Was
ist Amateurfunk eigentlich ?
von Klaus
Dieter Koch, DF6DR



1. Vorwort
Es stimmt
schon, das Wort klingt etwas geheimnisvoll. Viele von Ihnen haben es schon
gehört oder von Funkamateuren, Radioamateuren oder ähnlichen Leuten gelesen,
die irgend etwas Besonderes vollbracht haben. Wer aber - außer denen, die sich
damit beschäftigen oder vielleicht beruflich damit zu tun haben - weiß wirklich
Bescheid?
Sicher,
mancher hat so seine eigene Meinung darüber. Der eine stellt sich unter einem
Funkamateur eine zwielichtige Gestalt vor, die nächtlicherweise
Staatsgeheimnisse an fremde Agentenzentralen funkt, der andere hält ihn für
einen harmlosen Mann, der aus Spaß am Hobby einen kleinen selbstgebauten
Rundfunksender betreibt und damit seine Freunde in der Umgebung mit Hit - Musik
erfreut, der Dritte denkt sich, daß es wohl wie im Sport sei; hier gibt es ja
auch neben den wenigen professionellen Aktiven auch die große Menge der Amateure.
Warum soll es also neben den beruflichen Funkern nicht auch die Funkamateure
geben?
Aber alles das
ist keine Erklärung dafür, was diese Leute wirklich sind.
Muß man sich
vor ihnen in acht nehmen oder sollte man sie unterstützen? Und das Wesentliche:
Was tun sie eigentlich?
Auch wenn Sie
sich nicht für die drahtlose Nachrichtenübertragung interessieren, ja selbst
dann, wenn Ihnen technische Dinge ein Buch mit sieben Siegeln ist, werden Sie
Gewinn von diesem Artikel haben. Sie werden dann Bescheid wissen und mitreden
können, wenn vom Amateurfunkdienst und von den Funkamateuren die Rede ist!
Und Angst vor
dem Fachchinesisch der Funkamateure oder gar mathematischen Formeln brauchen
Sie nicht zu haben; die Dinge werden beim richtigen Namen genannt, und alles
wird leicht verständlich geschildert.
2. Wie es anfing...
Kein Mensch
wundert sich heute mehr darüber, daß wir nur den Knopf zu drücken brauchen, um
aus dem Lautsprecher Musik oder Nachrichten zu hören, die in vielen hundert
Kilometer Entfernung gespielt wird. Nur wenige können sich an die Zeit
erinnern, als es noch keine Radios oder gar Fernseher gab und eine Nachricht
telegraphisch oder durch das Telefon übermittelt werden mußte oder durch einen
Brief oder eine Postkarte oder - noch früher - sogar mittels Postkutsche oder
durch einen reitenden Boten.
Es ist
sicherlich gut, manchmal daran zu denken, mit welchen einfachen Mitteln unsere
Vorfahren einst arbeiten mußten, und wie sie sich dennoch die Kräfte der Natur
untertan machten und durch überragende Erfindungen allmählich den Weg zum
heutigen "Stand der Technik" bereiteten.
Viele von
Ihnen werden sagen, das sei doch schon sehr lange her und interessiere
niemanden mehr. Aber gemach, erst im Jahre 1888 gelang es dem deutschen
Physiker Heinrich Hertz zum ersten Male, elektronische Schwingungen zu erzeugen
und in einiger Entfernung wieder zu empfangen. 1897 begann mit Marconi die
Geschichte der "Telegraphie ohne Draht", an deren Entwicklung die
deutschen Professoren Braun und Slaby sowie Graf Arco maßgeblich beteiligt
waren. Es ist also durchaus möglich, daß manche der älteren unter uns sich an
diese Zeit noch erinnern können.
Das ist in
wenigen Zeilen die Urgeschichte der professionellen ( oder, wie man heute sagt,
"kommerziellen" ) drahtlosen Nachrichtenübertragung, die dann immer
schneller weiterentwickelt wurde und uns heute, insbesondere durch die
sogenannte "Unterhaltungsindustrie" ( Rundfunk und Fernsehen ) so
selbstverständlich erscheint, als wäre sie schon immer dagewesen.
3. Die menschliche Wissbegierde
Nun ist aber
der Wissensdurst ( oder wie man auch sagen könnte, "die Neugierde" )
eine der elementarsten Eigenschaften des Menschen. Und immer, wenn etwas Neues
bekannt wird, reizt es, dieses "Neue" näher kennen zu lernen und vielleicht
sogar praktisch auszuprobieren. Es ist auch der Spieltrieb des Menschen daran
beteiligt; denken Sie bitte an die vielen Väter, deren liebstes Spielzeug die
elektrische Eisenbahn ihrer Kinder ist.
Es ist klar,
daß das Wunder des Funks, also der drahtlosen Nachrichtenübermittlung, viele so
faszinierte, daß sie versuchten, selbst einen kleinen Sender und einen
Empfänger zu bauen. Wenn es gelänge, könnten sie sich dann nach der Arbeit des
Tages vom stillen Kämmerlein aus mit einem Freunde in der Nachbarschaft
unterhalten - zunächst mit Hilfe der Morsetaste, viel später vielleicht sogar
mittels eines Mikrofones. Ohne Verbindungsleitung, zu jeder Tages- und
Nachtzeit und bei jedem Wetter.
Und es gelang
tatsächlich. Wenn man heute auf alten Bildern sieht, mit welchen Mitteln diese
Geräte gebaut waren, dann kann man die größte Hochachtung vor den Erbauern
nicht verhehlen. Es gab ja noch keine Bauteile zu kaufen und den
Elektronikladen an der Ecke gab es ja auch noch nicht. Alles mußte mit den
eigenen Händen selbst hergestellt werden, aus den Mitteln, die gerade verfügbar
waren. Außer den Röhren natürlich; aber die waren sündhaft teuer und für eine
Privatperson kaum zu bekommen.
Schon direkt
nach dem Bekanntwerden der drahtlosen Telegraphie fanden sich in Amerika kleine
Gruppen von Elektrotechnikern und technisch interessierten Laien zusammen, die
es sich nicht nehmen ließen, auf diesem Wege einen kleinen privaten Funkverkehr
zu organisieren. Bald folgten Gruppen in Frankreich und England. Sehr viel
später, erst nach dem Ende des ersten Weltkrieges, wagten es einige ganz mutige
Leute auch in Deutschland. Diese Personen waren wenn man so will die ersten
" Funkamateure "; sie betrieben das Hobby Amateurfunk nicht eines
Gewinnes wegen, sondern aus reiner Liebhaberei.
4. Es können nicht zwei auf einem Stuhl sitzen
In jenen
ersten Tagen des Funkverkehrs arbeitete nun jeder auf einer Frequenz, die ihm
gerade paßte oder die ihm für sein Vorhaben gerade geeignet erschien. Und schon
gab es Probleme. Denn es passierte, daß ein Funkamateur eine Frequenz benutzte,
auf der eine kommerzielle oder staatliche Station zu arbeiten pflegte; es
können aber nicht zwei auf einem Stuhl sitzen ohne sich gegenseitig zu stören.
Diese erste
Schwierigkeit wurde allerdings sehr bald beseitigt. Man einigte sich mit der
zuständigen Telegraphenverwaltung - zuerst wieder in Amerika - , auf welchen
Frequenzen die Funkamateure senden durften und auf welchen nicht. Die
Überlegung, die die Verwaltungen dabei anstellten, war sehr einfach: Weil die
kommerziellen Stationen auf sehr langen Wellen arbeiteten - und das war durch
die damals angewandte Technik bedingt - überließ man kurzerhand den
Funkamateuren die Frequenzen über 1500 kHz, das waren die Funkwellen unter 200
Meter Länge. Sie waren ja sowieso zu nichts nutze.
