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Das Heilige Feuer von Jerusalem

Zu den heiligsten Stätten für die Christen gehören Golgota, wo Jesus gekreuzigt wurde, und das nur wenige Meter davon entfernte Grab Jesu im Garten des Ratsherrn Josef von Arimathäa, wo der Herr am Ostermorgen von den Toten auferstanden ist. Mitte des 4. Jahrhunderts wurde direkt über dem Felsengrab Jesu die Grabeskirche mit einer kleinen Kapelle von Kaiser Konstantin errichtet.

In dieser Kapelle, wo kaum vier Personen Platz finden, direkt am Heiligen Grab, wiederholt sich alljährlich am Karsamstag zur selben Zeit das sogenannte "Wunder des hl. Feuers". Seit dem Jahre 1246 wird dies alleine von den Orthodoxen in der Grabeskirche gefeiert, sodaß es in der westlichen Welt kaum bekannt ist.

Von 11.00 bis 13.00 Uhr singen arabische Christen überlieferte christliche Gesänge am Grab, bis sich um 13.00 Uhr eine kleine Gesandtschaft der örtlichen israelischen Behörde, einen Weg durch die Menge bahnt um das Hl.Grab zu kontrollieren, daß sich dort keine Feuer- oder Lichtquelle befindet, durch die ein Scheinwunder hervorgerufen werden könnte - und es dann versiegelt - wie dies die Römer auf Wunsch der Juden der Kreuzigung Jesu taten, um sicherzugehen, daß niemand den Leichnam stehlen konnte. Nach diesem Vorgang singt das Volk das "Kyrie Eleison". Um 13.45 Uhr zieht der orthodoxe Patriarch, gefolgt von einer Prozession in die Kirche ein. Dreimal umschreitet er die Grabeskapelle, bleibt dann vor deren niedrigem Eingang stehen.
Mit zwei nicht brennenden Kerzen betritt der Patriarch ganz alleine die Grabeskapelle.
Seine Seligkeit Doiddorus I., seit 1938 Zeuge des alljährlichen Wunders und seit 1981 griechisch-orthodoxer Patriarch von Jerusalem, berichtet:

Im Dunkeln knie ich mich in heiliger Ehrfurcht vor der Stelle nieder, an der unser Herr nach seinem Tod gelegen hatte. An diesem Ort zu beten, ist für mich immer ein sehr heiliger Augenblick! Katholiken und Protestanten nennen diese Kirche die "Grabeskirche". Bei uns Orthodoxen heißt sie jedoch "Auferstehungskirche". Am Karsamstag spreche ich feierliche Gebete, die uns durch viele Jahrhunderte hindurch überliefert wurden. Meist ereignet sich das Wunder unmittelbar nachdem ich diese beendet habe, manchmal warte ich auch einige Minuten; Vom Kernstück des Steines selbst, auf dem Jesus gelegen hat, bricht plötzlich ein undefinierbares Licht hervor, das für gewöhnlich eine bläuliche Färbung hat. Manchmal ändert es sich aber auch und nimmt verschiedene Farbschattierungen an. Mit menschlichen Worten kann es nicht beschrieben werden. Das Licht scheint aus dem Stein hervor so wie Nebel aus einem See. Es sieht beinahe so aus, als wäre der Stein von einer feuchten Wolke bedeckt, aber es ist Licht. Jedes Jahr verhält es sich etwas anders; manchmal bedeckt es nur den Stein, während es andere Male das ganze Grab mit Licht erhellt. Das Licht brennt nicht. In all den vielen Jahren, in denen ich in Jerusalem Patriarch bin und das hl. Feuer empfangen habe, versengte ich mir dabei niemals den Bart. Das Licht ist von anderer Art als gewöhnliches Feuer, das in den Öllampen brennt. Zu einem gewissen Zeitpunkt steigt das Licht dann auf und formt eine Säule, in der das Feuer eine andere Natur annimmt, so daß es mir möglich ist, daran meine Kerze zu entzünden. Nachdem ich so die Flamme auf meiner Kerze empfangen habe, gehe ich hinaus und gebe das Feuer zuerst an den armenischen Patriarchen und dann an den koptischen Patriarchen weiter. Danach reiche ich das Licht an alle in der Kirche weiter... Das Wunder berührt mich jedes Jahr von neuem sehr tief. Jedesmal ist es für mich ein Schritt weiter hin zur Bekehrung... Wir erfahren in der orthodoxen Kirche viele Wunder, z.B. weinende Ikonen, wenn der Himmel uns seine Nähe zeigen will; ebenso haben wir Heilige, denen Gott viele geistige Charismen schenkt. Aber keines dieser Wunder hat eine so durchdringende und symbolische Bedeutung für uns, wie das Wunder vom hl. Feuer. Es vergegenwärtigt uns die Auferstehung Christi in unvergleichlicher Weise.


"...seid brennend im Geiste"
Die Liebe sei ungeheuchelt. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten.
In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend;
im Fleiß nicht säumig, brennend im Geist; dem Herrn dienend. Römer 12,11
Apostelgeschichte 4.31




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