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Geb. 23.01.58 in Wels, lebt als Schriftsteller, Bibliothekar, Läufer und Biertrinker glücklich, sportlich, neugierig und vergnügt in Ried im Innkreis.   
IMPRESSUM^ m.bruno@gmx.at  > 1120 Wien Andersengasse 23/29/1  «»>(un)-subscribe mailto: «»   
     
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  Biographie  Leitgebstr. 4/24 4910 Ried im Innkreis Österreich Tel 07752/70587  mail
  Geb. 23.01.1958 in Wels. Von 1973 bis 1977 Schüler am Stiftsgymnasium in Lambach, 1977 Matura. Zwischen 1977 und 1982 diverse Studien in Wien und Linz Germanistik, Pädagogik, Psychologie, Französisch, Holländisch, Spanisch, Suaheli, Päd.AK  und Jus, sowie ausgedehnte Reisen per Autostop durch Skandinavien, Frankreich und Südeuropa.
  Von 1983 bis 2001 Lehr- und Wanderjahre in der Schule des Lebens. 2002 Im Zuge der Romanrecherschen Reise nach Kairo und Jordanien, Syrien und Kappadokien nach Hattuscha Hauptstadt des Hethiterreiches. Seit 2003 nicht mehr verheiratet, sondern geschieden, eine Tochter, lebt als Schriftsteller, Biblothekar, Läufer und Biertrinker in Ried im Innkreis.
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Wichtigste Publikationen
Gelsomina - eine Mückengeschichte in sieben Stichen’, Bildgeschichte, 2009, Liliom Verlag
Arbeit ehrt Mensch und Pferd’, ‘Rindfleisch’, Roman, Resistenz Verlag
‘Unterwegs’, Lyrik, Bibliothek der Provinz
‘Wirf den Schaffner aus dem Zug’ (Respektlose Geschichten)
‘Dietmar Füssels Wunderhorn’ (Neue Respektlose Geschichten), beide im Eichborn Verlag
Enten des Tages Publikation im Wanderer Nr.32>
Die Bestie von Epfenhofen“ Funkerzählung Ö2, Befehlsverweigerung Kurzdrama Tiroler Landestheater,
Die Ermordung Cäsars" Komödie, Wolkenklang Verlag
Mehr als 800 weitere Veröffentlichungen in Zeitschriften, Tageszeitungen und Anthologien sowie im Hörfunk
Mitglied der Grazer.Autorenversammlung

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HUNDERT ZITATE

1. Lieber ein schwarzes Schaf als ein grauer Esel.

2. Ich stelle dich über alles. Du aber stellst mich ans Ende einer langen Reihe – als Anfang einer langen Reihe.

3. Laubfallen – das ist ein Sterben von Glück.

4. Ich, der große Jäger, erlegte den Tiger, noch bevor er bis drei zählen konnte.

5. Es ist ein Fortschritt der Menschlichkeit, dass Städte vom Flugzeug aus bombardiert werden, denn das Gewissen des bombenwerfenden Mörders
   wird durch die Unsichtbarkeit der Folgen seiner Tat kaum noch belastet.

6. Ehrlich währt’s am Längsten. Der Verschlagene kommt schneller ans Ziel.

7. ‚Ein Dichter wird geboren’ sagt ein Sprichwort, und das stimmt auch, denn bisher ist nachweislich noch keiner vom Storch gebracht worden.

8. Wir konsumieren Musik meistens so wie Kartoffelchips vor dem Fernsehapparat.

9. Die Hoffnungen für die Zukunft werden sich nur dann erfüllen, wenn die Tatkraft größer ist als sie.

10. Wenn es stimmt, dass Alkohol den wahren Charakter enthüllt, dann sind wir alle ausgesprochen kindisch.

11. Wer lässt sich nicht gern bitten? Und wer ist denn nicht enttäuscht, wenn schon seine erste Weigerung akzeptiert wird?

12. Was hilft es, die ganze Welt zu gewinnen, wenn man eigentlich immer etwas ganz anderes haben wollte?

13. Was, wenn sich plötzlich die Tapire zu den Herren der Erde aufschwingen würden? Wir würden ganz schön blöd schauen......

14. Durch Anpassung kann man sich viele gute Bekannte, doch keine Freunde schaffen. Freunde – wie auch Feinde – findet man, indem man Stellung bezieht.

15. Enthaltsamkeit ist, sofern sie den Enthaltsamen belastet, eine Schwächung. Askese ist nur für geborene Asketen gesund, nicht aber für Leute,
     die gerne Asketen wären.

16. Irren ist menschlich, erkennen unmenschlich.

17. Ehrgeiz ist fast immer sublimierte Aggression.

18. Für eine Mutter wird man nie erwachsen, bleibt immer hilflos und schutzbedürftig.

19. Würde und Humor schließen einander nicht aus.

20. Vielleicht war für die Menschen der Steinzeit die Furcht vor Raubtieren das, was für uns Kaffee ist: Ein Muntermacher.

21. Wo die künstlerische Ader in einem Menschen liegt, weiß ich nicht, doch muss sie sich in der Nähe der Eitelkeitsdrüse befinden.

22. Die Weisheiten flossen aus ihm wie das Bier in ihn.

23. Worte sind nicht mal der Kaffeesatz von Taten.

24. Es genügt nicht, zu wollen. Man muss müssen.

25. Du gehst den Weg der Selbstverleugnung, doch du kehrst nicht heim, sondern drehst dich, drehst dich immerzu um Gedanken an Erlösung.

26. Du wirst verlassen, nicht mehr berühren, nicht mehr hoffen, nicht vergessen.

27. Geboren sein, Kind sein, jung sein, verworfen werden. Verloren sein, leben, altern, sterben, zu Erde werden.

28. Schwer werden Schritte auf Treppen aus Stein, und immer ist es Abend.

29. Ich werde ohne Schatten sein in einem halben Jahrhundert.

30. Demokratie! Demokratie! Ein Königreich für eine Demokratie!

31. Die grünen Hügel werden grau, folgen dem Beispiel der Seelen.

32. Keiner, der Erfolg hat, macht das Glück dafür verantwortlich.

33. Schlimm genug, dass es in unserem Land immer noch eine staatlich anerkannte Mörderschule gibt.
     Schlimmer, dass wir noch dazu für ihre Erhaltung aufkommen müssen.