5. Versuche mit sogenannten
ungeeigneten Wellen
So ging das
einige Jahre recht gut. Aber Sie wissen sicher, was ein Mensch so alles für
sein Hobby tut. Die Funkamateure sagten sich: Was auf den langen Wellen geht,
muß doch auch auf den kurzen Wellen gehen. Vielleicht muß man andere Methoden
anwenden, und vielleicht sind die Ergebnisse anders; aber probieren kann nicht
schaden. Und sie probierten, und es ging tatsächlich, vor allem als die ersten
Elektronenröhren mehr und mehr verbessert den Weg in die Funkbuden der
Funkamateure fanden. Die durch die Funkamateure mit ihren wirklich sehr
bescheidenen Mitteln und geringen Leistungen ( meist weniger als 100 Watt )
überbrückten Entfernungen nahmen ständig zu, und schon träumten einige unentwegte
Optimisten davon, auch das große Wasser zwischen der alten und der neuen Welt,
den Atlantischen Ozean, zu überbrücken ( wohlgemerkt, auf den Frequenzen über
1500 kHz, die "zu nichts nutze" waren ). Die kommerziellen
Großstationen taten es ja schon auf den langen Wellen, wenn auch mit sehr
großen Mitteln und einem ungeheueren Aufwand an elektrischer Energie.Im Jahre
1921 begannen einige amerikanische und europäische Funkamateure mit
gewissenhaften und gut vorbereiteten Versuchen, und es wurden tatsächlich
Rufzeichen von Amerikanern in England gehört; aber ein zweiseitiger Verkehr
gelang noch nicht. Immerhin hatte man bei diesen Versuchen den Eindruck
gewonnen, daß die Frequenzen über 1500 kHz gar nicht so unbrauchbar waren, wie
die Behörden das annahmen; ja sie schienen für den Fernverkehr sogar um so
besser geeignet zu sein, je höher die Frequenzen waren.
Und da geschah
es: Am 27. November 1923 wurde die erste zweiseitige Funkverbindung auf kurzen
Wellen zwischen zwei amerikanischen und einem französischen Funkamateur
hergestellt, und zwar unter Berücksichtigung der bis dahin gewonnenen
Erfahrungen auf einer Wellenlänge von etwa 110 Meter, das sind etwa 2700 kHz.
Das war, was die Funkamateure damals noch nicht wußten, die Geburtsstunde der
Kurzwellentechnik. Denn es stellte sich bald heraus, daß man auf den kurzen
Wellen mit einem Bruchteil der Energie auskam, die die kommerziellen
Großstationen auf den langen Wellen brauchten.
Und die
Funkamateure waren es, die diese Eigenschaft der Kurzwellen entdeckt hatten!
6. Das große Rennen beginnt
Man kann sich
mit einiger Phantasie vorstellen, was passierte: Die "amtlichen" und
"kommerziellen" Funkstellen prüften die Entdeckung der Funkamateure
nach, gaben ihre Riesenstationen auf, siedelten sich auch auf den kurzen Wellen
an und ersparten sich auf diese Weise Millionenbeträge. Und wieder gab es
Krach: Wenn zwei Stationen auf der gleichen Frequenz loslegten, dann waren eben
beide nicht mehr zu verstehen. Es mußte unbedingt etwas getan werden, wenn man ein
Chaos vermeiden wollte.
Die
Interessierten der Erde traten deshalb im Jahre 1927 zu einer Konferenz
zusammen, besprachen die Sachlage und verteilten die Kurzen Wellen (das sind
die Wellen von 100 Meter bis etwa 10 Meter herab) unter den staatlichen und kommerziellen
Funkstellen und überließen den Funkamateuren mehrere schmale Bereiche in der
Nähe von 160, 80, 40, 20 und 10 Meter Wellenlänge. Das Ergebnis dieser
Konferenz wurde in einem schriftlichen internationalen Vertrag
niedergeschrieben, der als Internationaler Fernmeldevertrag noch heute
Gültigkeit hat. Der Amateurfunkdienst war amtlich anerkannt und als
gleichberechtigter Funkdienst festgeschrieben.
7. Ein Einzelner erreicht wenig
Selbstverständlich
war es bei solchen Verhandlungen notwendig, daß die Funkamateure als
geschlossene Gruppe auftraten und Ihre Interessen verteidigten. In weiser
Voraussicht hatten sich die amerikanischen kleinen Gruppen schon im Jahre 1915
zur ARRL (American Radio Relay League) zusammengeschlossen, die bei den ersten
Verhandlungen nicht nur die Interessen der Funkamateure Amerikas, sondern auch
aller anderen Länder vertraten. Und als es nun möglich war, nicht nur mit den
Nachbarländern in telegraphische Verbindung zu treten, sondern sogar die
Weltmeere - und kurze Zeit später sogar die größtmögliche Entfernung auf der
Erde, zu unseren Antipoden - zu überbrücken, schlossen sich die schon
bestehenden nationalen Verbände im Jahre 1925 zur IARU (Internationale Amateur
Radio Union) zusammen, der internationalen Vereinigung aller Funkamateure der
Welt.
8. Bei uns in Deutschland
In Deutschland
ging leider die Entwicklung nicht so glatt ab wie in Amerika. Die alten, nach
dem ersten Weltkrieg noch gültigen Gesetze und Vorschriften sorgten schon
dafür, daß Schwierigkeiten entstanden. Denn nach ihnen blieb allein dem Staat
das Recht vorbehalten, Nachrichten zu befördern (Nachrichtenmonopol). Dies ist
im Prinzip auch heute noch so; aber der Staat hat sich der Entwicklung angepaßt
und erteilt Lizenzen. So muß z.B. jeder Rundfunksender oder Fernsehsender eine
staatliche Genehmigung haben, ehe er senden darf, ebenso jeder Polizei- oder
Feuerwehrsender. Erst recht natürlich jeder Funkamateur! Wer ohne Lizenz (=
Genehmigung) sendet, ist ein Schwarzsender und kann als solcher nach dem Gesetz
streng bestraft werden. Darauf soll hier besonders hingewiesen werden.
Elektrische Wellen kennen keine Grenzen, und man kann es dem Staat nicht
verübeln, wenn er sich davor schützt, daß diese Eigenschaft der Funkwellen
nicht für dunkle Zwecke und gegen den Staat mißbraucht wird.
9. Der Kampf ums Hobby
Aber damals,
nach dem ersten großen Krieg, gab es noch keinen Rundfunk und kein Fernsehen,
und die drahtlose Telegraphie war nur wenigen Fachleuten bekannt. Was sollte
also ein kleiner Telegraphenbeamter denken, als ein unbekümmerter Schüler in
Berlin-Charlottenburg im Jahre 1919 die Genehmigung für eine Privatfunkanlage
beantragte? Die Antwort auf diesen Antrag war dementsprechend und ist als
denkwürdiges Dokument erhalten geblieben.
Wie sich die
deutschen Funkamateure nun mit zäher Geduld langsam die Möglichkeit
verschafften, am internationalen Amateurfunkverkehr teilzunehmen, und wie sie
schließlich von den Machthabern des Dritten Reiches drangsaliert wurden, das
ist eine besondere Geschichte. Tatsache ist jedenfalls, daß sie ihr Schild
unbefleckt halten konnten, indem sie reinen Amateurfunkverkehr machten und sich
nie für politische Zwecke mißbrauchen ließen.
