Site hosted by Angelfire.com: Build your free website today!
Gregor Brand
 

Aphorismen
 
 
 



 

Vor der Tür.
Manche Gedanken kehren immer wieder. Aber leider nicht vor der eigenen Tür.
 
 

Früchte.
Bei vielen Früchten möchte man nicht den Baum, sondern nur den Kopf  schütteln.
 
 

Lesetipp.
Wer Aphorismen noch nicht zu schätzen weiß, der sollte zunächst Dissertationen lesen.
 
 

Die Erforschung der Welt.
Im Verlauf der Geschichte waren sich denkende Menschen nicht immer einig darüber, ob man am Schlüsselloch der Welt mehr mit dem Auge oder mit dem Ohr erfährt.
 
 

Anmerkung zur Bergpredigt.
Reichtum des Geistes - lässt er sich an die Armen im Geiste überhaupt weitergeben? Am wirkungsvollsten wird Geistreichtum auf biologischem Weg, durch Zeugung und Geburt, fortgepflanzt.
 
 
 

Baum der Erkenntnis.
Es gibt nicht nur einen einzigen Baum der Erkenntnis für Alle: Jedem wird ein anderer Baum der Erkenntnis gepflanzt. Und es sind nicht nur jeweils andere Bäume, sondern sogar verschiedene Baumarten. Wer von den Früchten nur eines Baumes der Erkenntnis gegessen hat, weiß noch nicht, wie die Früchte der anderen Bäume schmecken.
 
 
 

Hoffnungslose Liebe.
Wer jemanden ohne Hoffnung liebt, der liebt vor allem sein Lieben.
 
 
 

Vollblut.
Nicht nur hervorragende Pferde - auch die intelligentesten Schriftsteller zeigen immer wieder, wozu Gene fähig sind.
 
 
 

Zur Psychologie der Mathematiker.
Vielleicht sind Mathematiker die am wenigsten berechnenden Menschen - und haben dadurch oft so große Schwierigkeiten, das berechnende Verhalten Anderer zu verstehen.
 
 
 
 

Teufelsbeweise.
Während an den Gottesbeweisen schon die größten Denker gescheitert sind, beweist jeder gemeine Lump mit Leichtigkeit die Existenz des Teufels.
 
 
 
 

Über Autodidakten.
Die Fähigkeit und der Wille, sich selbst und selbständig Wissen anzueignen, ist die grundlegende Voraussetzung für jede überlegene Bildungs- und Denkfähigkeit. Autodidakten liegen nicht öfters falsch als Heterodidakten und nichts ist weniger gerechtfertigt  als der weitverbreitete vorurteilsbeladene Hochmut der Fremdbelehrten.
 
 
 
 

Zur Unpopularität der Intelligenz.
Gute Aphoristiker können als solche so wenig populär werden wie hervorragende Mathematiker, Botaniker oder Geologen.
 
 
 

Wirkungen des Schreibens.
Auch im Zeitalter des Internets werden Buchstäbe zu den beliebtesten Mitteln gehören, um andere damit zu schlagen.
 
 
 

Am Anfang.
Am Anfang war das Wort, heißt es. Aber was ist mit den Buchstaben? Waren die nicht schon vorher da? Eine alte und immer noch ungelöste kabbalistische Frage.
 
 
 

Die Zeit.
Die Zeit vergeht schneller als sie denkt.
 
 
 

Trauer durch Spaß.
Viele Christen wären gewiss sehr betrübt darüber, wenn man jetzt eine neue älteste Handschrift eines der Evangelien finden würde, bei der am Anfang  geschrieben stünde: Eine Komödie.
 
 
 

Weltkrieg.
In beiden Weltkriegen hat man es zwar geschafft, Millionen Menschen umzubringen, aber keine einzige Idee. Einige Ideen sind vorübergehend an ihrer weiteren Vermehrung gehindert worden, andere wurden arg dezimiert, aber völlig ausgerottet wurde keine.
 
 
 

Süß und ehrenvoll.
Die Geschichte der Menschheit wäre vernünftiger verlaufen, wenn man nicht die Menschen, sondern die Ideen belehrt hätte, dass es süß und ehrenvoll ist, wenn sie für das Vaterland sterben.
 
 
 

Fundamentalisten.
Mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, ist auch dann schmerzhaft und unsinnig, wenn man ein Kopftuch trägt.
 
 
 

Kopf und Sand.
Wenn man seinen Kopf schon in den Sand steckt , sollte man dafür nicht den hart gewordenen einer Wand auswählen.
 
 
 

Freiheit und Gesellschaft.
Will man in einer Gesellschaft, in der fast alles erlaubt ist, frei bleiben, muss man sich vieles verbieten.
 
 
 

Zentren der Welt.
Auch in Hauptstädten dreht sich das Meiste um tiefer gelegene Körperteile.
 
 

Unkreativität.
Ständig zu neuen Dummheiten fähig zu sein, wird allzu häufig für Einfallsreichtum gehalten.
 
 
 

Tote und Lebende.
Mindestens so oft, wie Lebende Toten die Augen schlossen, haben Tote Lebenden die Augen geöffnet.
 
 
 

Tagdeuter.
Was soll man von Traumdeutern halten, die nicht einmal das wache Leben erklären können?
 
 
 

Die höchste Schönheit.
Wenn jemand sagt, dass etwas außergewöhnlich schön sei, dann sollte man ihm vielleicht nur dann glauben, wenn ihm dabei die Tränen kommen.
 
 
 

Der Faden der Welt.
Die Welt ist, wie sie ist; da beißt kein Gott einen Faden ab.
 
 
 
 

Der Mund des Bürgers.
Es gibt viele, die dem mündigen Bürger gern die Zähne ziehen wollen, um dann zu sagen, nun könne er freier reden.
 
 

Abhängigkeit.
Es hat keinen Zweck, es zu verheimlichen: Die Erde ist und bleibt Regenholiker.
 
 
 

Selbstsüchtige Einsamkeit.
Wer denkt schon bei der Frage, was oder wen er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, an die Bedürfnisse der armen einsamen Insel?
 
 
 

Zölibatär.
Es gibt Kulturen, in denen hält man ein dauerhaft zölibatäres Leben für eine Art sexuellen Missbrauchs.
 
 
 

Moralisten.
Moralisten versuchen vergeblich, dem Feuer das Rauchen abzugewöhnen.
 
 
 

Schutzumschläge.
Bei vielen Büchern wäre es gut, wenn ihre Schutzumschläge nicht nur schön aussähen, sondern auch vor dem Inhalt schützen würden.
 
 

Uhren.
Uhren sind und bleiben die schärfsten Kriticker der Zeit.
 
 

Arten von Dummheit.
Man kann strohdumm sein, aber man kann auch frohdumm sein.
 
 

Falsche Großzügigkeit.
Großzügig ist nicht, wer bei einem Fehler Anderen ein Auge zudrückt.
 
 
 

Unbekannte Philosophien.
Die meisten Menschen wissen halbwegs, was sie denken, aber nicht im geringsten, welche Philosophie sie haben.
 
 
 

Die eigene Religion.
Menschen, die ihre Religion nicht frei wählen können, sollten sich wenigstens ihren Glauben aussuchen dürfen.
 
 
 

Dekadente Philosophen.
Philosophen sind so verweichlicht, dass sie selbst die Sprache nicht mehr roh essen können.
 
