Ackerboden tat deinen geschwächten Sohlen nicht gut und eines Tages begannen sie sich langsam aber sicher aufzulösen. Das hatte entsetzliche Folgen für mich, denn du musstest nun zum Schuster und ich hatte keinen Ersatz für dich. Ein biederer Schustermeister erklärte sich schließlich gegen Spendierung eines kräftig gewachsenen Hahnes bereit, dich neu zu besohlen und ich erhielt zwei alte Schlapfen aus steinhartem Leder, mit denen ich nun in der Folgezeit vorlieb nehmen sollte. Ich konnte mit ihnen auf den schrägen Feldern kaum stehen und mußte dennoch weiterarbeiten mit zusammengebissenen Zähnen und die Füße voller Blasen. Wie freudig hatte ich dich dann begrüßt, als du zurückkehrtest in deinem neuem Kleid und wie freudig haben wir mitsammen geschafft! Die ganze Woche mussten wir schwer arbeiten, doch am Sonntag, da stapften wir weit umher, bis hinunter in das burgengekrönte Land jenseits der Grenze. Du bliebst auch bei mir, als wir dann in die Stadt zurückkehrten und für lange Zeit warst du mein einziges Paar. Wie neidisch blickte ich oft auf die schöngeformten Halbschuhe eleganter junger Herren, die so leichtfüßig dahinprominierten und voll Verachtung auf dein derbes Äußere herabblickten. Wohl träumte ich oft davon, auch einmal so dahinzuschreiten, doch vorläufig war ich noch glücklich in deinem harten, festen Leder. Es war in jener schweren Zeit, als meine Liebe zu den Bergen wieder erwachte, die mich früher in früheren Jahren so oft und viel in den heimatlichen Wald geführt hatte und nun zu neuen Taten rief. Weißt du noch von jenem denkwürdigen Osterausflug, wo wir in einem Zuge zum Peilstein marschierten? Es war wie ein Frühlingserwachen und eine neue herrliche Zeit begann für uns. Wieviel sind wir damals herumgestrolcht in der Umgebung unserer Heimatstadt und haben mitsammen so viel Schönes entdeckt und gesehen? Der Rucksack war leer und desgleichen der Geldbeutel und ein zehrendes Hungergefühl nagte dauernd im Magen herum, doch was kümmerte uns das schon? Und der erste Urlaub, als wir trotz des Schlechtwetters in die Berge fuhren! Erinnerst du dich noch an die verhängnisvolle Überquerung der Rax im dichtesten Nebel, wo wir beide jämmerlich froren? Wie zum Hohn lachte dann die Sonne hernieder, als wir ins Tal abstiegen. Wir gingen den Törlweg hinunter und der spitze Stein schlug gegen deine dünnen Gummisohlen. Sie lösten sich zuletzt und flatterten wie zwei lustige Fahnen links und rechts im Wind! Doch dein geplagter Besitzer ließ sich keineswegs aus der Ruhe bringen, er hatte einen genialen Einfall: Er durchlöcherte deine wunden Seiten und knüpfte dich mit einem Bindfaden wieder fest. Schön sah es nicht aus, und die Leute in der Bahn warfen uns sehr mißbilligende Blicke zu, doch wir kamen verhältnismäßig heil nachhause. Du bekamst einen neuen amerikanischen Doppler und wieviele Kilometer hast du mich darauf brav getragen? Wir machten so viele schöne Touren und du hast mit mir genossen und geschwelgt, doch auch gedurstet, geduldet und gelitten unter den vielen Strapazen. Wie stöhnte ich wegen deines schweren Gewichtes in der großen Hitze und wie dankbar war ich für deinen warmen Schutz im Winter. Aber sie war doch schön, herrlich schön, diese Zeit in der ungestümen Jugend, voll Idealismus und voll Freiheit. Wir glaubten damals noch, dass die Welt gut sei und waren voll froher Hoffnung. Doch wir sind nun älter geworden und das Leben hat uns viele Narben geschlagen. Da fällt mir das Hocheck ein, jener interessante Pfingstausflug, wo es abwechselnd auf uns herunterregnete oder hagelte. Dann schien wieder die Sonne und kleine, unschuldige Wölckchen zogen friedlich dahin. Und als wir dann auf der staubigen Landstraße dahintrabten, riß plötzlich ein grausamer Stein ein Stück aus deiner Sohle. Ich erschrak darüber sehr, denn du musstest noch bis zum Urlaub aushalten. Deine