Auch nach dem
zweiten Weltkrieg war es den deutschen Funkamateuren schwer gemacht, wieder von
vorn anzufangen, während die anderen Länder dort weitermachen konnten, wo sie
zu Kriegsbeginn aufgehört hatten. Einmal hinderte die Aufteilung des Landes in
Zonen und das verständliche Mißtrauen unserer ehemaligen Gegner, zum anderen
schließlich der Zerfall des Reiches in zwei Staaten. Daß dennoch zunächst
Verbände in den einzelnen Zonen gegründet werden konnten, die sich nach der
Vereinigung der westlichen Zonen zum heutigen DARC (Deutscher
Amateur-Radio-Club e.V.) zusammenschließen konnten, ist nicht nur der
Standhaftigkeit der glücklich aus dem Krieg und der Gefangenschaft
heimgekehrten "alten Hasen" zu danken, sondern auch der energischen
Hilfe manches alten Funkfreundes aus dem Ausland, der in Deutschland als Soldat
oder Beamter der Besatzungsmächte Dienst tun mußte.
10. Funkamateure juristisch
gesehen
Schon nach
dieser knappen geschichtlichen Rückblende kann man erkennen, daß die
Funkamateure beileibe keine schlechten Menschen sind und erst recht keine
Verbrecher oder Spione, auch wenn in der ersten Zeit konservative Beamte der
zuständigen Ämter sie dafür gehalten haben mochten. Im Gegenteil: Es handelt
sich um Idealisten, die ihre letzte Mark hergeben, um mit der rasanten Entwicklung
der Technik schritt zu halten.
Und worüber
unterhalten sie sich? Das Gesetz über den Amateurfunk definiert einen
Funkamateur wie folgt: ".... Funkamateur ist, wer sich lediglich aus
persönlicher Neigung und nicht in Verfolgung anderer, z.B. wirtschaftlicher
oder politischer Zwecke mit Funktechnik und Funkbetrieb befaßt."
Weiterhin ist
bestimmt, daß die gesendeten Texte sich auf technische Mitteilungen über die
Versuche selbst sowie auf Bemerkungen persönlicher Art zu beschränken haben.
Wer einmal bei
einem Funkamateur zu Besuch war, oder mit einem geeigneten Empfänger dem
Amateurfunk zugehört hat, der weiß, daß man sich über eine neue Antennenart
stundenlang unterhalten kann, oder daß sich andere Stationen wochen-, ja
monatelang, täglich zu vereinbarten Zeiten treffen, um die wechselnden
Ausbreitungsbedingungen auf einer bestimmten Strecke zu studieren. Die
persönlichen Bemerkungen treten aber auch nicht völlig in den Hintergrund. Sind
sie es doch, die das Spiel so reizvoll machen.
Mann trifft
sich wieder, lernt die Lebensumstände des Gesprächspartners kennen, erzählt von
der eigenen Familie und von der Stadt oder dem Dorf, in dem man lebt. Und wenn
das dann über große Entfernungen geschieht und der Funkfreund am anderen Ende
der Welt um einen Moment Pause bittet, weil er den Ofen schüren muß, da es nach
Sonnenuntergang gleich sehr kalt werden wird, während wir gerade aus dem Bett
geklettert sind - mitten im Hochsommer - und überlegen, ob wir ins Freibad
schwimmen gehen sollen, dann spürt man das Flair der großen weiten Welt.
Außerdem trägt
der Funkamateur täglich, und das im wahrsten Sinne des Wortes, zur
Völkerverständigung und damit zum Frieden auf der Erde bei!
11. Weltweite Freundschaften
Meiner Ansicht
nach ist dieses Kennenlernen von fremden Völkern und anderen Lebensumständen,
Sitten und Gebräuchen das Schönste von dem, was der Amateurfunkdienst uns
schenkt. Wenn sich alle Völker auf diese Weise besser kennen und verstehen
lernen, wenn sie gegenseitig Anteil nehmen an ihren Freuden und Ärgernissen und
Freunde werden, dann ist für den Frieden auf der Welt mehr getan als durch noch
so hochtrabende Reden, noch so geistreiche Reden, noch so pompöse
Staatsbesuche, noch so "wichtige" Konferenzen.
Das
interessante dabei ist, daß sich die Elektromagnetischen Wellen den Teufel um
Grenzen scheren, die Menschen aus irgendwelchen Gründen errichtet haben. Sie
folgen den ewigen Naturgesetzen und gehen ohne Paß- und Zollkontrolle darüber
hinweg. So ist es dem Funkamateur ohne weiteres möglich, mit jedem anderen der
Erde in Verbindung zu treten, ganz gleich, ob ein persönlicher Besuch nur mit
allergrößten Schwierigkeiten verbunden oder gar nicht möglich wäre. Hört man
interessiert in die Amateurfunkbänder (das sind schmale Stücke im gesamten
Kurzwellen- und Ultrakurzwellenbereich, die den Funkamateuren zugestanden
worden sind) hinein, dann kann man Unterhaltungen zwischen Funkamateuren aus
der Sowjetunion und Amerika, Schweden und Jugoslawien, Deutschland und China
hören. Und alle sprechen freundschaftlich miteinander und entpuppen sich bei
längerer Bekanntschaft als prächtige Menschen und teilweise ausgezeichnete
Techniker und Fachleute. Wäre nicht allein das schon alle Mühen wert, die der
Funkamateur auf sich nimmt?
Hier zeigt
sich übrigens, daß unser Hobby Auswirkungen hat, die man bei den anderen
Liebhabereien nicht findet. Wenn ein stolzer Vater mit der elektrischen
Eisenbahn seines Sohnes spielt, dann kann er wohl sagen: "Dieser Zug fährt
von Dortmund nach Basel"; aber wenn die Fahrt zu Ende ist, dann ist die
ganze Eisenbahn mitsamt den Bahnhöfen noch immer im gleichen Zimmer.
Ruft dagegen
ein Funkamateur eine Station mit einem australischen Rufzeichen, dann wird er
wirklich in Australien gehört und kann sich mit seinem Freunde in fast 20 000
Kilometer Entfernung unterhalten!
Ist es da
zuviel gesagt, wenn man vom "Wunder des Funks" spricht?
12. Katastrophenhilfe
Es sei hier an
dieser Stelle auf etwas anderes hingewiesen, und das ist wohl das, was der
Allgemeinheit aus gelegentlichen Zeitungsberichten am besten bekannt ist: Die
Hilfe in Notfällen, die Funkamateure gelegentlich leisten. Oft handelte es sich
in der Vergangenheit um ein seltenes Medikament, das irgendwo auf der Erde
dringend benötigt wurde. Man bewundert die Selbstlosigkeit der Funkamateure,
die bei der Beschaffung solcher Medikamente oft erhebliche Mittel aufwendeten,
fragt aber gleichzeitig: "Warum gehen die Leute nicht einfach in die
nächste Apotheke oder zur nächsten Polizeidienststelle?" Richtig! Aber
leider passieren solche Fälle immer in Gegenden, wo weder Apotheke noch Polizei
zu erreichen sind. Und wenn, dann kann man von einer Apotheke im Regenwald von
Brasilien nicht verlangen, daß sie jedes Spezialmittel der modernen Medizin aus
Mitteleuropa vorrätig hat.
