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Angst

(Stefan Zweig)

 

*   Autor

Stefan Zweig wurde 1881 in Wien geboren. Er studierte in Berlin und Wien und promovierte 1904 zum Dr. Phil. Danach unternahm er ausgedehnte Reisen. Während des ersten Weltkrieges im Kriegsarchiv tätig, bekannte er sich 1917 öffentlich zum Pazifismus, lebte bis Kriegsende in Zürich und kehrte 1919 nach Salzburg zurück. 1938 emigrierte er nach England. 1940 übersiedelte Zweig in die USA, 1941 nach Brasilien. Dort beging er gemeinsam mit seiner Frau als innerlich zerbrochener Exilant 1942 Selbstmord.

 

*   Gattung

Novelle (Epik)

 

*   Inhaltsangabe

In der Novelle "Angst" von Stefan Zweig geht es um Frau Irene Wagner, die trotz ihrer glücklichen Ehe, ihrer zwei Kinder und ihres Reichtums einen Geliebten von gewöhnlichem Stande hat. Eines Tages wird ihre Angst, gesehen zu werden, war und eine Person, die vorgibt ihren Geliebten Eduard zu kennen, deckt ihr Geheimnis auf. Sie schwört Abstand vom Geliebten zu nehmen. Die erste erschreckende Angst ist verflogen und die Hilflosigkeit des anderen, den sie noch absichtlich auf Distanz hält, um den Spaß des Spiel noch zu steigern, beginnen sie zu reizen. Dieses neue Interesse ist jedoch nur von kurzer Dauer, da sie nach dem Treffen wieder von der Person aufgelauert und um Geld erleichtert wird. Frau Irene hat Angst und meidet die Öffentlichkeit. Sie sieht den Geliebten nicht wieder, was die Erpresserin nicht abhält, in einem Brief neue Forderungen zu stellen. Da die Forderungen immer weiter steigend sind, weiß Frau Irene nicht, wie lange sie noch bezahlen kann. Fritz, ihr Mann, war ein guter Richter, der nicht immer harte Strafen aussprach. Er fand nur, Angst ist die größte Bürde, die man einem auferlegen kann! Es folgte ein weiterer Brief und sogar ein persönlicher Besuch der Person, bei dem sie Frau Irene ihren Ehering abnimmt. Er bemerkt das Fehlen des Ringes und sie kann sich nur mit einer Notlüge über das Putzen des Ringes befreien. Der Druck der Umwelt wächst ins Unermessliche und Frau Irene sieht bald nur noch einen Ausweg, falls sie den Ring nicht innerhalb der nächsten zwei Tage zurückerhält. Bei einer früheren Krankheit hatte ein Arzt ihr Morphium verschrieben, welches in genügend hoher Dosis sicherlich tödlich ist. Da sie aber nicht mehr genug im Hause hat, beschließt sie, in einer Apotheke mehr zu kaufen. Vorher will sie aber noch einmal versuchen, die Person zu finden, um den Ring zu bekommen. Sie wandert die Straßen auf und ab, immer in der Hoffnung die Person zu finden. Als sie nirgends Glück hat, keimt der Verdacht, dass dies alles ein ausgemachtes Spiel des Geliebten sein könnte. Also geht sie noch einmal zu ihm, stürzt in die Wohnung, trifft aber zu ihrer Scham nur eine andere Dame der höheren Gesellschaft. Enttäuscht und deprimiert geht sie langsam den Weg zur Apotheke und verlangt das Morphium. Als sie gerade bezahlen will, spürt sie ihren Arm weggedrückt, und sieht ihren Mann. Der nimmt sie mit sich nach Hause, vernichtet den Inhalt des kleinen Fläschchens und wirkt wütend. Erst mit der Zeit bemerkt Frau Irene, dass er ihr immer noch gut gesinnt ist und er gesteht seine Schuld, und dass die Erpresserin nur eine gemietete Schauspielerin war, während sie in Tränen ausbricht. Er trägt sie zu Bett, wo sie sofort einschläft. Am nächsten Morgen erwacht sie mit ihrem Ring am Finger.