 
 
 

Der Sport des Charles Peirce.
Der amerikanische Philosoph Charles Peirce widmete sich drei Jahre lang jeden Tag zwei Stunden dem Studium der kantschen Kritik der reinen Vernunft. Das gefällt mir: Denken gleichsam als Sport mit täglichem Training. Aber welche Sportart soll man sich da aussuchen? Im Kosmos des Denkens  gibt es Millionen Sportarten, so dass die Gefahr sehr groß ist, nach einiger Zeit zu erkennen, dass man mit anderen Sportarten als den bisher betriebenen wesentlich mehr Spaß gehabt und bessere Ergebnisse erzielt hätte - von neuen Rekorden ganz zu schweigen.
 
 
 

Das Jüngste Gericht.
Für die Verdammten kann mit dem Jüngsten Gericht doch nur ihre Henkersmahlzeit gemeint sein. Wünscht ihnen dazu  Gott wenigstens noch " Guten Appetit! "?
 
 

Ideenreichtum.
Einige werden, so heißt es, mit einer einzigen neuen Idee Millionär. Gewisser ist, dass viele mit hundert neuen Ideen arm bleiben.
 
 
 

Zivilcourage.
Es ist durchaus ein Fortschritt, wenn Soldaten das Wort Zivilcourage nicht mehr mit einem Ausdruck der Verachtung aussprechen.
 
 
 

Das  Gesicht unserer Gesellschaft.
Gewählt zum Gesicht des Jahres: eine Siebzehnjährige mit dem Gesicht einer Zwölfjährigen. Noch einige Jahre und etliche Millionen Alte mehr - und man wird den Teenagern Altäre errichten: um sie sowohl anzubeten als auch zu opfern.
 
 
 

Keine Sekte.
Früher glaubten manche, den Wert des Christentums schon mit dem Nachweis erhöhen zu können, dass es
keine jüdische Sekte sei. Heute würden sich viele Christen freuen, wenn sie sicher sein könnten, dass sie auch eine Art  Juden sind.
 
 
 

Kobold.
Nicht jeder Kobold ist ein Witzbold. - Lichtenberg wäre sich nicht zu schade gewesen, einen solchen Satz aufzuschreiben. Wie viele wichtige Sätze werden bloß deshalb nicht aufgeschrieben, weil sich ihre Schöpfer zu schade sind, auch unwichtige Einfälle zu notieren? Mit dieser Frage soll aber niemand ermuntert werden, Unwichtiges aufzuschreiben: Eine solche Ermunterung würde bedeuten, Wasser ins Meer zu schütten.
 
 
 

Vom Gefühl der Krankheit.
Man ist nicht schon dann krank, wenn man nicht weiß, ob man gesund ist. Denn dann wäre jeder krank, womit die Unterscheidung zur Gesundheit ihren Sinn verlieren würde. Niemand weiß wirklich, ob nicht in ihm eine verborgene Krankheit am Werk ist: Man kann sich also nur gesund glauben.
 
 
 

Die frömmsten Geschichten.
Die frömmsten Geschichten habe ich selbst erfunden - behauptet der Teufel. Und fast scheint es, als habe er Recht.
 
 
 

Inflation oder Bereicherung.
Eine Arbeit für Computer: Jedes Substantiv der deutschen Sprache mit allen anderen Hauptwörtern zu einem neuen Begriff zusammenstellen. Auf diese Weise entstünden nicht nur viele neue Wörter, sondern auch neue Welten. Diese könnte man dann lexikalisch zusammenstellen und sich die interessierte Bevölkerung daraus bedienen lassen. Als nächster Schritt dann die Verbindung dieser Zweisubstantivwörter mit wiederum jedem Substantiv zu Dreisubstantivwörtern. Der deutsche Wortschatz, ohnehin einer der größten im Reich der Sprache, würde seinen Vorsprung weiter ausbauen. Aber wie immer, wenn sich eine Gruppe rasant vermehrt, so würden auch hier bei den Konkurrenten Angst und Hass zunehmen.
 
 
 

Erzdeutsche.
Gab es eigentlich in den völkischsten deutschen Zeiten Erzdeutsche, die keine Romane schreiben wollen, sondern Germane, keine Lyrik, sondern Lurenien? Es gab sie, aber glücklicherweise hat nicht alles, was ehern ist, lange Bestand.
 
 
 

Lieblingsgedicht.
Peter Huchels Gedicht „Sommer" gehörte, seit ich es als Schüler erstmals las, zu meinen Lieblingsgedichten, also zu den Gedichten, die am stärksten zugleich Aufmerksamkeit, Sympathie und Bewunderung auf sich zogen. Als dann Jahrzehnte später mein Vater in der größten Augusthitze starb, musste ich wieder an diesen Text denken. Wird er auch zum Tag meines Todes passen?
 
 
 

Über das Vernehmen.
Der deutsche Philosoph Jacobi dachte, Vernehmen setze ein Vernehmbares voraus. Hätte er sein Augenmerk stärker auf die Geschichte des Staates, des Strafrechts und der Polizei gerichtet, so wäre ihm bewusst gewesen, was auch heute noch zahlreiche Polizei- und Geheimpolizeiapparate täglich beweisen: Vernehmen kann man auch da, wo es nichts Vernehmbares gibt. Und überhaupt: Immer schon haben die Menschen gerade aus der Stille und dem Nichts am meisten herausgehört.
 
 
 

Müdigkeit und Kultur.
Manchmal ist man so müde, dass man zwar keine neue Gedanken entwickeln, wohl aber schon vorgedachte noch übernehmen kann. Bisweilen scheint es, als seien ganze Kulturen in dieser Weise müde.
 
 
 

Das Prophetentum der Pessimisten.
Die Alldeutschen waren vor hundert Jahren mit ihren düsteren Prognosen zur deutschen Zukunft in vielen Punkten größere Realisten als ihre mächtigen Gegner. Warum waren sie dann letztlich nicht erfolgreicher? Auch deswegen, weil es in der Weltgeschichte nicht rational zugeht, sondern unberechenbar und zufällig. Andererseits:  Nicht jeder historische Mißerfolg ist unerrechenbar.
 
 
 

Die Allvölkischen.
Alldeutsche, Allengländer, Allfranzosen, Allzulus, Alltutsi, Allhutus. Es gibt keinen überzeugenden Grund dafür, jeweils alle ethnischen Alls in einem einzigen Staat zu vereinen. Der Grund könnte nur in dem Interesse dieser Ethnien und der darin lebenden Menschen liegen. Es gibt jedoch viele Konstellationen, in denen Völker in unterschiedlichen Staaten insgesamt besser gedeihen.
 
 
 

Die Kinder der Patriarchen.
Der bisherige und weiter andauernde evolutionäre Triumph patriarchalischer Gesellschaften beruht darauf, dass sie kinderreicher sind. Je ausgeprägter Frauen in einer Gesellschaft das Sagen haben, desto kinderärmer wird diese Gesellschaft in der Regel sein. Frauen lieben zwar Kinder mindestens so stark wie Männer, aber sie lieben auch ihre Freiheit, die durch Kinder eingeschränkt wird, mehr als die Männer die Freiheit der Frauen schätzen.
 
 
 

Messer der Gegenwart.
Mit dem Messer der Gegenwart versucht man immer vergeblich, die Vergangenheit anzuschneiden. Die Vergangenheit ist unverwundbar. Man kann dabei nur die Gegenwart oder die Zukunft zum Bluten bringen.
 