Und die
Polizei irgendwo im Urwald wird bestimmt das Ganze nicht verstehen.
Medikamente
allein sind es aber nicht, die den Wert einer dicht über alle Gebiete der Erde
verbreiteten großen Zahl von gewandten Funkern erwiesen haben, die sich auch
mit manchmal nicht üblichen Mitteln zu helfen wissen. Ebenso wichtig, ja noch
umfassender ist die Hilfe, die Funkamateure in Katastrophenfällen leisten. Die
amerikanischen Funkamateure berichten in ihrem Handbuch, daß seit 1913, also
seit Beginn des Amateurfunks, in einigen hundert Fällen der Amateurfunk das
einzige Mittel zu einer Verbindung mit Gebieten gewesen ist, in denen Stürme,
Sturmfluten, Erdbeben oder andere Naturkatastrophen alle anderen öffentlichen
Nachrichtenmittel vernichtet hatten.
Wie vielen
Menschen durch diesen selbstlosen Einsatz der Funkamateure das Leben oder die
Gesundheit gerettet oder wenigstens Nachricht über das Schicksal von
Angehörigen verschafft worden ist, wird nie bekannt werden. Wenn auch die
deutschen Funkamateure wegen der Verständnislosigkeit der damaligen Behörden
mit sehr großer Verspätung zum Zuge kamen und mitarbeiten durften, so konnten
sie - abgesehen von Einzelfällen - doch schon spürbar Hilfe leisten. Ich
erinnere nur an die großen Überschwemmungen in Holland, in der Po-Ebene und
nicht zuletzt in Hamburg, außerdem an die schlimmen Erdbebenkatastrophen in
Mexico und Armenien wo deutsche THW - Helfer als Funkamateure im Einsatz waren.
13. Funkamateure als Helfer der
Wissenschaft
Von der
Öffentlichkeit unbemerkt haben gerade die deutschen Funkamateure etwa seit 1957
den wissenschaftlichen Instituten zur Erforschung der Physik der hohen
Atmosphäre aufsehenerregende Hilfsdienste geleistet. Erinnern möchte ich an das
Internationale Geophysikalische Jahr (IGY), das im Jahre 1957 begann!
Ein bekannter
deutscher Forscher, der selbst Funkamateur ist, überlegte folgendes: Wenn man
ein klares Bild von den Vorgängen in der Atmosphäre gewinnen will, ist es
notwendig, eine riesige Zahl von Beobachtungsstationen möglichst gleichmäßig
über den Erdball zu verteilen. (Sehen Sie sich ein Zeitungsbild mit der Lupe
an, das ja aus sehr vielen kleinen - mehr oder weniger dicken - Punkten
zusammengesetzt ist! Sie werden erkennen, daß ein solches Bild immer schärfer
wird, aus je mehr Punkten es gebildet wird und je dichter diese Punkte
zusammenstehen). Es wird Ihnen aber auch einleuchten, daß kein Institut auf der
Erde das Geld, die Geräte und die ausgebildeten Beobachter hat, um ein solches
Projekt durchzuführen.
Da dachte der
erwähnte Wissenschaftler an die Funkamateure - er kannte ja ihren Idealismus.
Und Funkamateure gibt es überall auf der Erde, wenn sie auch nicht gerade so
gleichmäßig verteilt sind, wie es wünschenswert wäre. Er verfasste einen Aufruf
zur Mitarbeit, stellte verschiedene Aufgaben, von denen sich jeder die
Aussuchen konnte, die mit seinen beruflichen Pflichten zeitlich in Einklang zu
bringen waren. Und es meldeten sich eine ganze Anzahl, die dann länger als ein
Jahr täglich zu einer bestimmten Stunde eine bestimmte Messung durchführten.
Daß dazu teilweise spezielle Meßgeräte gebaut werden und sekundengenau
gearbeitet werden mußte, sei nur am Rande erwähnt. Andere Funkamateure, die
nicht regelmäßig Zeit hatten, beobachteten - wenn es gerade möglich war - ein
bestimmtes Band und verfolgten mit der Uhr in der Hand jede Veränderung in den
Ausbreitungsverhältnissen bestimmter Stationen. Sie wissen wahrscheinlich, daß
die kurzen Wellen deswegen eine so große Reichweite haben, weil sie von den
oberen Schichten der Atmosphäre (der Ionosphäre) reflektiert werden wie ein
Lichtstrahl von einen Spiegel.
Aber wissen
Sie auch, daß sogar Nordlichterscheinungen und, ja man kann es kaum glauben,
Sternschnuppenschauer, wie sie zu bestimmten Zeiten auftreten und von uns
gesehen werden können, als Spiegel für die Kurzwellen wirken? Über all diese
Tatsachen hat die Wissenschaft während des Internationalen Geophysikalischen
Jahres erstaunlich Dinge feststellen können, wozu die Funkamateure
außerordentlich viele Einzel- und auch Reihenbeobachtungen beigesteuert haben.
Die Wissenschaft hat das anerkannt und besonders fleißigen Beobachtern
wertvolle Diplome verliehen.
Übringens gingen diese Beobachtungsergebnisse an alle interessierten Staaten im
gegenseitigen Austausch ohne Rücksicht auf ihren politischen Standpunkt, und in
mancher wissenschaftlicher Abhandlung ist betont, welchen Beitrag die
Funkamateure geleistet haben. Daß diese Beobachtungen weiter fortgesetzt
werden, dürfte nach diesen Anfangserfolgen einleuchtend sein.
14. Das Ohr am Herzschlag der
Zeitgeschichte
Da wir gerade
von Beobachtungen sprechen:
Eine ganz
unerwartete Situation ergab sich nach dem überraschenden Start des sowjetischen
künstlichen Erdsatelliten Sputnik 1. Kaum waren die ersten Nachrichten davon
bekannt geworden, in denen sogar die Frequenzen der Satellitensender mitgeteilt
wurden, stürzten die immer aufgeschlossenen Funkamateure an ihre Geräte und
versuchten - oft durch kleine Umbauten der Empfänger - die Zeichen aus dem
Weltall zu empfangen.
Knisternde Spannung
herrschte in den Funkbuden, und wenn dann wirklich das Piepsen des Satelliten
zu hören war, dann fühlte jeder, daß er das Ohr am Pulsschlag des aufregendsten
Geschehens unserer Zeit hatte.
Inzwischen ist
jeder neue Satellit schon zur Alltäglichkeit geworden. Aber gerade deswegen hat
sich bei den Funkamateuren eine Beobachtungs- und Meßtechnik eingeführt (so
z.B. die Doppler-Messung), die zwar von den wissenschaftlichen Instituten zur
genauen Bahnbestimmung eines Himmelskörpers schon seit einiger Zeit angewendet
wird, die aber zur Kompensation von Ungenauigkeiten ebenfalls möglichst vieler
Meßstellen bedarf. Für solche Messungen sind allerdings schon erhebliche
Kenntnisse und aufwendige Geräte notwendig.
15. OSCAR und andere
Amateurfunksatelliten
Die
Amateurfunkverbände der Welt bauen heute sogar schon eigene Satelliten, die
ihren Belangen speziell dienen und die durch das Entgegenkommen der
amerikanischen (NASA) sowie der sowjetischen Raumfahrtbehörde von einer
"offiziellen" Rakete huckepack mitgenommen und im freien Raum
abgestoßen werden. Es handelt sich um die OSCAR-Satelliten (Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio) und um die Radiosputniks (RS).