34. Nur nichts Gutes erwarten. Wenn es ausbleibt, ist man enttäuscht, wenn es eintrifft, nimmt man es als selbstverständlich hin.

36. Gnade und Gerechtigkeit sind wie Wasser und Feuer.

37. Langsam wie das Wasser eines Flusses am Ende seines Weges fliesst das Blut am Morgen nach einem Besäufnis durch meine Adern.

38. Am Morgen im Bett liegen, nicht mehr schlafen und auch noch nicht ganz wach sein, das ist unbewegtes Schweben.35. Der Tod war ein Spaßvogel.
     Er holte die Menschen in der Maske eines Harlekins.

39. Auf Gefühle reduziert zu sein wie ein Tier. Die Natur ruft mich heim, ich greife zur Flasche.

40. Wenn Blut fließt, so immer das unsere, das Blut jener, die nichts zu gewinnen, jedoch alles zu verlieren haben im Krieg.

41. Wer nach den Sternen greifen will, braucht lange Arme.

42. Lebendes muss unter die Felder gehen. Wäre es Ackergrund, gäbe es keinen Tod.

43. Wenn alle Wege nur zu zerbrochenen Brücken führen, so werde ich mich in den reißenden Fluss stürzen, das andere Ufer erreichen oder ertrinken.
     Keinesfalls aber würde ich mich zufrieden geben mit dem engen Raum, in dem ich eingesperrt bin.

44. Ein Leben, arm an interessanten Ereignissen, wird eines Tages unter seinem wert an den Tod verkauft werden.

45. Kein Wunder, dass Lohengrin es nicht ausstehen konnte, nach seinem Namen gefragt zu werden. Ich würde auch nicht gerne so heißen.

46. Unsere Kinder sind keine Kopien von uns. Daher haben sie auch in unseren Fußstapfen nichts verloren.

47. Ihr Lachen klang, als würde man mit einem biegsamen Stück Blech heftig auf eine Drahtspule klopfen.

48. Seine Seele ist schwarz wie Kohle und wird daher am Jüngsten tag wie ein Brikett ins Feuer der Hölle geworfen werden.

49. Sei dankbar – aber verlange von keinem anderen Dankbarkeit.

50. Schönheit schwindet. Überzeugung sollte bleiben.

51. Unglück ist versäumtes Glück.

52. Wenn du es geschafft hast, das Image eines Weisen zu bekommen, kannst du dich ruhig ab sofort wie ein Esel benehmen.

53. Sein Leben stinkt nach Verwesung.

54. Der Stolz eines Generals über eine gewonnene Schlacht ist der eines Mannes, der davon überzeugt ist, das perfekte Verbrechen begangen zu haben.

55. Die Straßenlaterne warf Schein um Schein auf das Pflaster, das sich am Finger der armen Mädchens befand, und endlich war es reich.

56. Hätte der Liebe Gott uns nicht als Menschen erschaffen, wären wir heute noch Fische und dürften auch am Karfreitag gegessen werden.

57. Alt werden ist nicht schwer. Nur einsehen, dass man es ist.

58. Abschied ist: Zwei Seelen, kein Gedanke, der sie einander ähnlich macht.

59. Lass deine Seele in Ruhe, sie geht dich nichts an.

60. Ich bin so besoffen, dass ich mir einbilde, nüchtern zu sein.

61. Viele Tiefschläge braucht’s nicht mehr, dann werde ich zur Grapefruit.

62. Touristen sind die Krebsgeschwüre schöner Plätze.

63. Ein fades Buch ist nie ein Kunstwerk, es tut höchstens so, denn Kunst ist nie langweilig.

64. Ein Arsch ist zum Sitzen da und nicht dazu, auf einem Sessel zu kleben.

65. Sie hat ihm seine Jugend abgewöhnt. Das ist verzeihlich, denn sie verfolgte damit eine bestimmte Absicht. Er hat sich seine Jugend abgewöhnen lassen.
     Das ist unverzeihlich.

66. Es gibt mehr Schriftsteller als Verleger. Aber es gibt mehr reiche Verleger als reiche Schriftsteller.

67. Lieber noch wäre ich ein schlechter Stilist, dafür aber originell, als ein stilistisch perfekter Schwätzer.

68. Schön und gut, das Auge des Gesetzes wacht, aber wo ist das dazu gehörende Hirn?

69. Ich schreibe von bauch zu Bauch.

70. Wäre ich nicht Schriftsteller, so wäre ich Alkoholiker.

71. Wir ziehen keine ehren aus der Vergangenheit, weil wir uns für klüger als unsere Vorfahren halten, und wiederholen damit ihre größte Dummheit.

72. Ob verschuldet vom Alkohol oder von Weltpolitikern – es wird auf jeden Fall ein böses Erwachen geben.

73. Rauchen und Saufen ist auf jeden Fall besser als Miesmachen und Moralpredigen.

74. Die schlimmste Hölle wäre für mich eine langweilige.

75. Nicht unglücklich sein – mehr darf man nicht vom Leben erwarten.

76. Trinklieder sind kleine Todeslieder.

77. Der Krieg ist der Vater aller Dinge und der Witwer aller Menschen.

78. Man kann die Moral von Kinderschändern nicht mit der von Politikern vergleichen. Kinderschänder handeln triebhaft, Politiker hingegen wohl überlegt.

79. Lumpen sind selten in Lumpen gekleidet.

80. Ein Lügengebäude kann so stabil gebaut sein, dass die Wahrheit an ihm abprallt.

81. Du bist die Versuchung, und ich ein ganz besonders dummer Adam.

82. Man sollte auch Polizisten gegenüber höflich sein, aber viele erwarten nicht Höflichkeit, sondern Demut.

83. Wieviele unangenehme Situationen hat der Alkohol in meinem Leben schon verschuldet? Ungefähr die Hälfte der unangenehmen Situationen,
     die er in meinem Leben noch verschulden wird.