 
 

Eine Quelle des Kinderverzichts.
Als eine wesentliche Quelle des französischen Kinderverzichtes von der Zeit Napoleons bis zum Zweiten Weltkrieg bezeichnete der kluge Pädagoge und Begabungsforscher Wilhelm Hartnacke die angebliche kleinsinnige Verspießerung des französischen Volkes. Er wusste damals noch nicht, dass auch in dieser Beziehung die Franzosen den Deutschen  um einige dekadente Jahrzehnte zivilisatorisch voraus waren.
 
 
 

Schönheit der Totenmasken.
Von dem heiligen Ignatius von Loyola, gibt es - ebenso wie  von dem unheiligen Hohenzollern Friedrich II. - beeindruckende Totenmasken. Faszinierend sind sie, wenn man weiß, welche intellektuelle und emotionale Kraft von diesen Köpfen zu Lebzeiten ausging. Es sind Köpfe, die auch im Tod keine klassische Schönheit ausstrahlen, aber den tiefen Eindruck großer Persönlichkeiten hinterlassen. Auch bei dieser Betrachtung kann man sich fragen, ob nicht der Versuch, schöne Menschen zu schaffen, zu Lasten der geistig potenten und schöpferischen Menschen ginge - und zu Lasten der Schönheit der Totenmasken.
 
 
 
 

Recht im Reich der Analphabeten.
Wer schreibt, behält Recht. Wer zuletzt schreibt, wird zuletzt Recht behalten. Es ist schön, Recht zu haben und zu behalten - selbst  wenn nur noch Analphabeten folgen.
 
 
 

Die Religion der Säuglinge.
Wie viele atheistische Babys hat man schon aus Versehen - oder gar mit Absicht! - getauft?
 
 
 

Gipfel der Begeisterung.
Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt, schrieb Eichendorff. Wenn das stimmte, wären Nürnberg und Berlin, wäre das nationalsozialistische Deutschland überhaupt in jenen Dreißiger Jahren ein unvergleichliches Hochgebirge gewesen. Doch Eichendorff hat jedenfalls insoweit recht, als sich dort, wo Begeisterte stehen, Abgründe auftun.
 
 
 

Die Begeisterung der Sechzehnjährigen.
Gibt es noch, wie vor hundert Jahren, sechzehnjährige Jungen, die sich gemeinsam für einen Schriftsteller begeistern können? Oder wenigstens über eine attraktive Schriftstellerin?
 
 
 

Die Lektüre Gottes.
Liest Gott auch Bücher? Oder nur Taten? Wenn er Bücher liest, achtet er dann nur auf den Inhalt oder auch auf Stil, Schönheit, Ausdruck? Vom Gott des Alten Testamentes, der so gern an Opferfleisch roch, könnte man erwarten, dass er zuerst an einem Buch riecht. Außerdem war er selbst Schriftsteller höchsten Grades und hat den bis jetzt gültigen ultimativen Bestseller geschrieben.
 
 
 

Vanitas gloriae.
Nur diejenigen verdienen langen Nachruhm, die schon zu ihren Lebzeiten wissen, wie eitel das Streben danach ist.
 
 
 

Die übersehenen Sünden.
Wer zum Zölibat berufen ist, sündigt - wenn er heiratet. Wer zum Alkohol berufen ist, sündigt, wenn er nüchtern bleibt.
 
 
 

Der Charakter der Hochbegabten.
Als Schüler oder Student las ich bei Arno Schmidt, dass intellektuelle Hochbegabung und herausragende Kreativität gefährlich für den Charakter sei, dass sich ein guter Charakter mit jenen Eigenschaften nicht vertrage. Überintelligenz beanspruche so viel Platz im Gehirn , dass für Moralität nur noch wenig Raum vorhanden sei. Diese allgemeine These wird jedoch durch viele Einzelbeispiele widerlegt, wobei doch schon eine einzige Ausnahme ausreichen würde, die schmidtsche Hypothese zu falsifizieren. Wenn dem nun so ist, so kann kein bedeutender Kopf charakterliche Defekte mit der Größe seines Intellekts entschuldigen. Andererseits glaube ich nicht, dass hochbewusste Menschen typischerweise ein großes Bedürfnis nach Entschuldigung haben. Ihnen kommt es auf das Verstehen und Bewerten an. Und wo sie zu einer negativen Bewertung kommen, dort registrieren sie Verhalten wie ein unabänderliches Naturgeschehen.
 
 
 

Schöne Sätze.
Wer hässliche Gedanken in wohlgeformten Sätzen formuliert, der sündigt doppelt.
 
 
 

Goethes Wein.
Goethe trank täglich mehr als zwei Liter Wein und wurde über 80 Jahre alt. Und niemand sage, mit nur einem Liter hätte er zweimal so viel geschrieben und wäre er doppelt so alt geworden.
 
 
 

Noch eine Einsamkeit.
Das allein erziehende Mutterland.
 
 
 
 

Ursprung der Gedanken.
Kein Gedanke ist so klug, dass er nicht von mir stammen könnte. Froher kann ich aber noch darüber sein, dass es Gedanken gibt, die so dumm sind, dass sie nicht von mir sein können.
 
 
 
 

Gefahr durch Gedanken.
Je schwerer und bedeutungsvoller ein Gedanke ist, desto schmerzlicher kann man von ihm verletzt werden. Aber auch die leichtesten Gedanken können uns anrempeln und umstoßen. Und wenn wir Pech haben, verletzen wir uns auch dabei schwer.
 
 
 

Geist und Alkohol.
Eine Kultur, in der Alkohol verboten ist, hat es ebenso schwer, geistreich zu sein wie eine Kultur, in der Alkohol eine zu große Rolle spielt.
 
 
 

Alkohol und Leben.
Mit viel Alkohol erscheint manches vielleicht zweifach, aber vieles sicher auch einfach.
 
 
 

Mosel und Wahrheit.
Im Wein ist Wahrheit - darum  gehört das Moseltal zu den wahrsten Landschaften der Erde.
 
 
 

Dasein und Wesen.
Heidegger bezeichnete es als Urforderung allen Daseins, dass es sein eigenes Wesen behalte und rette. Aber das eigene Wesen kann man , solange man lebt, gar nicht verlieren. Es gibt kein Dasein, das ein anderes Wesen hat als sein eigenes.
 
 
 

Sicherheitsrisiko.
Sehr dumme und sehr intelligente Menschen sind sich wechselseitig ein Sicherheitsrisiko.
 
 
 

Vom Fallen.
Es ist zum Glück ungleich einfacher, jemandem ins Wort als um den Hals zu fallen.
 
 
 

Architektur der Phantasie.
Luftschlösser werden viel häufiger gebaut als Lufthütten. Wer gerne Luftschlösser baut, sieht nicht auf die Kosten.
 
 
 

Blut und Gott.
Wie es Menschen gibt, die kein Blut sehen können, so gibt es welche, die keinen Gott sehen können.
 
 
 

Die zu kurze Bergpredigt.
Warum rief Jesus nicht in der Bergpredigt: Selig die Juden, die dereinst rechtzeitig vor den Deutschen fliehen?
 
 
 

Folgen des Betens.
Nicht jeder, der um das tägliche Brot bittet, verträgt es dann auch. Man sollte nur um das beten, was einem auch bekommt.
 