Damit werden
aber nicht nur Messungen ausgeführt, sondern kleine Empfänger und ein ebenso
kleiner Sender werden in eine Umlaufbahn gebracht, die so miteinander verbunden
sind, daß der Sender ausstrahlt, was der Empfänger (auf einer anderen Frequenz
) empfängt. Das diese Frequenzen sinnvoll in den Amateurfunkbändern liegen, ist
selbstverständlich. Sie arbeiten auf den UKW - Bändern von 2 Meter und 70 sowie
23 Zentimeter Wellenlänge. Wenn also ein Funkamateur seine UKW - Richtantenne
auf den OSCAR richtet und in einem genau festgelegten Frequenzbereich einen
Anruf startet, kann er auf einem anderen Bereich Antwort bekommen.
Auf diese
Weise ist es möglich, mit Ultrakurzwellen, deren Bodenreichweite ja begrenzt
ist, Überseeverkehr zu machen. Das ist in sehr stark verkleinertem Maßstab das
gleiche, was die Nachrichtensatelliten tun, die uns Telefongespräche und
Fernsehsendungen von jeden Punkt der Erde in unsere gute Stube bringen.
16. Funkamateure gehen in die
Luft
Aber Raketen
sind sehr teuer, und es ergibt sich nicht sehr oft die Gelegenheit, von der
NASA oder von anderen staatlichen oder privaten Stellen die Mitnahme eines
Amateurfunk - Satelliten zu erwirken; das ist aber verständlich.
Deshalb sind
einige Funkamateure auf den Gedanken gekommen, kleine UKW - Umsetzer (die
ebenso wie die Satelliten oder die bekannten Fernsehumsetzer auf einer Frequenz
abstrahlen, was sie auf einer anderen Frequenz aufnehmen) Freiballonen
mitzugeben und mit deren Hilfe UKW - Amateurfunkverkehr über recht große
Entfernungen durchzuführen. Dabei ergab sich übrigens eine neue Tatsache, nämlich
daß die Ultrakurzwellen in verhältnismäßig geringer Höhe über dem Erdboden beim
Durchdringen einer bestimmten Schicht für mehrere Sekunden völlig verschluckt
werden (der sogenannten Tropopausen - Effekt).
Es ist
selbstverständlich, daß die Wissenschaftler in der Welt an dieser Erscheinung
sehr interessiert waren und ihre Ursache zu ergründen versuchten. Und wieder
waren es die Funkamateure, die Hilfestellung leisteten und Beobachtungen
anstellten.
17. Ist dies alles?
Wer wie Sie,
lieber Leser, diesen Ausführungen bis hierher gefolgt ist, wird inzwischen
erkannt haben, um was es sich bei dem Amateurfunkdienst handelt, und wird
sicher seine bisherige Ansicht über die Funkamateure richtigstellen. Aber unser
Hobby bietet noch viel mehr.
Es gibt
soviele Betätigungsfelder und Betätigungsmöglichkeiten, daß es unmöglich
erscheint im Rahmen dieser Ausführungen alle aufzuzählen und einigermaßen
ausführlich zu erläutern. Und jeder Funkamateur hat die Möglichkeit, sich auf
jedem Gebiet zu betätigen, das ihm persönlich Spaß macht und wofür er sich am
meisten interessiert. Es sollen hier wenigstens die bekanntesten davon genannt
werden, die in der Öffentlichkeit am meisten in Erscheinung treten und von
denen man gelegentlich auch in der Zeitung lesen, im Radio hören oder im
Fernsehen sehen kann.
18. Die Nur-Hörer
Da gibt es
zunächst eine Gruppe von Radioamateuren, die aus irgendwelchen Gründen keine
Amateurfunklizenz erwerben wollen, sondern sich auf das Zuhören beschränken.
Es sind
durchaus nicht die Schlechtesten unter uns, und die Wissenschaft hat gerade
ihrem steten und unermüdlichen Überwachen der Amateurfunkbänder sowie der
Rundfunkbänder manchen aufschlußreichen Bericht über auftretende
Unregelmäßigkeiten in den Ausbreitungsbedingungen zu verdanken.
19. Jugendgruppen
Dann aber gibt
es eine Anzahl unter uns, die zunächst auch auf das Nur - Zuhören beschränkt
ist, die aber bemüht bleibt, sobald als möglich die für eine Lizenzprüfung
notwendigen Kenntnisse zu erwerben: Es sind unsere Jugendgruppen und auch die
älteren Anfänger. Nur wer einmal erlebt hat, mit welchem Eifer gerade die
Jüngsten unter uns ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse zu erweitern
trachten, der wird zu der Überzeugung kommen, daß es uns nicht an Nachwuchs in
der großen Amateurfunkfamilie fehlen wird, und daß da eine Generation
heranwächst, die wir bei der rasanten Ausweitung der Hochfrequenztechnik
dringend notwendig brauchen werden, wenn wir immer auf den neuesten Stand der
Technik bleiben wollen.
Ausbildungskurse
werden in den Ortsvereinen des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) sowie in
den Ortsverbänden des Verbandes der Funkamateure der Deutschen Bundespost
(VFDB) und in einigen Volkshochschulen in Deutschland angeboten. Besonders
hervorgetan hat sich auf diesem Gebiet die Volkshochschule Dortmund, die mit
über 250 Amateurfunklizenzen einen besonders guten und beachtenswerten
Ausbildungsstandard erreicht hat.
20. Fuchsjagden
Ein Gebiet,
das gerade bei der Jugend sehr beliebt ist, führt den wohl merkwürdigen Namen
"Fuchsjagd". Es ist dies ein Funkpeilwettkampf.
Geschossen
wird dabei nicht, wohl aber spielt sich dieser Zweig unseres Hobbys im freien
Gelände ab. Irgendwo ist ein "Fuchs" versteckt, der - genau nach der
Uhr - zu bestimmten Zeiten für einige Minuten auf einer bestimmten Frequenz zu
hören ist und von den "Jägern" angepeilt werden muß. Wer dabei den
Fuchs oder die Füchse in der kürzesten Zeit oder auf dem kürzesten Wege
gefunden hat, ist Sieger und erhält meist einen wertvollen Preis.
Es gibt
Fuchsjagden zu Fuß (mit Geräten nicht viel größer als eine
Zigarettenschachtel!), per Fahrrad oder mit dem Auto. Und das bringt uns auf
einen anderen Zweig des Amateurfunkdienstes.
21. Mobil
Was vor Jahren
noch eine Sensation war, ist heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden:
Man kann kleine Amateurfunkstationen in sein Auto einbauen und mit einer
Antenne arbeiten, die - wenn man es richtig anstellt - nur durch einen Fachmann
von einer üblichen Autoantenne zu unterscheiden ist.
Es kommt
durchaus vor, daß man Funkamateure hört, die in den Straßenschluchten von New
York mitten im Verkehrsgewühl vor einer roten Ampel eine kleine Unterhaltung
mit einem Funkfreund im "alten Europa" haben, oder daß ein
Funkamateur mit seinem Wohnmobil vom Kap der guten Hoffnung aus auf dem Wege
nach Marokko ist und aus Tansania die ersten Reiseeindrücke in die Heimat
übermittelt.