84. Man kann nicht gleichzeitig an einer Mädchenbrust saugen und Bier trinken.

85. Vielleicht werde ich eines Tages zufrieden sein, aber ich werde mich nie zufrieden geben.

86. Psychologie war die Alchimie des 20. Jahrhunderts.

87. Kein Schwein fragt danach, was morgen sein wird, und das ist gut so, denn die Zukunft der Schweine ist nicht rosa, sondern kulinarisch.

88. Unvergessenes spielt mit meiner Seele.

89. Ich glaube nicht an Geister, ich fürchte mich nur vor ihnen

90. Wir sind so fröhlich, weil wir verzweifelt sind und hilflos.

91. Ich mag ein armer Hund sein, aber hündisch bin ich nicht.

92. Wenn die Welt meine Geschichten nicht mag, muss das nicht unbedingt an der Welt liegen.

93. Wir alle reden zu viel, weil wir fürchten, unser Schweigen könnte missverstanden werden.

94. Ein halbes Lob schmerzt mehr als ein ganzer Tadel.

95. Wer sagt: ‚Ich bin bestimmt kein schlechter Kerl, aber...’ – der ist ein schlechter Kerl.

96. Sie war seine Dienstmagd, ihr Lohn ein Trauschein.

97. Der Schreiner schrie, der Dichter dichtete, der Maler malte, das Kalb kalbte.

98. Konsequent sein heißt keine Nachteile fürchten.

99. Wenn Schönheit alltäglich ist, hört sie auf, Schönheit zu sein.

100. Mein Motto: Erzählen, nicht Künsteln! INHALT

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GELSOMINA
 
 Vor wenigen Tagen erschien im Liliom Verlag mein neues Buch ‚Gelsomina - eine Mückengeschichte in sieben Stichen’. Es erzählt - in bewusster Anlehnung an Wilhelm Buschs berühmte Bildgeschichte ‚Max und Moritz’ - die Abenteuer einer besonders boshaften, heimtückischen Stechmücke.
  Zu Gelsominas Opfern zählen unter anderem ein Bischof, ein Pilot, ein Dressurpferd und ein Vampir. Erhältlich ist ‚Gelsomina’ zum Preis von 14 Euro plus Versandkosten entweder gleich bei mir (kontakt@dietmarfuessel.com oder über mein Bestellformular
oder aber im guten Buchhandel (ISBN 978-3-934785-42-7).
  Warum identifizieren Kinder sich mit Pippi Langstrumpf und nicht mit Thomas und Annika? Warum mit Michel aus Lönneberga und nicht mit Klein Ida? Warum mit Bart Simpson und nicht mit Lisa? Weil Kinder nun mal Anarchisten sind und daher auch eine große Schwäche für anarchistische, unangepasste Helden haben. Nichts gegen pädagogisch wertvolle Bücher, die Kindern Ängste nehmen oder sie zu erwünschten Verhaltensweisen animieren, aber ich wollte eine Geschichte schreiben, die ohne jede Botschaft auskommt, sondern den Kindern - und natürlich auch den vorlesenden Eltern - schlicht und einfach Spaß machen soll. Die Illustrationen stammen von Hilde Wallner aus Teisendorf. Liebe Grüße aus Ried im Innkreis  dietmar.fuessel   Erster.Stich> INHALT 
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1998 APHORISMEN 
  Nach der Beichte müssen Katholiken als Buße ein Gebet sprechen, als wäre es eine Strafe, mit Gott sprechen zu müssen. Es macht glücklich, glücklich zu machen. Der Beglückende gewinnt mehr als der Beglückte.
>>Manchmal, in rabenschwarzen Stunden, denke ich sogar, dass es gnädiger für mich wäre zu sterben als das Ende des Weges, auf dem ich mich befinde, miterleben zu müssen.<< 
>>Keiner beklagt sein Unglück lauter als ein Glückspilz, der ein einziges mal Pech hatte.<<
>>Wer ständig von Moral spricht, verfolgt unmoralische Ziele.<<
>>Es ist wichtiger, sich selbst zu besitzen als sich gut zu verkaufen.<<
>>Dein Schicksal liegt in Gottes Hand. Laß es dort nicht liegen. Nimm es dir.<<
>>Ich erwache aus meinen Phantastereien, die alles waren, was ich noch hatte.<<
>>Der größte Hemmschuh meiner Karriere bin ich selbst.<< INHALT 
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2007 Der Presslufthammermann und die Mondscheinsonate
  Der Mann, den ich meine, arbeitet am Presslufthammer. Er macht das schon recht lange. Er ist es gewohnt. Man kann den Lärm spüren. Der Mann hält so viel Kraft in den Händen, dass seine Arme zittern. Er hat einen Schutz auf den Ohren. Der Lärm stört ihn schon lange nicht mehr. Aber er ist natürlich froh, wenn er das Ding abstellen und heimgehen kann. Heim. Er besitzt eine kleine Eigentumswohnung und er ist mächtig stolz darauf. Er hat lange dafür sparen müssen. An der Tür küsst er kurz seine Frau zur Begrüßung, dann schließt er sich, wie jeden Tag, für eine Stunde in einem Zimmer ein. Sie lächelt. Er hört jetzt klassische Musik, da will er ganz ungestört sein, sie respektiert das. Und wenn er nach dieser Stunde herauskommt, ist er so sanft, so ausgeglichen, den ganzen Lärm des Alltags hat er hinter sich gelassen. Er hört jetzt die Mondscheinsonate von Beethoven und gibt sich ganz den zarten Tönen hin, die in so großem Gegensatz zum Gedröhne des Presslufthammers stehen. Er wird ruhig. Immer ruhiger. Es ist, als ob er seine Arbeitskluft zum zweiten Mal auszöge.
  Das ist seine Stunde. Nein, so ist es nicht. Das Geräusch des Presslufthammers dringt durch, durchdringt den unzureichenden Ohrenschutz, der Lärm quält ihn, so lange, bis er ihn nicht mehr wahr nimmt. Aber dafür hämmert es im Unterbewusstsein weiter. Er ist schwerhörig geworden. Er kommt nach Hause und hört Beethoven. Er liebt Beethoven. Doch in die Musik mischt sich ein Stampfen und Dröhnen, das nun doch wieder aus dem Verborgenen hervorquillt, das gibt nicht Ruh und schlägt einen abscheulichen Takt zur Mondscheinsonate.