Wunde wurde damals nur notdürftig geflickt und ich hatte Angst, du würdest mich bei meiner großen Sommertour im Stiche lassen. Doch du hast mich angenehm enttäuscht, du hieltest eisern aus, als wir dann tagelang in der grünen Mark herumwanderten. Wir schlossen Freundschaft mit den sanften, weichbemoosten Wegen, die dort den Wanderer empfangen und die die Sohlen nur streicheln und liebkosen, anstatt sie zu verletzen. Wir entzückten uns an der anmutigen Landschaft und schworen ein heimliches Wiedersehen. Du kamst ganz abgetreten zurück von diesem wundervollen Urlaub und die meisten Schuster hätten dich verächtlich in die Abfallkiste geworfen. Doch ich kannte einen Jünger dieser ledernen Kunst, der noch ein Herz im Leibe hatte und sich liebevoll deiner annahm. Als Belohnung für die überstandenen Strapazen bekamst du ein besonderes Geschenk: Echte Mamutsohlen, die dich im Winter vor allen Unbilden der Witterung schützen sollten. Du warst direkt verjüngt, als du von der Reparatur kamst, die neuen Sohlen standen dir ausgezeichnet und du hattest an Form und Harmonie nur gewonnen. So freuten wir uns schon auf den Winter, wo wir dann auch prächtige Ausflüge in den tiefverschneiten Wald machten. Voll Selbstvertrauen blickten wir dem Frühling entgegen und als die ersten zarten Blätter sprossen, machten wir uns schon wieder auf die Beine. Doch jetzt kommen wir zu einem düsteren Datum: Pfingsten 1950. Trotz des veränderlichen Wetters fuhren wir wieder einmal fort und die Reisalpe war diesmal unser Ziel. Noch während wir im Zug saßen, regnete es in Strömen und ich blickte besorgt auf dich hinunter: Würde dein alter Organismus auch die viele Feuchtigkeit aushalten? Der Regen hörte dann auf und der Wind trieb sein launisches Spiel mit den Wolken, als wir langsam berganstiegen. Der nasse Weg begann dein Leder aufzuweichen und ich hegte schon große Befürchtungen für deine unmittelbare Zukunft. Doch Gott sei Dank wurde es dann trockener und als wir bald darauf auf einer einsamen Lichtung im Sternenglanz die majestätischen Berge rundherum betrachteten, waren alle Sorgen vergessen. Der Aufstieg zum Gipfel am nächsten Morgen und die Fernsicht oben zählt zu den schönsten meiner Wanderzeit. Leider veranlaßten drohende Regenwolken, früher als geplant abzusteigen und auch der grandiose Ausblick auf die steirische Bergwelt, die sich vor meinen Blicken ausbreitete, konnte mich nicht trösten. Auch du stöhntest ganz vernehmlich und ich glaubte sogar einen leisen Ton der Angst herausgehört zu haben. Sie war nicht ganz unbegründet, denn bei Gscheidboden begann es in Strömen zu regnen. Glücklicherweise fanden wir in einer Heuhütte Zuflucht, wo sich auch einige andere durchwässerte Touristen einfanden. Bei diesem Wetter war an eine Ausdehnung der Tour auf den nächsten Tag nicht zu denken, und so stieg ich, als der Regen nachließ, zur Klosteralpe hinauf, um nach Lilienfeld zu gelangen. Es wurde ein wahrer Todesmarsch. Der Steig war völlig aufgeweicht und es war ein wirkliches Martyrium, vorwärts zu kommen. Noch dazu setzte der Regen mit neuer Stärke ein und sein monotones Rauschen blieb nun für Stunden mein unerwünschter Begleiter. Mein Körper war durch das umgehängte Zeltblatt ja verhältnismäßig gut geschützt, doch auf dich troff es unaufhörlich hernieder. Deine Kummerfalten wurden immer tiefer und das Wasser begann dein schutzloses Leder zu zersetzen. Dann entrang sich dir ein schmerzlicher Schrei und mit Entsetzen sah ich, wie deine rechte Spitze aufriß und das Wasser gierig ins Innere stürzte, um dann neckisch meinen Fuß zu bespülen. Wie gerne hätte ich mit dir gerastet, doch wir mussten weiter, um endlich ins Trockene zu gelangen. Das letzte Stück des Weges war nur mehr eine schlammige Masse und du verlorst darauf den Halt, was einige unfreiwillige Saltos deines Herrls verursachte. Doch ich war