Einen
besonderen praktischen Wert haben diese "mobilen" Funkamateure bei
Katastrophen. Es kann nämlich sein, daß in den betroffenen Gebieten die
Stromversorgung total ausgefallen ist und infolgedessen die ortsfesten
Funkamateure nicht arbeiten können. Dann bleibt aber die Mobilstation
einsatzfähig, weil sie ja von der Wagenbatterie gespeist wird und somit vom
Netz unabhängig ist. Außerdem besteht dann vielleicht die Möglichkeit das Auto
an eine Stelle zu fahren, wo eine Nachrichtenverbindung zur
"Außenwelt" besonders dringend gebraucht wird.
22. Portabel
Sehr beliebt
ist es auch, mit sehr kleinen tragbaren (portablen) Amateurfunkstationen ins
Gelände zu gehen oder auf Berge zu steigen und von dort aus mit sehr kleinen
Leistungen auf den dafür geeigneten Bändern Amateurfunkverkehr zu machen.
Je kleiner die
Geräte und die aufgewendete Leitung sind, desto interessanter ist das. Es
klingt unwahrscheinlich, daß man auf den Ultrakurzwellen von einem geeigneten
Standort aus mit wenigen Milliwatt (also wenigen Tausendstel Watt) 100
Kilometer und noch mehr einwandfrei überbrücken kann. Die Schreibtischlampe auf
Ihrem Schreibtisch verbraucht vergleichsweise ca. 60 Watt!
23. Blinde Funkamateure
Eine besondere
Teilnehmergruppe an unserem Hobby muß unbedingt erwähnt werden:
Es sind dies
die blinden Funkamateure. Wir können uns wohl alle nicht vorstellen, wie einem
Menschen zu Mute ist, der sein Kostbarstes, sein Augenlicht, verloren hat.
Manche von diesen blinden Funkamateuren haben entweder vor ihrer Erblindung die
Amateurfunklizenz erworben oder sind nachher in mühevoller Arbeit von ihren
sehenden Funkfreunden unterrichtet worden und konnten die Lizenzprüfung ablegen.
Wir alle aber
können uns sicher ein Bild davon machen, wie einem Blinden der Amateurfunk als
das schönste Geschenk erscheint, weil er ihn wieder mit der Welt in Verbindung
bringt. Ein ganz wichtiger Beitrag zur Rehabilitation in den Blindenschulen ist
der Kurs, Vorbereitung auf die Amateurfunklizenzprüfung.
24. Überseeverkehr und Diplome
Eine sehr
große Gruppe von Funkamateuren befaßt sich fast ausschließlich mit dem
Funkverkehr über sehr große Entfernungen, also bis zu 20 000 Kilometer, der
größten auf der Erde darstellbaren Entfernung (dem halben Erdumfang).
Man nennt
diesen Punkt die Antipoden. Dieser DX-Verkehr - wie er genannt wird - bietet in
der Tat Reize, die dem Amateurfunkverkehr innerhalb Deutschlands und Europa
verschlossen bleiben müssen. Denn gerade hierbei kann man Menschen, Länder und
Kulturen kennen lernen, von denen ein ahnungsloser Laie kaum den Namen kennt.
Und
hauptsächlich beim DX-Verkehr kann man die von Funkamateuren so begehrten
Diplome erwerben, die dann den Wandschmuck der Funkbude bilden.
25. Funkfernschreiben
Daß man mit
einem normalen Fernschreiber über weite Entfernungen auf Drahtleitungen
fernschreiben kann, ist wohl allgemein bekannt.
Daß das aber
ohne Drahtverbindung per Funk auch möglich ist, ist seit einigen Jahrzehnten
erprobt. Und daß dieses Funkfernschreiben mit Übersee (auch über Satelliten)
ständig angewendet wird, ist natürlich ein Grund, daß es auch Funkamateure mit
immer steigender Qualität betreiben. Es ist schon Reizvoll, daß, wenn man eine
Buchstabentaste auf seinem Fernschreibgerät drückt, im fast gleichen Moment die
Maschine des Partners (und natürlich die eigene) den Buchstaben wie eine
normale Schreibmaschine auf das Papier druckt. Mechanische Fernschreiber für
RTTY finden sich nur noch bei Liebhabern, die etwa ganze Buchstabenbilder per
Funk austauschen.
Ansonsten hat
sich die Elektronik durchgesetzt. Sie erlaubt beim Senden komfortables
Speichern von Texten sowie lautlosen Empfang verschiedenster Normen und
Geschwindigkeiten und die Ausgabe der empfangenen Zeichen auf einen normalen
Haushaltsfernseher oder den Ausdruck auf einen Drucker.
26. Packet Radio
Als neueste
Spielart von Funkfernschreiben hat sich PACKET-RADIO oder abgekürzt PR
eingeführt.
Mit diesem
Medium können nicht nur Texte übermittelt werden, sondern auch
Computerprogramme und Computerbilder. Die Übertragung erfolgt in
digitalisierter Form. Hier werden vom Computer erzeugte binäre (also nur 0 und
1) Zahlen auf der Senderseite in Töne umgewandelt, diese gesendet und beim
Empfänger wieder in Computerlesbare Signale zurückgewandelt. Im Unterschied zu
RTTY, wo nur die reine, vom Absender geschriebene Nachricht ausgesendet wird,
packt bei Packet-Radio (PR) der Computer jeden Text in ein Paket, das aus drei
bis vier Teilen besteht. Hierdurch ist es möglich, mehrere Verbindungen auf der
gleichen Frequenz stattfinden zu lassen - der Computer sucht sich die für ihn
bestimmten Pakete automatisch heraus.
Packet Radio
ist die jüngste digitale Betriebsart - es gibt hier noch viele offene Fragen.
Doch die Gemeinschaft der Funkamateure mit Mitgliedern aus allen Wissens- und
Fachgebieten wird diese über kurz oder lang beantworten - um sich dann neuen
Ideen zuzuwenden.
Mehr: Betriebsarten
27. Amateurfunkfernsehen
Und die
Funkamateure betreiben nicht nur solch technisch komplizierte Formen der
Nachrichtenübermittlung, sondern sie haben sich an die schwierigste Sparte der
Nachrichtenübermittlung herangewagt, nämlich an das Fernsehen. Seien wir
ehrlich: Wir alle bewundern den Erfindungsgeist des Menschen, wenn wir vor dem
Fernseher sitzen und Ereignisse sehen und hören können, die sich in weiter
Entfernung abspielen. Und bleiben wir ehrlich: wer von uns - außer den
Fachleuten - versteht, wie das zugeht, und was die einzelnen Widerstände,
Kondensatoren, Röhren und Transistoren in dem Gehäuse hinter der Mattscheibe
leisten sollen und auch tatsächlich leisten?
Es sind auch
nur die fähigsten aus der ganzen Amateurfunkfamilie, die Amateurfunkfernsehen
betreiben. Aber diese wenigen bauen sich auch den größten Teil ihrer Geräte
selbst oder bauen alte kommerzielle Geräte für ihre speziellen Bedürfnisse um.
Eine
Besonderheit des Amateurfernsehens sei hier noch angesprochen: Es handelt sich
um "Slow Scan Television" (SSTV) = Schmalbandfernsehen. SSTV dient
der Übertragung von Standbildern in einen Sprechfunkkanal. Dadurch können auf
der Kurzwelle mit Hilfe eines normalen Funkgerätes weltweit Bilder übertragen
werden. In der Grundnorm benötigt ein Bild 8 Sekunden. Spezialisten übertragen
weltweit auch schon Farbbilder, die dann ca. 24 Sekunden benötigen.