 

Vom Entgleiten Gottes.
Wie der Deckel einer Flasche dem Ungeschickten oder Hastigen beim Zumachenwollen leicht entfällt, so entgleitet Gott den Greifversuchen vieler  Denkenden.
 
 
 

Was ist gut katholisch?
Erst sein Fleisch essen und sein Blut trinken und dann Gott einen guten Mann sein lassen - ist das nicht gut katholisch?
 
 
 

Das ewige Mahl.
Am letzten Abendmahl wird die Menschheit bis zum Ende ihrer Tage zu kauen haben.
 
 
 

Der Vater des Christentums.
Wenn Jahwe seine Vaterschaft bezüglich Jesu bestreitet, wie soll man sie ihm nachweisen? Und wenn er sie nicht bestreitet,so  steht sie dennoch nicht fest.
 
 
 

Sichere Verwandtschaft.
Vielleicht spielt bei der christlichen Marienverehrung auch der Gedanke eine untergründige Rolle, dass der Vater  fast immer unsicherer ist als die Mutter.
 
 
 

Formen des Atheismus.
Die Atheisten, die Wotan und Zeus leugnen - wieso sind sie anders zu beurteilen als die Atheisten, die Jahwe leugnen?
 
 
 

Hochmut nach dem Fall.
Für niemanden sollte die Tiefe seines Falls ein Grund sein, hochmütig zu werden.
 
 
 

Das Alter des Schöpfers.
Gott muss bei der Erschaffung der Welt schon ziemlich erwachsen gewesen sein, auch wenn vieles auf der Erde nach Spielerei aussieht.
 
 

Warum die Welt erschaffen wurde.
Im Talmud gibt es einen Rabbi, der meinte, die Welt sei wegen Moses erschaffen worden. Ein anderer glaubte, sie sei wegen David erschaffen worden. Gibt es einen Deutschen, der denkt, die Welt sei wegen Luther oder Bismarck erschaffen worden? Gibt es einen Engländer, der glaubt, die Welt bestehe wegen Shakespeare, Newton oder Darwin? Nur in Neapel sollen immer noch einige glauben, die Welt sei wegen Maradona geschaffen worden.
 
 

Zwei von unzähligen Welten.
Mystisch oder mystig: Welten liegen dazwischen.
 
 
 

Alltägliche Heiligkeit.
Erstaunlich, mit welcher Regelmäßigkeit bei Katholiken schon die erste Kommunion eine heilige ist.
 
 
 

Stolze Deutsche.
Große jüdische Reformer des 19. Jahrhunderts wie David Einhorn, Sigismund Stern und Samuel Hirsch - auch noch dessen amerikanischer Sohn Emil -  betonten mit Nachdruck, dass die geistigen Wurzeln der jüdischen Reform in der deutschen Philosophie lagen - und deswegen sprachen sie von diesem deutschen Denken mit größter Hochachtung. Sie waren  Erben und Träger des geistigen Deutschland - und stolz darauf.
 
 
 

Antirassistische Argumente.
Die größte Moschee der Welt wurde 1993 in Marokko fertiggestellt. Wahrscheinlich wird sie eines Tages als Beweis für die architektonische Begabung der Afrikaner angeführt werden, obwohl ihr Architekt ein Franzose ist und sie nur mit den technischen Künsten der europäischen Zivilisation errichtet werden konnte. Nicht nur Rassisten urteilen zu schnell nach dem Schein der Oberfläche.
 
 
 

Thoreaus Glück.
Henry David Thoreau war Vegetarier. Die wichtigsten geistigen Einflüsse auf seinen Vegetarianismus kamen von den neuplatonischen Philosophen Porphyrius und Iamblichos. Diese beiden Denker sind auch diejenigen, die den berühmtesten Heiden der Spätantike, den Kaiser Julian, am nachhaltigsten beeinflussten. Die Kirche versuchte, das Gedächtnis an Julian gewaltsam auszulöschen. Was wäre nun mit Thoreau geschehen, wenn zu seiner Zeit die katholische Kirche in Neuengland eine Macht wie seinerzeit im spätrömischen Reich gewesen wäre? Wir wüßten vielleicht nicht einmal, daß es einen Thoreau gegeben hat.
 
 
 
 

Unüberzeugende Vegetarier.
Manche  der gebildeteren Vegetarier berufen sich zur Erklärung ihrer Ernährungsweise einerseits auf medizinisch argumentierende Autoren, die die fleischlose Kost für die gesündere erklären, und andererseits auf Aussprüche berühmter philosophierender Vegetarier - wie beipielsweise Thoreau. Thoreaus geistige Ziehväter in dieser Frage, die Neuplatoniker, waren nicht Vegetarier, weil sie damit gesünder leben wollten, sondern weil sie im Gegenteil danach trachteten, den Körper zu schwächen. Je schwächer der Körper, desto stärker konnte er nach deren Auffassung die Macht der Seele beweisen. Sie gingen davon aus, dass es keine Kunst ist, in einem starken Körper eine starke Seele zu haben. Mittlerweile hat sich längst herausgestellt, dass die Beziehung zwischen physischer und psychischer Stärke ein kompliziertes Geflecht von nur schwer bestimmbaren Wechselwirkungen ist.
 
 
 

Schopenhauer und Thoreau.
Schopenhauers Gefühle gegenüber Sklavenhaltern sind dieselben wie diejenigen Thoreaus: Er verachtet sie. Schopenhauer war auch als unverheirateter Einzelgänger Thoreau ähnlich.
 
 
 

Abstammung und Einstellung.
Thoreau ist als Pazifist und Individualist das Gegenbild zum Leittypus des Nationalsozialismus. Und doch stammt er von einer Menschengruppe ab, der Rosenberg, einer der Chefideologen des Nationalsozialismus, höchsten rassischen Wert zusprach: den Hugenotten. Aus nationalsozialistischer Sicht also: Beste Abstammung, aber falsche Einstellung. Dass so etwas möglich ist, hätte die Nationalsozialisten im Grunde zutiefst beunruhigen müssen. Zeigte es doch, dass es durchaus denkbar war, dass nach Vernichtung der Juden und anderer Feinde einige Generationen später die Ariersprößlinge sich die Weltanschauung der Vernichteten hätten mindesten zum Teil zu eigen machen können.
 
 
 

Philosoph und Technik.
Muss man heutzutage verstehen, wie ein Computer funktioniert, um ein guter Philosoph zu sein? Musste Hegel wissen, wie man ein Weinfaß zimmert? Musste Platon wissen, wie Segeltuch genäht wird? Diejenigen, die viele Techniken beherrschten, sind noch selten bedeutende Philosophen gewesen.
 
 

De Sade und das Christentum.
War de Sade wirklich der Antichrist, als der er sich selber gerne ausgab? Wenn die Praxis des Christentums vielfach dem entsprach, was de Sade zu lehren vorgab, war dieser Franzose dann nicht der größte Verteidiger des Christentums? Er predigte doch: Seid böse - und waren die Christen nicht millionenfach Meister des Bösen? Wer ist der christlichere Christ: Derjenige, der sagt: Was ihr Christen macht, ist falsch? Oder derjenige, der verkündet: Was die Kirche tut, ist im wesentlichen gut und recht?
 
