Ein wahrer Freund
Sunday, 10 September 2006
XTR auf dem Hockenheimring
Da die Rennstrecke Hockenheim bei mir quasi um die Ecke ist, habe ich mich nun doch mal entschlossen, meinem Stollentier freien Auslauf zu gewahren. Ausserdem wollte ich mein Bild korrigieren, das ich im Laufe der Zeit von Superbikern im Strassenverkehr erhalten habe, wo die meisten ihre Maschine anscheinend am liebsten ums Eck tragen wurden, eben verkehrshinderlich lahm und mit kaum Kurvenneigung - und hochstens mal auf der Geraden an mir vorbeipfeilen.

Es hat geholfen, es gibt sie tatsachlich noch, die wilden Jungs auf ihren ebenso wilden Maschinen! ;-)

Die Atmosphare war unbeschreiblich, sie war aufgeladen mit Testosteron und Adrenalin pur, der Rausch des Rennfiebers packt jeden, der auch nur einen Funken Sportsgeist besitzt, so ging es zumindest mir. Also habe ich zusatzlich zur Eintrittskarte fur Zaungaste auch ein Ticket fur eine Viertelstunde auf der Rennstrecke gelost und wollte mal sehen, wie sich mein Motorrad im Originalzustand auf der Rennstrecke schlagt. Naja, fast original, die Wilbers-Federelemente habe ich noch nicht und am Motor ist auch nichts verandert. Lediglich das originale Hinterrad ist bereits gegen einen 120/80-18er Sirac getauscht.

Doch dann fing es an zu regnen, also hiess es warten. Erst um 19.15 war die Strecke einigermassen trocken und es ging los im Pulk. Ich war mittendrin und kannte den Streckenverlauf noch nicht, mir war etwas mulmig. Auf dem kurzen Stuck vom Fahrerlager bis zur Nordkurve wurde ich noch nicht uberholt, die Reifen waren noch kalt und alle hielten sich zuruck, auch in der Nordkurve selbst. Bei der etwas langeren Gerade zur Einfahrt in die Parabolika setzten sich schon die Ersten ab, in der langgezogenen Parabolika selbst pfiffen mir dann schon die ersten paar um die Ohren, allerdings trennte sich dann am Ende der Parabolika beim Anbremsen zur Spitzkehre die Spreu vom Weizen, ich ware beinahe dem vor mir Fahrenden reingerauscht. Doch die Spitzkehre selbst packte ich nicht so gut, es ging mir wohl wie jedem Anfanger, der den Streckenverlauf nicht kennt, zudem war ich uberrascht, wie wenig ubersichtlich eine Rennstrecke ist, man hat keinen Anhaltspunkt und fahrt quasi blindlings in eine Kurve. Lediglich die Mitfahrer dienten mir als Orientierung. Und so war ich heilfroh, diese erste, wirkliche Kurve ohne Sturz gemeistert zu haben. Ausgangs wieder voll beschleunigt, der Motor drehte bei jedem Schalten in den Begrenzer. Etwas mehr Reserven obenrum waren nicht schlecht…

Die Kurve vor der Mercedestribune meisterte ich dann schon etwas souveraner und die Mobil-1-Kurve traf ich auch ordentlich - und dann die Sachskurve!! Im Eifer des Gefechts schaute ich nicht auf den Tacho, aber es war eine langsame _und_ harmonische Kurve, ganz anders als die Spitzkehre nach der Parabolika! Die Sachskurve lernte ich lieben! Mein linker Schuh lernte sie hassen! Bereits beim ersten Durchfahren spurte ich leichten Bodenkonktakt an der Schuhsohle. Es ist erstaunlich, wie griffig Rennasphalt ist, sogar mit meinem schmalen 120er hinten hatte ich keineswegs das Gefuhl auch nur in der Nahe des Reifenlimits zu fahren, trotz dessen mein Fuss mir Schraglagen jenseits von Gut und Bose signalisierte.

Nach dem Herausbeschleunigen aus der Kurve hatte ich die Befurchtung, keine Viertelstunde durchstehen zu konnen, mein Kreislauf meldete sich, mir wurde leicht schlecht. Doch auf der Start- und Zielgeraden hatte ich ein paar Sekunden "Erholungszeit", die Nordkurve stellt auch keine Herausforderung da und so entschloss ich mich, doch weiterzufahren. Ich sollte es nicht bereuen - im Gegensatz zu manch anderen, denn hin und wieder sah man einige am Streckenrand, die es aus den Kurven getragen hatte. Und der Kreislauf gewohnte sich an das rasante Bremsen, Beschleunigen und Kurvenfahren, der Spass kam wieder.

So sehr, dass mir beim nachsten Durchfahren der Sachskurve das Aufsetzen des Fusses hinderlich wurde. Ich habe anstelle der originalen Fussrasten die gezahnten, kurzeren. Diese setzen zwar nicht auf, aber der Fuss verklemmt sich dennoch zwischen Asphalt und Motorblock. Unglaublich, dass sich sogar auf der Rennstrecke die zu geringe Bodenfreiheit der XTR bemerkbar macht! Vielleicht hatte ich in dieser langsamen Kurve so wie die SM-Fahrer den Fuss rausstrecken mussen, aber dieser Donnerstag war sicher nicht mein letzter auf dem Hockenheimring! :-)


Posted by blog/afriendindeed at 9:55 AM EDT
Updated: Sunday, 10 September 2006 3:33 PM EDT
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