28. Erde - Mond - Erde
Der
Vollständigkeit halber soll noch von einem anderen Experiment die Rede sein,
das überwiegend in Gruppen, aber auch schon von Einzelpersonen durchgeführt
wird.
Während des
letzten Krieges wurde so nebenbei festgestellt, daß ein hochfrequentes Signal,
das man auf sehr hohen Frequenzen mit einer guten Richtantenne in Richtung auf
unseren Mond abstrahlte, von diesem reflektiert und wieder zur Erde
zurückgestrahlt wurde. Wenn man einen sehr empfindlichen Empfänger benutzte -
der Mond hat ja keine glatte und ebene Oberfläche wie ein Spiegel und
reflektiert die auftreffende Funkwelle in alle möglichen Richtungen - konnte
man das Signal nach einer Laufzeit von etwas mehr als zwei Sekunden wieder
empfangen.
Das verleitet
natürlich besonders experimentierfreudige Funkamateure zu den Versuchen, den
Mond von Europa aus mit elektromagnetischen Wellen "anzublasen" und
den davon reflektierten Anteil in Amerika oder anderswo auf der Erde zu
empfangen und umgekehrt. So kann man sich mit Hilfe des Mondes auf den
Ultrakurzwellen über viele tausend Kilometer in reinem Amateurfunkverkehr
verständigen. Viele dieser Experimente sind im zwei Meter-Band und auf dem 70
Zentimeter-Band gelungen. Es zeigt sich auch hier, daß die kürzeren Wellen
besser geeignet waren als die längeren. Selbstverständlich ist der Aufwand bei
solchen Experimenten sehr groß (Parabolspiegel oder gute Richtantennen, extrem
empfindliche Empfänger, Nachführung der Antennenanlage entsprechend dem Lauf
des Mondes usw.), so daß diese Anwendung relativ selten ist.
29. Antennen, Antennen, Antennen
Etwas, was man
sicherlich das "Thema Nr. 1" bei Funkamateuren nennen könnte, ist der
Aufbau einer leistungsfähigen Antenne.
Immer wieder
hört man auf den "Bändern", wie zwei Funkamateure über eine besonders
wirkungsvolle Antennenkonstruktion diskutieren und sich bald mehr und mehr
Interessenten mit Zwischenfragen und Anregungen an dieser Diskussion beteiligen.
Es ist ja
nicht immer leicht, von Hausbesitzern ohne weiteres die notwendige Genehmigung
zum Erstellen von Antennenanlagen oder zum Aufhängen von Langdrahtantennen zu
bekommen. Auf der anderen Seite aber kann mit um so weniger Energie um so mehr
erreicht werden, je besser die Antenne ist. Hier bietet sich für jeden Haus-
und Grundbesitzer Gelegenheit, durch verständnisvolles Eingehen auf die Wünsche
des Funkamateurs auch einen Beitrag zu der völkerverbindenen Sache des Amateurfunks
zu leisten!
30. Morsetelegraphie oder
Sprechfunk
Über Technik
sollte hier ja nicht gesprochen werden, wir wollen ja für alle verständlich
bleiben. Aber vermutlich werden schon lange einzelne Leser die Frage auf den
Lippen haben, ob die Funkamateure eigentlich mit Hilfe des Morsealphabets
telegrafieren oder ob sie in ein Mikrofon sprechen wie beim Telefon.
Diese Frage
ist schnell beantwortet. Während in anderen Ländern die Telefonie schon recht
früh angewendet wurde (und auch angewendet werden durfte), ist das bei uns in
Deutschland erst nach dem letzten Kriege durch das "Gesetz über den
Amateurfunk" vom 14. März 1949 gestattet worden. Das trotzdem bei der
Lizenzprüfung bestimmte Fertigkeiten im Geben und Hören von Morsezeichen nachgewiesen
werden müssen, wird von den Bestimmungen des Internationalen Fernmeldevertrag
gefordert. Der Grund dafür ist der, daß man an die Möglichkeit der
Katastrophenhilfe und die größere Reichweite der kleinen Amateurfunksender beim
Telegraphieren gedacht hat. In der neueren Zeit sind die Bestimmungen dem Stand
der Technik angepaßt worden und gestatten es, eine Amateurfunklizenz ohne
Morsekenntnisse, aber nur auf den Ultrakurzwellenbändern und mit einer
eingeschränkten Ausgangsleistung von 75 Watt zu erwerben.
Telefonie kann
man übrigens auf verschiedene Arten machen, und es war erstaunlich, mit welchem
Engagement die Funkamateure zu der "Einseitenbandmodulation" (übliche
Abkürzung = SSB) übergegangen sind, die in der Reichweite der Telegraphie
nahekommt und außerdem viel weniger Platz auf den vollen Amateurfunkbändern
belegt. Außerdem fallen bei Ihr die häßlichen Pfeiftöne weg, wenn ein Sender
dem anderen in der Frequenz sehr nahe kommt, und die Verständlichkeit der
Telefonie arg mindern können.
Die SSB -
Technik ist übrigens nicht einfach zu beherrschen; wenn also ein Funkamateur
ein SSB -Gerät selbst baut, kann man vor ihm getrost den Hut ziehen.
31. Und wer kann das alles
bezahlen?
Noch eine
Frage schwebt in der Luft:
Wer kann denn
das alles bezahlen?
Es ist
natürlich nicht billig, wenn man eine komplette SSB - Station mittlerer
Leistung fertig im Laden kauft. Und auch wenn man alles selbst baut -
vorausgesetzt, daß man die notwendigen technischen Kenntnisse besitzt - kosten
doch schon allein die Bauteile für einen unbemittelten Anfänger ein kleines
Vermögen. Das ist richtig! Aber hier sollte man einmal vernünftig denken:
Wenn man ein
Haus baut, fängt man ja auch nicht beim Dach und beim Außenputz an. Und genauso
ist es in der Amateurfunktechnik. Beim Hausbau spuckt man zuerst einmal in die
Hände und beginnt dann mit dem Ausschachten der Baugrube. Und wer ein wirklich
gewandter Funkamateur und Hochfrequenzspezialist werden will, der sollte sich
nicht scheuen und ganz klein (und ganz billig!!) anfangen. Auch der, der die
Technik bisher sehr mißtrauisch angesehen hat, wird einen Luftsprung tun, wenn
das allerkleinste Versuchsgerät - beispielsweise ein Detektorempfänger -
wirklich geht. Und - Sie werden es vermutlich zuerst nicht glauben - ein
brauchbarer einfacher Amateurfunk - Geradeausempfänger (was dieser toller
Ausdruck bedeutet, werden Sie dabei lernen) kann schon für 50.- bis 100.- DM
hergestellt werden, wenn man die richtigen Quellen für die Bauteile kennt.
Und die große
Befriedigung dabei ist, daß man alles mit eigenen Händen selbstgebaut und dabei
gelernt hat, wie es funktioniert. Wer einige Zeit mit einem solchen einfachen
Gerät in die Amateurfunkbänder hineingehört hat, hat dabei die Amateure und
ihre Technik besser kennengelernt, als sich hier mit wenigen Worten schildern
läßt.
32. QSL-Karten
Ist Ihnen
bekannt, daß sich die Funkamateure jede erste Verbindung mit einem Partner
durch eine sogenannte QSL-Karte schriftlich bestätigen?