 
 

De Sade, der Ökologe und Naturrechtler.
De Sade glaubte nicht an kollektive Ideale wie Volk, Religion oder Klasse: Sie bedeuteten ihm nichts. Er schätzt den Willen des Einzelnen am höchsten, weil auch die Natur - und ein anderes Vorbild als die Natur kennt er nicht - nichts als Egoismus kenne. Die Natur liefert ihm die Normen für das richtige Verhalten. Er fordert Unterwerfung unter ihre Gesetze und Regeln, auch wenn dies nach herkömmlichen Maßstäben zu einem „bösen" und verwerflichen Tun führt. De Sade war einer der konsequentesten Naturrechtler - vielleicht machte gerade  dies das Sadistische an ihm aus.
 
 
 

Hitler und die biologischen Wissenschaftler.
Viele Journalisten - und damit eigentlich auch die Öffentlichkeit - wissen nicht, dass es gerade Wissenschaftler waren, die Hitlers Weltanschauung prägten und ihr auch applaudierten. Und wegen dieser Unwissenheit fragen sie dann ahnungslos: Wie konnte bloß der Rassenwahn ernst genommen werden? Was sie für Rassenwahn halten, war für viele sehr intelligente Leute gesicherter Bestandteil der Erb- und Kulturforschung der vorangegangenen Jahrzehnte. Hitler seinerseits stellte sich die Frage: Wie kann ein vernünftiger Mensch glauben, Brot und Wein ließen sich in Fleisch und Blut verwandeln? Auch
hier hatte er viele Wissenschaftler auf seiner Seite. Und alle zusammen erlebten, wie das Brot und der Wein des Friedens in das Fleisch und Blut eines entsetzlichen Krieges verwandelt wurden.
 
 
 

Todesarten.
Nicht wenige Menschen beteten früher um einen gelinden Tod, nur wenige um einen gebuchen, geeichen oder geespen Tod.
 
 

Unterhaltende Lektüre.
Viele Autoren verdienen mit Büchern ihren Unterhalt, die für mich nichts weniger als unterhaltsam sind.
 
 

Wie Männer sind.
Immer gleich, nämlich von Phall zu Phall anders.
 
 

Überholte Beispiele.
Erklärungsversuche von Wissenschaftlern sind gelegentlich angefüllt mit alten Behauptungen, deren Darstellung in einer veränderten Welt ihren Sinn verloren hat. Die alten Beispiele werden aber mitgeschleppt durch die Jahre wie Vorurteile. So las ich in einem jüngeren Werk über einen Stoff, dass dessen Einnahme dazu führe, dass die Zunge rot wie Pferdefleisch aussehe. Wer weiß denn heute, welches Rot für Pferdefleisch typisch ist? Und in einem neueren anthropologischen Buch heißt es, die Brüste
der Negerinnen seien im Gegensatz zu denen weißer Frauen meist ziegeneuterförmig. Mit solchen Informationen kann nur derjenige etwas anfangen, der schon vorher weiß, was der Autor meint. Manche meinen, Wissenschaftler könnten vieles nur deshalb schlecht erklären, weil sie in einem Elfenbeinturm lebten. Woher aber wissen sie in diesem Elfenbeinturm, wie die Brüste  der Afrikanerinnen  und wie  Ziegeneuter aussehen?
 
 

Ästhetik und das Erbe des Terrors.
Liberale deutsche Ästheten ergötzen sich - anläßlich einer Ausstellung - an mongolischer Kunst und loben deren Schöpfer, nicht wissend, dass diese Mongolen Millionenstädte zerstörten, mehr Tote darin hinterlassend als die Amerikaner in Hiroshima, Nagasaki oder Dresden. Wenn das Vernichtungswerk von Völkermördern - wie der mittelalterlichen  Mongolen - eine gewisse Schwelle überschritten hat, dann gibt es niemanden mehr, der sie anklagt - und die Nachkommen der Täter und Zuschauer können  sich unbefangen und ahnungslos ihrer Kunst zuwenden.
 
 

Der Weg zur Demokratie.
Die Einführung der westlichen Demokratie in Deutschland geschah nach dem 2. Weltkrieg zunächst nicht durch demokratische Entscheidung des Volkes, sondern durch militärische Gewalt der Besatzungsmächte. Sie war damit kaum demokratischer als die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933, die im Rahmen der bestehenden Verfassung erfolgte und diejenige Partei an die Regierung brachte, welche die meisten Wählerstimmen in jener Zeit auf sich vereinigen konnte. Demokraten halten letztlich diktatorische Vorgehensweisen dann für gerechtfertigt, wenn sie zur Demokratie führen, Diktatoren akzeptieren demokratische Entscheidungen in vollem Umfang, wenn sie Diktatur ermöglichen.
 
 

Genealogischer Respekt.
Mit jedem guten Gedicht von mir und mit jeder klugen Bemerkung steigt meine Achtung vor meinen Vorfahren.
 
 

Der böse Gott.
Wie oft schon ist die Vorstellung eines einzigen, aber radikal bösen Gottes gedacht worden? Eines Gottes, der selbst nach dem physischen Tod eines Menschen diesen noch weiter narren will und quälen? Kann jemand mit einem solchen Gottesbild leben? Wenn man es nicht kann, so schließt diese Möglichkeit eines solchen Gottes nicht aus, sondern spräche nur für dessen Raffinesse: Die Spielfiguren, die sein übles Spiel durchschauen, werden von der Erde entfernt. Und wenn doch jemand mit einer solchen Gottesvorstellung leben kann und vielleicht sogar besser leben kann als mit dem Glauben an einen guten Gott, dann könnte dies auch als Belohnung für eben diesen satanischen Glauben gesehen werden.
 
 

Budda for fighters.
Buddha, der Mann, der alles Leid überwinden wollte und deshalb alles, was Leid verursacht, für Illusion erklärt, kann auch gesehen werden als Typus des nordischen unbesiegbaren Helden. War er, der Indoeuropäer aus Nordindien, nicht primär das, was er auch nach seiner Abstammung sein sollte: ein arischer Krieger, der sich nichts und niemandem  beugen und unterwerfen wollte, nicht einmal dem Schmerz und Tod, an dem auch die Tapfersten und Klügsten nicht vorbeikommen? Buddha, der Erzarier, der sich mit unerbittlicher Konsequenz in Leben und Denken der Frage widmete: Wie werde ich unüberwindlich? Vielleicht gehört er nur wegen dieser Konsequenz zu den bedeutendsten Menschen überhaupt.
 
 
 

Aufklärung.
Aufklärung - war das nicht auch die versuchte Bekehrung des Volkes zu den Vorurteilen der Intellektuellen?
 
 

Der Ausnahmefall.
Die Vorurteile der Intellektuellen sind nur manchmal vernünftiger als die Urteile der Masse.
 
 

Wer souverän ist.
Der berühmte schmittsche Satz: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet", entspricht einer Erkenntnis wie:  „Verheiratet ist, wer seine Frau des Ehebruchs bezichtigt".
 
 

Eine Form von Frauenliteratur.
Zu den schönsten Formen von Frauenliteratur gehören die Aufzeichnungen der Wehenschreiber.
 
 

Vergebliche Wege.
Katholische Bauern gingen nicht selten von Pontius zu Pilatus, jüdische Intellektuelle von Marx zu Freud.
Das Ergebnis war in beiden Fällen meist gleich enttäuschend.
 