dir nicht böse, du konntest ja nichts dafür, du warst ja selbst am Ende. Als ich dann nach einem mehrstündigen Gewaltmarsch (dessen letztes Stück ich laufend zurückgelegt hatte) den Bahnhof erreichte, botest du einen traurigen Anblick. Im Zug drückten wir uns schnell in eine dunkle Ecke, ängstlich bemüht, dein herabgekommenes Aussehen vor jedem zu verbergen. Nur als wir dann in Wien mit der hellerleuchteten Straßenbahn fuhren, sah dich ein grellgeschminktes Mädchen und machte zu ihren Begleiter eine abfällige Bemerkung. Das tat uns beiden sehr weh und ich glaube, du kränkst dich heute noch darüber. Nach dieser unheilvollen Tour standest du lange in einer abgeschiedenen Ecke und glaubtest schon, ich sei dir gram. Wie hast du aufgejubelt, als ich dich eines Tages hervorholte und zum Schuster trug! Du wußtest, dass du mich wieder begleiten würdest auf meinen verwegenen Fahrten. Diesmal stand der Schöpfl auf dem Programm, nach dem wir uns schon zwei Jahre sehnten, Doch O Schreck! Der ungetreue Schuster ließ dich vierzehn Tage liegen und als ich dich holen wollte, hatte er mit der Arbeit noch gar nicht angefangen. Wutentbrannt entriß ich dich seinen Händen und trug dich in eine Schnellreparaturwerkstätte, wo du dann bis zum nächsten Mittag sorgfältig geflickt und genäht wurdest. Zwei Stunden vor meiner Abfahrt des Autobusses holte ich dich, und als wir nachher losfuhren, war alles Eitel und Wonne. Es wurde ein köstliches Wiedersehen, das wir auf dem Schöpfl feierten, umgeben von der zauberhaften Anmut des Wienerwaldes und begleitet von den schrillen Schreien der Rehe. Dort war es auch, wo ich den Entschluß faßte, dir, meinen treuen Begleiter, einen ehrenden Nachruf zu widmen, wenn du dereinst den Weg alles Irdischen gegangen sein wirst. Nach diesem wundervollen Ausflug hieltest du nur kurze Rast, du hattest kaum Zeit zum Verschnaufen und dann gingen wir wieder auf Urlaubstour. Ich war sehr besorgt um dich denn langsam machten sich bei dir schon Alterserscheinungen bemerkbar und eine so lange Tour war ein bißchen viel für deine geschwächte Gesundheit. Ich wäre gern mit neuen Bergschuhen losgezogen, aber das liebe Geld fehlte wieder einmal wie schon so oft nahm ich zu dir Zuflucht. Es wurde trotzdem schön. Die Steiermark empfing uns mit ihren grünen Kathedralen und leuchtenden Bergen. Du hieltest auch brav Schritt, nur nach einem kunterbunten Abstieg vom Dürrenstein begann sich deine Sohle zu lockern und nur ein biederer Schustermeister in Göstling rettete dich vor ärgerem Schaden. So konntest du teilnehmen an der stolzen Schönheit des Hochkars und mit mir jene gottvolle Stunde auf dem Gipfel verbringen, in der unsere Herzen zum Himmel zu schweben schienen und laut jubilierten, beglückt über soviel Schönheit und Harmonie. Du trugst mich hinüber bis zum Hochschwab und fühltest dich schon so sorglos und siegessicher, als plötzlich ein orkanartiges Gewitter herniederdröhnte und sich stundenlang auf die unschuldigen Berge ergoß. Als wir am nächsten Morgen weiterwanderten, klebte die Nässe an deinen Sohlen und fraß sich langsam in dein mürbes Leder. Du sagtest nichts und klagtest auch nicht, doch ich weiß es genau, dass dir damals jeder Schritt weh tat. Nur als du zu stöhnen begannst, wurde ich aufmerksam und dann sah ich die Bescherung. Ein breiter Riß klaffte an deiner rechten Seite und deine Eingeweide lagen bloß, das war nun bitter. Und doch gab es einen Lichtblick: Erinnerst du dich noch an die nette Grazerin, die so viel Anteil an deinem harten Schicksal nahm? Wir wollen ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Du musstest dich bis Mürzsteg gedulden und ich hatte immer Angst, dass du inzwischen in Stücke zerfallen würdest. Doch du hieltest brav durch und dort nahm dich ein guter Schuster in die Arbeit. Wie wohl fühltest du dich in seinen geschulten Händen und bald