  Er dreht lauter, lauter, immer lauter, doch das Dröhnen bleibt und er weiß nicht, dass nun auch Schläge von Nachbarsfäusten an die dünnen Wände sind. Bis es an der Tür läutet und einer sich beschwert. Er entschuldigt sich, schaltet den Plattenspieler aus. Vorbei. Nichts von der Mondscheinsonate bleibt zurück, nur das Geräusch des Presslufthammers...Sag, Didi F., was soll das eigentlich? So ein Blödsinn! Leute, die am Presslufthammer arbeiten, hören keine klassische Musik!’ Nun ja, zugegeben, im allgemeinen nicht, aber warum sollte nicht dieser eine...Na schön. Ich gebe es zu. Ich habe diesen Mann erfunden. Es ist ja wahr. Das Ohr dieses Menschen ist kein feines Instrument mehr. Selbst wenn er dafür Interesse hätte, könnte er klassische Musik nicht mehr so wahrnehmen, wie wir das können. Er hat keinen ‚Sinn’ mehr dafür. Er hört Lärm, Lärm, alles ist so laut! Er aber hört es nur leise. Er hasst. Und weiß nicht, was. Er brüllt mit seiner Frau. Und merkt es nicht mal. Er liebt seine Frau noch. Er glaubt, normal zu sprechen. Sie hat bisher noch nie deswegen etwas zu ihm gesagt, sie möchte ihm nicht weh tun. Aber sie beginnt, ihn wegen seines Gebrülls zu hassen und sie weiß, dass sie eines Tages nicht mehr schweigen wird. Dann wird er wirklich schreien wie ein verwundetes Tier, er wird dann nicht zugeben wollen, dass sie recht hat, dass er gehörgeschädigt ist. Er wird nie mehr ein ‚Ich liebe dich’ flüstern. Er hat noch nie Musik von Beethoven gehört. Ab und zu im Radio die ersten Töne, dann dreht er ab oder sucht einen anderen Sender.
  Nach der Arbeit geht er mit den anderen Kollegen fort und sie sitzen in einem Gasthaus an grün gekachelten Tischen und trinken. Trinken viel. Sie alle haben dasselbe Leiden und auch die Hände zittern nach. Das kommt von der Gewalt, die sie damit festhielten. Das ist eine Gewalt, die aggressiv und stumpf zugleich macht. Und taub. Je mehr sie trinken, desto lauter sprechen sie, es schwillt an zu einem einzigen Schrei, sie hören nicht und werden nicht gehört und machen sich allesamt was vor. Und die Leute an den anderen Tischen drehen sich verärgert nach ihnen um und denken: ‚Proleten’.
Währenddessen erfreuen meine Freundin und ich uns an der Schönheit der Mondscheinsonate. INHALT
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2007 Schöne Umwelt
  Mutter Natur, ich preise dich und deine Schönheit. An deinem Busen fühle ich mich fast so wohl wie an einem echten, dir habe ich es zu verdanken, dass es mich überhaupt gibt. Ein großes Loblied singe ich dir und bedanke mich bei dir für deine Gaben mit kleinen Gegengeschenken: Mit leeren Blechbüchsen, zerbrochenen Bierflaschen, Plastiksäcken, giftigen Abwässern und meinem alten Kühlschrank. Du hast die Rohstoffe für die Herstellung all dieser Dinge geliefert, da ist es doch nur recht und billig, dass du auch einen Anteil an den fertigen Produkten erhältst, nicht wahr? Oh Wald, sag, warum bist du denn so sauer? Freust du dich denn gar nicht darüber, dass mit deinem Schwinden auch die Häufigkeit von Waldbränden abnimmt? Das ist doch immerhin ein begrüßenswerter Fortschritt! Und, sei getröstet, Wald: Auch wenn du, ermordet von giftigem regen, sterben musst, so gibt es doch nur wenige, die abstreiten, dass dir ein Unrecht geschehen ist, du stirbst also als Märtyrer und ich werde dir daher nach deinem Tod ein Denkmal setzen - eines aus Plastik natürlich. Ruhiger Bach, ich liebe dich! Doch wie klein ist meine Liebe zu dir, verglichen mit der Liebe jener, denen die Fabriken gehören, die dein Ufer säumen. Oh ja, sie lieben dich wirklich, denn gäbe es dich nicht, so wüssten sie nicht, wie sie sich der giftigen Abwässer, die in so einer Fabrik nun mal anfallen, kostensparend entledigen könnten. Oh ihr Pflanzen, ihr schönen, schönen Pflanzen!
  Ihr braucht Stickstoff zum Atmen, so wie ich Sauerstoff dazu brauche. Seid doch nicht so undankbar dafür, dass ich der Luft ein wenig Blei, Teer, Cadmium und ähnliche Nettigkeiten zufüge. Glaubt mir: Stickstoff ohne Cadmium, Blei, Teer und ähnliche Nettigkeiten schmeckt wie eine Suppe ohne Salz. Freilich werden euch diese Genüsse vielleicht nicht auf Anhieb munden, aber, glaubt mir: Ihr werdet euch schon daran gewöhnen, und wenn nicht - tja, euer Pech. Oh Meer, du Ursprung des Lebens!
Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, dass du eines Tages der mit Abstand größte Nahrungsmittellieferant der Menschheit sein wirst. Vielleicht stimmt das sogar, doch bis dahin werde ich dich als Mülldeponie verwenden. Du sollst schließlich nicht das Gefühl haben, nutzlos zu sein. Oh Mutter Natur, es heißt, dass ich mich selbst zerstöre, wenn ich dich zerstöre. Aber, was soll's: Sterben muss jeder irgendwann einmal. Also geh gefälligst du mit gutem Beispiel voran. INHALT
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2007 Der Würger