Diese Karten
werden nun nicht etwa durch die Post verschickt; das würde ja Unsummen an Porto
kosten. Sie werden in jedem Lande einer Sammelstelle zugeleitet, die sie
sortiert an die Amateurfunkvereinigungen der anderen Länder schickt und ebenso
die eingehenden Karten über die Ortsverbände des eigenen Clubs dem Empfänger
zustellt. Mancher Funkamateur befestigt diese Karten mit Reißzwecken an der
Wand seiner Funkbude, schon allein um seine Leistungen ständig vor Augen zu
haben.
Darüber hinaus
erspart er sogar noch eine besondere Amateurfunktapete.
33. Die große Amateurfunkfamilie
Dies war bis
hierhin ein kurzer und wahrscheinlich nicht vollständiger Überblick über die
Tätigkeit der so geheimnisvollen Funkamateure.
Sie sehen, es
sind (zumeist) brave Leute, die mit einem großen Idealismus und zäher
Beharrlichkeit bemüht sind, in alle Geheimnisse einer der interessantesten und
zukunftsträchtigsten Techniken unserer Zeit einzudringen. Sie kommen übrigens
aus allen nur erdenklichen Berufen, angefangen beim regierenden König bis zum einfachsten
Arbeiter, Männer und Frauen, Geistliche und Laien und Menschen jedes religiösen
Bekenntnisses, jeder Hautfarbe und jeder politischen Meinung.
Und alle sind
eine große Familie!
34. Jedem das Seine
Viele von
Ihnen, liebe Leser, werden sich sicherlich denken, all die vielen aufgezählten
Gebiete kann doch unmöglich ein einzelner Mensch betreiben.
Das stimmt
durchaus; aber jeder kann sich auf dem Gebiet betätigen, das ihm Freude macht.
Da gibt es Funkamateure, die das Entwerfen und Berechnen neuer Schaltungen
lieben; wenn ein Gerät nach manchmal monatelanger Arbeit alle Wünsche voll und
ganz erfüllt, dann wird es in der Praxis ausprobiert und dann wieder
auseinandergenommen und ein neuer Entwurf entsteht.
Wieder andere
sind froh, wenn ihre Station einwandfrei arbeitet, und haben dann ihren Spaß
daran, sich mit Freunden fast täglich zu treffen und zu unterhalten. Manche
begnügen sich mit Nahverkehrsverbindungen (Deutschland und Europa), andere sind
DX-Leute, also Funkamateure, die Amateurfunkverkehr nach Übersee machen und
möglichst große Entfernungen überbrücken und glücklich sind, wenn sie ein neues
dünn besiedeltes Land oder eine kleine Insel oder eine wissenschaftliche
Expedition am Südpol oder in Zentralafrika erreichen konnten.
35. Fremdsprache oder nicht?
Hier taucht
nun die Frage auf, in welcher Sprache sich die Funkamateure verständigen.
Man kann wohl
sagen, daß sich im Funkverkehr (ebenso wie in der Navigation und beim
internationalen Flugverkehr) die englische Sprache als Weltsprache durchgesetzt
hat. Man wird aber erstaunt sein, in den Amateurfunkbändern zu hören, in
wievielen Ländern auch - zum Teil sehr gut - deutsch gesprochen wird.
Wer Wert auf
die persönlicher wirkende Telefonie legt, wird gut daran tun, seine
Sprachkenntnisse wieder etwas aufzufrischen. Französisch wird z.B. in sehr
großen Teilen von Nord- und Zentralafrika gesprochen. Spanisch, das man ja
nicht nur in Spanien spricht, sondern auch in Teilen Marokkos, auf den
Philippinen und in ganz Südamerika (außer in Brasilien).
Und was macht
nun derjenige, der nicht das Glück hatte, in der Schule eine Fremdsprache zu
erlernen? Er braucht sicherlich nicht zu verzagen; denn er kann sich mit vielen
Funkfreunden auf der Welt auch in der deutschen Sprache unterhalten, er kann aber
auch in Telegraphie arbeiten und sich dadurch mit jedem Funkamateur der Welt
verständigen. Es gibt nämlich seit der allerersten Zeit des Funks verschiedene
Code, die jedem zugänglich sind und auf der ganzen Welt die gleiche Bedeutung
haben, wie z.B. den Q-Code oder die internationalen Amateurfunkabkürzungen.
Dabei besteht jedes Wort nur aus einen Q und weiteren Buchstaben.
Die
Amateurfunkabkürzungen sind Buchstabengruppen die aus der englischen Sprache
abgeleitet worden sind. Sie werden ebenso in der kommerziellen Telegraphie
angewendet wie bei den Funkamateuren. Diese Codierung ist als "offene
Sprache" allgemein anerkannt. Die Funkamateure dürfen nämlich nur offene
Sprache oder die genannten Code benutzen; denn wer sollte wohl sonst bei den
regionalen Funkstörungsmeßstellen des Bundesamtes für für Post und
Telekommunikation (BAPT) feststellen, ob sie Amateurfunkverkehr machen oder
nicht? Jedenfalls ist es auf dieser Weise möglich, daß man sich ohne jegliche
Sprachkenntnisse mit jedem anderen Funkamateur auf der Welt in Telegraphie
recht gut verständigen kann.
36. Schwarzsenden und seine
Folgen
An dieser
Stelle muß aber mit großem Ernst und nachdrücklich darauf hingewiesen werden,
daß es verboten ist, sich mit Hilfe von erworbenen technischen und betrieblichen
Kenntnissen ohne Genehmigung der Lizenzbehörde einen Sender aufzubauen und in
Betrieb zu nehmen.
Das wäre
Schwarzsenderei und kann streng bestraft werden. Und wenn es sich um das
kleinste Senderchen handeln würde, das eben gerade eine abendliche Unterhaltung
mit einem Freunde in einem Nachbarviertel ermöglichen soll -, niemand weiß, wie
weit die Sendung tatsächlichzu hören ist; und die ständig, rund um die Uhr,
besetzten regionalen Funkstörungsmeßdienststellen des Bundesamtes für Post und
Telekommunikation - haben hochempfindliche Peilempfänger und gute Ohren.
Besonders auf der Ultrakurzwelle ist Schwarzsenden ohne ausreichende technische
Kenntnisse sogar ausgesprochen gefährlich; denn wenn man dabei - was schon
durch einen leichten Fingerdruck auf eine Abstimmspule geschehen kann - aus dem
Amateurfunkband herausrutscht, kann es passieren, daß man den
Flugsicherungsdienst stört und womöglich eine Flugzeugkatastrophe verursacht.
Dann bleibt es
nicht bei einer Strafe und Einzug der benutzten Geräte; dann kann man sich
finanziell für das ganze Leben ruinieren und bekommt darüber hinaus nie eine
Lizenz. Also, verehrter Leser, zuerst durch eine gediegene Ausbildung die
Amateurfunklizenz bei dem Bundesamt für Post und Telekommunikation (BAPT)
erwerben.
37. Das schönste Hobby der Welt
Zusammenfassend
kann gesagt werden:
Der
Amateurfunk ist eine durchaus legitime und ernstzunehmende Sache.
Er ist darüber
hinaus das interessanteste und schönste Hobby, das wegen des Eindringens der
Fernmeldetechnik in fast alle Gebiete des menschlichen Lebens auch jedem
einzelnen beruflich von großem Nutzen sein kann. Er ist das einfachste und
billigste Mittel, andere Länder, Völker, Sitten und Gebräuche kennen und
verstehen zu lernen und Freunde in aller Welt zu gewinnen.
Und - der
Amateurfunk ist sicherlich das beste Mittel zur Erhaltung des Friedens auf der
Erde - denn, man spricht halt miteinander