war deine Wunde geschlossen und vernäht. Du warst trotzdem schwer angeschlagen als wir nach Hause kamen. Du hast mich noch getreulich begleitet in diesen Sommer und viele Sonntage haben wir miteinander im Wald verbracht. Aber du bist nicht mehr so wie einst, oft geht ein leises Ächzen durch deinen Körper wie bei einem altem, knorrigen Baum, der lange dem Sturm getrotzt hat, bis er dann eines Tages beim leisesten Windhauch jählings niederbricht. Und so könnte es dir eines Tages gehen, alter Freund! Doch ich möchte dir ein so unrühmliches Ende ersparen und darum stehst du schon lange in deiner stillen Ecke. Du bist mir auch gar nicht böse, den du verstehst mich, und du träumst von schönen, vergangenen Zeiten. Nur heute habe ich dich hervorgeholt, um Abschied von dir zu nehmen. Man trennt sich nicht so ohne weiteres von einem lieben Kameraden. Du solltest nicht vermodern in einer dunklen Kammer oder vielleicht gar eifersüchtig sein auf deinen Nachfolger. Nein, noch einmal sollst du die Sonne sehen, die wir beide so geliebt haben. Laß dich einmal ansehen, Freund? Du bist noch ganz der alte. Wenn man die Staubschicht wegbläst, kommen die lieben, vertrauten Züge wieder zum Vorschein. Nur ein bißchen runzeliger bist du geworden und ein weises Lächeln eines Wissenden, der viel Schönes gesehen hat, der den Tod nicht fürchtet, sondern milde erwartet. Aber ich spreche zu dir wie zu einem Menschen und du bist ja nur ein Schuh, ein alter, zerrissener Schuh. Vielleicht bist du ein wesenloser Gegenstand, ohne Gefühle, ohne eigenes Erleben, ohne Seele? Vielleicht träume ich das alles nur? Doch da fällt plötzlich ein heller Sonnenstrahl auf dein morsches Leder, das gegerbt ist von Sonne, Wind und Regen. Ein Lächeln geht über deine alten Züge, voll seliger Erinnerung. Und dann sagst du plötzlich mit deiner müden, gebrochenen Stimme: "Weißt du noch, damals"? Ja, ich weiß noch. Alle Erinnerungen werden wieder wach, an kühle, duftige Sommertage, an zarte Knospen im Frühling, an das wehmutsvolle Fallen der Blätter im Herbst. Erinnerst du dich noch an die zauberhaften Spaziergänge im verschneiten Wienerwald? Wenn wir dahinschritten auf einen weichen, flaumigen Zauberteppich, hinein in ein weißes Märchenreich, wo die Elfen tanzen und seltsame Lieder singen. Erinnerst du dich noch an die einsamen Nächte im Wald, an das schwebende Mondlicht zwischen den dunklen Stämmen und das Gurren der Waldtaube? Und die vielen entzückenden Plätzchen, die wir entdeckten und wo wir schöne Stunden verbrachten? Ich sehe sie alle noch vor mir, unser kleines Königsreich auf dem Eisernen Tor, die wunderschöne Lichtung auf unseren Hausberg, dem Lindenkogel, die einsame Einödkuppe, wo man so schön träumen konnte und den versteckten Marienfels, wo ich an langen Sonntagen manch gutes Buch gelesen. Ja es war schön! Du hast mit mir die anstrengendsten, die härtesten und einsamsten Stunden meines Lebens geteilt, und wir wissen heute beide, dass es die schönsten waren, denn in dieser Zeit, da gehörten wir uns noch selbst, wem aber werden wir morgen gehören? Doch es ist spät und die Mücken schwirren um die helle Lampe. Du sehnst dich sicher schon zurück nach deinem Ruheplatz, du willst nicht mehr im grellen Lichte stehen. Das ist vorbei für dich, endgültig vorbei. Und darum laß uns Abschied nehmen. Du bist immer mein bester Kamerad und treuester Freund gewesen und ich glaube, du hast auch mich ganz gerne gehabt. Also, ich sage dir adieu, und - ich danke dir!
Kein Geld für
Studium (Welthandel oder moderne Sprachen), ich lernte dann im
24.Lebensjahr vier Jahre Schriftsetzer, begann zu schreiben und eignete
mir eine Fremdsprache nach der anderen an, um aus der
Provinzialität herauszukommen. Dann ging ich ins Hotelfach und bin
ziemlich weit herumgekommen. Die meisten Texte liegen seit 35 Jahren
unveröffentlicht in der Schublade.