  Chefinspektor Rohl galt als umgänglicher Mann, doch wenn er etwas hasste, so waren das unfähige Beamte, unzuverlässige Zeugen, milde Richter, Verteidiger, Briefträger, Zahnärzte, Tiere, Frauen, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, verstümmelte Leichen und Verbrecher. Er war der Boss der Polizeidienststelle des 10. Bezirks, in dem Ruhe und Ordnung herrschten. Chefinspektor Rohl war zu Recht stolz darauf, dass sein Bezirk als der sicherste weit und breit galt, und wenn eine nackte Jungfrau versucht hätte, den Bezirk mit einem Goldklumpen auf dem Kopf zu durchqueren, so wäre sie selbstverständlich binnen kürzester Zeit geschändet und beraubt worden, so wie überall auf der Welt, aber im Anschluss daran wäre sie wenigstens wegen eines groben Verstoßes gegen Sitte und Moral hinter Schloss und Riegel gelandet. Kurz und gut: Hier, im 10. Bezirk, war die Welt noch heil und das Leben noch lebenswert. Nur einer störte den Frieden, und das sogar empfindlich, nämlich ein Würger, der am hellichten Tag auf offener Strasse Frauen zu vergewaltigen und anschließend zu erdrosseln pflegte, was dem tüchtigen Chefinspektor natürlich absolut nicht in den Kram passte. Deshalb ließ er eines Tages seine beiden Unterbullen Kraus und Obermüller zu sich rufen und sprach zu ihnen wie folgt: „Ihr werdet euch sicher schon denken können, worum es geht, sofern ihr zwei Holzköpfe überhaupt denken könnt. Es geht natürlich um den Würger. Die Medien haben uns seinetwegen scharf kritisiert, und auch der Polizeipräsident ist derzeit alles andere als zufrieden mit uns, erst gestern habe ich ein ziemlich grobes E-Mail von ihm bekommen.“
  „Was ist denn ein E-Mail?“ fragte Kraus: „Kann man das essen?“ „Wieviel kostet denn das Kilo?“ erkundigte sich Obermüller. Chefinspektor Rohl seufzte tief. Mit solchen Untergebenen war es alles andere als einfach, die immer mehr um sich greifende organisierte Kriminalität wirkungsvoll zu bekämpfen. Aber andere hatte er eben nicht. Also fuhr er, ohne eine der drei Fragen zu beantworten, fort: „Jedenfalls kann es so nicht weitergehen. Daher erwarte ich von euch, dass ihr diesen verdammten Würger unverzüglich verhaftet und hierher bringt.“ „Nichts leichter als das, Boss“ sagte Kraus: „Sollen wir einen Türken verhaften oder lieber einen Neger?“ „Weder - noch“ antwortete Rohl: „Diesmal muss es leider unbedingt der echte Täter sein. Sonst noch Fragen?“ „Ich hätte da schon noch eine Frage“ sagte Obermüller: „Aber ich weiß nicht, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist.“ „Fragen Sie.“ „Wo kommen denn eigentlich die kleinen Kinder her?“ „Hinaus!“ brüllte Rohl: „Aus meinen Augen! Hinaus!“ Etwa fünfzehn Sekunden später verließen Kraus und Obermüller die Polizeidienststelle, um ihre Pflicht zu tun. Sie hatten Glück, denn schon nach kurzer Zeit entdeckten sie den Würger, der sich gerade anschickte, eine Frau zu vergewaltigen, die sich nicht einmal wehren konnte, da sie in jeder Hand eine schwere Einkaufstasche trug. „Stehenbleiben! Polizei!“ befahl Kraus.
  Der Würger aber ergriff, statt zu gehorchen, die Flucht, lief dabei allerdings direkt in die Arme der beiden Beamten Huber und Kredlicek vom Nachbarsbezirk. Dies gefiel weder Kraus noch Obermüller, und so forderten sie ihre Kollegen auf, den Mann herauszugeben. „Kommt nicht in Frage“ war die Antwort: „Wir haben ihn festgenommen, also behalten wir ihn auch.“ „Aber wir haben ihn aufgespürt. Also gehört er uns. Gebt ihn sofort her.“ „In unserem Bezirk hat er genauso viele Lustmorde begangen wie in eurem. Und ausserdem: Wem gehört ein Fisch: Dem, der ihn aufscheucht oder dem, der ihn an Land zieht? Na also.“„Blödes Gerede! Dieser Mann ist doch kein Fisch! Und weil er gerade in unserem Bezirk an der Arbeit war, sind natürlich auch wir für seine Verhaftung zuständig.“ „Oh nein. Die Belobigung steht uns zu!“ „Nein, uns!“„Nein, uns!“
Inzwischen hatten sich einige Schaulustige um sie herum angesammelt, die interessiert die Kontroverse verfolgten. Mancher von ihnen steuerte auch einen Ratschlag bei, wie man die Angelegenheit gerecht lösen könnte. „Gebt ihn uns. Wir lynchen ihn, und ihr seid das Problem los“ schlug einer vor. Ein anderer: „Werft doch eine Münze.“ Ein weiterer: „Die Frau soll entscheiden.“ Und ein vierter: „Ach was. Es geht um den Würger, also soll der Würger entscheiden.“ Der letzte Vorschlag wurde von beiden streitenden Parteien gutgeheissen. „Es fällt mir keineswegs leicht, mich zu entscheiden“ stellte der Würger fest: „Was mich erwartet, ist nur zu klar: Ich werden den Rest meines Lebens hinter Kerkermauern verbringen müssen, an einem finsteren Ort, an dem es nur Männer gibt. Deshalb würde ich gern, bevor ich eingesperrt werde, noch eine allerletzte Frau vergewaltigen und erdrosseln. Also werde ich mich für jene Partei entscheiden, die mir das ermöglicht.“ Kraus reagierte blitzschnell, packte die ihm am nächsten stehende Frau und rief: „Da, Würger! Nimm diese!“ „Du, Charly, ich glaube, so geht das nicht“ ermahnte ihn sein Kollege Obermüller. „Und warum nicht?“ „Wir können doch nicht zulassen, dass hier vor unseren Augen erst eine Vergewaltigung und dann sogar noch ein Mord passiert. Es gibt zu viele Zeugen, und wenn nur ein einziger von ihnen nicht dichthält, sind wir die längste Zeit Polizisten gewesen.“ „Das ist wahr“ murmelte Kraus verlegen und liess die Frau los.