 

Deutsche Sexualität.
Die Deutschen sollten nicht so bescheiden sein, eine bestimmte Form der Sexualität „französisch" zu nennen oder eine andere „griechisch". Schon die Germanen verkehrten doch, da bin ich mir sicher,  französisch und griechisch, auch wenn sie es vermutlich  „wendisch" und „gallisch" nannten.
 
 

Im nassen Element.
Nicht immer geht die Vernunft baden, wenn die Buchstaben anfangen zu verschwimmen.
 
 

Literarische Entscheidungen.
Es ist eine gar nicht unwichtige Entscheidung, ob man einen Gedanken in ein Gedicht schreibt oder in einen Aphorismus, in ein Drehbuch oder in einen Roman. Jede Entscheidung über das Ob und Wie einer Veröffentlichung ist eine Entscheidung über Wirksamkeit und damit auch über Wirklichkeit. Was aber auf Dauer wirksam ist, läßt sich kaum vorhersehen - und insofern ist die besagte Entscheidung letzten Ende doch nicht so wichtig.
 
 

Arminius und der deutsche Genius.
Der staunenerregende  Kosmos der deutschen Sprache, der Wörter, Sätze, Gedanken dieser Sprache, er bestünde  nicht, wenn es seinerzeit nicht den Kriegern des Cheruskers Arminius gelungen wäre, den römischen Imperialismus aufzuhalten. Arminius ist damit der Urvater der deutschen Philosophie, der deutschen Musik und Kunst, der deutschen Technik, der deutschen Handwerkskunst und Kriegskunst und vieler anderer Kulturbeiträge, die von der Menschheit in breitestem Umfang in Anspruch genommen werden. Seine Wirkung war eine eminent kulturelle. Das bedeutet aber nicht, dass man ihm jetzt ein Denkmal errichten sollte, welches ihn in einem Auto sitzend zeigt, eine Lutherbibel lesend und mit der anderen Hand eine Saturn V-Rakete schleudernd.
 
 

Die Frage nach dem Holocaust.
Wäre es auch ein Holocaust, wenn bei einem gewaltigen  Erdbeben in Los Angeles eine halbe Million Juden ums Leben kämen? Welche Bedeutung hätte ein solches Ereignis für die jüdische Theologie? Der jüdische Gelehrte Israel M. Goldman bezeichnete 1975 die Verbrennung jüdischer Bücher in Paris im Jahr 1244 als Holocaust.
 
 

Nietzsches Erlösung.
Als der krankheitsgepeinigte  Nietzsche einen „erlösenden Hirnschlag" schon für nahe hielt, da hatte er noch zwanzig Jahre zu leben. Was wollte Gott noch von ihm hören und sehen? Wie wollte er ihn noch erleben?
 
 

Nietzsche und das Wort.
Nietzsche glaubte, jedes Wort sei ein Vorurteil, aber er wollte dennoch das letzte Vorurteil haben.
 
 

Meditation.
Ein deutsches Wort für Meditation: Versinnung.
 
 

Wonach Meditation klingt.
Mir klingt Meditation zu sehr nach Medikation.
 
 

Zeugung und Schöpfung.
Vaterschaft ist paternale Kreativität. Ohne Leopold kein Wolfgang Mozart, ohne Robert kein Charles Darwin, ohne Jakob kein Sigismund Freud.  Paternales Schöpfertum ist die Voraussetzung für jede andere Kreativität. Kein Mensch hat jemals ein Kunstwerk geschaffen, einen Impfstoff entdeckt, eine Maschine konstruiert, der nicht vorher gezeugt wurde. Diese einfachste aller Erkenntnisse wird allzu leicht vergessen.
 
 

Die Ohnmacht der Rasse.
Den ermordeten jüdischen Opfern der Hitlerzeit hat es nichts genützt, wenn sie langköpfig waren, ihre Augen blau und ihre Haare blond. Diese mörderische Art von Antisemitismus war keine Folge der nordischen Idee. Gegen vier Großeltern jüdischen Glaubens kam keine Rasse an.  War der Nationalsozialismus wirklich eine rassische  Weltanschauung? Wurden nicht auch noch die blondesten Kommunisten oder Priester verfolgt? Bogen nicht Parteibuch und Parteiaktivität auch noch die krummste Nase gerade und blondierten die dunkelsten Haare?
 
 

Geometrie der Ideologien.
Wer nur im Kreis Gleichgesinnter verkehrt, übersieht die Ecken und Kanten seiner Weltanschauung.
 
 

Sterbende Wahrheit.
Viele Wahrheiten werden täglich geschlachtet. Soll man es für einen Fortschritt halten, wenn sie wenigstens vorher betäubt wurden?
 
 

 Wahrheit und Lüge.
Auch eine geschächtete Wahrheit macht die Lüge nicht koscher.
 
 

Hilfsmittel des Erkennens.
Wie viele Unbekannte gibt es, deren intellektuelle Begabung verborgen ist wie die Qualität eines sehr guten Weines in einer Flasche ohne Etikett?
 
 

Moralische Bescheidenheit.
Man sollte sich moralisch nichts darauf einbilden, wenn man beim Schreiben des Wortes „rassistisch" ins Stocken kommt.
 
 

Der Zar.
Jener Zar, der nichts lieber tat, als mit seinen unzähligen Zinnsoldaten spielte - war der nicht irrzinnig? War er auch eine Verkörperung der seltsamen Verwandtschaft von Genie und Wahnzinn?
 
 

Adornos Lob.
Adorno: „Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben." War Adorno nicht auch ein Deutscher?
 
 

Überseher.
Seher sind meist keine scharfen Beobachter - auch wenn sie ausnahmsweise nicht blind sind.
 
 

Die Wurzeln des Geistes.
Es war ein grundlegender  Fortschritt, als man auf der Suche nach den Wurzeln des Geistes begann, die Köpfe zu vermessen.
 
 

Neuronen und Geist.
Dem Geist macht es nichts aus, einen Teil  seines Lebens in Zellen verbringen zu müssen.
 
 

Schein der Hilfsbereitschaft.
Allzu oft werden diejenigen als hilfsbereit gelobt, die Blinden eine Brille anbieten.
 
 

Der römische Stil.
Carl Schmitt, dessen Stil von vielen, die sich mit dem Schreiben bestens auskennen, gerühmt wurde, schrieb nicht wie ein Schriftgelehrter - obwohl er einer war. Er schrieb wie jemand, der Macht hat und Macht fühlt. Viele kurze, prägnante, schnörkellose Sätze ohne häufige Einschiebsel und sprachliche Absicherungen. Kaum Wenn und Aber. Ein solcher, häufig als „lateinisch" gerühmter, Stil ist nicht angeboren, auch demjenigen nicht, der von Kopf bis Fuß wie ein Römer aussieht. Er ist das Ergebnis bewusster Entscheidung und planmäßiger Übung, also die Folge von Disziplin.
 
 

Wärme.
Eine Heizung, die gluckert, wärmt mehr als eine gleich warme, die reibungslos funktioniert und schweigt.
 
 

Theologie des Siegers.
Gott ist gut und gerecht! Jubelte dankbar die Samenzelle,  als sie als einzige unter Millionen ihr Ziel erreicht hatte.
 
 

Geselligkeit.
Die meisten Menschen legen, wenn sie sich gesellig treffen, auf Nachschenken viel mehr Wert als auf Nachdenken.
 