Zahlreiche Reisen beruflicher und privater Art führten ihn in das Ausland, vor allem in den Süden aber auch nach Skandinavien. Später war er dann in der Modebranche und im Buchhandel tätig, doch fortwährend gab es Veröffentlichungen; in der Deutschen Presse in Kanada, in Zeitschriften, Anthologien und Büchern, zahlreiche Lesungen im In- und Ausland. Unter andern war er auch im Literaturkreis Schwarzatal eingeschrieben. Mike war ein Sprachgenie, er konnte sich in 5 Sprachen perfekt artikulieren und seine Literatur ist von einer hervorragenden Ausdrucksfähigkeit, er war ein Vollblut Prosaist und blieb seiner Berufung zum Schreiben sein ganzes Leben lang verbunden. Es war ein kleiner übeschaubarer Literaturkreis im Schwarzatal wo wir zusammen eine gemeinsame Zeit verbrachten, und uns unseren Neigungen widmeten. Heute habe ich seinen Nachlaß aufgeschnürt und die Bergschuhe, wie schon einst für den Wanderer, nochmals abgeschrieben. Damals wollte ich ein Bergschuhdenkmal auf dem Grimming Weißrinnspitz errichten, doch daraus ist wie so vieles was man sich im Leben oft vornimmt nichts geworden. Nun muss ich aufpassen, dass sich nicht unbewußt seine Art zu schreiben in mir niederschlägt, wie es bei einigen Negrologien teilweise schon der Fall war. Deshalb höre ich auf und schließe auch sein Schriftwerk, dem ich im chronologischen Sinn ein neues Ordnerkleid verpasst habe in der Hoffnung, dass auch nach mir noch einige daran Begeisterung und Freude finden.
STEFAN
SCHEFBERGER *29.12.1929 in Schattendorf
(Bgld.), +30.11.2005 in Wiener Neudorf
(Baupolier im
Ruhestand), Alpinist, Zeichner, Maler, Literat. Bergfreund und Autor
der „
![]() >“
Lesungen am: >, >,
Ödstein >, Schießeck >, Krippelberg >, Knallstein >, Geschriebenstein >, Grimmingtor >, Waidhofsee >.
Beiträge
und Graphiken im ![]() > und in dem „WANDERER“- Nr.:
10, 8/1, 8/2,
16 Ausstellungen mit Zeichnungen, Aquarellen und Ölbildern - in Schattendorf, in Wiener Neudorf, Bücher- und Schriften - Illustrator. Veröffentlichungen von Prosa und Lyrik in Anthologien und Zeitschriften, Lesungen bei Veranstaltungen des Literaturkreises Schwarzatal^. Er zeichnete schon in seiner Schulzeit sehr gerne und verwendet Bleistift, Buntstift und Tusche und beschäftigt sich mit Aquarell- und Ölbilder. Seine Motive sind Landschaften , Gassen- und Straßenzüge sowie Gebäuder, weiters zählen Portraits und Tierbilder zu seinen Werken. Seine erste öffentliche Ausstellung fand in seiner Heimatgemeinde statt. Ferner illustrierte er die Bücher "Der Jahresbaum", weiteres "Buntes aus dem Schwarzatal", des Literaturkreises Schwarzatal, wo er auch selbst Mitglied ist, sowie "Hüben und Drüben"von Lydia Perger. Außerdem ist er Verfasser von Gedichten in Mundart und Hochsprachen und von Schriften über Natur Kunst Wissenschaft und Gesellschaft. Unser ältester Bergfreund ist, Stefan Schefberger, er hat heute hier am Ödstein eine hervorragende Leistung vollbracht. Sein Gipfelkampf war am härtesten, denn einen Teil seiner Energie hat er vorher ungewollt in den Teufelszahn investiert. Eine besondere Leistung möchte ich gerade nicht sagen, aber als der Älteste der Gruppe ist es klar, dass man schon etwas an den Kräften zerrt. Ich hatte Pech; als die Burschen schon weit voraus waren, da bin ich vom Weg abgekommen und habe mich auf einen wilden Turm hinauf verstiegen. Eine Stunde bin ich dort herumgestiegen und nur ganz schwer wieder hinabgekommen. Beim Abstieg habe ich mir die Finger aufgerissen, deswegen das Blut an meinen Händen. Meine Anstiegszeit beträgt nun einschließlich der Pausen; sechs Stunden, das ist keine hervorragende Zeit, trotzdem war ich bei meiner Ankunft sehr erschöpft. Aber nun habe ich mich schon etwas erholt und bin glücklich, dass ich trotz meines Fehltrittes, noch geschafft habe den Gipfel des Großen Ödsteines zu besteigen. Berg Frei!, heißt mein Beitrag, zu dieser Feierstunde. Im Jahre 1981; ist mir einmal etwas über das Bergwandern eingefallen und daraus wurde ein Gedicht. Das