   „Na schön“ sagte der Würger: „Da offenbar keiner von euch auf meinen salomonischen Vorschlag eingehen will, sehe ich eigentlich nur noch eine Lösung:
  Ihr lasst mich noch einmal ganz kurz frei und gebt mir einen Vorsprung von - sagen wir, von zehn Sekunden, und wer mich dann als erster einholt, der darf mich verhaften. Einverstanden?“ „Kommt gar nicht in Frage!“ rief Obermüller: „Wir haben ja gesehen, dass du ein ausgezeichneter Läufer bist, also würdest du uns möglicherweise entkommen. Nein, so nicht!“ „Na gut, dann habe ich noch eine andere Idee“ erklärte der Würger: „Dieses Haus dort drüben hat doch sicher einen Keller. Ich werde mich also in diesem Keller verstecken, während ihr oben auf der Treppe wartet, bis ihr bis 100 gezählt habt, und wer mich dann findet, der darf mich verhaften. O.K.?“ Die vier Bullen überlegten kurz, dann stimmten sie zu. Wenig später stieg der Würger also die Kellertreppe hinab, während die Polizeibeamten zu zählen begannen: „Eins...zwei...drei...vier...“ Als sie allerdings endlich bei 100 angelangt waren und in den Keller stürmten, fehlte vom Würger jede Spur. Ganz offensichtlich war er durch ein Kellerfenster entkommen - eine Möglichkeit, an die die Beamten leider nicht gedacht hatten. „Schade“ sagte Kredlicek. „Na, dann eben ein andermal“ sagte Huber. „Jetzt sitzen wir aber ganz schön in der Scheisse“ bemerkte Kraus. „Was wohl unser Boss dazu sagen wird?“ fragte Obermüller. Etwa eine halbe Stunde später kannte er die Antwort auf diese Frage.
Aber eigentlich wäre es ihm bedeutend lieber gewesen, wenn Chefinspektor Rohl ihm statt dessen verraten hätte, wo die kleinen Kinder herkommen. INHALT
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2007 Die Fahrkarte
  Ich saß auf einer Reise nach Wien allein im Zugabteil, als der Schaffner eintrat und meine Fahrkarte zu sehen wünschte. Ich erfüllte ihm diesen Wunsch und überreichte ihm mein Ticket. Er aber nahm es und warf es zum Fenster hinaus. „Fahrkarten, bitte“ sagte er wiederum. „Ich habe Ihnen meine Fahrkarte bereits gegeben, und Sie haben sie zum Fenster rausgeworfen!“ rief ich empört. Er aber erwiderte: „Unsinn. Ich habe Ihre Karte noch nicht gesehen und ihre Behauptung ist absurd. Oder haben Sie schon jemals davon gehört, dass ein Schaffner Fahrkarten aus dem Zug wirft? Niemals! warum sollte ich es also tun?“ „Das weiß ich nicht, aber Sie haben es getan!“ „Dafür gibt es keine Zeugen und ich denke doch, dass man Ihnen Ihre Geschichte kaum abnehmen wird. Lösen Sie also sofort eine Karte nach, andernfalls sehe ich mich gezwungen, Sie anzuzeigen.“ „Ich bin ein armer Mensch“ stöhnte ich: „Ich habe kein Geld für eine zweite Karte! Ich flehe Sie an: Lassen Sie mich bitte laufen. Ich werde den Zug auch in der nächsten Station verlassen!“ Er schüttelte nur den Kopf. „Pflicht ist Pflicht“ murmelte er: „Und ich werde keinen Zentimeter davon abweichen.“ „Aber ich hatte doch eine Karte! Ich bin kein blinder Passagier! Sie haben doch eigenhändig meine Fahrkarte aus dem Zug geworfen!“ Er lächelte: „Daran kann ich mich nicht erinnern. Außerdem würde ich so etwas nie tun, so was tut ein Schaffner nicht, dafür wird er nicht bezahlt.“ „Aber Sie! Sie haben es getan!“ „Lassen Sie das blöde Herumgerede, es fühlt zu nichts“ brummte er ungeduldig: „Was ist: Können Sie bezahlen oder nicht?“ „Nein. Unmöglich. Ich habe alles Geld, das ich besaß, für den Erwerb der ersten Fahrkarte ausgegeben.“ „Tja, Freundchen, das ist bitter für dich. Die Polizei wird sich freuen.“ All meinen weiteren Einwänden schenkte er kein Gehör. In Wien angekommen wurde ich verhaftet und in eine kleine, enge Zelle gebracht. Eine Woche später fand die Gerichtsverhandlung statt. Da ich wusste, dass mir niemand die Wahrheit glauben würde, behauptete ich, die Karte wäre mir durch einen jähen Windstoss aus der Hand gerissen worden, doch auch diese Version stieß auf sehr große Skepsis. So wurde ich zum Tode durch den Strang verurteilt. Am Morgen meiner Hinrichtung besuchte mich noch ein Geistlicher in der Zelle. Er meine, meine Chancen, doch noch Gnade vor Gott zu finden, würden sich erheblich verbessern, wenn ich nun doch noch ein volles Geständnis meiner Schuld ablegen würde. Ich aber blieb stur bei meiner Behauptung, dass ich unschuldig wäre und erzählte dem Priester den wahren Sachverhalt, den ich während der Verhandlung verschwiegen hatte.
