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Ich wurde zur Tante gemacht...



Auf das Mutter-Werden hat man ja noch einen gewissen Einfluss, auf das Tante werden absolut keinen.
Zu dieser tiefschürfenden Erkenntnis kam ich vor ca. 18 Jahren.

Ich hatte eine durchgetanzte Nacht hinter mir. Meine Freundin und ich waren erst nach Sonnenaufgang nach Hause gekommen und schliefen jetzt den Schlaf der Gerechten.
Es war sowohl in der Familie als auch im Bekanntenkreis allgemein bekannt, dass ich am Wochenende vor 12 Uhr Mittags nicht ansprechbar war.
Friedvoll vor mich hinschnarchend lag ich also in meinem Bett, als ein Klopfen an meine Türe mich unsanft aus meinen Träumen riss.
"Hmmm??" ein Auge wurde zaghaft geöffnet und ein entnervtes "Was ist denn?" Richtung Türe genuschelt.
"Ich bin’s Anja, deine Schwester."
"Ohh Mann was willst Du denn, es ist erst 11 Uhr....(grummelgrummel)?"
Die Türe geht auf und eine abartig wohlgelaunte und strahlende Schwester betritt mein Schlafzimmer welches damals noch in meinem Elternhaus war.
"Ich geh gleich wieder, ich wollte Dir nur sagen, dass Du Tante wirst..."
"HmmHmm, ist o.k. lass mich schlafen."
Und schon war sie wieder draußen die Gute.
Ich lag im Halbschlaf in meinem Bett und langsam drangen die Worte in mein Hirn: Du wirst Tante.
Langsam begannen die Rädchen zu arbeiten: ‚Tante...Tante....wie wird man noch mal Tante?’ Die Sekunden verstrichen und mein Gehirn kam langsam auf Betriebstemperatur: "Tante wird man wenn ein Bruder (hab ich nicht!) oder eine Schwester ein Kind bekommt. Ich habe eine Schwester!"

"ANJAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!"
Und schon ging die Türe wieder auf und Anja betrat zum zweiten Mal an diesem Morgen mein Schlafzimmer. Ich bin mir bis heute nicht sicher wie lange meine Schwester letztendlich vor der Türe gewartet hatte, aber mir kam es eine Ewigkeit vor hinter das Rätsel zu kommen was Ihre Aussage denn für mich bedeutet.

Ca. 6 Monate später erblickte dann unser Sonnenschein das Licht der Welt. Ein strammes Ding war sie unsere Ina.
Gleich nach der Geburt besuchte ich also das neueste Familienmitglied. Ich hatte ja mit Babys nicht viel Erfahrung, aber da ging es mir nicht anders als meiner Schwester.
Sie war so klein und zerbrechlich und so süüüüüß. Nur leider konnte ich nicht viel mit dem Zwerg anfangen.
Das sollte sich im Laufe der Zeit ändern.

Nun war ich also Tante und mir wurde von meiner Schwester auch sogleich erklärt: "Also es ist mir wichtig, dass mein Kind Familienanschluss hat und weiß dass sie eine Tante hat." Mir schwante fürchterliches.

Die ersten Monate wurde ich noch verschont, jedoch eines Abends klingelte bei mir das Telefon: "Inka, kannst du heute Abend bei Ina Babysitten? Werner und ich müssen auf eine Versammlung und da können wir den Zwerg nicht mitnehmen. Du musst auch nix machen, nur da sein!"
Ochhh das hörte sich ja gar nicht so schwer an und ich hatte an diesem Abend auch nichts vor also sagte ich, blauäugig wie ich war, zu.
19:30 trat ich also meinen ersten Nichtensitter-Dienst an.
"Sie ist gefüttert und grad frisch gewickelt, du brauchst also nichts tun nur da sein und mit ihr spielen in 2 Stunden sind wir wieder da." Schwupp hatte ich Ina auf dem Arm und ich konnte nur noch ein
"Kein Problem, geht ihr nur, ich schaff das schon." Der sich schließenden Wohnungstüre hinterher werfen.
Die ersten 10 Minuten hatten wir echt Spaß! Ina war eines der wenigen Wesen das sich an meinem Gesang erfreute und so sang ich Lied um Lied.
Zumal fing es an zu müffeln was sich schnell zu einem stinken mauserte. Ich hob des Kindes Popo in Nasenhöhe. Die Quelle des Gestanks war gefunden. Na Klasse, ich hatte in meinem Leben noch kein Kind gewickelt, aber ich konnte unmöglich das Nichtlein 2 Stunden im eigenen Saft garen lassen.