 
 

Die Macht der Rationalität.
Für aufgeklärte kluge Europäer hat der Verstand eine derart große Macht, dass  sie selbst das bezweifeln, was sie fest glauben.
 
 

Später Triumph.
Man sollte nicht erst Veteran werden müssen, ehe man auch Niederlagen feiern darf.
 
 

Die Natur der Fehler.
Es ist eine Gemeinheit der Natur, dass man fremde Fehler oft schon vorher und eigene häufig nicht einmal nachher erkennt.
 

Ewige Ruhe.
Die Toten wissen genau, dass die Gebete für ihre ewige Ruhe  den Lebenden gelten.
 
 

Der Körper des Hasses.
Wer bestimmte Menschen hasst, der hasst auch bestimmte Gene. Dieser Zusammenhang wird im 21. Jahrhundert immer deutlicher werden.
 
 

Christentum und Treue.
Eike von Repgow, der große deutsche Rechtsdenker und Vater des „Sachsenspiegels", wird von Erik Wolf in dessen Werk über die großen deutschen Rechtsdenker als treuer Sohn der Kirche bezeichnet. Die Kirche selbst aber ist in vielen Jahrhunderten, zumal in ihren ersten, als Lehrerin der Untreue aufgetreten. Ihr ganze Vorgehensweise in Europa richtete sich gegen die Treue zum hergebrachten religiösen, kulturellen und biologischen Erbe. Treue zur Tradition predigte sie erst, als sie feindliche Traditionen zerstört hatte. Aber auch hier gilt der alte Satz: Besser spät als nie.
 
 

Das universelle Gesetz.
Sogar in der Wüste herrscht das Gesetz des Dschungels.
 
 

Macht und Denken.
Wenn das geistige Werk eines Menschen in zwei Staaten unterschiedlich interpretiert und bewertet wird und diese Staaten Krieg gegeneinander führen, dann wird wahrscheinlich der politisch-militärisch siegreiche Staate auch seine Deutung dieses Werkes durchsetzen. Ein geistig Schaffender, dem an praktischen Wirkungen seines Denkens etwas liegt, sollte sehen, in welchem politischen System sein Werk auf Dauer die größeren Überlebenschancen hat. Wer sich einem System verbindet, daß in der politischen Evolution untergehen wird, tut nicht nur sich selbst, sondern auch seinem Werk keinen Gefallen. Es bleibt allerdings die Frage, ob sich Gedanken den  Staat aussuchen können, in dem sie leben wollen oder ob sie nicht vielmehr dort leben müssen, wohin man sie pflanzt.
 
 

Das Gehirn eines  Adlers.
Ein Volk, dass Intelligenz als höchsten Wert schätzt, wählt nicht den Adler zu seinem Wappentier.
 
 
 

Kopf und Körper.
Ist es fair, dass das Gehirn darüber entscheidet, welche Körperteile am wichtigsten sind?
 
 

Licht und Schatten.
Es sollte dem Licht ein Trost sein, dass die Schatten es nicht überleben werden.
 
 

Vom Altern.
In jedem Alter denkt die Natur über einen Menschen anders. Das sieht man ihr genau an.
 
 

Aussprache.
Wenn ich noch zehn sehr schöne lispelnde Frauen mehr kennenlerne, werde ich klare Aussprache wahrscheinlich unattraktiv  finden.
 
 

Der Tanz aus der Reihe.
Der nationalsozialistische Dichter und Panzerkommandant Kurt Eggers schrieb das Werk: „ Der Tanz aus der Reihe". Oskar Lafontaine, der Führer der deutschen Sozialdemokraten am Ende des 20. Jahrhunderts, schreibt dem Dichter Ludwig Harig die Widmung : „ Wohl dem, der aus der Reihe tanzt." Wäre Lafontaine, einige Jahrzehnte früher lebend, ein Aus-der-Reihe-Tänzer wie Eggers geworden?
 
 

Anthropologischer Nationalismus.
Dass die geistige Leistungsfähigkeit für das rohstoffarme Europa ein entscheidend wichtiger Faktor ist, wird gerade heute wieder von vielen als richtig anerkannt. Wie lange dauert es, bis sich im öffentlichen Bewusstsein der Gedanke verankert hat, dass diese geistige Potenz eine materielle Basis hat, dass sie auf der Kraft der Gehirne beruht? Und dass die Gehirne der Menschen so ungleich sind wie ihr sonstiger Körper auch? Anthropologischer Nihilismus, der die biologisch-genetische Basis unterschiedlicher intellektueller Leistungskraft nicht sieht, gefährdet Europas europäischsten Rohstoff.
 
 

Die Grundlage kultureller Hochleistung.
Kulturelle Hochleistung setzt nicht nur die biologische Fähigkeit dazu voraus, sondern benötigt auch das geeignete weltanschaulich-soziale Umfeld. Eine Gesellschaft, in der Menschendarstellungen verboten sind, kann keine großen Porträtisten und Fotografen hervorbringen. Eine Gesellschaft, in der die Bibel als Anfang und Ende der Klugheit gesehen wird, ist naturwissenschaftlich und damit auch technisch  unfruchtbar. So unfruchtbar wie eine Kultur, in der die Bibel gar keinen Wert hat.
 
 

Kinder als Geschenke Gottes.
Wer ein Kind als wunderbares  Geschenk Gottes ansieht, wird dieses Kind, bei sonst gleichen Bedingungen,  anders - besser! - behandeln als derjenige, dem dieses religiöse Bewusstsein fehlt. Achtung des Kindes und Beachtung seiner Bedürfnisse ist die gute Frucht eines solchen Glaubens.
Und wer will nicht reicher beschenkt werden? Auch unter diesem Aspekt bringen ein derartiges religiöses Bewusstsein und die  Frömmigkeit die größere evolutionäre Frucht: mehr Kinder.
 
 

Der unbiblische Darwin.
Darwins Lehre: Natur statt Bibel, Evolution statt Evalution.
 
 

Die Anfänge des Betens.
Die Gläubigen lehrt meistens die Mutter, die Ungläubigen die Not beten.
 
 

Die Unsinnsprediger.
Im Fernsehen wird nicht weniger Unsinn gepredigt als früher oft in den Kirchen. Dafür sitzen die Leute im allgemeinen viel länger vor dem Fernseher und müssen sich auch noch  viel häufiger die Dummheiten anhören. Gottes Strafe?
 
 

Die verborgene Seite der Genies.
Von vielen bedeutenden Menschen des Geistes kennen wir ihre sämtlichen Werke. Aber kennen wir auch ihre sämtlichen Wärke? Und wenn wir die kennen, wie steht es dann mit ihren Wercken? Wer sich als kreativ gezeigt hat, wird immer Geheimnisse zurücklassen.
 
 

Wo der Teufel steckt.
Der Teufel kann nicht nur im Detail, sondern auch in der Türkei stecken.
 
 

Was betäubt.
Zuviel Wahrheit betäubt uns, meinte Pascal. Er glaubte, den Grund der Betäubung in der Wahrheit gefunden zu haben, aber es ist nur das Zuviel, das uns betäubt. Alles, was zuviel ist, betäubt - ob mit oder ohne Wahrheit.
 
 
 

Die Weisheit der Eule.
Eulenspiegel wäre nicht Eulenspiegel gewesen, hätte er Adlerspiegel oder Taubenspiegel geheißen.
 
