Gregor Brand: Über den saarländischen Komponisten SIEGFRIED ALKAN (1858 - 1941)

Siegfried Alkan (ca. 1900)


Der Komponist, Pianist und Kaufmann Siegfried Alkan wurde am 30. März 1858 in Dillingen/Saar als Sohn der jüdischen Eheleute Johann Alkan (Dillingen 1820 - 1884) und Johanna geb. Bonn (Luxemburg 1821 - Dillingen 1906) in eine musikalische Familie geboren. Schon sein Großvater Jakob Alkan (Flatten/Launstroff 1777 - Dillingen 1864) wurde mit der Berufsbezeichnung "musicien" genannt; Siegfried Alkans Neffen Robert Alkan und Oskar Alkan waren Musiklehrer und Pianisten. Johanna, die Mutter von Hermann und Siegfried Alkan, war über gemeinsame Vorfahren aus der OPPENHEIM-Familie mit den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Fanny Hensel und Giacomo Meyerbeer (1791 - 1864) verwandt. Siegfried Alkan war unter anderem auch ein entfernter Cousin von Professor Arnold Mendelssohn (1855 - 1933), der in der evangelischen Kirchenmusikbewegung eine bedeutende Rolle spielte und zu dessen Schülern unter anderem Paul Hindemith zählte. Nähere verwandtschaftliche Beziehungen gab es zur ungewöhnlichen jüdisch-französischen Musikerfamilie Alkan, aus der als Berühmtester der Pianist und Komponist Charles-Valentin Alkan (Paris 1813 - 1888) hervorgegangen ist.


Charles-Valentin Alkan (1813-1888)

1884 gründete Siegfried Alkan als 26-Jähriger in seiner Heimatstadt Dillingen eine Musikalien,-Buch- und Instrumentenhandlung. Später arbeitete er zusätzlich als Versicherungskaufmann. Das Wissen, dass Siegfried Alkan auch kompositorisch tätig war, ist in seiner saarländischen Heimat leider weitgehend verloren gegangen. Dort erinnert man sich vor allem an sein Schicksal als Opfer der "Reichskristallnacht" vom November 1938. In mehreren Aufsätzen, die sich auf Augenzeugenberichte stützen, wird dargestellt, wie der achtzigjährige Siegfried Alkan - von Zeitzeugen als liebenswürdiger, zurückgezogener, freundlicher Junggeselle geschildert - in der Nacht zum 10. November in seinem Haus in Dillingen überfallen und zusammengeschlagen wurde. Sein Klavier, auf dem er auch in seinem hohen Alter noch viele Stunden täglich spielte, wurde aus dem Fenster auf die Straße geworfen und ebenso wie die sonstigen Instrumente seines Musikaliengeschäfts mutwillig zerstört. Unter den überall verstreuten Notenblättern sind vermutlich auch viele der Kompositionen von Siegfried Alkan gewesen.

Siegfried Alkan starb am 24. Dezember 1941 verfolgt und vereinsamt in Mainz.

Über das anscheinend recht umfangreiche, wohl vor allem Lieder umfassende kompositorische Werk Alkans ist nicht mehr viel bekannt.

Zu den Kompositionen von Siegfried Alkan gehören:


- Gruss an die Saar (Op. 32)
- O wüsstest du`s (Op. 39).
- Ur-Großmütterchen (Op. 80). Das populäre Stück galt in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg als Da Capo-Nummer aller Salonkapellen.
- Neues Saarlied ("An die treuen Saarländer", Op. 91)
- Hochwaldlied: „Es wälzt sich der Nebel im Thale (Op. 92)
- Hab deine Eltern lieb! (Op. 99).



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