Tobias Wimbauer:

Gregor Brand: "SEFER PRALNIK. Kleine Gedichte"







Ein Jahr nach Gregor Brands Gedichtsammlung "Gesammelte Gedichte I" ist mit "Sefer Pralnik" ein neuer Band des 1957 in Bettenfeld geborenen Dichters, Juristen, Verlegers und Privatgelehrten Gregor Brand erschienen. Der Eifelaner Brand, seit 1994 im ländlichen Mittelholstein lebend, wurde im Jahr 2002 von dem renommierten International Biographical Centre in Cambridge (England) für "outstanding achievements in the field of literature" für den "21st Century Award for Achievement" und den seltenen "Order of Execllence"  nominiert und ist für die Aufnahme in das angesehene biographische Werk "2000 Outstanding Intellectuals of the 21st Century" vorgesehen - eine ganz ungewöhnliche Ehrung für einen deutschen Autor, der aus Gründen der Unabhängigkeit bisher konsequent den schwierigen Weg eines eigenen Verlages gegangen ist. Der katholische Publizist und Schriftsteller Dr. Heinz-Theo Homann, Herausgeber der Kulturzeitschrift "ETAPPE", zählt Brand zu den fähigsten Dichtern Deutschlands. Da sind bei der Lektüre die Erwartungen natürlich hoch - und sie werden keineswegs enttäuscht. Der originelle Titel von Brands neuem Lyrikband "Sefer Pralnik" ("Buch Pralnik"; "Sefer" ist das hebräische Wort für Buch und Pralnik ein beliebiger slawischer Familienname) verweist auf ein im Jiddischen sprichwörtliches und fiktives Buch. Die Redewendung "Dos steyt im Sefer Pralnik" ist gleichzusetzen mit hierzulande gebräuchlichen Floskeln der Unglaubwürdigkeit à la "Das kannst du deiner Oma erzählen". Wie Gregor Brand in einem Gespräch erläuterte, fand er "die Idee witzig, ein Buch zu schreiben, das geradezu sprichwörtlich nicht existiert". Gregor Brand, der mittlerweile auch als Aphoristiker hervorgetreten ist, bevorzugt in seinem neuen Werk die kurze Form und zwar die schärfste Form der Gedankenlyrik: das Epigramm. Seine Sinngedichte sind, wie es einst Martin Opitz (1597 - 1639) forderte, kurz und haben eine pointenhafte Zuspitzung. Brands Gedichte zeigen einen geradezu panoramischen intellektuellen Horizont; sie beziehen sich auf viele unterschiedliche Lebensbereiche und Themen, mögen sie nun privater, politischer, literarischer oder auch erotischer Natur sein. Typisch ist dabei, dass viele dieser Äußerungen zutiefst philosophische Aussagen enthalten, die aber nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind, zumal der Dichter an die Bildung des Lesers nicht selten hohe Ansprüche stellt. Brands Sprachintelligenz ist phänomenal. Seine Gedichte durchwebt eine wohltuende Gelassenheit, oft auch ein Hauch feiner Ironie und Selbstironie. Geistreich richtet sich sein Blick auf die scheinbaren Kleinigkeiten des ihn Umgebenden. Brand spießt Worte, Gedanken, Gegenstände und Situationen gleichsam auf, beschreibt sie - und wirft mit einem Wort, einem Reim, manch' gewohnte Sicht über den Haufen und widerlegt einmal mehr in souveräner Art und Weise die Auffassung des Franzosen Bouhours, Deutsche besäßen keinen Esprit. Das überraschungsreiche Buch ist mit der Gattungsbezeichnung "Kleine Gedichte" versehen. Klein aber sind Brands Gedichte allenfalls im Hinblick auf ihre äußere Form. Vielleicht aber ist mit "Klein" diese "Winzigkeit" gemeint, die er in seinem Schlussgedicht benennt, das auch hier abschließend zitiert sei:  


Auch dies bleibt

Auch dies bleibt
Sinn eines Gedichts:

Eine Winzigkeit
näher zu sein

dem Leben als dem Nichts.



Quelle: Kreis Bernkastel-Wittlich, Jahrbuch 2003, 292


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