Glockner Gipfelkreuz gez. bei 1. Besteigung 02.09.1988
von Stefan Schefberger meinem Bergfreund Bruno gewidmet
Berg
frei! Das heißt wandern durch Wald und Flur,
Von einem Ort zum andrenIn freier Natur. Berg frei! Über Täler und Hügel hinaus in die Welt, Laß schießen die Zügel wohin´s dir gefällt. Berg frei! Steig auf bewaldete Höh´n frei ist die Luft, Wirst seh´n er ist schön der harzige Duft. Berg frei! Und hinauf zu den Almen und Wiesen, Vorbei am springenden Quell. Das sollst du genießen sei ein froher Gesell´. Berg frei! Und weiter steige, weiter bergan, Wo noch gedeihen Flechten und Moos Und Bergfreund das Glück dann, Daß dir winkt das ist groß. Berg frei! Und bist du dann oben schon im Urgestein Wird Sturm dich umtoben Doch frei wirst du sein. Berg frei! Im ewigen EiseUnd im Gletscherschnee Vollend´t sich die Reise Der seelische Druck ist passe. Berg frei! Die Krönung der Freiheit Der Gipfelsieg zum Schluß Unvergessen für alle Zeit Durch den Bergsteigergruß Berg frei! Der Ödstein
ist wunderbar, wenn ich es gesundheitlich und leistungsmäßig
schaffe, besteige ich ihn vielleicht noch einmal, aber dann etwas
weniger unter Zwang ruhiger und eventuell mit einer Biwakierung
÷DAS GEBET DES WALDES Menschen, ich wärme euer Heim, gebt acht! Bei Schnee und Sturm in eis`ger Winternacht. An heißen Sonnentagen spend` ich euch Schatten, Sonst müßtest ihr in der Sonnenglut braten. Die Stätte des Quells bin ich auch die euch labt, Bei mir schöpft ihr Kraft, wenn ihr ganz verzagt. Ich schütze euch vor des Sturmes Gewalt, Ein anderer kann das nicht so bald. Auch Lawinen und Sturzbäche bremse ich ein, Sonst kämen sie bis in eure Stuben hinein. Die Dächer eurer Häuser trage ich wohl, Keine Schneelast und Regen hindurch dringen soll. Das Brett eures Tisches kommt auch von mir, Ich brauche keinen Dank von euch dafür. Das Bett in dem ihr schlaft, auch das bin ich, Es dient nicht nur zum Ruhen allein sicherlich. Das Holz aus dem ihr Schiffe baut, Mit stählerner Axt, aus mir wird gehaut Und auch euer hölzerner Hauenstiel, Auf Feldern in Gärten geschieht damit viel. Die Türen eurer Hütten, des Sarges Holz Kommt auch von mir, ich sag`s ohne Stolz Und nun meine Bitte, sie sei wohl erhört: "Denkt darüber nach", eh ihr mich zerstört ÷ NOVEMBERLIED
OHNE NOTEN
Nebel über dem Land Durchdringt mein Gemüt, Keine letzte Blume als Pfand Nicht eine Rose mehr blüht. Einsam mein Herz Düster wie die Welt Stiller, stummer Schmerz Wenn`s letzte Laub fällt. Bald rieselt der Schnee Die Kälte kriecht hoch, Voll trauriger Tränen ein See, Eine Hoffnung bleibt noch. Ist wo ein schlagendes Herz Das selbstlos kann lieben? Sonst zerbricht meines vor Schmerz Weil nichts mir geblieben. 09.11.1982,
STEFAN. ABGEDRUCKT IM
SEITE 70/B ÷ LUG, TRUG und TOD Schnee niederfällt Bleich wie mein Gemüt, Leichentuch der Welt Nichts was noch blüht. Ringsum sterbende Natur, Ich leide seelische Not Eines bewegt mich nur Grundtiefer Haß und Tod. Mein Herz fast zerbrochen Durch Falschheit und Lug, Kalt bis in die Knochen Traf mich der Betrug. Was kann ich noch machen? Als traurig vergessen Das zärtliche Lachen Das von ihr ich besessen. NOVEMBER 1982, STEFAN ABGEDRUCKT
IM
SEITE 70DStefan Schefberger ANFANG
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