   Er glaubte mir nicht und versprach mir, dass ich für diese freche Lüge im Angesicht des Todes sicher zu ewigen Höllenqualen verurteilt werden würde. Die Wachen kamen und schleppten mich zum Hinrichtungsplatz - ins Ernst-Happel-Stadion, das bis zum letzten Sitz ausverkauft war. Ich sollte in der Halbzeit eines wichtigen Europacuptreffens hingerichtet werden. Kurz nach dem Halbzeitpfiff des Unparteiischen - Austria führte übrigens 1:0 - wurde ich unter dem wohlwollenden Beifall des Publikums zu dem eiligst in der Mitte des Spielfeldes errichteten Galgen geführt. Schon hatte mir der Henker die Schlinge um den Hals gelegt und mich gebeten, gut von ihm im Jenseits zu sprechen, als etwas völlig Unerwartetes geschah: Eine weiße Taube schwebte vom Himmel herab, flog in schönen Kreisen tiefer und immer tiefer und ließ sich endlich auf meiner Schulter nieder. Im Schnabel aber trug sie - eine Fahrkarte! „Die Fahrkarte! Meine Fahrkarte! Der Beweis meiner Unschuld!“ schrie ich: „Nehmt sie der Taube ab, schnell!“ Mit einem blitzartig ausgeführten Griff entriss der Henker dem Vogel die Karte, blickte kurz darauf und überreichte sie dann dem Richter zur Begutachtung. „Du hast Pech“ sagte der Henker. Damit hatte er recht, denn es handelte sich um eine Fahrkarte nach Bregenz, während ich ja auf der Fahrt nach Wien verhaftet worden war. „Bringen wir es hinter uns“ sagte der Henker und ich nickte betrübt. Er legte mir eine Augenbinde um, löste die Falltür unter mir und ich hauchte rasch mein bisschen Leben aus.
Aus diesem Grunde ist es mir, wie jeder einsehen wird, bedauerlicherweise nicht möglich, das Endresultat des Spieles hier anzugeben INHALT
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2007 Die Lebenspille
  Es war spät in der Nacht, als der Chemiker Dr. Carl Calder sein Labor verließ. Er war müde, doch unendlich glücklich, denn nun hatten seine jahrelangen Forschungen endlich Früchte getragen: Er hatte eine Pille entwickelt, die die Zellen desjenigen, der sie einnahm, über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren nicht altern ließ. Wenn also jemand alle zehn Jahre diese Pille einnahm, so war er unsterblich, sofern er nicht durch einen Unfall ums Leben kam. Zuerst hatte der Chemiker versucht, eine Pille mit unbegrenzter Wirkung herzustellen, doch hatte er bald festgestellt, dass eine so hohe Dosis für den Menschen unverträglich war. Immerhin: Seine Erfindung war auf alle Fälle eine der bedeutendsten in der Geschichte der Menschheit. Am nächsten Morgen, als jenes Glücksgefühl wieder verflogen war, gewann er seine nüchterne Logik wieder zurück und begann sich Gedanken über die Anwendung seiner Pille zu machen. Sollte die Lebenspille allen Menschen zur Verfügung gestellt werden? Nein. Das war kaum möglich. Das Problem der Überbevölkerung war bereits groß genug. Alle Menschen unsterblich zu machen würden den vollkommenen Zusammenbruch der Versorgung mit sich bringen, die Menschen müssten dann entweder verhungern oder zum Kannibalismus zurückkehren. Damit hätte also die gute Erfindung Schlechtes bewirkt. Eine Möglichkeit bestünde darin, die Menschen vor die Wahl zu stellen: Sterilisation und ewiges Leben - oder Kinder und früher Tod. Dieser Plan schien ihm barbarisch zu sein. Was, wenn einer, der sich früher für die Pille entschlossen hatte, plötzlich gern auf ewiges Leben verzichten würde, wenn er dafür Kinder haben könnte? Dieser Mensch wäre dann todunglücklich, und schuld daran wäre die Pille. So schloss er auch diese Möglichkeit aus. Sollte er also die Erfindung umsonst gemacht haben? Sollte sich nun keine Anwendungsmöglichkeit für sie finden? Dann endlich kam ihm die Idee: Jedes Jahr wollte er 100 Lebenspillen an Menschen verteilen, die seiner Ansicht nach die positivsten Leistungen für die Menschheit erbracht hatten. Dadurch, dass jene wertvollen Menschen länger lebten, würde die Welt besser werden.In seine erste Liste nahm er besonders viele Wissenschaftler auf, was aber nicht allzu verwunderlich war, da er selbst nicht Wissenschaftler geworden wäre, hätte er nicht gerade von diesem Berufsstand besonders viel gehalten.Auch die Namen der Künstler, deren Werke ihm am meisten zusagten, trug er in die Liste ein und dann noch einige, die sich im Kampf für den Frieden oder gegen die Armut verdient gemacht hatten. Sein eigener Name stand natürlich auch auf der Liste, denn er musste ja weiterleben, um die korrekte Verwendung der Erfindung überwachen zu können. Einem anderen wollte er die Formel nicht anvertrauen, um die Möglichkeit eines Missbrauchs auszuschließen. Allerdings gab er keinem seiner Familienmitglieder die Pille, was sicherlich deutlich zeigte, wie konsequent er seinen Entschluss, nur den hundert wertvollsten Menschen jährlich die Pille zu geben, einhielt. Seine Anverwandten waren darob aber sehr erbost und Frau und Kinder verließen den Wissenschaftler. Das stimmte ihn traurig, doch er wusste, dass die sinnvolle Anwendung seiner Erfindung Vorrang gegenüber persönlichen Gefühlen hatte. Dann machte er öffentlich bekannt, dass er die Lebenspille entdeckt hatte und veröffentlichte gleichzeitig die Liste derer, denen er die Pille im ersten Jahr geben wollte.