 

Das Wappentier der Deutschen.
Wenn die Deutschen wirklich das Volk der Dichter und Denker wären - wäre dann nicht die Eule ihr Wappenvogel?
 
 

Wirkungslose Mode.
Die größte Zeit spanischer Machtentfaltung brachte eine wundervolle Mode aus Schwarz und Gold hervor. Doch die edelste Kleidung Philipps II und seiner Verwandtschaft vermochte nicht, die Niederlage der Armada zu verhindern. Selbst, wenn sich die Engländer von der katholischen Ästhetik Iberiens hätten beeindrucken lassen: die Stürme der Nordsee ließ dies ebenso kalt wie den russischen Frost die hübschesten deutschen Soldatengesichter.
 
 

Analphabetisches Christentum.
Würde sich das Christentum nicht besser und authentischer entwickeln, wenn man nur noch Analphabeten zum Priestertum zulassen würde? Nicht Analphabeten aus Dummheit, sondern bewusste Ignoranten jeder Wissenschaft?
 
 

Unpünktlichkeit.
Wenn es genau auf den Fall ankommt, sind Hochmut und Tiefmut immer unpünktlich: Der eine kommt zu früh, der andere zu spät.
 
 
 

Mehr als eine Geschmacksfrage.
Wer mit der Gabel der Vergangenheit die Gegenwart zum Mund führt und dabei einen schlechten Geschmack empfindet, der sollte nicht das Essen, sondern das Besteck dafür verantwortlich machen.
 
 
 

Geistige Auseinandersetzungen.
Seltsam, dass intellektuelle Auseinandersetzungen die größte Ähnlichkeit ausgerechnet mit einem so scheinbar plumpen Sport wie Sumoringen haben: Die schwersten Gedanken setzen sich in der Regel durch. Aber anders als beim Sumoringen dürfen in diesem Kampf auch viele Dünne gemeinsam die Schwerwiegenden angreifen. Und in diesen Fällen kann das Ergebnis ganz anders aussehen.
 
 
 

Bewertung kultureller Leistungen.
Es spricht noch nicht gegen den Wert vieler Geistesschöpfungen, dass die sie produzierenden Männer sie nicht hervorgebracht hätten, wenn man ihnen beizeiten eine schöne Frau geschenkt hätte.
 
 
 

Vom Doktorwerden.
Mag sein, dass das Doktor-Werden eine Konfirmation des Geistes ist, wie Lichtenberg meinte. Eine heilige Kommunion ist es jedenfalls nicht.
 
 

Geistesfeuer.
Wer Geistesblitze für cerebrale Energieverschwendung hält, mag sein Leben weiter auf Sparflamme brennen lassen.
 
 

Nachtrag zu Heraklit.
Viele können mehr als einmal in den denselben Wortfluss steigen.
 
 

Philosophischer Urknall.
Seit mehr als zweitausend Jahren hallt der Pla-Ton durch die Geschichte des Denkens. Von denen, die ihn gehört haben, empfinden ihn manche als Musik, andere jedoch als Krach.
 
 

Germanische Weisheit.
Wer die Kulturen der sogenannten Naturvölker ernst nimmt und schätzt, muss schon recht heidnisch sein. Was im Rahmen der New-Age-Bewegung beispielsweise an Indianern bewundert wird, müßte auch bei den vorchristlichen Germanen geehrt werden. Die Worte eines schoschonischen Medizinmannes über die Erde und die Welt hätte auch jeder altsächsische Medizinmann unterschrieben - und sei es in Runen.
 
 

1989.
Die Macht der Arbeiter und Bauern erwies sich als Ohnmacht der Phrasen und Mauern.
 
 

Der Körper des Geistes.
Allezeit bewundernswert ist jeder Sieg des menschlichen Geistes über Schwächen des Körpers. Aber genau besehen ist ein solcher Sieg immer der Triumph eines sehr starken Körperteils über schwächere. Und noch genauer betrachtet ist es Unsinn, das Verhalten des einen Körpers als Kampf verschiedener Teile gegeneinander zu sehen.
 
 

Zur Normalität der Genies.
Wenn ein Genie alle Minderfähigen umbringen lassen könnte, so dass am Ende nur noch einige andere Genies übrig blieben, dann wäre es - normal.
 
 

Ein kurzer Weg.
Immer - dieses Wort wollte er zuerst schreiben. Dann verbeserte er sich zu einem Manchmal. Und endete bald darauf beim Niemals. Der Weg vom Immer zum Niemals ist immer sehr kurz.
 
 

Böse Botschaft.
Nulla est redemptio ex infernis. Wer einmal in der Hölle ist, kommt niemals mehr heraus. Wo dieses Wort gilt - und es gilt im katholischen Christentum - da ist jedem Reden von froher Botschaft zu misstrauen.
 
 

Gott vor dem Tod Gottes.
Tausend Generationen, bevor Nietzsche Gott für tot erklärte, war der Tod schon Gott.
 
 
 

Gott ist todt!
Dieser Gedanke und Spruch Nietzsches war für den unheilbar frommen Pfarrers- und Vaterssohn am Ende vielleicht nur die zwingende Voraussetzung, um zur Anwendung des „De mortuis nihil nisi bene" zu kommen.
 
 
 

Nietzsche und Dionysos.
Als Nietzsche den zerstörerischen und hemmunglos vernichtenden Typus des dionysischen Menschen nicht nur beschrieben hatte, sondern ihn auch pries und geradezu herbeisehnte, da hätte jeder Christ mit allem moralischen Recht seiner Religion ihn als sächsischen Heiden erschlagen dürfen. Auch hätte man ihn mit wilden Händen packen und Mänaden zum Fraß vorwerfen dürfen. Da dies alles nicht geschehen ist, müssen sich nun seit mehr als hundert Jahren Andere an ihm die Zähne ausbeißen.
 
 
 

Erdkultur.
Was ihr Weltkultur nennt, ist nichts anderes als eure provinzielle Erdkultur, sagte mit erstaunlicher Freundlichkeit die Gestalt von dem Planeten Dulong.
 
 
 

Das Recht eines Schriftstellers.
Woher nahm Ernst Jünger das Recht, in seinen Aufzeichnungen zu schreiben, dass Kuala Lumpur die Hauptstadt des Malaiischen Bundes sei - wo dies doch in jedem Lexikon schon geschrieben stand?
 
 
 
 

Die Unvergessenen.
Der Widerspruch, wenn man die Namen derer nennt, die angeblich vergessen sind - und die Wahrheit in diesem Widerspruch.
 
 
 
 

Was man früher angeblich aus Deutschland mitbrachte.
In Raymond Fanchers biographisch orientiertem Werk zur Geschichte der Intelligenzforschung schreibt er über den nach Amerika ausgewanderten Psychologiepionier  Hugo Münsterberg: "He had brought from his native Germany a keen elitism and regard for the work of experts."
 
 

Kultur.
Kultur ist in den meisten Fällen nur das Gerücht von Kultur.
 
 
 

Kunst im Mittelalter.
Wäre die mittelalterliche Kunst frei und demokratisch gewesen, dann wären die Kirchen voller erotischer und pornographischer Darstellungen.
 
 

Dichter und Volk.
Nicht jeder Dichter liebt es, seine Werke  zu erleutern.
 



 

(C) Copyright by Gregor Brand, 2002.
Nachdruck oder sonstige Verbreitung ist nur zulässig in Verbindung
mit der ausdrücklichen Nennung des Urhebers.