Jung und dumm und vor allem ungeübt wie ich war legte ich das Kind, in Ermangelung eines Wickeltisches, aufs Sofa. Sie verzog schon das Gesicht und wollte das übliche "ich-hasse-gewickelt-zu-werden-Geschrei" anstimmen. Nur das nicht, wenn ich etwas nicht ertrag dann sind es schreiende und heulende Kinder.
Mit viel "Kille-Kille" und "Dutti-Dutti-Eidideidi" konnte ich sie vom weinen abhalten. Die Hose war unten und die Windel geöffnet. "Ihhhhhhh das stinkt. Na du kleiner Scheißer, das hat sich ja richtig gelohnt." Nun hatte ich die Windel zwar vom Kind geschält, aber es fehlte eindeutig an einem Tuch oder an einem Waschlappen um die Reste der Verrichtung vom Kind zu kratzen. Ohne Aufsicht konnte ich das Kind nicht lassen, die Rettung war aber eindeutig zwei Räume weiter im Bad. Ich also das Kind geschnappt und es weit von mir haltend ins Bad getrappt . Dort den Popo abgeputzt und zurück ins Wohnzimmer um sofort fest zu stellen, dass ich ja gleich hätte eine Windel mitnehmen können. Also wieder zurück mit Kind auf dem Arm. Ina, die ja sonst Wickeln hasste und diese auch immer Lautstark kund tat hatte bis jetzt keinen Ton von sich gegeben, sondern fand es unheimlich spannend was Tante denn da mit ihr anstellte.
Zurück im Wohnzimmer und das Kind auf der Windel liegend, erinnerte ich mich daran,schon mal gesehen zu haben, dass man vor schließen der Windel den Popo vorher mit irgendwelchen Cremes jedoch zumindest mit Puder konserviert.
Ina fand langsam richtig gefallen an unserem hin und her. Nach ca. 10 Minuten war die Windel nun endlich getauscht, die Nichte roch gut und sauber, im Gegensatz zu ihrer Tante, und der Zwerg hatte nicht eine Träne verschüttet.
Ab da sollte die Tante die einzige Person bleiben die Ina Geschrei-frei wickeln konnte.

Meine Schwester und ich, die bis zur Geburt meiner ersten Nichte ein eher gespanntes Verhältnis hatten, verstanden uns zunehmend besser. Immer öfter ging ich die kleine Familie besuchen bei der sich auch schon bald Nachwuchs Nr. 2 anmeldete.

In den letzten Wochen vor der Geburt von Nichte Nr. 2, Ina konnte zwischenzeitlich schon recht gut reden und war ein aufgewecktes und fröhliches Kind, verbrachte ich sehr viel Zeit bei Anja und ging ihr zur Hand wo es ging. Bei dieser Gelegenheit gingen wir auch gemeinsam einkaufen.
Ina saß freudestrahlend im Einkaufswagen vorne drin und ich schob sie durch den Laden. Mit beiden Händen grapschte sie nach meinen Brüsten und erklärte mir: "Busen"
"Ja Ina, du bist aber ein Gscheitle*" "Nein Tante.." grölte Ina durch den gut besuchten Laden "..Scheidle, daaaaa" und zeigte eindeutig auf das entsprechende Körperteil.
Meine Wangen nahmen eine zartrosa Farbe an und ich tätschelte meinen Nichten-Zwerg auf den Kopf "Ja Ina, du bist ein wirklich schlaues Kind..."
Kurz vor Nr.2s Geburt hatte ich Ferien und half meiner Schwester nun fast täglich im Haushalt. Wir hatten verabredet, dass ich morgens um 9 Uhr bei Ihr sein sollte. Ich stand also morgens um kurz nach 9 mit frischen Brötchen bewaffnet vor der Haustüre und malträtierte die Klingel ohne erkennbare Reaktionen von Seiten meiner Schwester.
Nun bin ich ja kein wirklich geduldiger Mensch und mein Adrenalinspiegel stieg merklich. Wutentbrannt fuhr ich also wieder nachhause. "Diese dumme Kuh, erst bestellt sie mich hierher und dann isse nicht da!!!" Mit keinem Gedanken kam ich auf die Idee, dass es vielleicht daran liegen könnte, dass Nichte Nr. 2 nun doch endlich auf die Welt kommen wollte und ihr, die von Muttern ausgemachten Termine, schlichtweg an der Nabelschnur vorbeigingen.
Kaum war ich zuhause angekommen klingelte auch schon das Telefon: "Hallo ich bins, Anja.." "Wo bist Du? Ich bin ewig vor Deiner Tür gestanden und keiner hat aufgemacht!" "Ich war nicht zuhause." "Dann hättest Du ja keinen Termin mit mir ausmachen müssen, wenn du nachher gar nicht da bist..." "Inka, ich war im Krankenhaus und habe ein Kind bekommen..." "Ähhhh....und wo bist Du jetzt?" Was schlaueres fiel mir nicht ein, denn jetzt war ich sprachlos. "Zuhause, willst du nicht vorbei kommen?" (Da hatte sie mich doch schon wieder zur Tante gemacht! )
Und schon saß ich wieder im Auto und war auf dem Weg zu meiner Schwester und deren Nachwuchs.
Auch dieses Nichtlein mit Namen Carla war ausgesprochen niedlich und von so zarter Statur. Sie hat gar nicht geschrieen sondern war einfach nur entzückend. Auch Ina war ganz begeistert von Ihrem Schwesterchen