   Nur zwei der Auserwählten lehnten ab. Für sie kamen Ersatzleute zum Zug. Und schon hagelte es Proteste auf den armen Chemiker ein. Zuerst meldete sich die Frauenliga und nannte Dr. Calder einen Patriarchen, weil er nur fünfzehn Frauen in die Liste aufgenommen hatte und darunter nicht einmal die Vorsitzende der Weltfrauenkonferenz. Der Wissenschaftler antwortete höflich und bat die Frauenliga, ihm für das nächste Jahr eine Vorschlagsliste zu übersenden, selbstverständlich versehen mit genauen Angaben über die Verdienste der Kandidatinnen. Besonders viele Beschwerdebriefe erhielt er auch von prominenten Politikern, die sich darüber beklagten, dass auf der Liste nur ein einziger von ihnen aufschien. Dr. Calder antwortete, dass er eben nicht mehr Politiker kenne, die sich wirklich um die Menschheit und den Frieden verdient gemacht hätten und bat um eine Vorschlagsliste. Daraufhin erhielt er von Tausenden von Politikern Briefe, in denen sie sich rühmten, mehr für die Menschheit getan zu haben als Gott selbst. Auch der Vatikan beschwerte sich darüber, dass Dr. Calder den Papst nicht auf die Liste gesetzt hatte. Sollte er dieses Versäumnis nicht auf der nächsten Liste nachholen, so sähe sich die Heilige Katholische Kirche gezwungen, ihn zu exkommunizieren.Die Antwort des Chemikers war kurz: „Solange die Kirche ihre Macht dazu benutzt, um Drohungen auszustoßen, wird auch ihr Oberhaupt nicht auf meiner Liste aufscheinen. Erst dann, wenn die Kirche all ihre Kraft dafür einsetzt, für die Nächstenliebe zu wirken, werde ich mit Freuden die Lebenspille an ihre höchsten Würdenträger vergeben.“ Er wurde exkommuniziert. Wenig später starb der alte Papst und der neue nahm ihn wieder auf, in der Hoffnung, dafür die Pille zu erhalten. Als er sich aber in der Hoffnung getäuscht sah, schloss er Dr. Calder gleich wieder aus. Dr. Calder wurde mit Post regelrecht überflutet. Täglich kamen weit über 1.000 Briefe und Dr. Calder musste eine Sekretärin einstellen, da er die Post nicht mehr allein bewältigen konnte.
   Dann wurde ihm der Vorschlag unterbreitet, dass nicht mehr er selbst, sondern eine Kommission über die Vergabe der Pille entscheiden sollte.
Er lehnte den Vorschlag ab, bat aber, dass diese Kommission ihm jährlich eine Vorschlagsliste vorlegen sollte. Es kamen auch Briefe von Familienangehörigen unheilbar Kranker, die den Wissenschaftler anflehten, ihrem Verwandten doch die Pille zu geben, um sein Kleben wenigstens noch um zehn Jahre zu verlängern. Das rührte den Wissenschaftler so sehr, dass er beschloss, fünf der 100 Plätze für solche Fälle zu verwenden. Nach Veröffentlichung der zweiten Liste erreichten ihn viele bittere Briefe, etwa dieses Inhalts: „Unser Vater muss sterben, weil Sie ihm nicht geholfen haben! Denken Sie, dass wir weniger leiden als jene fünf, die Sie ausgewählt haben? Sie sind der Teufel in Menschengestalt!“ So etwas stimmte ihn traurig. Auch die Frauenliga schrieb erbost, er wolle sie wohl verhöhnen, denn auch diesmal hatten nur 20 Frauen die Lebenspille erhalten, während die Liga eine Frauenquote von 50 Prozent forderte. Der Wissenschaftler antwortete: „Sie können mich nicht dafür verantwortlich machen, dass es Frauen immer noch schwerer gemacht wird, wahrhaft Großes zu erreichen, doch ich beurteile nun einmal nicht Fähigkeiten, sondern nur tatsächlich Geleistetes.“ Nach zehn Jahren freute er sich, dass er nur 62 von denen, die auf der ersten Liste gewesen waren, wieder die Pille zu geben brauchte, denn das bedeutete, dass in dieser Zeit viele neue Leute mit ihren Leistungen mehr für die Menschen bewirkt hatten als ein guter Teil der Leute der ersten Liste. Allzu lange währte seine Freude allerdings nicht, denn einer der Zurückgesetzten war darüber dermaßen erbost, dass er den Wissenschaftler erschoss. Damit gab es keine Lebenspille mehr, und da so bald kein Chemiker mit ähnlichen Fähigkeiten geboren werden wird, wie sie Dr. Calder besaß, wird es wohl Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte bis zu ihrer Wiedererfindung dauern.
Vielleicht ist das auch ganz gut so. INHALT
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 2002 DIE LESUNG
  Ich sitze auf einem Podium und lese aus meinem neuesten Gedichtband. Plötzlich trifft eine überreife Tomate mich an der linken Schulter."Darf ich fragen, was das soll?" frage ich ärgerlich. Fast im selben Moment zerplatzt eine Tomate mitten auf meiner Stirn. Ich schließe die Augen, um keinen Tomatensaft hineinzubekommen und während ich ein Taschentuch aus dem Hosensack hole, um mir damit das Gesicht zu säubern, werde ich von zwölf weiteren Wurfgeschossen getroffen, von denen mindestens drei rohe, verfaulte Eier sind. Und dann ist der Spuk zu Ende. Offenbar ist ihnen die Munition ausgegangen. Ich wische mir notdürftig mit dem Taschentuch das Gesicht ab und öffne wieder meine Augen. Erwartungsvoll blickt das Publikum mich an. "Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit" sage ich: "Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, daß Sie meinen neuen Gedichtband drüben am Büchertisch auch käuflich erwerben könnenr Er kostet 16 Euro. "Und ich bin selbstverständlich gerne bereit, ihn auch zu signieren." Aber natürlich kauft an diesem Abend kein einziger ein Buch, und kein einziger bittet mich um eine Signatur. Statt dessen hält der Veranstalter mir Schaufel und Bartwisch hin. "Was soll ich denn damit?" frage ich ihn. "Blöde Frage" antwortet er: "Sie haben mit Ihren Texten diese Sauerei verschuldet, also putzen Sie sie gefälligst auch wieder weg." "Also gut" seufze ich und mache mich an die Arbeit. Manchmal hat man es wirklich nicht leicht als Künstler. Und doch würde ich mit keinem Menschen tauschen wollen, und soll ich Ihnen verraten, warum? Weil ich offenbar ein Masochist bin. Dietmar Füssel 180204

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