 

*   Figurencharakteristik

Irene Wagner: Sie ist seit acht Jahren verheiratet und hat zwei Kinder. Doch es scheint,

                          als ob sie ihren Mann nicht sehr gut kennen würde, denn die Heirat

erfolgte auf Anregung der Eltern. Als Irene der Erpressung nachgibt, steigert sie sich in einen sinnlose, lächerliche Angst hinein. Sie versucht zu entfliehen, aber in ihrer Hilflosigkeit sieht sie keinen Ausweg. Sie hat Alpträume, die ihre Schuld noch verstärken. Auch ihrem Mann kann sie sich nicht anvertrauen, obwohl sie weiß, dass er ihre Veränderung bemerkt. Das Einzige, das Irene noch klar beschließen kann, ist ihrem Leben ein Ende zu bereiten.

Fritz Wagner: Er ist einer der bekanntesten Verteidiger der Residenz und will seiner                               Vergeltungsaktion seine Frau dazu bewegen, wieder zu ihm und seinen Kindern zurückzukommen. Er möchte, dass die Kinder Mutter und Vater haben und nicht als Scheidungskinder aufwachsen, da diese häufig darunter zu leiden haben. Außerdem sollen ihre Eltern den Kindern ein Vorbild sein. Außerdem hat er Angst um sein Ansehen, denn als Anwalt hat er eine etwas höhere Stellung in der Gesellschaft und, wenn seine Frau ihn betrügt, wäre dies schädlich für sein Ansehen. Er ist unfähig mit seiner Frau offen zu sprechen. Mit seinem gesamten Handeln sorgt er letztendlich dafür, dass seine Frau so verstört und verzweifelt ist, dass sie sich das Leben nehmen will.

Erpresserin: Sie wird als eine ungepflegt erscheinende Frau mit massigem Körper und schlechtem Atem beschrieben. Die Schauspielerin hat sicher nicht die Erlaubnis eigenhändig zu handeln, sondern muss das tun, wozu Fritz Wagner sie anweist. Sie ist Frau Irene gegenüber kalt und höhnisch und spielt ihre Rolle als Ex-Geliebte Eduards sehr glaubhaft.

Eduard: Frau Irene und er lernten sich bei einer gelegentlichen Abendunterhaltung

                kennen. Als sich Frau Irene wegen der Erpressung von ihm und der Affäre

  entfernt, ist er anfangs sprachlos und möchte wissen warum. Doch nach

  einigen Tagen hat er schon wieder eine neue Affäre.

 

 

*   Zeit

Präteritum

 

*   Ort

Wien (Österreich)

 

*   Erzählperspektive:

zwischendurch: Ich – Erzählpassagen (auch von diversen Personen)

Rest: allwissende Erzählperspektive

 

*   Erzählebene

erzählt als Rückgriff

 

*   Themen

Belastung durch Erpressung

Probleme der Zivilisation

Selbstmord als Lösung

Auswirkungen einer ungewollten Heirat ohne Liebe

 

*   Absicht des Autors

Er will uns vor allem die schwerwiegenden Probleme der früheren Zivilisation vorführen. Er will uns weiß machen, dass man damals nicht die Möglichkeit hatte, sich selbst einen Heiratspartner auszusuchen. Außerdem will er zu verstehen geben, wie belastbar die menschliche Psyche ist, wie schnell ein Mensch an einer Erpressung zu Grunde gehen kann, und zu welcher Methode manche Menschen greifen um ihr Leid zu beenden!

 

*   Sprache

Wortschatz: Die äußere Handlung dieser Erzählung ist gering, aber voller dramatischer

                    Zuspitzungen; verwendet relativ wenig Wörter aus dem Dialekt; manchmal

                 sehr schwer zu verstehende Fremdwörter;

 

Satzbau: Der Satzbau ist so, dass neben kurzen und langen Hauptsätzen auch

               vereinzelt Direkte Reden die Novelle prägen! Schachtelsätze sowie

               Satzellipsen kommen selten vor!

 

 

*   Persönliche Stellungnahme

Ich finde Stefan Zweig hat in dieser Novelle seine Ängste und die der Menschen genauestens ergründet. Er stellt die Gefühle der Charaktere leicht verständlich dar. Das Gefühl der Ausweglosigkeit ist gerade in der heutigen Zeit eine oft verharmloste Gefahr für die Psyche. Ich glaube, Stefan Zweig hat schon damals die Gefahren der Zivilisation gesehen. Ich finde, wenn man sein Leben verfolgt bemerkt man auch die Angst, die in ihm war. Es sieht aus als wäre er ständig auf der Flucht gewesen. Auch er hat schließlich seinem Leben selbst ein Ende bereitet. Deshalb glaube ich, ist bei seinen Büchern immer von Selbstmord als Lösung die Rede!